Modulare Power-to-X-Anlagen

Innovative Reaktortechnologie ermöglicht Produktion von nachhaltigen Kraftstoffen und Grundchemikalien

  • Die Ineratec-Geschäftsführung (v.l.n.r.): Philipp Engelkamp, Paolo Piermartini, Tim Böltken. © IneratecDie Ineratec-Geschäftsführung (v.l.n.r.): Philipp Engelkamp, Paolo Piermartini, Tim Böltken. © Ineratec
  • Die Ineratec-Geschäftsführung (v.l.n.r.): Philipp Engelkamp, Paolo Piermartini, Tim Böltken. © Ineratec
  • Das Technologieportfolio von Ineratec © Ineratec
  • Power-to-Liquid Anlage zur Produktion von e-Kerosin © Ineratec
  • Ein Meilenstein war 2018 die Inbetriebnahme der Power-to-Gas-Anlage in Sabadell, Spanien. © Ineratec

Ineratec wurde im Jahr 2016 als Spin-Off des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gegründet. Das Unternehmen wandelt Treibhausgase und regenerativen Strom in klimaneutrale Kraftstoffe wie e-Kerosin, Diesel oder Benzin und chemische Wertprodukte wie Wachse um. Diese Produkte sind eine nachhaltige Ergänzung zu den handelsüblichen Produkten auf fossiler Basis. Zudem ist die Technologie kompatibel mit der erneuerbaren Stromgewinnung: die innovativen chemischen Reaktoren sind besonders kompakt und eignen sich perfekt zur Integration in modulare Anlagen. Dies ermöglicht den Einsatz in unterschiedlichen energiebezogenen Bereichen, u. a. an Orten, an denen erneuerbare Energie produziert wird, also an Solar- oder Windparks sowie Wasserkraftwerken. Michael Reubold fragte einen der Gründer, Philipp Engelkamp, wo Ineratec mit seiner Entwicklung heute steht und welche Ziele das Start-up verfolgt.

CHEManager: Herr Engelkamp, welches Problem löst die Technologie von Ineratec konkret, oder welche bislang ungenutzten Möglichkeiten eröffnet sie?
Philipp Engelkamp: Ineratec bietet mit den Power-to-X- und den Gas-to-X-Prozessen mehrere Lösungen für verschiedene Klimaprobleme an. Einerseits dienen klimaschädliche Gase wie CO2 oder Methan als Ausgangsstoffe und finden so eine sinnvolle Verwendung. Andererseits ermöglichen die modularen Anlagen auch die Speicherung von erneuerbarem Strom.
Das synthetische Benzin, das e-Kerosin sowie der saubere Diesel sind frei von Schwefel und Aromaten. Die Verbrennung ist entsprechend schadstofffrei. Das emittierte CO2 wurde zuvor in der Herstellung verwendet. Hochwertige Wachse oder Methanol finden als nachhaltige Grundstoffe Verwendung in der chemischen Industrie.

Sie und Ihre Mitgründer haben sich am KIT kennengelernt. Was gab den Ausschlag, Ineratec auszugründen und wie denken Sie heute, drei Jahre nach der Gründung über Ihre Entscheidung?
P. Engelkamp: Die Technologie war marktreif und aufgrund der Herausforderungen in der Energiewende sehr vielversprechend. In unserem Gründerteam vereinten wir optimal die notwendigen Kompetenzen für eine Gründung.

Mit der Unterstützung aus Förderprogrammen erhielten wir 2016 die Möglichkeit, uns ganz auf Ineratec zu konzentrieren. Noch im selben Jahr konnte Ineratec den ersten großen Erfolg verbuchen: Im Rahmen des Soletair-Projekts wurde die erste Power-to-Liquid-Anlage von IC in Betrieb genommen. Die Anlage sollte demonstrieren, dass schon heute erneuerbare Produkte aus Sonnenenergie und Windkraft hergestellt werden können. Zur Realisierung des Projekts wurde der erste Mitarbeiter eingestellt und es fand der Umzug in das erste eigene Büro samt Produktionshalle statt.
Mittlerweile sind wir ein stetig wachsendes Team von ca. 50 Mitarbeitern, das neben Ingenieuren auch Vertriebs-, Personal- und Kommunikationsspezialisten umfasst. Mit der Produktion der Reaktoren in den eigenen Hallen wurden 2019 die Grundsteine für die Serienfertigung gelegt. Wenn ich diese Entwicklung betrachte und sehe, wie unser Team jeden Tag motiviert daran arbeitet, einen positiven Beitrag für unser Klima zu leisten, wird unsere Entscheidung für die Gründung fortwährend bestätigt.

Was sehen Sie als Haupttreiber für Ihren Erfolg und wie ist das Feedback aus der Industrie?
P. Engelkamp: Die Technologie wurde europaweit in neun Pilotanlagen erfolgreich demonstriert. Durch die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen stehen Unternehmen zunehmend unter Druck, umweltfreundliche Geschäftsmodelle zu etablieren. Die Nachfrage ist momentan entsprechend hoch, speziell von Kunden im Bereich der Energieversorgung, der Chemie- sowie der Automobil- und Luftfahrtindustrie.
Die schlüsselfertigen Anlagen können modular, sprich Container für Container, je nach Stromkapazität erweitert werden. Durch den modularen Ansatz bergen die Anlagen eine niedrige Investitionsschwelle und ein besonders geringes Investitionsrisiko. Außerdem können Erneuerbare so nach und nach aufgebaut werden, die Power-to-X-Anlage wächst sozusagen mit.

