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Katalyseforschung: Süd-Chemie und TUM vereinbaren strategische Allianz

Prof. Wolgang Herrmann und Dr. Günter von Au im Interview

23.02.2011 -

Die Süd-Chemie und die Technische Universität München (TUM) haben eine strategische Allianz „Munich Catalysis" zur Katalyseforschung vereinbart. Zentrales Thema der Zusammenarbeit wird neben der Grundlagenforschung im Bereich der Katalyse die Entwicklung innovativer Katalysatoren als Schlüsseltechnologie zur nachhaltigen Sicherung des weltweit steigenden Bedarfs an Energie und chemischen Grundstoffen sein. Dr. Margareta Dellert-Ritter befragte den Vorstandsvorsitzenden der Süd-Chemie, Dr. Günter von Au, und den Präsidenten der TUM, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang A. Herrmann, über Hintergründe und Zukunftsperspektiven dieser Allianz.

CHEManager: Herr Dr. von Au, Herr Professor Herrmann, welche Philosophie steht hinter der Kooperation der TUM und Süd-Chemie?

Günther von Au: Die Entwicklung innovativer Lösungen der großen Herausforderungen der Zeit war stets ein Grundprinzip der Süd-Chemie. So wie unser Gründervater Justus von Liebig im 19. Jahrhundert Kunstdünger zur Linderung der angespannten Ernährungssituation in Bayern herstellte, entwickeln wir heute Lösungen für den nachhaltigen Ersatz von Erdöl als Basisressource der Chemie. Die Katalyse - Leittechnologie des 21. Jahrhunderts und Kernthema unserer Kooperation mit der TUM - spielt hier eine zentrale Rolle. So haben wir uns die Erforschung neuer erdölunabhängiger Herstellungswege von Olefinen aus Kohle, Erdgas oder Biomasse ebenso auf die Fahne geschrieben wie die Abtrennung des reaktionsträgen Treibhausgases CO2 aus Kraftwerksprozessen und seine Nutzung als Synthesebaustein von Energieträgern oder Chemiegrundstoffen.

Wolfgang A. Herrmann: Mit der Allianz Munich Catalysis bearbeiten wir an ausgewählten Beispielen die gesamte Wertschöpfungskette katalytischer Prozesse, also von der Katalysatorbasis bis zur technischen Umsetzung. Damit ist Katalyse bei uns nicht schmales Expertentum, sondern ein integrierter Ansatz unter Beteiligung aller einschlägigen Fachexpertisen. Munich Catalysis passt damit perfekt in das hochschulweit wirksame TUM Catalysis Research Center, das derzeit für ca. 60 Mio. € einen Neubau auf dem Campus Garching bekommt - Fertigstellung ist 2012.

Welche Bedeutung hat dieses Projekt für die Kooperationspartner?

Günther von Au: Eine Wegweisende! Wir bündeln unsere zahlreichen Kooperationen mit der TUM in der Katalyseforschung in einem langfristigen Gesamtkonzept. Im Sinne eines „Industry on Campus"-Konzepts werden TUM-Wissenschaftler mit Süd-Chemie-Forschern an den wichtigsten Fragestellungen der Katalyseforschung arbeiten.

Wolfgang A. Herrmann: Als unternehmerische Universität ergänzen wir mit Munich Catalysis die akademische Grundlagenforschung. Wir bleiben mit konkreten Anwendungsprojekten am Puls der Industrie. Dies wird ständig aktuelle, industrierelevante Fragestellungen in unsere Katalyseforschung einspeisen. So ist Munich Catalysis ein „Tauschplatz des Wissens" zwischen Hochschule und Industrie. Letztendlich sorgt das dafür, dass unsere Studenten lernen, was ihre zukünftigen Arbeitgeber von ihnen erwarten: Systemdenken! Und wir verkürzen den Weg guter Ideen von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung. Die beteiligten Doktoranden sind Mitglieder der TUM Graduate School, wo sie auch überfachliche Kompetenzen und Auslandserfahrung erwerben.

Für welchen Zeitrahmen ist die Kooperation angedacht?

Günther von Au: In unserem Rahmenvertrag haben wir die Zusammenarbeit zunächst für 10 Jahre vereinbart. Im Erfolgsfall - wovon wir fest ausgehen - werden wir sie darüber hinaus fortsetzen.

Wolfgang A. Herrmann: Munich Catalysis setzt laufende Kooperationen logisch fort, bündelt und ergänzt sie. Wir schaffen damit den Rahmen für eine langfristige Zusammenarbeit.

Wie sehen die finanziellen Rahmenbedingungen aus?

Günther von Au: Wir fördern die Forschungen an der TUM mit bis zu 2 Mio. € pro Jahr. Unser Engagement soll durch das Einwerben von zusätzlichen Fördergeldern für die Munich Catalysis Projekte weiter aufgewertet werden. Insgesamt investiert die Süd-Chemie deutlich über 5% ihres Umsatzes in die Entwicklung neuer Produkte und Technologien. Damit gehören wir zu den forschungsstärksten Chemieunternehmen der Welt. In die Katalyseforschung investieren wir übrigens noch deutlich mehr.

