Innovative Peptidsynthese

Sulfotools beweist: Organische Lösungsmittel können vollständig durch Wasser ersetzt werden

  • Das Sulfotools-Team (v.l.n.r.): Professor Harald Kolmar, Sascha Knauer, Christina Uth, Niklas Koch, Simon Englert.Das Sulfotools-Team (v.l.n.r.): Professor Harald Kolmar, Sascha Knauer, Christina Uth, Niklas Koch, Simon Englert.
  • Das Sulfotools-Team (v.l.n.r.): Professor Harald Kolmar, Sascha Knauer, Christina Uth, Niklas Koch, Simon Englert.
  • Christina Uth, Sulfotools
  • Sascha Knauer, Sulfotools
  • Fluoreszenzeigenschaften des neuen Bausteins 2,7-disulfo-9-fluorenylmethyloxycarbonylchlorid in Wasser mit Strukturformel.
  • Das Reaktionsschema der Clean Peptide Technology

Das Start-up Sulfotools wurde im Frühjahr 2016 von dem Biochemiker Sascha Knauer gemeinsam mit seiner Studienkollegin Christina Uth als Spin-off der TU Darmstadt gegründet. Das Unternehmen bietet eine umweltschonende und kostengünstige Methode zur Herstellung von Peptiden in Wasser für Kunden aus der Pharma-, Chemie- und Kosmetikindustrie. Für die Rubrik CHEManager Innovation Pitch, in der interessante junge Firmen mit spannenden Ideen, Produkten oder Technologien vorgestellt werden, sprach CHEManager-Chefredakteur Michael Reubold mit den Firmengründern über ihre Erfahrungen und Pläne.

CHEManager: Herr Knauer, Sie gründeten Sulfotools im Jahr 2016. Wie denken Sie heute, drei Jahre nach der Gründung, über Ihre Entscheidung?

Sascha Knauer: Wir sind nach wie vor der Überzeugung, dass es die richtige Entscheidung war. Unsere neue umweltfreundliche Peptidsynthese in Wasser stellt einen signifikanten Mehrwert für Mensch und Umwelt dar und bietet Kosten- und regulatorische Vorteile für Industriekunden. Im Nachhinein hat sich bestätigt, dass insbesondere die langsamen Prozesse innerhalb der Hochschule eine Ausgründung deutlich ausbremsen oder verhindern können.

Welche Erfahrungen haben Sie in der bisherigen Zeit Ihrer unternehmerischen Laufbahn gemacht, Frau Uth?

Christina Uth: Wie jedes andere Start-up auch haben wir durch die Firmengründung sehr viel gelernt und viele neue Erfahrungen gesammelt. Natürlich gibt es auch negative Erfahrungen, aus denen man auch lernen kann; unter anderem, dass beispielsweise Verhandlungen mit Hochschulen wahnsinnig viel Zeit in Anspruch nehmen und langsam sind, was natürlich für ein kleines Start-up, das flexibel und agil sein muss, ein KO-Kriterium sein kann.

Wie steht Sulfotools heute da und was werden die nächsten Schritte sein, um Ihr Start-up zu einem etablierten Unternehmen weiterzuentwickeln?

S. Knauer: Bisher konnten wir erfolgreich den technologischen und kommerziellen Proof of Concept für unsere Technologie im Rahmen von Industrieprojekten erbringen und Einnahmen generieren.

Für die Herstellung der Schutzgruppen und geschützten Aminosäuren haben wir skalierbare Synthesen entwickelt. Die Finanzierung erwies sich schwieriger und sehr viel langwieriger als gedacht und ist leider noch nicht abgeschlossen. Mit einem erfolgreichen Abschluss unserer ersten Finanzierungsrunde planen wir die Bausteinproduktion – Schutzgruppen und geschützte Aminosäuren, die für den Einsatz unserer Technologie notwendig sind – zu skalieren und kommerziell verfügbar zu machen.

Was benötigen Sie, um Sulfotools auf eine tragfähige wirtschaftliche Basis zu stellen?

