Entwicklung der Responsible-Care-Initiative

Interview mit Dr. Gerd Romanowski vom VCI

  • Dr. Gerd Romanowski, Geschäftsführer Wissenschaft, Technik und Umwelt, VCIDr. Gerd Romanowski, Geschäftsführer Wissenschaft, Technik und Umwelt, VCI
  • Dr. Gerd Romanowski, Geschäftsführer Wissenschaft, Technik und Umwelt, VCI
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Die Responsible Care (RC)-Initiative in der deutschen chemischen Industrie hat inzwischen eine über 20-jährige Geschichte. Geleitet wird diese freiwillige Initiative zum verantwortlichen Handeln in den Bereichen Umwelt, Sicherheit und Gesundheit vom Verband der Chemischen Industrie (VCI), der seine Mitglieder bei der Umsetzung unterstützt. Seit sechs Jahren lässt der VCI seine Responsible-Care-Aktivitäten von externen Dritten auditieren und gibt Berichte über die Umsetzung heraus. Dr. Birgit Megges befragte Dr. Gerd Romanowski, Geschäftsführer Wissenschaft, Technik und Umwelt im VCI zur Entwicklung der RC-Initiative. 

CHEManager: Herr Dr. Romanowski, wie würden Sie die Entwicklung der Responsible Care-Initiative beschreiben?

G. Romanowski: Unser Responsible-Care-Programm entstand aus den VCI-Leitlinien „Chemie und Umwelt", die von der Mitgliederversammlung des VCI 1986 beschlossen worden waren. Mit der deutschen Bezeichnung „Verantwortliches Handeln" haben unsere Mitgliedsunternehmen die Erwartungen der damaligen Zeit erfolgreich aufgegriffen. Responsible Care galt als wichtiger Beitrag der chemischen Industrie bei unserem Engagement in der Enquete-Kommission „Schutz des Menschen und der Umwelt" des 12. Deutschen Bundestages 1994. Mittlerweile ist dieses Leistungsprogramm mit seinen Schwerpunkten Umweltschutz, Gesundheit und Sicherheit zum bewährten Alltag in den Unternehmen geworden. Responsible Care ist als Idee gestartet und als Erfolg gelandet.

Inwieweit hat die Initiative dazu beigetragen, das Image der Chemieindustrie in der Öffentlichkeit zu verbessern?

G. Romanowski: In erster Linie ist Responsible Care eine Leistungsinitiative, mit der kontinuierlich verschiedene Verbesserungen in den Unternehmen angestrebt werden. Ist dieses Bestreben erfolgreich, vermindert sich also die Menge der Immissionen, gehen Unfälle zurück und werden Schadensfälle vermieden, so sollte sich das nach unserem Eindruck positiv auf das Ansehen der Chemie auswirken. Unsere Umfragen zeigen, dass Responsible Care bei unseren Zielgruppen in Deutschland und Europa gut bekannt ist.

An das Programm knüpfen diese Zielgruppen natürlich auch entsprechende Erwartungen.

Wie wird RC von den mittelständischen Unternehmen angenommen und umgesetzt?

G. Romanowski: Wenn sich mittelständische Chemieunternehmen aktiv beteiligen wollen, wirkt es sich positiv aus, dass Responsible Care international als Managementsystem konzipiert worden ist. Es gibt zum Beispiel ein europäisches Rahmenwerk einschließlich einer Selbsteinschätzung. Damit können unsere Mitglieder selbst prüfen, wie hoch ihr Erfüllungsgrad bei den Responsible-Care-Leitlinien ist. Das Unternehmen muss also das Rad nicht neu erfinden, um verantwortliches Handeln systematisch zu betreiben. Außerdem bietet Responsible Care dem Mittelstand die Chance, mit vertretbarem Aufwand in einer weltweiten anerkannten Initiative mitzuarbeiten.

Gibt es in der Umsetzung Unterschiede zwischen Mittelstand und Großchemie?

G. Romanowski: Große Chemieunternehmen setzen im Vergleich zu den mittelständischen Unternehmen häufig schon seit vielen Jahren eigene Stäbe ein, um diese Initiative weltweit an allen Standorten umzusetzen. Außerdem ist bei unseren großen Mitgliedsfirmen die Einbindung von Responsible Care in Corporate-Social-Responsibility (CSR)-Initiativen gang und gäbe. An große, global tätige Unternehmen richtet sich seit 2006 auch die Responsible Care Global Charta des Weltchemieverbandes ICCA, in der ein weiter Bogen von der klassischen Performance-Initiative bis zur Berücksichtigung von CSR und Nachhaltigkeit gespannt wird. Über diese Charta ist Responsible Care auch ein Beitrag der chemischen Industrie zum SAICM-Prozess  der Vereinten Nationen.

