Solvadis verbessert Service-Angebot in Gernsheim

Interview mit Andreas Weimann, Guido Steinbach und Georg Lammers

  • Guido Steinbach, Geschäftsführer, Solvadis GmbHGuido Steinbach, Geschäftsführer, Solvadis GmbH
  • Guido Steinbach, Geschäftsführer, Solvadis GmbH
  • Georg Lammers, Bereichsleiter Supply Chain, Solvadis GmbH
  • Weimann, CEO, Solvadis-Gruppe

Auf die nächsten 30 Jahre

Solvadis optimiert Service-Angebote durch den Ausbau des Standortes Gernsheim

Die Solvadis-Gruppe erbringt Dienstleistungen in der internationalen Vermarktung von Basis- und Spezialchemikalien sowie der Distribution. Im In- und Ausland agiert die Gruppe von verschiedenen Standorten aus als Partner von globalen Lieferanten bis hin zu europäischen und regionalen Kunden. Bekannt wurde kürzlich ein Vertrag, der den Standort Gernsheim, Sitz der Solvadis GmbH, für die nächsten 30 Jahre sichert zusammen mit konkreten Ausbauplänen. CHEManager befragte Andreas Weimann, CEO der Solvadis-Gruppe, Guido Steinbach, Geschäftsführer, und  Georg Lammers, Bereichsleiter Supply Chain, beide Solvadis GmbH, zur Unternehmensstruktur und den Ausbauplänen in Gernsheim. Die Fragen stellte Dr. Birgit Megges.

CHEManager: Herr Weimann, können Sie kurz etwas zur Geschichte der Solvadis Gruppe sagen?

A. Weimann: Die Solvadis-Gruppe hat ihren Ursprung in Firmen, die früher einmal u.a. zur Metallgesellschaft MG Technologies, zur Klöckner Chemie und damit zur Klöckner Gruppe oder zur Chemag und damit zur BASF gehörten. Seit 2004 wird die Gruppe durch von Orlando Management beratene Private Equity Investoren gehalten. Die Gruppe erzielt mit ca. 200 Mitarbeitern einen Umsatz von knapp 1 Mrd. € jährlich. Der größte Teil der Geschäfte wird in Europa getätigt, aber auch Kunden in Übersee gehören dazu.

Worin liegen die Schwerpunkte Ihres Geschäftes?

A. Weimann: Schwerpunkte des Geschäftes sind der Handel und die funktionale Distribution von Commodities wie Schwefel und Schwefelsäure durch Solvadis Commodity Chemicals oder kurz SCC. Die Solvadis GmbH ist in den Bereichen Petrochemie, Solvents und Methanol aktiv, während Solvadis Polymers die Bereiche PVC, EPS und Thermoplaste abdeckt. Mehrwert schaffen wir in diesen Bereichen durch den Fokus auf Services und Supply Chain Lösungen. Ein wichtiger Baustein in diesem Zusammenhang ist die Chemfidence, die den Chemiepark in Frankfurt Höchst betreut und ihre Services stetig ausbaut.

Weitere Geschäftsfelder sind die Spezialitäten der Solvadis Chemag und der Bereich Oberflächentechnik, Agrarchemikalien und die Chemiedistribution in Polen durch Solvadis Polska. Herauszuheben ist zudem noch Solvadis Methanol, eine Gesellschaft, die die Interessen der Atlantik Methanol, abgekürzt AMPCO, in Europa vertritt.

Die Solvadis-Gruppe feiert im kommenden Jahr ihr 50jähriges Standortjubiläum in Gernsheim. Wo ordnet sich der Standort in der Gruppe ein?

G. Steinbach: Gernsheim ist ein zentraler Standort für das Geschäft der Solvadis GmbH, einigen unserer Partner auch besser als Solvadis Distribution bekannt. Dieser Teil der Gruppe ist aus der früheren Klöckner Chemie und weiteren Akquisitionen im Distributionsbereich hervorgegangen. Wir haben hier in den letzten zwei Jahren unsere Strategie neu definiert und die gesamte Organisation entsprechend angepasst. Die Rolle des Platzhändlers mit breitem Sortiment und regionalen Standorten stimmte nicht mehr mit unserer Geschäftswirklichkeit überein. In den Bereichen Petrochemie, Solvents und Methanol konzentrieren wir uns auf die Vermarktung und Services um große Massenprodukte und schaffen für unsere Partner, Kunden und Lieferanten einen Mehrwert durch eine infrastrukturunterstützte, funktionale Distribution. Hier ist das Tanklager in Gernsheim ein wichtiger Baustein unserer Tankinfrastruktur am Rhein. Des Weiteren nutzen wir weitere wassergebundene Tanks von Duisburg bis Mannheim sowie in anderen Teilen Deutschlands.

Ein Critical Success Faktor bei Commodities liegt im Management der Supply Chain. Aus diesem Grunde haben wir zusätzlich zu den erwähnten Business Units alle unsere Aktivitäten in den Bereichen Transport und Infrastruktur in dem Unternehmensbereich Supply Chain zusammengefasst. Hierzu gehört auch das Tanklager in Gernsheim. Hier werden unsere Produkte in Tanks mit einer Größe von 50 bis 1.500 m³ gelagert. Der Zugang erfolgt per Schiff oder Schiene. Der größte Teil unserer Kunden wird dann im Bulk-TKW oder auch per Schiene beliefert.

