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Interview mit Jean-Pierre Clamadieu: Rhodia für profitables Wachstum gerüstet

11.03.2013 -

Rhodia für profitables Wachstum gerüstet. Als Jean-Pierre Clamadieu Ende 2003 als CEO von Rhodia berufen wurde, stand der französische Chemiekonzern kurz vor dem Bankrott. Er leitete eine umfassende Reorganisation ein. Schritt für Schritt hat sich das Unternehmen seither straffer und effizienter organisiert, Kosten gesenkt und nicht strategische Aktivitäten veräußert. Heute ist Rhodia ein globaler Spezialitätenchemiekonzern mit einem Umsatz von 5 Mrd. €, einem positiven Betriebsergebnis und anerkannten Technologiekompetenzen bei Performance Materials, Applications Chemistry und Organics & Services. Wie erfolgreich war die Umwandlung, wo steht Rhodia heute und welche Ziele hat Jean-Pierre Clamadieu für die Zukunft? Diese Fragen stellte Dr. Michael Reubold dem Rhodia-Chef.

CHEManager: Herr Clamadieu, wo steht Rhodia heute im Vergleich zum Jahr 2003?

Jean-Pierre Clamadieu: Dank der Anstrengungen all unserer Mitarbeiter in den letzten drei Jahren ist Rhodia auf dem besten Wege zu seiner Sanierung. Erstmals seit 2000 konnten wir im zweiten Quartal 2006 mit 78 Mio. € ein positives Betriebsergebnis ausweisen. Unsere Geschäftsbereiche haben sehr gute Ergebnisse zu verzeichnen, vor allem weil wir in der Lage waren, unsere Preise zu erhöhen bei gleichzeitiger Reduzierung unserer Kosten. Rhodia hat heute ein gestrafftes Produktportfolio, das zu zwei Dritteln seines Umsatzes aus Geschäftsbereichen besteht, in denen wir weltweit Marktführer sind.

Im Mai hat Rhodia für das erste Quartal 2006 ein Umsatzwachstum von 9,4% gegenüber dem Vergleichszeitraum 2005 bekannt gegeben. Der Anstieg wurde vorwiegend auf Wechselkurseffekte, aber auch auf größere Verkaufsmengen und Preissteigerungen zurückgeführt. Hat sich dieser Trend auch im zweiten Quartal fortgesetzt?

Jean-Pierre Clamadieu: All unsere Geschäftsbereiche konnten ein solides Nachfrageniveau registrieren. Dadurch war es uns möglich, Preiserhöhungen durchzusetzen, mit denen der Anstieg der Rohstoffpreise aufgefangen werden konnte. In Verbindung mit unseren stetigen Maßnahmen zur Fixkostensenkung führte das zu einer Steigerung unseres EBITDA um 18 % gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Mit einer EBITDA-Marge von 14,2% stehen wir im Vergleich mit unseren Wettbewerbern gut da. Wir sind auf dem besten Wege zur Erreichung unserer Ziele für 2006: einer EBITDA-Marge über 13 % und einem positiven Nettojahresergebnis.

Welche Finanzziele haben Sie sich mittelfristig gesetzt und inwieweit haben Sie diese bereits umgesetzt?

J.-P. Clamadieu: Mittelfristig wollen wir im Jahr 2008 eine EBITDA-Marge von 15 % erzielen sowie die Nettoverschuldungsrate gegenüber dem EBITDA unter 2,2% senken. Ich bin zuversichtlich, dass wir gute Voraussetzungen besitzen, diese Ziele zu erreichen.

Ende 2003 hatte Rhodia einen Plan zur Kostensenkung angekündigt, mit dem Ziel, bis 2005 rund 120 Mio. € zu sparen. Wo stehen Sie heute?

Jean-Pierre Clamadieu: Unser Kostensenkungsprogramm hat wesentlich zu unserer Sanierung beigetragen. Im Jahre 2004 konnten wir 115 Mio. € einsparen, 2005 weitere 113 Mio. €. Kostensenkung ist ein kontinuierlicher Prozess, allerdings müssen wir darauf achten, dass weitere Sparmaßnahmen nicht zu Lasten unserer Wachstumsdynamik gehen.

Im ersten Quartal hat Rhodia den Verkauf der Auftragssynthesesparte sowie des Latexgeschäfts abgeschlossen. Wie haben die Veräußerungen in den letzten drei Jahren das Gesicht von Rhodia verändert?

Jean-Pierre Clamadieu: In den vergangenen drei Jahren haben wir unser Portfolio auf unser Kerngeschäft zurückgeführt, und zwar auf jene Sparten, in denen wir über starke Marktpositionen verfügen. Aktivitäten wie Latex, Phosphate oder Silikondichtungsmassen, für die wir keine Perspektive für eine Marktführerschaft sahen, wurden verkauft. Wir haben die Geschäftsbereiche mit geringer oder negativer Rentabilität veräußert, wie z. B. die pharmazeutische Auftragssynthese, die ein großer Verlustbringer war. Wie ich eingangs schon sagte, sind wir heute Marktführer bei zwei Dritteln unserer Aktivitäten.

