10 Jahre ProcessNet

Heimathafen und Leuchtturm für Verfahrenstechnik, Chemieingenieurwesen und Technische Chemie

  • CITplus begleitete die Aktivitäten von ProcessNet von Anfang an. Hier Berichte von den Jahrestagungen 2007 und 2008.CITplus begleitete die Aktivitäten von ProcessNet von Anfang an. Hier Berichte von den Jahrestagungen 2007 und 2008.
  • CITplus begleitete die Aktivitäten von ProcessNet von Anfang an. Hier Berichte von den Jahrestagungen 2007 und 2008.
  • Dr. Andreas Förster, Geschäftsleiter  ProcessNet

ProcessNet hat sich mit der Etablierung von sehr konkreten Initiativen wie der „50 % Idee“ oder „Wanted Technologies“ für die Community als „Think-Tank“ für Projekte etabliert.

Eine leichte Geburt war es nicht. Als vor mittlerweile mehr als zehn Jahren ProcessNet als gemeinsame deutsche Plattform für Verfahrenstechnik, Chemieingenieurwesen und Technische Chemie aus der Taufe gehoben wurde, war dem ein jahrelanger Annäherungsprozess vorausgegangen. Zwei Gesellschaften mit unterschiedlicher Prägung, die Dechema als interdisziplinäre Plattform, die viele verschiedene Fachleute vereint und VDI-GVC als Teil des großen VDI, der die Ingenieure in all ihren Ausprägungen vom Bauingenieur bis zum Betriebsingenieur in der chemischen Industrie umfasst, mit ihren unterschiedlichen Kulturen und ihrer Geschichte kamen hier zusammen. Doch die Neugründung machte Sinn: Statt Doppelstrukturen mit teilweise identischen handelnden Personen zu pflegen, sollte ein schlagkräftiges Ganzes entwickelt werden, bei dem alle Energien zur gemeinsamen Bearbeitung von Zukunftsthemen gebündelt werden.

Eine gelungene Zusammenarbeit
Das ist, so viel lässt sich heute sagen, vollauf gelungen. Heute beteiligen sich rund 5.000 Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung aktiv in den ProcessNet-Gremien. Die gesamte Community, die über die Fachgruppen und über VDI-GVC und Dechema erreicht wird, geht in die Zehntausende. Fast 90 Gremien sind Keimzelle für den fachlichen Austausch, dessen Themen von der Anlagenplanung über Unit Operations bis zur Sicherheitstechnik, Verfahrenstechnik in all ihren Ausprägungen und zur Umwelttechnologie reichen. Das nüchterne und nach staubigen Aktendeckeln klingende Wort „Gremienarbeit“ beschreibt dabei etwas höchst Lebendiges und Dynamisches – sind die Sitzungen der Ausschüsse und Beiräte und, in größerem Rahmen, die Fachgruppentreffen doch Ort und Anlass, wo sich unterschiedlichste Akteure und Charaktere aus Industrie und Forschungseinrichtungen begegnen, um in einem sehr fruchtbaren Austausch gemeinsame Themen aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Hier kann intensiv und über Firmen- und Institutionsgrenzen hinweg diskutiert und nach neuen Lösungsansätzen gesucht werden. Die informellen Gespräche am Rand der Treffen ermöglichen es, Ideen freier zu schildern und zu entwickeln, als das in Vorträgen oder Publikationen möglich ist. Neue Konzepte werden entwickelt, Kontakte geknüpft, Nachwuchswissenschaftler gefördert und F&E-Projekte auf den Weg gebracht.

Teil eines größeren Netzwerks
Dass ProcessNet als gemeinsame Initiative eng mit den übrigen Aktivitäten von VDI und Dechema verknüpft ist, erweist sich als zusätzlicher Bonus: Die Zusammenarbeit mit der Dechema-Fachgemeinschaft Biotechnologie ist sehr eng. Die gemeinsamen Jahrestagungen (zum nächsten Mal im September 2018 in Aachen) sind mittlerweile nicht mehr parallele Treffen am gleichen Ort, sondern warten mit einem gemeinsam entwickelten und gestalteten Programm auf, bei dem sich die Grenzen zwischen Bioverfahrenstechnik und chemischer Technik weitgehend auflösen. Fachgruppen aus beiden Bereichen gestalten gemeinsame Veranstaltungen, teilweise entwickeln sich für übergreifende Themen auch gemeinsame Fachgruppen. Über den VDI ist ProcessNet an die vielen anderen Ingenieurdisziplinen angebunden, die für die Lösung von Fragen zur Energieversorgung bis zur Mobilität der Zukunft als Partner der Verfahrenstechnik gebraucht werden. Auch die Richtlinienkompetenz des VDI kann für die gesamte chemische Verfahrenstechnik genutzt werden.