Sie sprechen von Critical Success Faktoren. Was meinen Sei damit? 

G. Steinbach: Für unsere Produkte gewinnen die Optimierung der Lieferkette sowie Aspekte der Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung. Hier sind wir Partner der chemischen und chemieverarbeitenden Industrien, von Verbrauchern und Lieferanten. Aus diesem Grund erarbeiten wir u.a. Lösungen zu den Themen Verringerung von Komplexität, Verschlankung von Prozessen, Liefersicherheit, Lagerkonzepte, Konfektionierung, Qualität und Umwelt. In diesem Zusammenhang haben wir die Entscheidung getroffen, unser Tanklager in Gernsheim den Erfordernissen anzupassen und auszubauen.

Wie sieht Ihr Produktfokus in Gernsheim aus?

G. Lammers: Unser Produktportfolio umfasst heute im Wesentlichen Aromaten,  Isoparaffine, Lösemittel wie z.B. Aceton, IPA, Acetate und Glykole sowie Methanol und Hydocarbon Solvents. Als zusätzlichen Service bieten wir Lagerhaltung, die Konfektionierung z.B. unter dem Stichwort „Blending and Filling“ sowie Vendor Managed Inventory Lösungen an.

Welche Märkte beliefern Sie mit diesen Produkten - industriespezifisch und regional gesehen?

G. Steinbach: Die Auslieferungen erfolgt in Bulk per Schiene und Straße an die Großindustrie sowie auch an mittlere und kleinere Unternehmen. Kunden sind in den Bereichen der Petrochemie, der chemieverarbeitenden Industrie, der Lack- und Farbenindustrie, Bauchemie, Automotive sowie Pharmaindustrie und weiteren Branchen zu finden. Als Absatzmarkt sehen wir Europa. Der größte Einzelmarkt ist jedoch Deutschland.

Sie haben erst kürzlich einen 30-Jahres-Vertrag für den Standort Gernsheim geschlossen. Was hat Sie dazu bewogen, so weit in die Zukunft zu blicken? Welche Ziele verfolgen Sie damit?

G. Lammers: Bedingt durch eine sich bei vielen Produkten ändernde Wettbewerbssituation, veränderte Warenströme und instabile Kosten sind wir der Überzeugung, dass nur eine Supply Chain Lösung mit entsprechender Infrastruktur und entsprechendem Marketing eine für alle Seiten nutzenstiftende Lösung bieten kann. In diesem Zusammenhang spielt unser Standort in Gernsheim eine wichtige Rolle. Hier ist auch zu berücksichtigen, dass Gernsheim geografisch zwischen den Industrieregionen um Frankfurt und Mannheim/Ludwigshafen liegt und auch für unsere Kunden im Südosten Deutschlands, der Schweiz und Frankreich sehr interessant ist und die Abhängigkeit von den ARA-Ports in vielerlei Hinsicht reduziert wird.

Sie planen, den Standort in zwei Phasen auszubauen. Wie sollen diese Phasen aussehen?

G. Lammers: Erste Phase ist der Ausbau der Infrastruktur für die Verkehrsträger Wasser, Straße und Schiene. Wir werden zukünftig in der Lage sein, Ganzzüge umzuschlagen. Hiermit haben wir dann größtmögliche Flexibilität für die erforderlichen Logistikkonzepte und die Unwägbarkeiten auf dem Rhein. Die zweite Phase ist der Ausbau der Tankkapazitäten durch zusätzliche Tanks mit einer Kapazität von jeweils 2.500 m³ sowie der Betriebsinfrastruktur.  

Welche Änderungen ergeben sich nach dem Ausbau für Ihre Produkte und Märkte?

G. Steinbach: Der bisherige Produkt und Marktfokus wird erweitert durch nutzenstiftende Lösungen zur Steigerung der Wettbewerbsfähig unserer Partner, Verbraucher und Produzenten.

In welcher Form profitieren Ihre Kunden durch den geplanten Ausbau?

G. Steinbach: Die Kunden profitieren durch einen zusätzlichen Nutzen resultierend aus unserer Supply Chain und Marketing Strategie. Dieser zusätzliche Nutzen wird in individuellen Projekten erarbeitet.  Stichworte hierzu sind Liefersicherheit, kurzfristige Reaktionsfähigkeit,  Reserven für Bedarfsspitzen, Vermeidung von Liege- oder Standgeldern, schlankere administrative und operative Prozesse entlang der Lieferkette und Komplexitätsreduktion, um nur einige zu nennen. Hinzu kommt die bereits angesprochene geringere Abhängigkeit von den Häfen in ARA. Zusätzlich erlaubt die langjährige Standortsicherung auch langfristige vertragliche Beziehungen zu unseren Partnern.

Inwieweit wird sich Ihr Kundenstamm durch die erweiterte Infrastruktur und die neuen Lagerkapazitäten ändern?

G. Lammers: Der Kundenstamm wird verstärkt, wo ganzheitliche Kostenvorteile und Versorgungssicherheit entlang der Lieferketten gefordert werden. Aber insgesamt werden wir in der Lage sein, allen unseren Partnern wettbewerbsfähige Lösungen anzubieten.

 

 

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