Contract Manufacturing im Aufwind

Ebbecke Verfahrenstechnik übernimmt im Chempark Leverkusen vier Sprühtrockner von DyStar

  • Die Ebbecke Spraytech richtet im Chempark Leverkusen neben dem Zentrum für Sprühtrocknung auch ein großes Technikum mit allen erforderlichen Analyse- als auch Laborkapazitäten ein (© Currenta)Die Ebbecke Spraytech richtet im Chempark Leverkusen neben dem Zentrum für Sprühtrocknung auch ein großes Technikum mit allen erforderlichen Analyse- als auch Laborkapazitäten ein (© Currenta)
  • Die Ebbecke Spraytech richtet im Chempark Leverkusen neben dem Zentrum für Sprühtrocknung auch ein großes Technikum mit allen erforderlichen Analyse- als auch Laborkapazitäten ein (© Currenta)
  • Axel Ebbecke, Vorstand der Ebbecke Verfahrentechnik: „Wir sind für unsere Kunden als strategischer Partner tätig.“

Die Ebbecke Verfahrenstechnik AG aus Bruchköbel bei Frankfurt/ Main bietet die Abdeckung kompletter Supply Chain Management-Ketten in Form einer Kombination verschiedenster Dienstleistungen an. Im Rahmen des TIM-Konzeptes (Total Industrial Management) gehört insbesondere die Komplettaufbereitung von Schüttgütern inklusiv aller Logistikdienstleistungen zu den Schwerpunkten des Unternehmens, das insbesondere in den Bereichen Feinchemie, Pharma-Vorprodukte, Kosmetik, Kunststoffe und Futtermittel tätig ist. CHEManager sprach mit Axel Ebbecke, Vorstand und persönlich haftender Gesellschafter der Ebbecke Verfahrentechnik, über Perspektiven und Zukunftspläne des Contract Manufacturers. Das Gespräch führte Dr. Volker Oestreich.


CHEManager: Herr Ebbecke, können Sie die Aufgabe Ihres Unternehmens in einem Satz beschreiben?

Axel Ebbecke: Das Unternehmen versteht sich als Komplettanbieter im Bereich der Lohnproduktion und im Handling von Feststoffen und ist tätig für alle industriellen Branchen, die Schüttgut verarbeiten.


Machen Sie also das, wozu sich andere zu fein sind?

Axel Ebbecke: Der Bereich der Lohnverarbeitung wurde lange Zeit als ein Nebenprodukt bei Produktionsstörungen oder der Überbrückung von Engpässen verstanden. In zunehmendem Maße werden wir aber aus vielerlei Gründen bereits in den Entwicklungsprozess mit einbezogen und sind somit als strategischer Partner tätig. Oft ist die Lohnproduktion aufgrund der kurzfristig verfügbaren Kapazitäten und der Vielfalt der Anlagentechnik in hohem Maße nicht primär ein Kostenträger, sondern in erheblichem Maße ein Ertragsbringer. Die Variabilisierung von Kosten ist heute ein großes Thema und geht einher mit der Reduzierung von Fixkosten, gerade in Zeiten von schwankendem Bedarf und schwankenden Konjunkturaussichten.


Sie Füllen, Mischen, Mikronisieren, Sieben, Trocknen, Pastillieren und bieten Logistikleistungen - wie definieren Sie die Kernkompetenz Ihres Unternehmens?

Axel Ebbecke: Sie haben einige der Bereiche, die in unserem Hause abgedeckt werden, angesprochen.

Ergänzend kommen noch die Bereiche Sprühtrocknung, Nassvermahlung, Walzenkompaktierung, Coatings und weitere Spezialbereiche hinzu. An dieser Aufzählung können Sie schon sehen, dass wir uns in der Kernkompetenz als einen Komplettanbieter im Bereich der Lohnverarbeitung sehen.
Die Kernkompetenz besteht aus dem technischen Know How, hervorgerufen durch die Vielfalt der Anlagentechnik und Verfahren und die enorme Menge an unterschiedlichsten Produkten, die auf diesen gefahren werden. Hierbei muss man wissen, dass im Bereich der Schüttgutverarbeitung eine Berechenbarkeit nur bedingt möglich ist. Unser Bereich basiert wesentlich auf Erfahrungswerten aus den vielen Jahren, in dem wir in diesem Bereich tätig sind.


Als Contract Manufacturer ohne eigene Produkte sind sie abhängig von strategischen Entscheidungen Ihrer Kunden - egal ob „Make or Buy" oder Fertigungsverlagerungen zur Entscheidung stehen. Wie wirken sich Globalisierung und die Verlagerung von Fertigungsstandorten insbesondere in die asiatischen Länder auf Ihr Geschäft aus?

