Wie künstliche Intelligenz und Biotechnologie die Farbwelt revolutionieren

Interview mit Klaas Kruithof Chief Technology Officer bei AkzoNobel

  • Die Initiative „Paint the Future“ von AkzoNobel soll helfen, Innovationen zu beschleunigen, um bestehende Herausforderungen durch die intelligentesten und besten Ideen zu lösen.Die Initiative „Paint the Future“ von AkzoNobel soll helfen, Innovationen zu beschleunigen, um bestehende Herausforderungen durch die intelligentesten und besten Ideen zu lösen.
  • Die Initiative „Paint the Future“ von AkzoNobel soll helfen, Innovationen zu beschleunigen, um bestehende Herausforderungen durch die intelligentesten und besten Ideen zu lösen.
  • Klaas Kruithof, Chief Technology Officer, AkzoNobel Paints & Coatings
Der im Herbst 2018 vollzogene Verkauf des Spezialchemiegeschäfts war ein Meilenstein in der Geschichte von AkzoNobel. Als Spezialunternehmen für Farben und Lacke will der niederländische Konzern seine Expertise und seine Aktivitäten mit neuen Ideen zusammenbringen, um innovative Entwicklungen in der Welt der Farben und Lacke voranzutreiben. AkzoNobel hat deshalb Start-ups und Scale-ups weltweit zur Zusammenarbeit eingeladen. Im Fokus der Innovationsoffensive „Paint the Future“ stehen neue disruptive Technologien sowie revolutionäre Produkte, Konzepte und Lösungsansätze. Birgit Megges hat Klaas Kruithof, Chief Technology Officer bei AkzoNobel, gebeten, die Strategie und die Ziele zu erläutern.

CHEManager: Herr Kruithof, AkzoNobel hat die Initiative „Paint the Future“ ins Leben gerufen. Was steckt dahinter?

Klaas Kruithof: Innovation gehört seit langem zur DNA unseres Unternehmens – jetzt sind wir bereit für einen neuen Schritt, mit Fokus auf Farben und Lacke. Wir haben bereits viele Produkte, die den Kunden besondere Vorteile und Funktionen bieten. Und wir wissen, was unsere Kunden in Zukunft brauchen und erwarten. Deshalb wollen wir die Entwicklung vorantreiben, indem wir mit zukunftsweisenden Partnern zusammenarbeiten und hochspannende Potenziale in die Realität umsetzen. Der kooperative Ansatz wird beiden Seiten zugutekommen. Wir haben ganz klar das Ziel, gemeinsam mit den Gewinnern die Zukunft zu gestalten.

Gehen Ihren Forschern die Ideen aus oder warum setzen Sie auf Open Innovation?

K. Kruithof: Ganz einfach: „Zwei wissen immer mehr als einer“ – und wir können eine globale Startplattform anbieten. Technologien entwickeln sich immer schneller und es ist unmöglich, „alles über alles“ zu wissen. Open Innovation ist ein guter Ansatz, um das eigene Wissen zu erweitern, besonders wenn wir neue Bereiche erschließen wollen, die Schnittstellen zu unserem heutigen Geschäft bieten.

Unsere Leidenschaft für Farben reicht weit zurück, so dass unsere Mitarbeiter selbst einiges zu bieten haben: Wir haben Know-how, ­Wissen und Ressourcen, die wir teilen können, wir können Verbindungen und Partnerschaften anbieten.

Es ist spannend zu sehen, was das in den Händen von Start-ups und Scale-ups ausmachen kann. 

Die Initiative soll helfen, Innovationen zu beschleunigen, damit wir bestehende Herausforderungen durch die intelligentesten und besten Ideen lösen können, die es gibt. Wir fordern auch unsere Kollegen auf, mitzumachen und Teil dieser Innovations-Challenge zu werden. Wir ermutigen sie, sich zu beteiligen und mitzuhelfen, Mehrwert für unser Unternehmen und die Start-ups zu schaffen, indem wir unser Wissen und unsere Expertise teilen.