C. Uth: Wir sind auf der Suche nach einem Investor, der uns bei der Markteinführung der Technologie und der Skalierung der Bausteinproduktion unterstützt. Unser Finanzbedarf beträgt dabei etwa 800.000 EUR und wird hauptsächlich für geeignetes industrielles Equipment und mehr Personal, Laborfläche, aber auch für zusätzliche Patentanmeldungen und um die Technologie zu einer Plattform auszubauen, benötigt. Mit diesem Investment wäre Sulfotools bis zum Break-even finanziert.

Welche Ratschläge können Sie jungen Firmengründern im Bereich Chemie mit auf den Weg geben?

C. Uth: Zunächst wollen wir natürlich jeden ermutigen, der eine neue innovative Idee hat, zu versuchen diese umzusetzen. Man sollte dabei früh anfangen, mit potenziellen Kunden zu sprechen und nachzufragen, ob überhaupt ein Interesse daran im Markt vorhanden ist beziehungsweise welche Eigenschaften das Produkt oder die Technologie aufweisen muss, um für Kunden interessant zu sein. Man muss leider insbesondere in der Chemie damit rechnen, dass Prozesse sehr langsam ablaufen und beispielsweise die Investorensuche in Deutschland lange dauern kann. Unseren Erfahrungen nach macht es daher Sinn, sich eher im Ausland zu orientieren; insbesondere in China und in den USA ist es einfacher, an Risikokapital zu kommen. Ansonsten ist es sehr empfehlenswert, sich frühzeitig ein gutes Netzwerk aufzubauen, das durch die Teilnahme an Wettbewerben wie Science4Life oder an Acceleratoren gut zugänglich ist.


Zur Person
Christina Uth
ist Gründerin und Geschäftsführerin von Sulfotools. Die 35-jährige in Südkorea geborene Unternehmerin studierte Chemie an der Ruprecht-Karls Universität Heidelberg und der Technischen Universität Darmstadt. Ihre Doktorarbeit im Hauptfach Biochemie hatte das Thema „Development of bioorthogonal synthetic strategies towards hybrid macromolecular conjugates with tailored properties“. Zudem verbrachte sie einen sechsmonatigen Auslandsstudienaufenthalt an der Universidad Alcalá de Henares, Spanien, an einem Forschungsprojekt in organischer Synthesechemie. Ehrenamtlich engagiert sie sich bei Science4Life.

Sascha Knauer ist Gründer und Geschäftsführer von Sulfotools. Der 36-jährige Diplomingenieur studierte Chemie im Hauptfach Biochemie an der Technischen Universität Darmstadt und ist dort zurzeit noch Doktorand. Seine Diplomarbeit verfasste er zu dem Thema „Modified cube-octameric silsesquioxanes: design, synthesis and application in molecular cell biology“. In seine Doktorarbeit befasst er sich mit der wasserbasierten Peptidsynthese. Knauer war vier Jahre lang für die LC-MS Analytik bei der Darmstädter Biotechfirma Zedira verantwortlich und engagiert sich neben seiner unternehmerischen und wissenschaftlichen Tätigkeit bei Science4Life.


Business Idea Sulfotools

Die Clean Peptide Technology
Die Clean Peptide Technology (CPT) von Sulfotools bietet eine Alternative in der Peptidherstellung, indem organische Lösungsmittel vollständig durch Wasser ersetzt werden. So lässt sich Nachhaltigkeit mit Kostenoptimierung verbinden. Die CPT ist deshalb attraktiv für die Pharma-, Chemie- und Kosmetikindustrie und gleichzeitig erfreulich für Mensch und Umwelt.

Peptid-Herstellung bisher:
hohes Risiko, hohe Kosten
Für die Herstellung synthetischer Peptide werden von der Pharma-, Chemie- und Kosmetikindustrie jährlich zehntausende Tonnen organischer Lösungsmittel benötigt. Diese Lösungsmittel sind nach der Europäischen Chemikalienverordnung REACh als besonders besorgniserregend eingestuft und ihre Verwendung ist mit entsprechenden Risiken für Gesundheit und Umwelt verbunden. Gleichzeitig führt der enorme Verbrauch an Lösungsmitteln und Reagenzien auch zu hohen Produktionskosten.