Axel Ebbecke: Die stark zunehmenden Veränderungen und Konjunkturzyklen sowie die Unwägbarkeiten in einer globalisierten Welt führen auch für viele unserer Kunden aus dem Großindustriebereich dazu, sich neu strategisch zu orientieren. Hinzu kommt die enorme Vielfalt an Produkten. Große volumenträchtige Produkte werden oft hier nicht mehr hergestellt. Man tendiert immer stärker zu einer höheren Diversifizierung und damit höherwertigen Produkten. Hieraus ergibt sich die Antwort auf Ihre Frage. Die Flexibilisierung von Produktionsabläufen bedingt eine atmende Produktion. Die Reduzierung von Fixkosten, hervorgerufen durch Eigeninvestitionen, wird mehr und mehr durch eine Variabilisierung der Kosten ersetzt.
Die externe Lohnfertigung bietet neben dem technischen Vorteil natürlich auch den Vorteil, dass in konjunkturschwachen Zeiten nur das bezahlt wird, was auch wirklich beauftragt wurde. Verträge sehen dementsprechend auch verschiedene Produktionsvolumen vor. Die Fixkosten durch vorgehaltenes Personal oder teilausgelastete Anlagen entfallen. Somit ist man in der Lage, Kernkapazitäten aufrecht zu erhalten und darüber hinaus Überkapazitäten extern fertigen zu lassen.
Konkret wirken sich Verlagerungen von Fertigungsstandorten in asiatische Länder oder auch Veränderung durch die Globalisierung insgesamt positiv auf unser Geschäft aus. Als Lohnverarbeiter, der für viele Branchen tätig ist, haben wir den Vorteil, dass die Zyklen in den diversen Branchen sehr unterschiedlich sein können und wir somit in einer Branche starke Umsatzrückgänge verzeichnen, in der anderen aber Umsatzzuwachs. Somit sind wir in der Lage, das Geschäft in diesem Bereich stabil zu halten.


Lassen sich denn die von Ihnen angebotenen Leistungen in Deutschland noch zu wettbewerbsfähigen Preisen erbringen?

Axel Ebbecke: Grundsätzlich kann man dies bejahen. Hierbei ist jedes Produkt aber im Einzelfall zu betrachten. Die Kosten für die Erstellung des Produktes zuzüglich unserer Dienstleistungskosten müssen den erzielbaren Preis im Markt deutlich unterschreiten. Solange dies gewährleistet ist, können wir dies noch zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten. Hierbei hilft die Konzentration auf ergebnisstärkere Produkte und damit Einhergehen der Diversifizierung in den Produktportfolios seitens unserer Kunden.


Inwieweit entwickeln Sie Ihre Verfahren selber und wie garantieren Sie eine kontinuierliche Prozesskontrolle und -dokumentation, was ja gerade für Pharma und Food von besonderer Bedeutung ist?

Axel Ebbecke: Für den Bereich Pharma und Food haben wir separierte eigene Produktionsanlagen in eigenen Betrieben. Durch diese Segmentierung der Produktion sowohl in räumlicher als auch organisatorischer und personeller Hinsicht können wir die entsprechenden Hygienestandards in diesen Anlagen gewährleisten. Die Prozesskontrolle und Dokumentation erfolgt mittels Batchrecords, die individuell mit unseren Kunden abgestimmt werden, sowie unserem eigenen Analyselabor, das vorwiegend auf mechanische Parameter ausgerichtet ist. Dies sind u. a. Kornspektrum, Feuchte, Stampfdicht, Schüttgewicht.
Grundsätzlich werden die Verfahren durch unser Haus selbst entwickelt. In diese Verfahren integriert werden aber Standardmaschinen der bekannten Anlagenbauer und Hersteller. Dies ist für uns unabdingbar, da wir gemeinsam mit unseren Kunden bei langfristigen Verträgen eine individuelle Anlage konzipieren und umsetzen sowie für unseren Kunden auch die Investition tätigen.


Zum 1. Februar 2012 haben Sie im Chempark in Leverkusen vier Sprühtrockner von DyStar übernommen - was ist die Intention hinter dieser Akquisition?

Axel Ebbecke: Die Intention ist, unseren Kunden ein komplettes Leistungsspektrum anbieten zu können. Immer wieder wurden wir auf Sprühtrocknung angesprochen. Da die Sprühtrocknung erhebliche verfahrenstechnische Vorteile für unsere Kunden bietet und ein sehr effizientes Verfahren darstellt, war die Übernahme dieser hervorragend ausgestatteten Sprühtrockner und Nassmahlanlagen ein großer Vorteil für unsere Kunden.
Aufgrund der Übernahme eines bestehenden Betriebes mit dem dort erfahrenen Personalstamm sind wir in der Lage, vom ersten Tag an im industriellen Maßstab bis zu 6.000 t sprühzutrocknen und zu verarbeiten.
Wir haben das Know How dieses verfahrenstechnisch anspruchsvollem und sehr spezialisierten Bereichs in unserem Tochterunternehmen, der Ebbecke Spraytech GmbH, konzentriert und halten in unserem Zentrum für Sprühtrocknung auch ein großes Technikum mit allen erforderlichen Analyse- als auch Laborkapazitäten vor. In enger Abstimmung mit Hochschulen, und mit Anlagenbauern werden wir verbesserte Verfahren entwickeln, um spezielle Partikel kundenindividuell zu produzieren.


Haben Sie für die nahe Zukunft weitere Ausbaupläne und wie wird sich die Geschäftsentwicklung für Sie in diesem und dem kommenden Jahr gestalten?

Axel Ebbecke: Wir gehen für dieses Jahr von einem Umsatzwachstum von ca. 20 % aus. Um dem Rechnung zu tragen, müssen wir in Spezialbereichen investieren. Dies wird insbesondere den Bereich der Walzenkompaktierung, aber auch den Bereich der Produktion von Pharma- und Food-Produkten betreffen. Ergänzend kommen die Sprühtrocknungs- und Nassmahlkapazitäten unseres neuen Standortes Leverkusen hinzu. Wir gehen davon aus, dass sich auch im Geschäftsjahr 2013 insbesondere der Bereich der Sprühtrocknung und Nassmahlung dynamisch entwickeln wird und einen zusätzlichen Beitrag zu dem genannten Wachstum leistet. 

Kontaktieren

Ebbecke Verfahrenstechnik GmbH & Co. KG
Keltenstr. 16
63486 Bruchköbel
Germany

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