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VDMA EMINT: Wir brauchen TTIP

28.05.2015 -

„TTIP kann nicht alle Probleme lösen, bereitet aber den Weg für Harmonisierungen und wird den Handel zwischen beiden Wirtschaftsregionen erheblich erleichtern." So fasste der EMINT-Vorsitzende Rainer Kurtz die lebhafte Debatte der Verbandsmitglieder auf der ersten Frühjahrstagung des neuen Fachverbandes zusammen. In einer von EMINT-Geschäftsführer Thilo Brückner moderierten Gesprächsrunde zeigten Firmenvertreter anschauliche Beispiele über Marktzugangshindernisse in Nordamerika auf, wie z.B. kostentreibende unterschiedliche Standards. Einig waren sich die Teilnehmer, dass das Zeitfenster jetzt genutzt werden muss, bevor es sich wegen der Freihandelsverhandlungen zwischen den USA und Asien und aufgrund der anstehenden US-Wahlen schließt.

Zuvor räumten die Vorträge von Jessica Göres, VDMA Außenwirtschaft, und Thomas Noll, VDMA Technik und Umwelt über die TTIP-Verhandlungen und deren Auswirkungen auf den Maschinenbau anschaulich mit einer Reihe von Vorurteilen auf. Sie verdeutlichten beispielsweise, dass deutsche Unternehmen von den von Kritikern gefürchteten Schiedsgerichten bereits vielfach im Rahmen anderer Abkommen profitiert haben.

Zu Beginn der Veranstaltung, zu der mehr als 40 Teilnehmer aus den Bereichen Elektronikproduktion und Mikrotechnologie nach Wertheim gekommen waren, gab Dr. Eric Maiser, Geschäftsführung VDMA Productronic, eine Übersicht über die globalen Megatrends in der Mikro- und Nano-Elektronik. Zahlreiche neue Anwendungen prägen das Bild, beispielsweise zuverlässige und kostengünstige Blutbild-Untersuchungen im Bereich Health Care. "Die Grenzen zwischen Sensortechnik, Baugruppen- und Halbleitertechnologie werden durchlässig. ‚Panel Level Packaging‘ adressiert das Zusammenwachsen dieser Bereiche. Erst durch die Zusammenarbeit der beiden EMINT-Bereiche Productronic und Micro Technologies können diese neuen Felder für die Produktionstechnik gesamthaft erschlossen werden. So helfen wir, neue Business-Chancen für unsere Mitglieder zu generieren", resümierte Maiser.

Megatrends und kollaborierende Roboter
Angepasste Automatisierung bewegt insbesondere die Elektronikproduktion im Zusammenhang mit Industrie 4.0. Monotone Montagearbeiten können heute von Robotern übernommen werden, die ohne Schutzzaun mit Menschen Hand in Hand zusammenarbeiten. Carsten Busch, Segment Manager Solar PV & Batterie bei der ABB Automation zeigte, dass diese ‚kollaborativen Roboter‘ nicht nur in der Automobilindustrie oder in der Nutzung als Serviceroboter, sondern auch in der Elektronikindustrie Zuspruch finden - erstaunlicherweise besonders bei asiatischen Kunden. Anschließend stellte Christian Rocke, Projektleiter der productronica in München, das neue Clusterkonzept der Messe vor, die im November 2015 stattfindet: Die neue, klare Gliederung in ‚SMT‘, ‚PCB & EMS‘, ‚Cables, Coils & Hybrids‘, ‚Semiconductors‘ und ‚Future Markets‘ bändigt die Vielfalt der Anbieter von Elektronik-Produktionstechnik. Die Sonderschau, die traditionell in Kooperation von Messe München und VDMA Productronic gestaltet wird, wird dieses Jahr alle diese Clusterbereiche ansprechen und die jeweils innovativste Maschine prämieren.

Der dritte Themenblock der Tagung galt dem Zukunftsmanagement, mit dem sich der VDMA-Gesprächskreis „Corporate Foresight" intensiv beschäftigt. Franz Bosbach, Bereich Technologievorschau der KSB, berichtete über Auswirkungen von Trends auf zukünftige Geschäftsfelder. „Trends gibt es im Dutzend billiger", stellt Bosbach fest. „Mit der KSB-Trendanalyse werden Trends für das Unternehmen ausformuliert, um dann über eine Umsetzungsmatrix schlussendlich neue Märkte, Lösungen und Produkte für zukünftige Bedürfnisse zu entwickeln." Dr. Heinrich Schäperkötter, bei der Schaeffler Technologies zuständig für Innovationsstrategie, Innovationsmanagement und Forschungsförderung, beleuchtete Corporate Foresight anhand des Beispiels Mobilität. „Foresight in der Praxis", erläuterte Schäperkötter, „muss im Wesentlichen dazu dienen, das Richtige zu tun. Für einen global aufgestellten Konzern ist es überlebenswichtig die beste Lösung für den Kunden mit einem strukturierten, methodenbasierten Vorgehen herauszuarbeiten." Am Beispiel Mobilität zeigte Schäperkötter, wie (bei Schaeffler) durch Foresight-Prozesse Lösungen für alle zukünftigen Mobilitätskonzepte erarbeitet wurden.