Anlagenbau & Prozesstechnik

Tragekomfort - Ein wichtiger Baustein eines Reinraumbekleidungskonzeptes

12.09.2017 -

Aus Sicht der Nutzer zählt der Trage­komfort eines Reinraumbekleidungs­systems heute mehr denn je zu den wichtigsten Teilaspekten. Was verbirgt sich hinter diesem Schlagwort? Ist der Tragekomfort messbar und wenn ja wie? Welchen Einfluss auf das Bekleidungskonzept hat er tatsächlich? Darüber lässt sich bei der Entscheidungsfindung hin zu einem Bekleidungssystem vortrefflich diskutieren. Im Folgenden sollen nun die wichtigsten Punkte hierzu kurz erörtert werden.

Die Haptik eines Textils, also der sogenannte Griff (wie fühlt sich das Textil beim Anfassen an), spielt eine entscheidende Rolle. Hierbei fällt der Träger des entsprechenden Textils oft schon eine Art Vorentscheidung, ob die Reinraumbekleidung angenehm sein wird oder eher als unangenehm einzustufen ist. Dieser Entscheidungsprozess ist als „sehr subjektiv“ einzustufen. Ein eher steifes / hartes Gewebe wird dabei von vornherein als negativer empfunden als ein sehr weich fließendes Material. Interessanterweise fällen wir hierbei die Entscheidung anhand der Tastsensoren in unseren Händen / Fingern, obwohl diese später so gut wie gar nicht mehr mit dem eigentlichen Reinraumtextil in Berührung kommen. Andere Stellen wie Hals, Unterarm, Handgelenk usw. sind die Körperpartien, die dann im täglichen Leben permanent mit dem entsprechenden Textil in Berührung kommen. Dort ist die Wahrnehmung textiler Eigenschaften oftmals jedoch eine ganz andere.

Faktoren zur Beurteilung des Tragekomforts
Die Atmungsaktivität ist ein weiterer wichtiger Faktor bei der Beurteilung des Tragekomforts. Hierbei ist die Wasserdampfdurchlässigkeit der Maßstab in Bezug auf die Atmungsaktivität und nicht, wie oftmals angenommen, die Luftdurchlässigkeit. Ziel sollte es sein, eine möglichst hohe Wasserdampfdurchlässigkeit zu bieten, während gleichzeitig die Luftdurchlässigkeit auf ein vertretbares Minimum reduziert wird. Atmungsaktive Membrantextilien aus dem Sportswear-Bereich sind ein typisches Beispiel für diese Optimierung (außerhalb der Reinraum­anwendungen).
Hängt die Beurteilung der Haptik eines Textils noch eher von subjektiven (individuellen) Empfinden des jeweiligen Trägers ab, so ist die Atmungsaktivität messtechnisch gut und reproduzierbar zu ermitteln. Messungen mithilfe des sogenannten Hautsimulationsmodells (DIN EN 31092 bzw. DIN EN ISO 11092) an den Hohensteiner Instituten zählen international zu den anerkanntesten Verfahren in diesem Zusammenhang. (siehe Abb.1) Eine Bewertungsskala zu dieser Messmethodik befindet sich im Anhang der VDI-Richtlinie 2083, Blatt 9.2 (Reinraumverbrauchsgüter).

Design und Verarbeitung
Ein ebenso nicht zu vernachlässigender Einflussfaktor zur Beurteilung eines Bekleidungssystems ist das Design und die Verarbeitung eines Reinraumbekleidungsstückes. Ist das Bekleidungsstück zu eng oder viel zu weit konfektioniert, so wird es sicherlich negativer beurteilt als eines, das aus Sicht des Trägers optimal passt. Des Weiteren können auch die Farbe bzw. Farbkombinationen sowohl einen positiven als auch einen negativen Effekt auslösen. Wenn alle Mitarbeiter in einem sehr grellen roten Overall den ganzen Tag im Reinraum arbeiten, so ist nicht auszuschließen, dass mit der Zeit eine gewisse Aggressivität aufkommen kann. Andererseits besteht aber auch die Möglichkeit durch geeignete Farbkombinationen das Bekleidungsstück optisch aufzuwerten und damit die Akzeptanz der jeweiligen Träger zu erhöhen.