Peptid-Herstellung künftig:
null Risiko, weniger Kosten
Dank der Clean Peptide Technology (CPT) kann die Herstellung von Peptiden künftig umweltfreundlich und deutlich kostengünstiger erfolgen: Mit dem Einsatz von wasserlöslichen Schutzgruppen ist die industrielle Peptid-Herstellung ganz ohne organische Lösungsmittel möglich. Da außerdem das Synthese-Verfahren im Bereich Abwasseraufbereitung, Produktaufreinigung und Echtzeitüberwachung speziell optimiert wurde, lassen sich die Produktionskosten insgesamt um bis zu 50 % senken.

Die Vorteile der Technologie auf einen Blick:

  • Weniger Materialkosten: Wasser statt organischer Lösungsmittel
  • Weniger Entsorgungskosten: Keine Lösungsmittel in der Synthese = weniger Sondermüll
  • Verzicht auf organische Lösungsmittel
  • Lösungsmittelfreie Endprodukte
  • Reduktion von Sondermüll
  • Reduktion des CO2- Ausstoßes

Wettbewerbsvorteil nutzen
Unternehmen, die die CPT nutzen, können sich mit dieser nachhaltigen Produktionsform klar positionieren – und die Umweltvorteile auch direkt an den Verbraucher weiterkommunizieren. Geplant ist ein entsprechendes Gütesiegel für das Endprodukt.


Elevator Pitch Sulfotools

Erfolge, Auszeichnungen, Pläne
Bereits zwei Jahre vor der Gründung von Sulfotools wurde die Idee, die hinter der Clean Peptide Technology steht, zum ersten Mal gewürdigt. Im März 2016 gegründet hat das bis September 2018 über das Programm EXIST-Forschungstransfer II des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) geförderte Start-up bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten.

Meilensteine:
2014:

  • Gewinner des Hessischen Finales CleanLaunchpad

2015:

  • Gewinner Konzept-Phase Science4Life Venture Cup 2015
  • 2. Platz Science4Life Technology Slam
  • 2. Platz Businessplan-Phase Science4Life Venture Cup 2015
  • Merck Accelerator 2015
  • Climate KIC Accelerator Hessen
  • Gewinner StartGreen Award 2015, Kategorie: Gründungs­konzept

2016:

  • Online-Plattform fuer-gruender.de zählt Sulfotools zu einem der 50 erfolgreichsten Start-ups des Wettbewerbsjahres 2015

2017:

  • Winner German Brand Award, Kategorie: Industry Excellence in Branding
  • Nominiert für den Umweltpreis IKU 2017
  • Finalist des GreenAlley Awards 2017
  • Shortlisted für Emerging Technologies Competition 2017 der Royal Society of Chemistry

2018:

  • Gütesiegel „Innovativ durch Forschung“ vom Stifterverband für Deutsche Wissenschaft
  • Finalist des Achema Gründerpreises 2018
  • Prämierung als Ausgezeichneter Orte im Land der Ideen 2018
  • Aufnahme in die Hello Tomorrow Top 500 Deeptech Start-ups

Funding

  • EXIST-Forschungstransfer I (Förderzeitraum: 01.08.2015-15.05.2017)
  • EXIST-Forschungstransfer II (Förderzeitraum: 01.08.2017-30.09.2018)

Roadmap

  • Erfolgreicher Abschluss der ersten Finanzierungsrunde
  • Skalierung der Bausteinproduktion und deren Vertrieb Markteinführung der Clean Peptide Technology
  • Ausbau der Technologie zu einer Plattform (Anwendung der wasser­löslichen Schutzgruppen in anderen Bereichen der Chemie)

Autor(en)

Kontaktieren

Sulfotools GmbH
c/o TU Darmstadt / Alarich-Weiss-Str. 4
64287 Darmstadt
Germany
Telefon: +49 6151/16-21297

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