Prognose: US-Konjunkturschwäche bald vorüber

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Prognose: US-Konjunkturschwäche bald vorüber

Die US-Chemiekonjunktur läuft nicht rund. Zum Ende des Jahres 2006 ließen die Auftriebskräfte für die amerikanische Chemieproduktion spürbar nach. Zu Jahresbeginn 2007 setzte sich die Wachstumsabschwächung fort. Für das Gesamtjahr wird es daher nur noch zu einem leichten Plus reichen. In den ersten drei Quartalen wuchs die US-Chemieproduktion lediglich um 0,5 %. Inlands- und Auslandsgeschäft entwickelten sich vor dem Hintergrund der Immobilien- und Finanzmarktkrise höchst unterschiedlich.

Der Einbruch der US-Baukonjunktur wirkte sich negativ auf die Binnennachfrage nach Chemikalien aus. Der Inlandsumsatz war rückläufig. Die Ausfuhren profitierten hingegen vom schwachen Dollar. Die Exporte wuchsen im bisherigen Jahresverlauf dynamisch (Grafik 1). Steigende Preise für Öl und Gas konnten nur teilweise an die Kunden durchgereicht werden. Zum Jahresende 2007 ist die Branche verhalten optimistisch. Sollte die Schwächephase der US-Wirtschaft bald überwunden werden, könnte sich auch das inländische Chemiegeschäft wieder erholen.

Schwache US-Binnenwirtschaft

Im Zuge der Immobilien- und Finanzmarktkrise hat sich die Binnenkonjunktur in den Vereinigten Staaten deutlich eingetrübt. Steigende Hypothekenzinsen und sinkende Immobilienpreise führten zu einer Konsumzurückhaltung der privaten Haushalte. Die Energiepreise auf Rekordniveau entzogen zusätzlich Kaufkraft. Das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes der Vereinigten Staaten fällt in diesem Jahr mit rund 2 % einen ganzen Prozentpunkt geringer aus als ein Jahr zuvor.

Chemieproduktion wächst kaum

Im bisherigen Jahresverlauf konnte die amerikanische Chemieproduktion nur leicht zulegen. Nach dem Einbruch zur Jahreswende stieg sie von Quartal zu Quartal zwar leicht an. Sie lag aber im Durchschnitt der ersten 9 Monate nur 0,5 % höher als ein Jahr zuvor (Grafik 2). Mit dieser geringen Dynamik gehört die US-Chemieindustrie weltweit zu den Wachstumsschlusslichtern. Die Kapazitätsauslastung blieb mit unter 78 % im internationalen Vergleich ebenfalls niedrig.

Ein Blick auf die Chemiesparten zeigt ein heterogenes Bild: Während die pharmazeutische Industrie im bisherigen Jahresverlauf immerhin um 2,5 % ausgedehnt wurde, war die Produktion der übrigen Chemiesparten insgesamt leicht rückläufig.

Zwar konnten die Petrochemieproduktion und die Herstellung anorganischer Grundstoffe in den ersten drei Quartalen zulegen, die Polymerproduktion hingegen stagnierte. In der Feinund Spezialchemie sowie bei den konsumnahen Chemikalien wurde die Produktion sogar deutlich gedrosselt (Tab. 1).

Energiekosten auf Rekordniveau

Die Preise für chemische Erzeugnisse steigen seit Jahren kräftig. Im vergangenen Jahr flachte sich der Anstieg der Chemikalienpreise im Jahresverlauf ab. Mit der zu Jahresbeginn 2007 erneut einsetzenden Rohölpreishausse schnellten jedoch auch die Chemikalienpreise wieder in die Höhe (Grafik 3). Chemikalien waren in den ersten neun Monaten des Jahres durchschnittlich 2,5 % teurer als ein Jahr zuvor.

Die Preissteigerungen sind größtenteils auf hohe Energie- und Rohstoffkosten zurückzuführen. Diese belasten insbesondere die Grundstoffchemie. Mittlerweile können aber auch die anderen Chemiesparten ihre gestiegenen Kosten an die Abnehmer weiterreichen. Das Wachstum der Erzeugerpreise wird sich in den kommenden Monaten voraussichtlich nicht verlangsamen, da die Rohöl und Erdgaspreise auf hohem Niveau weiter anziehen.

Starke Auslandsnachfrage, Umsatz rückläufig

Nach einem kräftigen Anstieg des amerikanischen Chemieumsatzes im Vorjahr liefen die Geschäfte der Branche zur Jahreswende 2006/2007 nur schleppend. Dank höherer Erzeugerpreise stieg der Branchenumsatz im zweiten und dritten Quartal des laufenden Jahres leicht an (Grafik 4). Dennoch wurde im bisherigen Jahresverlauf das Umsatzniveau des Vorjahres verfehlt.

Erfreulich verlief lediglich das Auslandsgeschäft. Die Chemieexporte haben in den letzten drei Quartalen kräftig zugelegt. Der Auslandsumsatz der Branche wuchs um rund 14 % auf rund 114 Mrd. US-$. Aufgrund der guten Weltkonjunktur ist in vielen Volkswirtschaften die Nachfrage nach Chemikalien groß. Der schwache US-$ dürfte die Attraktivität amerikanischer Chemieerzeugnisse zusätzlich erhöht haben. Demgegenüber brach der Chemikalienabsatz in den Vereinigten Staaten auf Grund der schwachen Baukonjunktur und der schwachen Nachfrage nach konsumnahen Chemikalien ein. Der Inlandsumsatz der US-Chemieindustrie sank im bisherigen Jahresverlauf um 4,5 % auf knapp unter 358 Mrd. US-$.

Steigende Belegschaftszahlen

Die steigende Exportnachfrage hat dafür gesorgt, dass trotz schleppender Binnenkonjunktur die Belegschaftszahlen weiter steigen. Die Mitarbeiterzahl erhöhte sich im bisherigen Jahresverlauf um etwa 0,6 %. Die Branche beschäftigt momentan rund 875.000 Mitarbeiter.

Besserung erst 2008

Die amerikanische Chemiekonjunktur kann die derzeitige Stagnation im kommenden Jahr hinter sich lassen und in die Erfolgsspur zurückkehren. Voraussetzung hierfür wäre, dass die Schwäche der Binnenkonjunktur in den Vereinigten Staaten bald überwunden wird. Es mehren sich die Stimmen, dass die negativen Einflüsse der Immobilienkrise bald abnehmen. Allerdings bleibt die Unsicherheit hoch.

Der schwache Dollar dürfte die amerikanischen Exporte weiter beflügeln. Auch die Chemiebranche rechnet mit einer steigenden Nachfrage aus dem Ausland. Wenn dann im kommenden Jahr auch die inländischen Kunden wieder verstärkt Chemikalien ordern, könnte die Chemieproduktion 2008 wieder ausgedehnt werden. Die Branche ist verhalten optimistisch. Die Geschäftserwartungen haben sich zuletzt etwas aufgehellt. Der American Chemistry Council (ACC) erwartet für das Jahr 2008 ein Produktionswachstum der Branche von rund 2 %.

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