Chemikalienexport in eine andere Welt

Die Praxis zeigt: Zoll, Mentalität und Sprache erschweren den Export nach China

  • Ariane Stoll, Beraterin Bereich Internationale Projekte, UMCO Umwelt ConsultAriane Stoll, Beraterin Bereich Internationale Projekte, UMCO Umwelt Consult

Gesetzesänderungen haben die Anforderungen für den Export von Chemikalien nach China deutlich komplexer gemacht (s. auch CHEManager 10/2014). Allerdings ist das chinesische Chemikalienrecht noch vergleichsweise jung und viele Meldungs- und Registrierungsprozesse existieren bisher nur auf dem Papier oder in Standards. Die Erfahrungen der europäischen Industrie zeigen, dass ein rechtskonformer Import von Chemikalien oft nur mit Hilfe von Experten vor Ort möglich ist. Nur wer sich auf das Abenteuer einlässt, eine andere Kultur kennenzulernen und deren Eigenheiten anzunehmen, wird dauerhafte Geschäftsbeziehungen in China aufbauen können.

Fremde Mentalität

Die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Chinesen ist eindrucksvoll. Bei einem ersten China-Besuch wird jeder auf begeisterte, offene Menschen treffen, die gerne ihre Unterstützung anbieten. Obwohl die englische Sprache im Geschäftsleben ohne Probleme gelebt wird, ist spätestens beim Beantragen von Lizenzen bei den Behörden vor Ort das Beherrschen der chinesischen Sprache notwendig. Interessant wird es auch im Konfliktfall, in dem sich schnell die bekannten Mentalitätsunterschiede entfalten. Bei offener Kritik, die in westlichen Ländern gerne praktiziert wird, ist in China Fingerspitzengefühl gefragt. Wer dieses hat, kann auch schnell zu ergebnisorientierten Lösungen gelangen und Konflikte aus der Welt schaffen.

Unterschiedliche Schriftzeichen

Während man in Taiwan und Hongkong heute noch traditionelle Schriftzeichen (Traditional Chinese) benutzt, verwendet man in der Volksrepublik China vorwiegend die vereinfachten Schriftzeichen (Simplified Chinese). So wird in China ein Sicherheitsdatenblatt in „Simplified Chinese" gefordert, während der Nachbarstaat Taiwan auf das „Traditional Chinese" besteht. Bei den sehr auf Formalien achtenden Zöllnern kann dies somit schnell auffallen und einen Mangel darstellen. Während ein Sicherheitsdatenblatt noch verhältnismäßig schnell korrigiert werden kann, stellt eine Umetikettierung die Industrie oft vor eine kostenintensive Herausforderung.

Trendwende im Zoll

Häufig ist in den Medien über Korruptionsvorwürfe und tagtägliche Bestechungsversuche in China zu lesen.

Dieses Problem rückt dadurch immer mehr in den Fokus und soll deutlich minimiert, wenn nicht sogar abgeschafft werden. Erste Einflüsse hiervon sind auch beim chinesischen Zoll zu spüren. Die Erfahrungen zeigen, dass nicht mehr nur ein oder wenige Zöllner für eine Firma zuständig sind, sondern immer mehr Zöllner. Dadurch werden verstärkt bisher akzeptierte Mängel in Frage gestellt und alte Verhaltensmuster einzelner Zöllner aufgelöst. Die Folge für ausländische Zulieferer ist, dass die Ware immer häufiger zur Klärung im chinesischen Zoll aufgehalten wird und die Auslieferung der Waren verspätet erfolgt. 

China GHS

Die Erfahrungen der Industrie zeigen jedoch auch, dass nicht nur die unterschiedliche Sprache und Arbeitskultur, sondern auch die fachlichen Abweichungen eine Herausforderung darstellen. Die Gefahr, die von einer Chemikalie ausgeht, wird noch immer nicht weltweit durch eine einheitliche Einstufung beschrieben. Deshalb muss die reine Übersetzung eines Sicherheitsdatenblattes nach der europäischen CLP-Verordnung in die chinesische Sprache gut überlegt werden. Nicht in allen Fällen sind die Einstufungen identisch und können ohne Überprüfung übernommen werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass die chinesische Gesetzgebung eine Laborprüfung auf die toxikologischen und ökotoxikologischen Gefahren nach eigenen Messmethoden fordert. Die Ergebnisse von Studien nach OECD-Standards können nicht herangezogen werden, obwohl erste Untersuchungen in den seltensten Fällen Abweichungen ergeben. 

Europäische Firmen sind auch nicht darüber erfreut, dass in China bei der Registrierung von Neustoffen kein OSOR-Prinzip (one substance - one registration) eingeführt wurde, wie beispielsweise in der EU. Dies würde den Umgang mit ein und derselben Chemikalie in China erleichtern und für mehr Einheitlichkeit sorgen.

Fazit

Wer plant, den chinesischen Markt zu erobern, sollte sich genügend Zeit nehmen, um sich rechtzeitig mit den konkreten Anforderungen vertraut zu machen und Verzögerungen bei der Lieferung nach China zu vermeiden. Dies gilt im Bereich des Vertriebs chemischer Produkte für alle Rechtsbereiche, angefangen bei Fragen der Stoff-/Produktregistrierung bis hin zur Klärung der Bezettelung und Verpackung einer Ware nach Chemikalienrecht und Transportrecht. Da die Umsetzung des GHS in China gegenüber der europäischen Umsetzung mit der CLP-Verordnung einige Unterschiede aufweist, ist es wichtig, diese zu kennen und anzuwenden, bevor das Produkt in China ankommt. Nur so kann verhindert werden, dass die Ware nicht im Zoll festgehalten wird, weil sie ggf. gar nicht in China vertriebsfähig ist.

Die Zusammenarbeit mit einem kompetenten chinesischen Partner vor Ort ist nicht nur für das Finden der zuständigen Behörden wichtig, sondern auch, um die eigenen Anliegen in der korrekten Form und Sprache einzureichen. Auch bei der Absicherung und Vertiefung von online verfügbaren Informationen durch Behördenanfragen, sowie beim Diskutieren unterschiedlicher Qualitätsansprüche ist ein Partner immer hilfreich.

Sich darauf einzulassen, die chinesische Kultur zu erkunden, wird auf jeden Fall belohnt. Die freundliche und verbindliche Zusammenarbeit wirkt sich schnell auf einen erfolgreichen Geschäftszuwachs aus.

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