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Chemie & Pharma: Im Einkauf nur Mittelmaß

Wertschöpfungsquelle Einkauf spielt im Branchencluster Chemie-Pharma-Medizintechnik oft nur Nebenrolle

13.11.2012 -

Die Chemie- und Pharmaindustrie gilt allgemein als eine der Vorzeigebranchen der deutschen Wirtschaft. Im Einkauf zeigt sich jedoch ein abweichendes Bild. In der jüngsten ConMoto Studie „Wie wertorientiert arbeitet Ihr Einkauf?" belegt das Branchencluster Chemie, Pharma und Medizintechnik nur einen Platz im hinteren Mittelfeld des Industrierankings und offenbart damit im Vergleich zum Branchenprimus Automotive noch deutliche Wertsteigerungspotentiale.

In dem Maße, in dem Wertschöpfung und Fertigungstiefe eines Unternehmens sinken, steigt das Gewicht des Einkaufs. Die Material- und Sachkosten stellen einen seit Jahren stetig wachsenden Anteil am Umsatz dar, der z.B. im Bereich Chemie & Pharma bereits über 50 % erreicht. Unstrittig ist: Der Einkauf verantwortet damit auch in diesem Industriebreich einen Großteil der anfallenden Kosten. Daraus ergibt sich eine beachtliche Hebelwirkung auf den Unternehmenswert.

Wertorientierung im Einkauf

Zahlreiche Gespräche mit Entscheidungsträgern zeigen, dass gerade der Wertbeitrag des Einkaufs zum Unternehmenserfolg ein häufiger und kontrovers diskutierter Leitgedanke ist. Viele wissen aus Erfahrung, dass der Einkauf einen substantiellen Beitrag zur Steigerung des Unternehmenswerts leisten kann. Andere wiederum vermuten es nur. Exakt „greifen" können den tatsächlichen Wertbeitrag bis heute jedoch die Wenigsten. Die Frage „Wie wertorientiert arbeitet Ihr Einkauf?" muss - so einfach es klingt - konkret beantwortet und mit Zahlen, Daten und Fakten hinterlegt werden. Nur so kann die Leistung, die „Wertschöpfung" des Einkaufs, fassbar und bewertbar gemacht werden. Doch was genau bedeutet Wertorientierung im Einkauf?

Erstklassiges, wertorientiertes Einkaufsmanagement umfasst weit mehr als Waren- und Dienstleistungsbeschaffung zu möglichst niedrigen Preisen. Die Art der Zusammenarbeit mit den Lieferanten sowie den unternehmensinternen Bereichen nimmt einen maßgeblichen Stellenwert ein. Nicht nur, was die Versorgungssicherheit anbelangt, sondern auch im Hinblick auf Innovation und Produktentwicklung. Hier ist eine frühzeitige Einbeziehung des Einkaufs heute „state of the art". Entscheidende Eckpfeiler sind in diesem Zusammenhang exzellente Mitarbeiter auf allen Ebenen des Einkaufs- und Beschaffungssystems. Letztlich sind alle Aktivitäten im Kontext einer übergeordneten Einkaufsstrategie zu sehen, welche sich wiederum aus der Unternehmensstrategie ableitet.

Im Rahmen der Studie bewerteten Topmanager aus 111 Unternehmen und 8 Branchenclustern ihr Beschaffungsmanagement anhand von zentralen Einflussbereichen eines wertorientierten Einkaufs. Die Gesamtnote über alle Unternehmen und Branchen hinweg lautet „befriedigend", wobei die Spreizung im Notenspiegel erheblich ist. Einige Unternehmen sind weit abgeschlagen und haben noch sehr viel Grundsatzarbeit zu leisten, während andere bereits sehr professionell agieren. „Jedoch steckt auch in diesen Unternehmen auf verschiedenen Feldern noch erhebliches Verbesserungspotential, d. h. es können noch deutliche Ergebnis- und Liquiditätssteigerungen erzielt werden", betont Prof. Dr.-Ing. Andreas R. Voegele, Geschäftsführender Gesellschafter bei ConMoto und langjähriges Vorstandsmitglied des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME).