Sonderzubehör / Accessories
Für den Träger ist außerdem das optionale Sonderzubehör wie bspw. Taschen, Laschen, Arm- und / oder Beinabschlüsse usw. ausschlaggebend dafür, ob ein Bekleidungssystems positiv oder negativ bewertet wird. Machen manche dieser sogenannten Accessories durchaus technisch Sinn, so ist von anderen aus Reinraumsicht eher abzuraten, da sie ausschließlich der Bequemlichkeit dienen. Hier seien exemplarisch Taschen angemerkt, die nicht reinraumgerecht dekontaminiert werden können. Sie sind die reinsten „Partikelfallen“, in denen sich im Laufe der Zeit sehr viele Kontaminationen ansammeln. Eine Schnalle als stufenlose Verstellmöglichkeit an einer Haube ist hingegen ein Sonderzubehör, das sowohl aus Tragekomfortsicht zu empfehlen ist, da es das Anlegen der Haube wesentlich vereinfacht, als auch unter Einbeziehung von technischen Aspekten. Mit dieser Schnallenkonstruktion lassen sich individuelle Kopfumfänge perfekt ausgleichen und die Haube liegt deutlich besser an. Letztendlich entweichen dadurch weniger Kontaminationen an kritischen Stellen.
Beim Thema Tragekomfort eines Reinraumbekleidungssystems dürfen selbstverständlich die klimatischen Grundvoraussetzungen im Reinraum des Betreibers nicht außer Acht gelassen werden. Auch wenn es wünschenswert wäre, so können Reinraumbekleidungssysteme nur sehr bedingt klimatische Missstände oder prozessbedingte Wärmequellen ausgleichen. In Einzelfällen besteht sicherlich die Möglichkeit, sich an der einen oder anderen Stelle an diese Gegebenheiten durch Optimierung in einzelnen Komponenten anzupassen. Als ein typisches Beispiel hierfür kann eine reinraumtaugliche Thermo-Schutzkleidung aufgeführt werden für Anwender in besonders kühler Reinraumumgebung.

Unter-/Zwischenbekleidung
Die Kleidung, die unter der Reinraumoberbekleidung getragen wird, ist ein weiterer entscheidender Einflussfaktor bei der Beurteilung des Tragekomforts. Eine umfangreiche Studie an den Hohensteiner Instituten (veröffentlicht am 3/2011 in der Reinraumtechnik) hat belegt, dass eine reinraumtaugliche funktionale Unter- bzw. Zwischenbekleidung den Tragekomfort des gesamten Bekleidungssystems erheblich verbessern kann.

Technische Anforderungen des Bekleidungssystems
Auch wenn der Tragekomfort und die damit verbundene Mitarbeiterakzeptanz einen besonderen Stellenwert haben, so müssen genauso die technischen Anforderungen betrachtet und analysiert werden. Selbstverständlich ist aus Trägersicht ein Material, das sehr atmungsaktiv ist und möglicherweise sogar besonders luftdurchlässig erscheint, angenehmer zu tragen und wird somit bevorzugt ausgewählt. Das darf aber nicht dazu führen, dass der eigentliche Reinraumprozess durch diese Entscheidung in puncto Kontaminationsbeherrschung gefährdet wird. Aus Sicht des Entscheiders (Reinraumverantwortlichen) gilt es somit, einen Kompromiss zwischen technischen Notwendigkeiten und den entsprechenden Mitarbeiterwünschen zu finden.
Welchen Einfluss das Trageempfinden auf die Ergebnisse von Arbeitsprozessen haben kann, zeigt eine Studie in Zusammenarbeit mit den Hohensteiner Instituten aus dem Jahre 2011. Im Verlaufe dieser Studie konnte nachgewiesen werden, dass Mitarbeiter, die sich in einem Reinraumbekleidungssystem unwohler fühlten, unkonzentrierter waren und somit zu mehr Fehlern neigten. Somit ist es auch aus unternehmerischer Sicht durchaus sinnvoll, in den Tragekomfort zu investieren.

Kontakt

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