Forschung & Innovation

Covid-19: Industrie forscht auch an Medikamenten

VFA: Gegen die Epidemie mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 werden nicht nur Impfstoffe entwickelt

06.03.2020 -

Die Entwicklung von Impfstoffen gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 geht mit nie gekannter Geschwindigkeit voran, es ist jedoch unwahrscheinlich, dass man schon 2020 mit Massenimpfungen der Bevölkerung rechnen kann. Deshalb richten sich die Hoffnung darauf, dass schon schneller Medikamente gefunden werden, mit denen bereits Infizierte behandelt werden können, so dass die von diesem Virus verursachte Krankheit Covid-19 rasch abklingt.

Die Hoffnungen konzentrieren sich insbesondere auf Medikamente, die schon gegen eine andere Krankheit zugelassen oder zumindest in Entwicklung sind. Sie müssten nur umfunktioniert werden, was mutmaßlich schneller möglich ist als eine grundständige Neuentwicklung.

In der Tat werden schon eine ganze Reihe vorhandener Medikamente darauf geprüft, ob sich damit die aktuelle Corona-Erkrankung behandeln lässt. Dazu kommt aber auch mindestens eine geplante Neuentwicklung. Hier eine Übersicht ohne Garantie auf Vollständigkeit:

Gilead Sciences erprobt sein intravenöses experimentelles Medikament Remdesivir, das ursprünglich gegen Ebola-Infektionen entwickelt wurde (sich da aber nicht bewährt hat). Studien haben bereits begonnen.

Apeiron Biologics (Wien) und die Universität von British Columbia erproben derzeit in einer Phase I-Studie das Medikament APN01, das aus der SARS-Forschung hervorgegangen ist.

Regeneron erprobt ein Medikament mit den monoklonalen Antikörpern REGN3048 und REGN3051 in einer Phase I-Studie mit Freiwilligen. Diese Antikörper kommen in Betracht, weil sie an ein Protein des MERS-Coronavirus binden, das mit SARS-CoV-2 verwandt ist.

In China wurden dem Unternehmen Zhejiang Hisun Pharmaceutical klinische Studien zur Covid-19-Therapie mit seinem antiviralen Medikament mit dem Wirkstoff Favilavir genehmigt. Favilavir hat bislang nur eine Zulassung für die Grippetherapie.

Ebenfalls eigentlich gegen Grippe in Entwicklung ist ATR-002, ein Kinaseinhibitor des Unternehmens Atriva Therapeutics in Tübingen. Nun prüft das Unternehmen, ob der Wirkstoff auch die Vermehrung von SARS-CoV-2 hemmen kann.

CytoDyn prüft, ob sein Medikament mit dem Antikörper Leronlimab gegen das Coronavirus wirksam ist. Entwickelt wurde es gegen HIV, wofür es auch schon in Patientenstudien erprobt wird.

AbbVie hat ein weiteres HIV-Medikament mit der Wirkstoffkombination Lopinavir / Ritonavir chinesischen für die Erprobung als Covid-19-Therapeutikum zur Verfügung gestellt.

Das chinesische Unternehmen Ascletis kombiniert Ritonavir stattdessen mit einem in China gegen Hepatitis C zugelassenen Medikament mit dem Wirkstoff Danoprevir. Studien laufen.

Pfizer erprobt derzeit im Labor antivirale Wirkstoffe, die das Unternehmen schon zuvor gegen andere Viren entwickelt hat. Sollten sich ein oder mehrere davon in Labortests bewähren, würde Pfizer sie den einschlägigen toxikologischen Tests unterziehen und Ende 2020 mit der Erprobung mit Menschen beginnen.

Innovation Pharmaceuticals erprobt derzeit, ob sein Wirkstoff Brilacidin für Covid-19-Patienten hilfreich sein kann. Ursprünglich wurde der immunmodulatorische Wirkstoff zur Therapie von entzündlichen Darmerkrankungen und Entzündungen der Mundschleimhaut entwickelt.

Von chinesischen Forschern kam vor einigen Tagen auch die Nachricht, dass sich der alte Malaria-Wirkstoff Chloroquin in einer klinischen Studie als wirksam erwiesen habe.