Erfolgreiche Initiativen
Genau mit diesen Zukunftsthemen beschäftigt sich ProcessNet intensiv. Bei einem Strategieworkshop 2013 mit ProcessNet-Mitgliedern und externen Fachleuten aus angrenzenden Disziplinen wurden die wichtigsten Herausforderungen identifiziert und herausgearbeitet, welchen Beitrag die chemische Verfahrenstechnik zu ihrer Lösung leisten kann. Seither haben sich die Gremien in Veranstaltungen und Publikationen gezielt mit diesen Themen beschäftigt und neue Aktivitäten vor allem in den Bereichen Rohstoffe und Recycling sowie in der industriellen Wassernutzung ins Leben gerufen.
Auch darüber hinaus hat sich ProcessNet mit der Etablierung von sehr konkreten Initiativen einen Namen gemacht. Ein Leuchturm ist die „50 %-Idee – Vom Produkt zum Produktionsprozess in der halben Zeit“. Mit Hilfe dieser Initiative, an der sich Fachleute aus mehreren ProcessNet-Bereichen beteiligen, wurde eine BMWi-Fördermaßnahme etabliert. Ihr Ziel: Durch Modularisierung und Beschleunigung der Prozessentwicklung sollen neue Verfahren in der halben Zeit und mit deutlich weniger Aufwand und Kosten zur Marktreife gebracht werden. So sollen Firmen in Deutschland ihren Wettbewerbsvorsprung sichern und ausbauen.
Eine weitere Initiative entstand aus der Identifizierung neuer anwendungsorientierter Forschungsthemen in der Fluidverfahrenstechnik durch die Industrie. Aus diesem gemeinsam mit der GVT – Gesellschaft für Verfahrens-Technik hervorgegangenen Ansatz sind inzwischen zahlreiche öffentlich geförderte Projekte und bilaterale Forschungskooperationen entstanden. Die sogenannte „Wanted Technologies“-Initiative hat sich für diese Community als fester Treffpunkt und „Think-Tank“ für Projekte etabliert.
Mit diesen Aktivitäten hat ProcessNet eine positive Wirkung auf die gesamte Fachcommunity und setzt auch den selbstgestellten Anspruch um, den Fortschritt aktiv zu gestalten; zunächst über neue Forschungs- und Fortbildungsmaßnahmen, die sich aber längerfristig in der Entwicklung und Etablierung neuer Verfahren und Technologien niederschlagen.

Zukunftsfähige Struktur
In einer sich schnell wandelnden Welt mit vielen Herausforderungen, die eine technologieübergreifende Zusammenarbeit erfordert, in der aber auch neue Kommunikationskanäle offen stehen, muss auch ProcessNet sich selbst ständig auf den Prüfstand stellen. Welche Anforderungen von außen und innen kommen auf die Initiative zu, und wie kann ihnen am besten begegnet werden?
Aus der wachsenden Interdisziplinarität und den wechselnden Konstellationen, die für unterschiedliche Themen gefragt sind, ergibt sich die Frage nach der richtigen Struktur. Ist die Aufteilung in Fachgremien angesichts dessen noch aktuell? ProcessNet in seiner Gesamtheit ist ein dynamisches Netzwerk, das sehr flexibel Themen aufgreifen kann. Als „Heimat“ ist ein solches Netzwerk aber unter Umständen zu grobmaschig. ProcessNet ist und wird deshalb ein Ort bleiben, an dem man zunächst innerhalb seiner eigenen Disziplin einen Anknüpfungspunkt findet, von dem aus sich dann weitere Verbindungen knüpfen lassen. Die bestehenden langlebigen Initiativen wie die 50 %-Idee und Wanted Technologies zeigen, dass sich daneben übergreifende Themen etablieren können. Andere Initiativen arbeiten temporär auf ein bestimmtes Ziel hin und beenden, wenn es erreicht ist, ihre Arbeit wieder. Durch das Nebeneinander aus temporären Arbeitskreisen und langfristigen Gremien, deren Aktivitäten regelmäßig evaluiert werden, sind sowohl die Kontinuität als auch die Flexibilität und Reaktionsgeschwindigkeit gewährleistet, die angesichts der Vielfalt der Themen notwendig sind. Und neue Themen gibt es genug: Aktuell werden gemeinsam mit der Dechema-Fachgemeinschaft Biotechnologie neue Initiativen in Richtung der Forschungsförderung zur Digitalisierung und zu toleranten Prozessen vor allem im Bereich der Nutzung nachwachsender Rohstoffe formuliert und auf den Weg gebracht. Diese Allianz ist schlagkräftig und erzielt deutlich mehr Reichweite, als es einer der beiden Organisationen alleine möglich wäre.
In der Community hat sich ProcessNet als Anlaufstelle etabliert, und die „Herkunft“ der Mitglieder aus VDI-GVC oder Dechema spielt in der praktischen Arbeit keine Rolle. Die Fachdiskussionen und die inhaltliche Arbeit stehen klar im Zentrum von ProcessNet. Diese Stärke wird für forschungspolitische Aktivitäten genutzt. Die Positionierung im Außenraum und in der öffentlichen Wahrnehmung übernehmen Dechema und VDI-GVC, die über die nötigen Strukturen verfügen und so die Themen von ­ProcessNet auf die Tagesordnung heben können. Diese Arbeitsteilung hat sich bewährt und wird sicherstellen, dass zum nächsten runden Jubiläum der CITplus von vielen weiteren Erfolgen zu berichten sein wird.

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Theodor-Heuss-Allee 25
60486 Frankfurt/Main
Germany
Telefon: +49 69 7564 0
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