Markt für Elektronikchemikalien bleibt attraktiv

Margen und Wachstumsraten befinden sich weiter auf hohem Niveau

  • Dr. Georg Altmann, Roland Berger Strategy ConsultantsDr. Georg Altmann, Roland Berger Strategy Consultants
  • Dr. Georg Altmann, Roland Berger Strategy Consultants
  • Dr. Johannes Schoenberger, Roland Berger Strategy Consultants
  • Grafik 1: Regionale Verteilung der Produktion von Materialien für die Halbleiterherstellung – Asien stellt mehr als 80% der weltweiten Produktion
  • Grafik 2: Indikative Verteilung der Anwendungsbereiche der fertigen Produkte

Globale Megatrends und technische Innovationen treiben die Nachfrage nach Spezialchemikalien für den Elektroniksektor weiter an: Mobile Kommunikation, Solarenergie, OLED-Displays und neue Batterietechnologien sind hier nur einige Beispiele. Mit deutlich über 5% Wachstum p.a. und EBITDA-Margen von zumeist 15-20% bleiben die Märkte für Elektronikchemikalien auch in den nächsten Jahren attraktiv. Die Musik spielt dabei auch zukünftig in Asien - in China, Japan, Taiwan und Südkorea. Wer bei Elektronikchemikalien dabei sein will, muss dort fast zwangsläufig vor Ort präsent sein.

Elektronikchemikalien - was auf den ersten Blick aussieht wie ein Spezialsegment innerhalb der Spezialitäten, ist bei genauem Hinsehen ein bemerkenswert breit gefächerter Markt. Die Anwendungsbereiche reichen hier von Halbleitern über Halbleiter-Packaging und Leiterplatten bis hin zu Displays, Photovoltaik und Batterien z.B. für mobile Endgeräte. Die Wachstumstreiber unterscheiden sich folglich auch erheblich in den einzelnen Marktsegmenten. Sie reichen von einem erwarteten Smartphone-Boom in bislang noch unterversorgten Regionen Asiens und Afrikas bis hin zu neuen Technologien, wie etwa OLED-Displays, die zunehmend LCD-Displays ablösen werden. Gemeinsam sind dabei allen Marktsegmenten die guten Aussichten und die regionale Dominanz Asiens, die sogar noch weiter zunehmen wird.

Mobile Endgeräte sind Wachstumstreiber

Halbleiter, Packaging und Leiterplatten bleiben mit zusammen über 60% die wichtigsten Marktsegmente bei Elektronikchemikalien. Auf der Kundenseite sind diese Märkte stark konzentriert wie z.B. am Markt für Halbleiter, in welchem zehn Akteure über die Hälfte der Nachfrage abdecken. Da die zuliefernde Spezialchemieindustrie ebenfalls fokussiert aufgestellt ist, ist hier allenfalls von einem moderat zunehmenden Wettbewerbsdruck auszugehen. So wird jedes Segment von jeweils einer Handvoll Wettbewerbern dominiert, wie bspw. Lead Frames von Sumitomo und Kyocera. Wachstumsimpulse erwarten wir vor allem von der weiter wachsenden Nachfrage nach mobilen Endgeräten, insbesondere auch in bisher unterrepräsentierten Märkten in Asien, Afrika und Lateinamerika.

Mit ca. 8% Wachstum p.a. und einer erwarteten EBITDA-Marge von um die 15-20% (geringer z.B. bei Epoxid- und höher etwa bei Keramiksubstraten) sind die Aussichten positiv. Regional dominiert weiterhin Asien mit über 90% der Wertschöpfung. Hier spielt die Musik vor allem in China, Japan, Südkorea und Taiwan. Westliche Unternehmen haben erkannt, dass sie hier präsent sein müssen, um mitspielen zu können und bleiben aktiv im Markt.

