Standorte & Services

Räumliche Nähe entlang der Wertschöpfungskette

Im Dow ValuePark Schkopau sind Produktion und Dienstleistung bestens vernetzt

05.06.2014 -

Produzenten, Verarbeiter und Dienstleister entlang der Wertschöpfungskette der Chemie in räumlich unmittelbare Nähe zueinander zu bringen, ist das Konzept des ValuePark von Dow. Seit 1998 setzt der amerikanische Chemiekonzern an seinem mitteldeutschen Standort Schkopau dieses Konzept erfolgreich um. Welche Vorteile allen Seiten aus diesem Konzept erwachsen und welchen Stellenwert  das partnerschaftliche Miteinander der beteiligten Parteien hierbei hat, erzählen Anke Bökelmann, Relationship Manager, Dow Olefinverbund und Ulrich Grätz, Director Supply Chain Solutions, Hoyer Group im Interview mit Sites & Services. Die Fragen stellte Dr. Sonja Andres.

Sites & Services: Frau Bökelmann, was zeichnet den Standort Schkopau innerhalb des Dow-Gesamtkonzerns aus?

A. Bökelmann: Unsere vier Werke in der mitteldeutschen Region sind als  technologische und wirtschaftliche Einheit eines der noch wenigen existierenden integrierten Chemieunternehmen in Deutschland. Innovative Technologien, eine hohe Produktivität, ausgezeichnete Ergebnisse in der Arbeitssicherheit und beim Umweltschutz und die 1.700 Mitarbeiter stehen für hohe Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit. Das umfangreiche Leistungsportfolio des Dow Konzerns  spiegelt sich auch an unseren  mitteldeutschen Werken wider. Mit Performance- und Spezialkunststoffen sowie Chemikalien, bieten wir Produkte und Lösungen für Kunden in nahezu allen Industriezweigen zur Bewältigung heutiger wie künftiger Herausforderungen. Genannt seien hier nur Energie, Infrastruktur und Transport. Schkopau war der erste Dow Standort an dem das Konzept ValuePark umgesetzt wurde. Innerhalb weniger Jahre hat er sich zu einem überregional bedeutenden Ansiedlungsstandort entwickelt, wie auch am Beispiel von Hoyer deutlich wird. Das strategische Konzept - entlang der Wertschöpfungskette Produzenten, Verarbeiter und Dienstleister anzusiedeln - wurde inzwischen auch von einigen anderen Dow-Standorten übernommen. Die Logistikdienstleister vor Ort, wie es die Fa. Hoyer seit 1998 ist, sind wichtige Partner für Dow, für alle anderen Firmen im ValuePark und für die Region. Sie sind vor der Haustür ihres Kunden angesiedelt und Garant für Best Service und eine optimierte Lieferkette.

Herr Grätz, bereits bei der Neugestaltung des Standortes Schkopau Ende der 90er Jahre, war Hoyer mit Werklogistikaktivitäten für Dow (damals noch BSL) mit an Bord. Hat sich das Angebot über die Jahre gewandelt; wo liegen die Schwerpunkt heute?

U. Grätz: Das Angebot hat sich grundsätzlich nicht wesentlich gewandelt. Hoyer wurde mehr und mehr in die Prozesse der Dow integriert. Das Gesamtvolumen in der Abwicklung hat sich signifikant geändert. Vom reinen Dienstleister für speditionelle Services hat sich Hoyer am Standort zu einem integrativen Dienstleister für alle sogenannten „Value-Added-Services" entwickelt. Unser Leistungsportfolio umfasst werksinterne Transporte, Bulk-Verladungen von Festprodukten, Verladung flüssiger Gefahrgüter in Kesselwagen, Straßentankzüge und Tankcontainer, Abfertigung und Lagerverwaltung für Dow, Terminalaktivitäten und der Betrieb sowie die Vorhaltung von Lageranlagen für palettierte Ware und Bulkware in Standsilos. Der Schwerpunkt unserer Aktivitäten liegt aber klar in der Kombination aus Terminal-, Werklogistik- und Transportaktivitäten.

Im Value Park Schkopau sind vornehmlich Unternehmen der Kunststoffbranche größtenteils Kunden, Lieferanten und Dienstleister von Dow angesiedelt. Worin liegen die größten Vorteile dieser Konstellation für Dow?

A. Bökelmann: Diese Konstellation bietet nicht nur Vorteile für Dow sondern auch für die Firmen und Partner am Standort und über die Standortgrenzen hinaus. Die Lieferketten, Serviceleistungen und Kooperationen bilden heute ein vielfältiges Geflecht, welches Synergien für alle hervorbringt. Kurze Transportwege, reduzierte Lagerbestände, schnelle Zugriffszeiten und verlässliche Partner in unmittelbarer Nähe sind nur einige Punkte, die ich hier nennen möchte. Dazu kommt eine funktionierende Infrastruktur von der alle Partner Nutzen ziehen.

... für Sie als Anbieter logistischer Leistungen, Herr Grätz?