Ist der VCI zufrieden mit der Umsetzung des Programms? Sehen Sie die Notwendigkeit, das Programm noch prominenter zu machen?

G. Romanowski: Im internationalen Vergleich spielt der Verband der Chemischen Industrie bei Responsible Care in der höchsten Liga erfolgreich mit, auch wenn sich die Schwerpunkte verändern und von Region zu Region unterscheiden. So sind wir beispielsweise Vorreiter bei der Prüfung der Nachvollziehbarkeit des Programms. Denn seit sechs Jahren lassen wir unsere Responsible-Care-Aktivitäten von externen Dritten auditieren. In dem aktuellen Audit steht zum Beispiel, dass der VCI ein „sachlich angemessenes System des RC-Managements und der Datenerfassung betreibt." Mehr noch: Die Auditoren geben uns auch Hinweise, wo und wie wir das RC-Programm weiterentwickeln könnten. Auf diese Weise bleibt Responsible Care auf der Höhe der Zeit.

Welche Rolle spielt RC vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeitsinitiative „Chemie³"?

G. Romanowski: Unsere Mitgliedsunternehmen können mit ihren RC-Aktivitäten zeigen, wie und wo sie bereits im Sinne von Nachhaltigkeit verantwortlich handeln. Insofern ist Responsible Care mit seinen Inhalten und Werten ein wichtiger und darüber hinaus sehr konkreter Beitrag zur Nachhaltigkeitsinitiative Chemie3  der Branche, die wir im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Bundesarbeitgeberverband Chemie und der Industriegewerkschaft Bergbau, Energie, Chemie gestartet haben. Responsible Care ist ein Leistungs-Programm, mit dem viele Aspekte des Leitbildes Nachhaltigkeit konkretisiert und im betrieblichen Alltag umgesetzt werden können.

Der VCI hat einen RC-Wettbewerb sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene ins Leben gerufen. Seit wann und aus welchem Grund gibt es den Wettbewerb?

G. Romanowski: Mitte 2000 hatte die deutsche chemische Industrie besonders bei den Umwelt-Emissionen ihre Hausaufgaben erfolgreich gemacht. Wir konnten mit den üblichen Daten aus der Responsible-Care-Berichterstattung weitere Fortschritte kaum mehr darstellen. Deshalb präsentierten wir zunächst erfolgreiche RC-Projekte aus allen Teilen unseres Landes im Internet. Wir wollten so zeigen, was verantwortliches Handeln heute bedeutet. Daraus haben sich zunächst in Norddeutschland, seit 2011 auch in weiteren VCI-Landesverbänden, RC-Wettbewerbe entwickelt. Gute Ideen und Projekte brauchen eine Plattform wie den Responsible-Care-Wettbewerb, um bekannt zu werden und um als Vorbild zu wirken.

Welche Rolle spielt der Wettbewerb für die Umsetzung des RC-Gedankens?

G. Romanowski: Nach mehr als 20 Jahren Responsible Care in Deutschland arbeitet mittlerweile eine jüngere Generation in unseren Mitgliedsunternehmen. Diese hat die Anfänge und Beweggründe für Responsible Care nicht mehr persönlich erfahren. In unseren RC-Wettbewerben arbeiten jedoch häufig Jung und Alt hervorragend zusammen, so dass die Belegschaft den Gedanken der Initiative fortschreiben kann, auch wenn die jungen Mitarbeiter dies heute mit dem Smartphone tun.

Wie war die bisherige Resonanz auf den Wettbewerb?

G. Romanowski:
Wir haben über unsere bisherigen Wettbewerbe weit mehr als 100 Projekte durch unabhängige Juroren unter die Lupe nehmen lassen. Diese haben uns bescheinigt, dass die eingereichten Ideen und Aktionen qualitativ alle sehr gut sind und zum Vorbild für andere Chemieunternehmen taugen, aber auch für die Zulieferer oder Kunden attraktiv sind. Dies gilt besonders, wenn es um Sicherheit, Umweltschutz und Aus- und Weiterbildung geht.

Der jährliche Wettbewerb findet immer zu einem bestimmten Thema statt, wie Sie gerade angedeutet haben. Welches Thema wird es im Jahr 2014 sein?

G. Romanowski: Unser neues Wettbewerbsthema ist die Standort-Kommunikation. Es heißt für 2014: „Wir haben gute Ideen für den Dialog mit unseren Nachbarn". Damit erfüllen wir eine der Leitlinien des Responsible-Care-Programms und leisten auch wieder einen Beitrag zur Nachhaltigkeitsinitiative Chemie3 der Branche.

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