Standorte & Services

Standortbetreiber InfraLeuna baut Solarpark

45-MW-Fotovoltaikanlage soll Chemieunternehmen mit grünem Strom versorgen

23.03.2022 - Der Chemiepark Leuna investiert in die Versorgung mit erneuerbaren Energien.

Auf einer großen Hochhalde am Standort in Sachsen-Anhalt ist der Bau eines Solarparks mit einer Leistung von 45 MW geplant. Es sei das bisher „größte derartige Projekt in der deutschen Chemieindustrie“, sagt Christof Günther, Geschäftsführer der Chemieparkgesellschaft InfraLeuna. Die Chemieunternehmen am Standort würden zunehmend Ökostrom nachfragen. „Wer grüne Produkte erzeugen will, benötigt auch grünen Strom“, so Günther weiter.

Auf dem Areal direkt am Chemiepark wurden über 80 Jahre lang Aschen aus Kraftwerken gelagert. Die Fläche sei bisher ungenutzt, durch den Solarpark werde auch das Landschaftsbild nicht beeinträchtigt, erklärt Günther. Baustart soll noch in diesem Jahr sein. Die Investitionssumme wurde nicht genannt, dürfte sich nach Branchenexperten aber im mittleren zweistelligen Millionenbereich bewegen. Es ist schon das zweite Großprojekt dieser Art, das in Leuna in diesem Jahr angestoßen wurde. Bereits Anfang 2022 kündigte der Landwirtschaftsbetrieb AVG Mücheln an, einen Solarpark für die Chemie­industrie in Leuna errichten zu wollen. Dieser soll schrittweise entwickelt werden und könnte sogar bis zu 100 MW Leistung erbringen.

Der Landwirtschaftsbetrieb hat als Partner bisher u.a. den Gasehersteller Linde gewonnen, der in Leuna eine Elektrolyseanlage zur Produktion von grünem Wasserstoff errichtet. Mitte 2022 soll in dem Chemiekomplex der größte PEM-Wasserstoff­elektrolyseur der Welt mit 24 MW Leistung in Betrieb genommen werden, teilte Linde mit. Die Anlage, die mit grünem Strom Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufspaltet, könne pro Jahr z.B. 600 Brennstoffzellenbusse für eine Reichweite von 40 Mio. km versorgen.

Auch TotalEnergies, das am Standort eine große Kraftstoffraffinerie betreibt, investiert in Anlagen zur Produktion von grünem Wasserstoff. Zusammen mit dem Dresdner Unternehmen Sunfire soll grünes Methanol produziert werden, das bspw. als Treibstoff für Flugzeuge genutzt werden kann. Raffinerie-­Chef Thomas Behrends sagte zuletzt: „Wir benötigen künftig vor allem eines: viel grünen Strom.“

Derzeit baut auch UPM am ostdeutschen Standort einen 550 Mio. EUR teuren Chemiekomplex auf. In der industriellen Bioraffinerie (Foto: Baustelle) wird der finnische Konzern aus nachhaltig erwirtschaftetem Laubholz Biochemikalien herstellen. Auch dieses Unternehmen, das auf nachhaltige Chemie setzt, dürfte seinen Strombedarf mit erneuerbaren Energien decken.

Klar ist schon jetzt, dass der dafür benötigte Grünstrom nicht nur in Leuna produziert werden kann. „In Deutschland haben wir einen festen Plan für den Rückbau und die Abschaltung von planbarer Erzeugungsleistung. Ein Plan für deren Ersatz ist hingegen nicht erkennbar“, sagt Günther kritisch. Verdeutlicht wird das an folgenden Zahlen: Der gesamte Chemiepark hat einen Energiebedarf von etwa 1.200 MW – das entspricht der Leistung eines sehr großen Kohlekraftwerks oder eines Atomkraftwerks. InfraLeuna, das die Chemieunternehmen an Standort mit allen wichtigen Medien wie Wasser, Strom und Dampf versorgt, betreibt selbst zwei Gaskraftwerke. Eines davon wird aktuell modernisiert. „Wir werden mit unseren flexiblen Kraftwerken immer dann Strom erzeugen, wenn die erneuerbaren Energien keine ausreichenden Mengen liefern“, so Günther.

Auch andere ostdeutsche Chemiestandorte setzen auf eigene Solarenergie. Der Chemiekonzern BASF errichtet an seinem Lausitzer Standort Schwarzheide (Brandenburg) einen Solarpark. In Kooperation mit dem Chemnitzer Energieversorger Envia-M entsteht die Fotovoltaikanlage am Werkgelände mit einer Leistung von 24 MW. Der Großteil des erzeugten Solarstroms soll für die Versorgung des Produktionsstandorts genutzt werden, u.a. für die Herstellung von Kathodenmaterialien für die Batterieproduktion. Der Solarpark soll rund 13 Mio. EUR kosten und Mitte 2022 fertig sein.
Nicht nur eine CO2-ärmere Produktion treibt die Unternehmen an, in erneuerbare Energien zu investieren. Der Preis für Solarmodule ist in den vergangenen zehn Jahren um 80 % gefallen. Andreas Bett, Direktor des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE, erklärt, dass größere Solarprojekte auch in Deutschland nicht mehr auf staatliche Subventionen angewiesen seien. „In Solarparks kann die Kilowattstunde Strom heute für fünf Cent hergestellt werden, Strom aus einem neuen Gaskraftwerk ist teurer“, so Bett.

Autor: Steffen Höhne, Wirtschaftsjournalist, Markkleeberg

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