Gibt es derzeit schon bestehende Kooperationen mit Universitäten, Forschungsinstituten oder Start-ups, über die Sie berichten können?

K. Kruithof: Wir gehören zu den Mitbegründern des Advanced Research Centers Chemicals Building Block Consortium oder kurz ARC CBBC in den Niederlanden, zusammen mit Shell und BASF. Wir haben außerdem eine langjährige Zusammenarbeit mit der University of Manchester in Großbritannien im Bereich der Korrosion; es gibt viele weitere Beispiele.
Bei unseren Pulverbeschichtungen haben wir die ersten Muster eines Industrierußes von Black Bear eingeführt, die ein Verfahren zur Rückgewinnung von Schwarzpigment aus Altreifen entwickelt haben. Auch aus dem Start-up-Bereich wird es weitere Neueinführungen geben, von denen ich hoffe, dass wir sie noch in diesem Jahr bekannt geben können.

Was versprechen Sie sich langfristig von dieser Innovationsoffensive und welche Schlüsselbereiche wollen Sie damit abdecken?

K. Kruithof: Es ist unser Ziel, diesen Wettbewerb jedes Jahr auszurichten, um ein Ökosystem von Innovatoren rund um unser Unternehmen aufzubauen und die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam zu lösen.

„Paint the Future“ konzentriert sich auf fünf Schlüsselbereiche, in denen wir mit Hilfe von Start-ups und Scale-ups weiterkommen wollen: Der erste Bereich umfasst genauere Prognosen, die aufzeigen sollen, wie wir Daten sammeln und aufbereiten können, damit unsere Vorhersagen präziser werden. Der zweite Bereich ist die „Smarte Anbringung“ und beschäftigt sich mit der Frage, wie wir die Anbringung unserer Produkte für Anwender optimieren können. Das „Zirkuläre Wirtschaften“ ist der dritte Bereich, der den zirkulären Einsatz von Materialien ermöglichen soll. Die Fragestellung, wie wir Produkten mit bioaktiven Technologien neue Eigenschaften verleihen können, wird im Schlüsselbereich „Optimierung durch Life Sciences“ bearbeitet. Schließlich werden im fünften Bereich erweiterte Funktionalitäten getestet, das heißt es wird untersucht, mit welchen neuen Funktionen Beschichtungen verbessert werden können.

Welche Signale erhalten Sie von den Anwendern darüber, was im Markt tatsächlich gebraucht und gewünscht wird?

K. Kruithof: Zu den Signalen aus dem Markt gehören das „Need for Speed“, also die Beschleunigung der eigenen Produktionsprozesse und Prozesse durch die Kunden; wir sehen auch die Notwendigkeit einer einfacheren und saubereren Anwendung – „No Hassle Paint“ – sowie die Einführung neuer Funktionalitäten, die es unseren Kunden ermöglichen, den Wert ihres Substrats durch die Beschichtung zu erhöhen. Last but not least unser langjähriges Engagement für Nachhaltigkeit, das dem ständig steigenden Druck durch die Umwelt gerecht wird.

"Open Innovation ist ein guter Ansatz,
um das eigene 
Wissen zu erweitern."
 
Wie gehen Sie generell mit dem Thema Nachhaltigkeit um? Was hat sich hier in den letzten Jahren geändert?

K. Kruithof: Unsere Mitarbeiter achten immer darauf, die Leistung zu erhöhen und gleichzeitig den Verbrauch zu reduzieren. Wir sind alle davon überzeugt, dass wir mit Nachhaltigkeit als einem Kern unserer Geschäftsstrategie langfristig bessere Geschäftsergebnisse erzielen, sowohl für uns selbst als auch für unsere Geschäftspartner. Wir legen besonderen Wert darauf, unsere Energieeffizienz zu steigern, Materialverschwendung zu reduzieren und unseren Kunden weiterhin mehr umweltfreundliche Lösungen und wasserbasierte Produkte anzubieten. Nachhaltigkeit ist eindeutig gut für das Geschäft.

