Leuchtende Enzyme, Metallcluster im Biomantel und mehr

Alle Lebensvorgänge beruhen auf (bio-)chemischen Reaktionen. Wer diese Prozesse verstehen will, muss die agierenden kleinen und großen Moleküle beobachten und in der Medizin Mittel finden, fehlgesteuerten Prozessen auf molekularer Ebene zu begegnen. Mit dem faszinierenden Gebiet der molekularen Lebenswissenschaften befassen sich zahlreiche Wissenschaftler auf dem 3rd EuCheMS Chemistry Congress vom 29. August bis 2. September 2010 in Nürnberg. Sie zeigen einen Schwerpunkt biologischer und medizinischer Forschung auf: die (bio-)chemische Analyse.

Prof. Barbara Imperiali und ihr Arbeitskreis am Massachusetts Institute of Technology befassen sich mit der Struktur, der Funktion und dem Aufbau von Proteinen. In Nürnberg stellt sie den Zugewinn an Informationen für die Biologie und Medizin durch Fluoreszenzmethoden dar. Bei diesen Methoden werden Biomoleküle, beispielsweise Enzyme, mit fluoreszierenden, also lichtemittierenden Molekülen markiert und können so in biologischen Proben beobachtet werden. Diese Methoden sind nicht neu, aber sie werden durch immer geeignetere Fluoreszenzmarker und durch ständig verfeinerte Beobachtungsmethoden so verbessert, dass man komplexestes Material, z.B. Gewebe- oder Blutproben in der klinisch-chemischen Diagnostik, zuverlässig untersuchen kann. Die Chemikerin Imperiali zeigt in ihrem Vortrag, wie es mit neu entwickelten Sulfonamid-Oxinen als Fluoreszenzmarkern gelang, die Phosphorylierung von spezifischen Kinase-Zielmolekülen zu verfolgen (Kinasen sind Enzyme, die den Transfer von Phosphatgruppen auf Proteine katalysieren).
Etwa 100 Vorträge und weit über 100 Poster werden in Nürnberg den rasanten Erkenntnisgewinn in den molekularen Lebenswissenschaften aufzeigen. Ein Schwerpunkt ist dabei auch die Aufklärung von Strukturen größerer biologischer Moleküle bis hin zu Biopolymeren, was auch dazu genutzt wird, um bio-inspirierte Substanzen und Materialien zu entwickeln. Einer der dazu eingeladenen Referenten ist Prof. Yoshihito Watanabe von der Nagoya Universität in Japan. In seinen Forschungsarbeiten befasst er sich u.a. mit dem Design von metallorganischen Enzymen mit dem Ziel, neue anorganische (Nano-)Materialien mit bio-inspirierten Eigenschaften herzustellen.

Schwierig, weil noch nicht ausreichend verstanden, ist das Aufbringen von Metallionen auf die Oberflächen von Protein-Gerüstsubstanzen. Um maßgeschneiderte anorganische Materialien zu erhalten, müssen die Bindungsmechanismen bei der Anlagerung von Metallionen an Proteinoberflächen mit all ihren Zwischenschritten besser verstanden werden.
Der bedeutendste europäische Chemiekongress, der EuCheMS Chemistry Congress, wird von der European Association of Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS) veranstaltet, die in diesem Jahr mit etwa 3.000 Teilnehmern rechnet. Gastgeber und Hauptorganisator ist die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Der Kongress wartet unter dem Motto „Chemistry - the Creative Force" mit aktuellen Forschungsergebnissen aus allen wichtigen Teilbereichen der Chemie auf. Besonders herausgehoben werden Themen mit gesellschaftlicher Relevanz wie innovative Materialien, Rohstoffe und Nachhaltigkeit, molekulare Lebenswissenschaften oder Katalyse.

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60486 Frankfurt am Main
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