Was sind heute Rhodias strategische Kerngeschäfte und welche Strategie zur weiteren Entwicklung dieser Aktivitäten haben Sie?

Jean-Pierre Clamadieu: Unsere strategisches und operatives Geschäft stützt sich auf die folgenden drei Geschäftsfelder: Performance Materials, Functional Chemicals und Organics & Services. Performance Materials, etwa 45 % unseres Umsatzes, umfasst Polyamid (Intermediates & Technische Kunststoffe) sowie Zelluloseacetat für Zigarettenfilter (Acetow). Functional Chemicals, das sind unsere Geschäftsbereiche Novecare und Silcea, generieren 35 % unseres Umsatzes, während Organics und Rhodia Energy Services zusammen 20 % ausmachen. Organics befindet sich derzeit noch in einer Restrukturierungsphase. Für alle anderen Geschäftsbereiche heißt die Priorität rentables Wachstum. Entscheidend für Rhodia ist, in den Wachstumsmärkten wie Asien und Brasilien, in denen wir bereits jetzt gut vertreten sind, weiter zu expandieren. Dabei sehen wir die Innovation als einen wichtigen Wachstumsmotor an, besonders für Geschäftsbereiche wie Novecare und Silcea.

Wollen Sie noch weitere nicht strategische Aktivitäten veräußern?

Jean-Pierre Clamadieu: Wir haben uns entschieden, unsere Polyamid-Aktivitäten auf die Sektoren Intermediates und Technische Kunststoffe zu konzentrieren – zwei Bereiche, in denen wir technologisch sehr stark sind und einen beachtlichen Marktanteil innehaben. Das heißt, wir suchen nach passenden Gelegenheiten, um die anderen Downstream-Aktivitäten Textilgarne und Technische Fasern zu veräußern.

Seit 2005 haben Sie Investitionen in neue Werke in China und Südkorea angekündigt, die 2007/2008 in Betrieb gehen sollen. Wie ist Rhodia in Asien positioniert und welche Rolle spielt Asien in Ihrer Strategie?

Jean-Pierre Clamadieu: Eine der positiven Seiten unseres Erbes von Rhône- Poulenc ist eine bedeutende und langjährige Präsenz in Asien. Wir sind seit 25 Jahren in China und seit 30 Jahren in Korea aktiv. Heute haben wir mehr als 3.300 Mitarbeiter an 23 Standorten in diesen beiden Ländern. Die Märkte, in denen wir aktiv sind, wachsen dort jährlich um 10 % bis 20 %, und wir sehen für die Zukunft weitere gute Entwicklungsperspektiven für uns.

Welche bedeutenden Investitionen haben Sie geplant?

Jean-Pierre Clamadieu: Rhodias strategische Prioritäten sind ganz klar: Wir wollen uns auf jene Aktivitäten konzentrieren, in denen wir über weltweit führende Positionen verfügen. Aufgrund des Wachstums der Märkte, die wir bedienen, wird unser Investitionsschwerpunkt in Asien liegen. „Unser Investitionsschwerpunkt wird in Asien liegen.”

Ihre Geschäftsbereiche konzentrieren sich auf innovationsstarke Märkte wie Automobil, Elektronik, Pharma, Agrochemie, Kosmetik oder Coatings. Welche Rolle spielt Innovation in Ihrer Wachstumsstrategie und welche Portfoliosegmente sind die hauptsächlichen Innovationsträger bei Rhodia?

Jean-Pierre Clamadieu: Wir geben etwa 3% unseres Umsatzes für Forschung und Entwicklung aus, unter anderem für die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Produktionsprozesse. Produktinnovation hat ebenfalls Priorität für uns, damit wir den Bedürfnissen unserer Kunden nachkommen können. So entwickeln wir zum Beispiel jährlich rund 100 neue Produkte oder Formulierungen allein für die Märkte Kosmetik und Automobil. Geografisch gesehen, wollen wir unsere Forschungseinrichtungen in China weiter ausbauen, bei gleichzeitiger Beibehaltung unserer starken Forschungskapazitäten in Frankreich, Brasilien und den USA.

Sie sind – über Rhodia Energy Services – einer der Hauptakteure im Handel mit CO2-Emissionszertifikaten. Was erwarten Sie von diesem Geschäft?

Jean-Pierre Clamadieu: Als einer der weltweit größten Hersteller von Adipinsäure entwickelten wir bereits Anfang der 1990er Jahre in unserem Werk in Chalampé in Frankreich eine Technologie, die den Ausstoß von NOx, einem wichtigen Vertreter der so genannten Treibhausgase, signifikant reduziert. Jetzt investieren wir in ähnliche Projekte für unsere Adipinsäureanlagen in Korea und Brasilien, durch die Rhodia in den Genuss von CO2-Emissionszertifikaten im Rahmen des so genannten Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (Clean Development Mechanism) des Kyoto-Protokolls kommt. Die Vermarktung dieser Zertifikate wird einen zusätzlichen Gewinn für Rhodia bringen, über die Zielmarke einer 15 % EBITDAMarge im Jahre 2008 hinaus.

www.rhodia.com

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