Wolfgang A. Herrmann: Die TUM bringt hier ihre vielfältige Expertise ein. Die Berufungspolitik der letzten Jahre hat sich stark an den Zielen des TUM Catalysis Research Center ausgerichtet, weitere neue Professuren sind in der Pipeline. Dies unterstützt die Süd-Chemie mit den finanziellen Beiträgen, wie sie der Vertrag festlegt.

Welches Know-how stellt die TUM zur Verfügung?

Günther von Au: Die TUM verfügt in der Katalyse über eine breite Expertise, die ihresgleichen in Deutschland sucht. Sie reicht von theoretisch arbeitenden Gruppen über Gruppen mit präparativer Ausrichtung bis hin zur angewandten, industriellen Katalyse. Nicht zu vergessen die Physik und Ingenieurwissenschaften, deren Beitrag für das Auffinden innovativer Lösungen zu komplexen Fragestellungen essentiell ist. Wir wollen die genannten Expertisen in interdisziplinären Projektgruppen zusammenbringen, damit sie sich zur Lösung komplexer Aufgabenstellungen gegenseitig befruchten.

Wolfgang A. Herrmann: Die klassischen Bereiche der chemischen Katalyse, das Erforschen neuer Reaktions- und Synthesewege sowie die Aufklärung von Reaktionsmechanismen, sind an der TU München traditionell sehr stark. Beispiele sind die Metallorganische Chemie, die Polymerchemie, die Technische Chemie, die Verfahrenstechnik und neuerdings auch ihre biowissenschaftlichen Varianten. Im Katalyseforschungszentrum bringen wir alle Kompetenzen für zukunftsweisende neue Forschungsansätze zusammen. Insbesondere die Einbindung der Informatik und der Ingenieurwissenschaften erweitert die Möglichkeiten bei Themen wie Laborautomation oder Mikrosystemtechnik.
Viele großtechnische Prozesse sind im Detail noch wenig verstanden. Simulationsrechnungen ermöglichen hier neue Optimierungsstrategien. Chemie und Physik liefern neue Erkenntnisse über Nanostrukturen oder können das Verhalten einzelner Moleküle auf der Katalysatoroberfläche untersuchen. Nicht zuletzt die enge Zusammenarbeit mit dem Institut für Nanotechnologie und Nanomaterialien sowie mit den Exzellenzclustern Munich Advanced Photonics und Nanosystems Initiative Munich hier in Garching liefern exzellente Voraussetzungen für innovative Lösungen. Eine neue Ausrichtung der Katalyse bietet sich neuerdings in der Elektrochemie, die wir an der TUM neu als Lehrstuhl eingerichtet haben - Stichwort: Elektromobilität. Elektrodenprozesse leben von Katalysephänomenen!

Inwieweit wird die Süd-Chemie infolgedessen ihr Katalysatorprogramm erweitern?

Günther von Au: Neben der Grundlagenforschung ist ein zentrales Thema unserer Zusammenarbeit die Entwicklung von Katalysatoren zur Sicherung des weltweit steigenden Bedarfs an Energie und chemischen Grundstoffen. Natürlich ist es von der Grundlagenforschung zum marktfähigen Produkt ein weiter Weg. Aber es ist unser Anspruch, hervorragende Forschungen auch in neue oder bessere Produkte umzusetzen.

Welche Zielsetzungen verfolgen Sie mit dieser Kooperation mittel- und langfristig?

Günther von Au: Um einmal den Präsidenten der TUM zu zitieren: Wir müssen die Rohstoffe in den Köpfen der Menschen bestmöglich fördern und nutzen. Mit dieser Allianz wollen wir die akademische Basis in der TUM auf dem Zukunftsfeld der Katalyse insgesamt stärken - und damit natürlich auch die Innovationskraft der Süd-Chemie.

Wolfgang A. Herrmann: Bei knapper werdenden Rohstoffen und steigenden Energiepreisen wird die Katalyse zu einer interdisziplinären Zukunftstechnologie. Dafür müssen die Hochschulen nicht nur das nötige Wissen schaffen, sondern auch die nötigen Wissenschaftler. Mit dem neuen Zentralinstitut für Katalyseforschung bündelt die TUM die Hochschulforschung in der chemischen Katalyse. Als industrienahe Forschungskooperation spielt Munich Catalysis dabei eine wichtige Rolle. Mit Munich Catalysis werden wir nicht nur Erkenntnisse liefern sondern auch Lösungen für aktuelle Probleme.

Lesen Sie das Interview in voller Länge in der GIT Labor-Fachzeitschrift, Ausgabe 1/2011.

 

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