Vir Biotechnology hat Antikörper aus dem Blut von Patienten gewonnen, die 2003 eine SARS-Infektion überstanden haben. Nun prüft das Unternehmen, ob diese auch gegen das nah verwandte SARS-CoV-2-Virus wirksam sind. Für die biotechnische Produktion von "Kopien" solcher Antikörper kooperiert Vir mit dem chinesischen Unternehmen WuXi Biologics.

Der gleichen Logik folgt das Projekt des Unternehmens Takeda: Dort will im Rahmen des Projekts TAK-888 ein Antikörpergemisch aus dem Blutplasma von Personen gewinnen, die von Covid-19 genesen sind (oder später von Menschen, die gegen Covid-19 geimpft wurden), und zu einem Medikament verarbeiten. Solch ein Gemisch heißt anti-SARS-CoV-2 polyclonal hyperimmune globulin (H-IG). Anders als bei Vir Biotechnology erhalten die Covid-19-Patienten dann also direkt aus menschlichem Plasma gewonnene Antikörper und keine biotechnisch produzierten "Kopien" davon.

Wie schnell?

Dass ein Medikament schon gegen eine andere Krankheit erprobt ist, ersetzt nicht die gründliche Erprobung auf seine Eignung für Patienten mit SARS-CoV-2. Die muss in klinischen Studien erfolgen, an die sich im Erfolgsfall eine Prüfung aller Daten zu Wirksamkeit, Verträglichkeit und technischer Qualität durch die Zulassungsbehörden anschließt. Die Zulassungsbehörden haben aber signalisiert, dass sie sowohl die Genehmigungsverfahren für klinische Studien wie auch die Zulassungsverfahren für erfolgreich getestete Medikamente mit Priorität bearbeiten werden.

Nicht vergessen werden darf, dass auch eine Zulassung noch keine sofortige umfassende Verfügbarkeit garantiert: Diese wird vielmehr davon abhängen, wie schnell das zugelassene Medikament in epidemiegerechten Mengen produziert werden kann.

Impfstoffe zum Schutz vor Covid-19, der neuen Coronavirus-Infektion

Covid-19, die neue durch das Coronavirus Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegsinfektion, verbreitet sich international. Unternehmen und Forschungsinstitute entwickeln jedoch Schutzimpfungen dagegen. Auch auf andere Weise helfen Unternehmen gegen die Epidemie.

Product Development Partnerships

Product Development Partnerships (PDP) sind Allianzen, die gemeinsame Projekte von Stiftungen, Regierungs- und Hilfsorganisationen sowie Forschungsgruppen und Unternehmen organisieren. Die im Rahmen einer PDP von den Geldgebern bereitgestellten Mittel werden meist in Form befristeter Grants an Entwicklungsteams vergeben.

In PDP können Medikamente entwickelt werden, die für ein einzelnes Unternehmen wirtschaftlich nicht zu realisieren wären. Denn sie sorgen dafür, dass die damit verbundenen Kosten und ökonomischen Risiken auf die Schultern mehrerer Partner verteilt werden. Das hat sich bereits für neue Medikamente gegen Malaria, Tuberkulose und Schlafkrankheit bewährt.

Die Coronavirus-Infektionskrankheit, die sich seit einigen Wochen verbreitet, hat den Namen Covid-19 erhalten (WHO, 11.02.2020). Das Virus, das sie hervorruft, erhielt den Namen Sars-CoV-2 (nachdem es zunächst unter dem Kürzel 2019-nCoV geführt wurde).

Gegen diese Infektionskrankheit sind eine Reihe von Impfstoffprojekten angelaufen. Mehrere davon werden von CEPI, der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations, finanziell unterstützt: Projekte des deutschen Unternehmens CureVac, der US-Unternehmen Inovio (zusammen mit dem Wistar Institute) und Moderna (mit dem U.S. National Institute of Allergy and Infectious Diseases) sowie ein Projekt der australischen University of Queensland. Dieses Projekt hat bereits die Phase der Erprobung mit Tieren erreicht. Kürzlich stieß auch das Unternehmen Dynavax zu diesem Projekt, um mit einem Adjuvans zu dem in Entwicklung befindlichen Impfstoff beizutragen. Adjuvantien sind "Wirkverstärker" für Impfstoffe, die es unter anderem ermöglichen können, dass wesentlich weniger Antigen pro Impfinjektion für eine Immunisierung ausreichen bzw. mit einer gegebenen Menge produziertem Antigen mehr Injektionsdosen hergestellt werden können.