Einkauf als Wertschöpfungsquelle

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass vorhandene Wertschöpfungspotentiale im Einkauf von Chemie- und Pharmaunternehmen nicht nachhaltig ausgeschöpft werden. Gerade im Vergleich zum Branchen-Spitzenreiter Automotive besteht noch viel Nachholbedarf. In Schulnoten ausgedrückt gaben die befragten Topmanager des Branchenclusters Chemie, Pharma und Medizintechnik ihrem Einkauf die Note „befriedigend" (ø 2,8). Auffällig: Der Bereich zeigt im Industrieranking die größte Spreizung zwischen den am besten (1,1) und am schlechtesten (4,9) bewerteten Unternehmen (Abb. 1).

Bei den Einflussbereichen Entscheidungseffizienz und Einkaufsstrategie belegt die Branche nur den letzten Platz (ø 3,2 bzw. 3,3) innerhalb des Industrievergleichs. Jeweils 18 % der Unternehmen bewerten sich hier sogar mit der Note „ungenügend", d.h. sie verfügen über keine Einkaufsstrategie bzw. gaben an, nicht in der Lage zu sein, Vergabeentscheidungen an ihre Lieferanten systematisch zu treffen. Auch in den übrigen Einflussbereichen eines erstklassigen wertorientierten Einkaufs, wie zum Beispiel dem Warengruppenmanagement, zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Chemie- und Pharmaindustrie reiht sich durchwegs nur im hinteren Mittelfeld ein.

Wertorientiertes Beschaffungsmanagement

Das Ziel im Benchmark mit dem Branchenbesten ist gesetzt: Die Entwicklung des Einkaufs zu einem innovativen Wertedienstleister. Bleibt die Frage, was zu tun ist, um diese Potentiale schnellstmöglich und nachhaltig auszuschöpfen. Auch in diesem Fall gilt das Sprichwort „Viele Wege führen nach Rom". Aber welcher davon ist der effizienteste? „Unsere Erfahrung zeigt, dass es für die erheblichen Ergebnis- und Liquiditätsreserven im Einkauf ein komplexes Geflecht an Ursachen gibt", sagt Einkaufsexperte Voegele. Viele Unternehmen versuchen, diese Ursachen punktuell zu attackieren, unterschätzen jedoch die Abhängigkeiten zwischen den Handlungsfeldern.

Nur durch einen ganzheitlichen Betrachtungsansatz wird der Einkauf zu einem integrativen Wertschöpfungspartner im Unternehmen. „Das bedeutet Servicefunktion, Schnittstelle, kritischer Hinterfrager, innovativer Wachstumsmotor und Werttreiber zugleich", hebt Voegele hervor. Letztendlich ist das Ziel einer wertorientierten Ausrichtung des Einkaufs, den Wertbeitrag und damit den Unternehmenswert systematisch und kontinuierlich zu steigern. ConMoto konnte die Erfolgsformel der Innovatoren im Einkauf in Form einer „Wertorientierungs-DNA" entschlüsseln und im Rahmen der Untersuchung bestätigen. Die zwölf zentralen Bausteine, die Unternehmen operative Exzellenz in der Beschaffung garantieren, sind das Konzentrat jahrelanger Projekt- und Managementerfahrung auf dem Gebiet Einkauf und Beschaffung (Abb. 2).

Festzuhalten ist: Die Wertschöpfungspotentiale im Einkauf bei Chemie- und Pharmaunternehmen sind bei Weitem nicht ausgeschöpft. Ein erstklassiges, wertorientiertes Beschaffungsmanagement stellt damit heute mehr denn je einen Schlüssel zum Unternehmenserfolg dar.

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