Wichtige, zukunftsweisende Innovationen sind der Schlüssel zur Umsetzung unserer Strategie. So haben wir zum Beispiel in China mit Dulux Biocare eine Innenfarbe eingeführt, die dort die nachhaltige Entwicklung eines umweltfreundlichen Markts für das Renovieren im Wohnbereich vorantreibt. Ein weiteres Beispiel, das wir gerade entwickeln, ist die Anti-Fouling-Technologie mit ultravioletten Leuchtdioden. Die bahnbrechende Lösung auf Basis einer von Royal Philips entwickelten Technologie wird auf Unterwasseroberflächen angewendet, um Ablagerungen zu verhindern. 
Unser Dekogeschäft ist auf dem Weg, traditionelle lösungsmittelbasierte Produkte durch Wasserprodukte zu ersetzen, ohne an Qualität oder Leistung zu verlieren.

Wie sehr beeinflusst die Gesetzgebung ihre Arbeit in diesem Bereich? Als Beispiel sei hier die Einstufung von Inhaltsstoffen wie Titandioxid erwähnt.

K. Kruithof: Unser Portfolio-Ansatz fördert die Verwendung sicherer und nachhaltiger Produkte. Wir ergreifen Maßnahmen zum Umgang mit Schadstoffen, um der Gesetzgebung vorzugreifen und machen unsere Produkte zukunftssicher gegen Änderungen der Vorschriften. Wir sind stolz darauf, dass wir als erstes globales Lackunternehmen bleihaltige Farbpigmente aus allen unseren Formulierungen ersetzt haben.

Wir verfolgen die TiO2-Diskussion sehr genau; erstens, um sicherzustellen, dass unsere Kunden und eigenen Mitarbeiter das Material sicher einsetzen können, und zweitens, um mögliche Alternativen zu untersuchen, da dieser weit verbreitete Rohstoff schwierig ist.

Welche Rolle spielt das Thema künstliche Intelligenz bei der Entwicklung neuer Lacke und Farben?

K. Kruithof: Künstliche Intelligenz ist ein gutes Beispiel dafür, warum wir mit externen Partnern im Rahmen von Open Innovation zusammenarbeiten, da die Technologie der traditionellen Farbenindustrie fremd ist, sich aber sehr schnell entwickelt. Durch die Partnerschaft mit einem Start-up-Unternehmen konnten wir künstliche Intelligenz in unseren Farbentwicklungsprozess einführen; unsere Intertrac Vision basiert auf der Beherrschung großer Datenmengen, Mustererkennung und künstliche Intelligenz.

Ohne zu viel zu verraten, welche neuen disruptiven Technologien oder revolutionären Produkte können Sie sich im Bereich Farben und Lacke vorstellen?
K. Kruithof: Vor allem Beschichtungen, die zusätzliche Funktionen bieten wie z. B. Energiemanagement oder das Senden von Signalen mit Informationen, was unter der Oberfläche passiert, wie Risse oder undichte Stellen. Darüber hinaus sehen wir Beschichtungen mit innovativen Farben oder Effekten. Aber auch neue Geschäftsmodelle, bei denen Beschichtungen oder Daten, die sie erzeugen, eine wichtige Rolle spielen.

Klaas Kruithof ist derzeit Chief Technology Officer bei AkzoNobel Paints & Coatings. Der promovierte Chemiker hat seine Karriere bei Akzo im Jahr 1984 im Forschungsbereich „Automotive OEM Coatings“ begonnen und bekleidete seitdem verschiedene internationale Positionen. Von 2012 bis zu seiner Ernennung zum CTO im Jahr 2017 war er als Director RD & I für den Geschäftsbereich Performance Coatings tätig, eine globale Rolle, die im Rahmen eines EUR 6B-Geschäfts rund 2.500 Forscher und Techniker betreut.


 

 

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