In Verbindung mit CEPI bietet auch das Unternehmen GSK an, seine eigene Adjuvans-Technologie für Impfstoffe in Projekte für einen Sars-CoV-2-Impfstoff einzubringen. So kam es u.a. zu einer Kooperation des chinesischen Impfstoff-Entwicklers Clover Biopharmaceuticals und GSK zur Entwicklung eines Impfstoffs, der ausgewählte, gentechnisch hergestellte Covid-19-Proteine und eins der GSK-Adjunvantien enthält.

CEPI ist eine Product Development Partnership, die unter anderem von Norwegen, Deutschland, Japan, Kanada, Australien sowie von der Bill & Melinda Gates Foundation und dem Wellcome Trust finanziert wird.

Andere Projekte werden unabhängig von CEPI durchgeführt. So hat das Unternehmen Janssen (im Konzern Johnson & Johnson) angekündigt, einen Impfstoff mit einer Technologie zu entwickeln, die schon für einen Ebola-Impfstoff zum Einsatz kam, der derzeit in der EU im Zulassungsverfahren ist. Es arbeitet dafür mit der staatlichen Organisation Biomedical Advanced Research and Development Authority (BARDA) zusammen.

Mit der BARDA kooperiert auch Sanofi Pasteur, die Impfstoffdivision des Unternehmens Sanofi. Ziel ist es, mit Hilfe der unternehmenseigenenen Technologieplattform für rekombinante DNA einen Covid-19-Impfstoff zu entwickeln. Das Projekt knüpft an einem früheren an, das auf einen SARS-Impfstoff abzielte.

Die Unternehmen Novavax, Tonix Pharmaceuticals und Altimmune, alle beheimatet in den USA, haben ebenfalls über die Entwicklung jeweils einer Impfstoffe berichtet. Altimmuns Impfstoff soll nasal angewendet werden, wie ein schon zuvor entwickelter Grippeimpfstoff des Unternehmens. Tonix wandelt für seinen Impfstoff TNX-1800 ein Horsepox Virus ab.

Zu den aktiven Forschungseinrichtungen zählt VIDO-InterVac (Vaccine and Infectious Disease Organization – International Vaccine Centre) an der Universität Saskatchewan, Kanada.

Ebenso wird am Cambridge Infectious Diseases Research Centre der Universität Cambridge in UK ein Impfstoff entwickelt.

Die Universität von Hongkong hat sogar mitgeteilt, bereits einen Impfstoffkandidaten für die weitere Erprobung fertig gestellt zu haben. Bis dieser allerdings alle Tier- und Humanstudien durchlaufen habe, würden noch Monate vergehen. Dieser Impfstoffkandidat ist von einem Grippeimpfstoff abgeleitet, der als Nasenspray verabreicht wird.

In Deutschland arbeiten Wissenschaftler vom Institut für Virologie der Universität Marburg, mit Kolleginnen und Kollegen aus München und Berlin unter Koordination des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) an einem Impfstoff. Dabei wandeln sie einen Impfstoff gegen das MERS-Virus (siehe unten) ab, der derzeit in klinischen Studien erprobt wird.

Israels Institute for Biological Research und das israelische Gesundheitsminsterium wurde ebenfalls beauftragt, einen Impfstoff zu entwickeln.

Ebenfalls in Israel beheimatet ist das Galilee Research Institute (MIGAL). Das Institut entwickelt einen Covid-19-Impfstoff ausgehend von einem schon zuvor entwickelten Impfstoff gegen ein Coronavirus, der Geflügel befällt.

 

Weitere und aktualisierte Artikel zum Thema Coronavirus finden Sie auf der Website des VFA am Ende des Beitrags sowie unter folgenden Deeplinks zu den Themen Impfstoffe und Therapie.

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