Kunststoff – Der Allrounder im Automobilbau

  • Prof. Rudolf Stauber, VDI-Fachausschuss Kunststoffe im AutomobilbauProf. Rudolf Stauber, VDI-Fachausschuss Kunststoffe im Automobilbau

Kunststoffe behalten ihre tragende Rolle im Fahrzeugbau der Zukunft. Die Multitalente unter den Werkstoffen bieten passgenaue und wirtschaftliche Systemlösungen für die Automobilfertigung. Davon konnten sich die Besucher des internationalen VDI-Kongresses „Kunststoffe im Automobilbau“ Ende März in Mannheim überzeugen.

Über 80 Experten referierten über Kunststoffinnovationen aus der Pkw- und Nutzfahrzeugbranche und beleuchteten Neuheiten im Bereich Interieur und Exterieur. Prof. Rudolf Stauber, Kongressleiter und Vorsitzender des VDI-Fachausschusses Kunststoffe im Automobilbau, fasst die Trends zusammen: „Bei Fahrzeug-Neuentwicklungen stehen heute der Leichtbau, die designtechnische Anmutung des Interieurs, sowie die aktive und passive Sicherheit besonders im Vordergrund.“

Im Fahrzeuginnenraum bergen moderne Spritzgussverfahren Potenzial zur Gewichtsreduktion und begünstigen so den Leichtbau. Die sogenannte Slush-Technik ermöglicht mittels geschmolzenem PVC-Pulver ein konturgenaues Oberflächendesign im Interieur.

Auch im Exterior-Sektor stehen neue Leichtbaukonzepte im Fokus. Hier kann mithilfe aerodynamischer Unterbauteile das Gewicht des Fahrzeugs reduziert werden. Prof. Stauber erläutert: „Vor allem carbonfaserverstärkte Kunststoffe finden immer mehr Zuzug in die Karosseriestruktur von Pkw, entweder als komplette Systemlösungen, oder aber in Form von spezifischen Anwendungen in Teilstrukturen oder zur gezielten Verstärkung. Bionische Bauteilformen und Oberflächen aus Kunststoff ermöglichen neuartige Ansätze zur aerodynamischen Optimierung des Gesamtfahrzeuges, z.B. bei Unterbodenverkleidungen, Dachsystemen und Außenspiegeln.“

In der Verfahrenstechnik steht vor allem Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. Der Einsatz von Recyclaten beschreibt die Wiederverwendung bereits genutzter Kunststoffe. So werden gebrauchte Teile, wie bspw. alte Stoßfänger in den Werkstätten gesammelt und als Radläufe wiederverwertet.

Hybride Bauelemente, neue Mix-Materialien bestehend aus Metall und Kunststoff, finden aufgrund ihrer hohen Widerstandsfähigkeit zunehmend Verwendung im Automobilbau.

Prof. Rudolf Stauber erklärt: „Innovationen in der Kunststofftechnik beeinflussen direkt die fahrzeugtechnischen Konzepte von morgen. Mischbau mit Kunststoffverbunden, Naturfaseranwendungen, übergossene und folienhinterspritzte Formteile, LED- und OLED-basierte Lichttechniken, sowie optisch und haptisch optimierte Anzeige- und Bedienkonzepte ermöglichen maßgeschneiderte Systemlösungen im Pkw- und Nutzfahrzeugbau.“

Der Kunststoff hat dabei, laut Stauber, in vielen Fällen das besondere Potenzial, sowohl kostengünstige Systemlösungen als auch designtechnische Formgebungen zu unterstützen. „Neuartige kunststoffbasierte Licht- und Beleuchtungssysteme tragen dazu bei, das Erscheinungsbild von Kraftfahrzeugen bei Tag und Nacht funktional zu verbessern und markenprägend darzustellen“, so der Autoexperte, der hauptamtlich Geschäftsführer der Fraunhofer Projektgruppe für Werkstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie (IWKS) ist.

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