U. Grätz: Hier ist die Zusammenarbeit mit den Weiterverarbeitern der Dow Produkte im ValuePark zu nennen. Die Tatsache, dass die Versorgungskette bereits auf dem Gelände des ValueParks mehrere Glieder und Kunden verknüpft, ermöglicht uns als Dienstleister unsere Organisationsfähigkeiten auch kundenübergreifend unter Beweis zu stellen. Letztendlich ist es für uns als neutraler Logistikdienstleister nicht ausschlaggebend, von wem ein Bedarf angefragt wird, die Erwartungshaltung an Qualität und Effizienz der Supply Chain bleibt dieselbe. Die Herausforderung liegt hier in der guten Kommunikation mit den multiplen Schnittstellen.

Welche Kooperationen in diesem Netzwerk von Unternehmen verdeutlichen die Vorteile der örtlichen Nähe der einzelnen Supply Chain Partner besonders?

U. Grätz: Einen entscheidenden Vorteil stellt die Koppelung von IT-Systemen, bzw. die für Hoyer vorhandenen Verwaltungs- und Zugriffsberechtigungen zum Dow-Warenmanagementsystem dar. Die örtliche Nähe sorgt für eine hohe Equipment- und Personalverfügbarkeit und damit sehr kurze Reaktionszeiten. Das schlägt sich deutlich auf die Kostensituation und die Nutzung von Synergien nieder.

Supply Chains zeigen steigende Komplexität. Parallel zu dieser Entwicklung nimmt die Volatilität zu - gerade auch in der Chemischen Industrie. Welchen Stellenwert erhält hierbei das partnerschaftliche Miteinander von Kunde, Lieferant und Logistikdienstleister mit dem Chemieunternehmen?

A. Bökelmann: In einem globalen Marktumfeld ist die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen das A und O. Das gilt nicht nur für Dow. Deshalb sind beiderseitige faire, auf Zuverlässigkeit und Langfristigkeit beruhende Geschäftsbeziehungen, insbesondere auch unter den derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sehr wichtig. Die Richtung ist klar. Für nachhaltiges Wirtschaften setzen wir auf Wachstum durch die weitere Ausgestaltung der vorhandenen Wertschöpfungskette und der Infrastruktur und Logistik. Ein ValuePark bietet keine absolute Garantie auf Erfolg, aber er eröffnet Möglichkeiten die Zusammenarbeit intensiv und nutzbringend zu gestalten Das ist das Potential was es zu heben gilt.

Was zeichnet in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen Dow und Hoyer am Standort Schkopau aus?

A. Bökelmann: ...16 Jahre Vertrauen und Kooperation, Kollegen und Mitarbeiter die konstruktiv  zusammenarbeiten, eine Unmenge von Containern, manchmal Probleme und Verkehrsstaus. Am Ende stand und steht immer das gemeinsame  Bestreben für jede Herausforderung eine schnelle und effektive Lösung zu finden und zum beiderseitigen Nutzen umzusetzen.

U. Grätz: Ein Logistikdienstleister am Standort der chemischen Industrie benötigt aus den vorgenannten Gründen - Volatilität und Kostendruck - einen Kunden, der offen und zeitnah seine Bedarfe an den Logistikpartner kommuniziert. IT-Vernetzung, Investitionsbereitschaft und -stärke, Planungstools sowie ein regelmäßiges Miteinander auf operativer- und Managementebene spielen hier eine immer entscheidendere Rolle. Die Zusammenarbeit unserer Unternehmen am Standort Schkopau zeichnet sich aus unserer Sicht durch einen wirklich partnerschaftlichen Umgang miteinander aus. Dabei ist das Thema der sehr engen operativen Abstimmung in allen Teilbereichen der Hoyer-Dow-Aktivitäten von wesentlicher Bedeutung.

Ließe sich dieses Erfolgsmodell auch auf andere Chemiepark-Standorte übertragen?

U. Grätz: Ja, unbedingt. Logistik sollte nicht zur Kernkompetenz von Chemieproduzenten gehören. Dafür gibt es Chemielogistikspezialisten, mit denen die chemische Industrie teilweise bereits erfolgreich zusammenarbeitet. Ein neutraler Logistikspezialist kann eine moderierende und treibende Rolle in der Sammlung von unternehmensübergreifenden Bedarfen einnehmen, wenn alle Beteiligten sich bereitwillig mit Fakten und Zahlen einbringen. Dabei müssen Neutralität und Diskretion über Einzelheiten durch den Logistikdienstleister gewährleistet sein.

Voraussetzung ist aus unserer Sicht jedoch auch eine Klammerfunktion, die koordinierend und unterstützend für die im Chemiepark ansässigen Produzenten und Logistiker wirkt. Eine Bündelung verschiedener logistischer Dienstleistungen beim Kunden, auch über Geschäftsbereichsgrenzen hinweg, ist dabei zwingend erforderlich. Nur durch eine solche Bündelung von Aktivitäten können die erforderlichen Synergien und Skaleneffekte erzielt werden, die eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Werklogistik richtig erfolgreich werden lässt und ggf. auch die Investition in größere Logistik-Assets rechtfertigt.

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