Neue Chancen durch OLED-Displays

Der Ersatz von klobigen und flimmernden Röhrenmonitoren durch komfortable Flachbilddisplays bei Fernsehgeräten und Computermonitoren hat dem Marktsegment und damit auch dem zuliefernden Spezialchemiesektor in den letzten zehn Jahren einen Sonder-Boom beschert. Mit einer zunehmenden Sättigung des Marktes durch LCD-Displays müssen nun andere Faktoren das Wachstum treiben. Hier sind vor allem technologische Entwicklungen wie OLED-Displays zu nennen, die derzeit nur ca. 6% Marktanteil haben (gegenüber ca. 90% LCD). Die ökonomische  Entwicklung dieser Technologie wird jedoch entscheidend von einer Verbesserung der Produktionsverfahren abhängen. So lässt sich bei OLEDs das Chemical-Vapor-Deposition-Verfahren bspw. schon wirtschaftlich einsetzen. Eine Optimierung und Weiterentwicklung des neueren OLED-Druckverfahrens würde jedoch z.B. auch die Produktion sehr großer Displays vereinfachen. Zusätzlich würde dieses Verfahren die Ressourcen effizienter nutzen. Haupt-Wachstumstreiber wird  die weiter zunehmende Nachfrage nach kleinen Displays für mobile Endgeräte und im Automotive-Sektor sein. Insgesamt wird für dieses Spezialchemiesegment ein Wachstum von ca. 6% p.a. erwartet bei einer EBITDA-Marge von ca. 10-15%. Der oben angesprochene Technologiewandel wird allerdings auch einen erheblichen Einfluss auf die verwendeten Materialien haben. So macht z.B. die Hintergrundbeleuchtung ca. 26% des Marktes für Materialien aus und auch die Flüssigkristalle für LCDs stellen noch 4% des Gesamtmarktes von ca. 50 Mrd. USD. Da diese beiden Materialien jedoch für OLEDs nicht gebraucht werden, werden sie langfristig vermutlich an Marktanteil verlieren. Stattdessen wird die Nachfrage nach organischen, lichtemittierenden Substanzen steigen, wie z.B. nach organometallischen Chelat-Verbindungen. Die Hersteller sollten sich rechtzeitig auf diese Veränderung einstellen um auch im zukünftigen Wettbewerb bestehen zu können.

Fotovoltaik-Segment wächst stark

PV-Chemikalien sind ein mit über 20% p.a. sehr stark wachsendes, wenn auch noch vergleichsweise kleines Marktsegment im Bereich der Elektronikchemie. Getrieben wird dieses Wachstum durch mehrere Faktoren: deutliche Leistungssteigerungen bei PV-Modulen bei gleichzeitig weiterhin deutlichen Kostensenkungen in der Produktion treiben die Nachfrage an. Zunehmende Förderung von Solarstrom etwa in mehreren asiatischen Ländern befeuern dieses Wachstum zusätzlich. Für den Bereich PV-Chemikalien heißt das zweierlei: einerseits profitiert das Segment vom Nachfragewachstum, andererseits erwarten die Kunden einen technologischen Beitrag etwa zu Leistungssteigerungen, wie dies etwa durch hoch performante Metallisierungspasten gelingen kann. Mit der Produktionsverschiebung von Solarmodulen nach Asien, insbesondere China, trägt auch dieses Segment zur weiteren regionalen Konzentration der Elektronikchemie bei.

Batterien: Hohe Performancesteigerungen

Erhebliche Leistungssteigerungen bei wieder aufladbaren Batterien sind eine wesentliche Voraussetzung für das Wachstum bei mobilen Endgeräten mit immer höherer Leistung. Auch Hybrid- und vollelektrische Fahrzeuge sind ohne Hochleistungsbatterien mit höherer spezifischer Speicherkapazität und längerer Lebensdauer kaum denkbar. Das erwartete Wachstum von ca. 13% p.a. in diesem Segment für Elektronikchemikalien ist daher ebenso wie bei Fotovoltaik und Displays primär technologiegetrieben. Eine enge Zusammenarbeit mit Batterieherstellern ist daher zentral und in diesem bereits hoch konzentrierten Marktsegment auch zu beobachten. Westliche Unternehmen haben dies erkannt und in den letzten Jahren teilweise deutlich investiert, wie etwa BASF mit der Gründung des Geschäftsbereichs „Battery Materials" und zugleich erheblichen Investitionen in F&E und Produktion.

Fazit: Klarer Fokus erfolgversprechend

Elektronikchemikalien sind und bleiben ein attraktiver Markt und ein weites Feld. Am Erfolg teilhaben wird allerdings nur, wer hier gleichzeitig einen klaren Fokus hat und sich auf zu den eigenen Stärken passende Marktsegmente konzentriert und gleichzeitig in Asien vor Ort präsent ist. So hat sich bspw. Merck, Weltmarktführer im Bereich Flüssigkristalle für LCD-Displays, im letzten Jahr durch die 2,6 Mrd. USD schwere Akquisition von AZ Electronic Materials einen global agierenden Spezialisten gesichert, welcher als Technologieführer im Bereich fotoresistenter Materialien und Prozesschemikalien für das chemisch-mechanische Polieren, sog. CMP Slurries, gilt.

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