Wie steht Ineratec heute da und was werden die nächsten Schritte sein, um das Start-up zum eta­blierten Unternehmen weiterzuentwickeln?
P. Engelkamp: Wir bauen derzeit unsere Serienfertigung auf, deren Inbetriebnahme für 2021 geplant ist. Der betriebswirtschaftlichen Definition nach sind wir bereits ein mittelständisches Unternehmen, die Bezeichnung Start-up betrachten wir aber weiterhin als Leitfaden für unsere Unternehmenskultur und die Dynamik in unserem Team.

Welche wertvollen Erfahrungen haben Sie in der bisherigen Zeit Ihrer unternehmerischen Laufbahn gemacht?
P. Engelkamp: Besonders in der Anfangsphase zeigte sich: es gibt für alle Fragen den richtigen Ansprechpartner. Und das gilt auch heute noch. Auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Gründern ist sehr wichtig,


ZUR PERSON

Philipp Engelkamp gründete Ineratec 2016 gemeinsam mit den promovierten Ingenieuren Paolo Piermartini, und Tim Böltken sowie Professor Peter Pfeifer. Sein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens absolvierte er als Master of Science erfolgreich am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). In seiner Tätigkeit bei BASF bzw. bei Schlegel und Partner sammelte er Industrieerfahrungen. Nach der Akquisition des Förderprogramms ­„Junge Innovatoren Baden-Württemberg“ kündigten Böltken und er ihre Stellen in der Industrie, um sich auf die Gründung zu konzentrieren. In seiner heutigen Rolle als Geschäftsführer ist Engelkamp für die Bereiche Strategie, Finanzen und Personal zuständig.


Business Idea

CO2 oder Methan als Rohstoff
Ineratec entwickelt, baut und vertreibt Anlagen zur Produktion von nachhaltigem Kraftstoff (e-Kerosin, e-Diesel, e-Benzin) und Basis­chemikalien wie Wachse oder Öle aus klimaschädlichem CO2 oder Methan und Wasserstoff aus erneuerbarem Strom. Die synthetischen Kraftstoffe sind klimaneu­tral, weil bei der Verbrennung nur so viel CO2 ausgestoßen wird wie zu ihrer Produktion eingesetzt wurde. Die Basischemikalien reduzieren rohölbasierte Produkte in verschiedenen Branchen wie der Nahrungsmittel- oder Bekleidungsindustrie. Synthetische Kraftstoffe können handelsübliche Kraftstoffe wie Diesel, Benzin oder Kerosin ersetzen und so auch in diesem Bereich die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen ergänzen.

Leistungen
Ineratec deckt nicht nur den Bau der Anlagen, sondern auch deren Inbetriebnahme und einen Wartungsservice ab. Neben den Anlagen für Power-to-Liquid-, Power-­to-Gas- und Gas-to-Liquid-Prozesse verkauft Ineratec auch die Produkte selbst. So lassen sich Kunden, die Anlagen zur Verwertung von Abgasen einsetzen, und Kunden, die nur am synthetischen Produkt interessiert sind, verbinden.

Numbering-up
Das Besondere an den Anlagen ist der modulare Ansatz: Die Anlagen selbst bestehen aus einzelnen Modulen, die entsprechend den Anforderungen des Kunden bzw. des Standorts kombiniert werden können. Zudem können die Anlagen modular erweitert werden. Die Kapazität wird also nicht durch eine größere Anlage erweitert, sondern Anlage für Anlage. Das Investitionsrisiko ist entsprechend niedriger als bei einer chemischen Großanlage.

Vorteile auf einen Blick

  • Produkte sind klimaneutral, Kraftstoffe verbrennen klimaneutral, schadstofffrei und rußarm
  • Basischemikalien ersetzen rohölbasierte Produkte und tragen zur Defossilierung bei
  • Bestehende Infrastruktur kann für Produkte verwendet werden
  • Modulare Anlagen ermöglichen die Erschließung von Sweet Spots weltweit und unterstützen den Ausbau der Erneuerbaren
  • Modularer Ansatz bedingt nie­drige Investitionsschwelle


Elevator Pitch

Meilensteine, Erfolge und Ziele

Ineratec startete nach der Gründung direkt mit dem ersten erfolgreichen Kundenprojekt und schreibt seitdem schwarze Zahlen. Schnell war die Firma dem ersten Dachgeschossbüro entwachsen und bezog 2018 ein größeres Büro mit eigener Produktionsfläche. Seit 2019 werden dort die Reaktoren, also die Herzstücke der Anlagen von Ineratec gefertigt.
Der Ausbau der Produktion und die steigende Zahl an Aufträgen hat zu einem starken personellen Ausbau von knapp 20 Mitarbeitern Ende 2018 auf 50 Mitarbeiter Ende 2019 geführt.

Meilensteine
2016
– Gründung von Ineratec
– erstes erfolgreiches Projekt: synthetischer Kraftstoff aus CO2 und Solarenergie im Projekt „Soletair“

2017
– Bau einer Power-to-Gas Anlage zur Umwandlung von Klärgas und Solarenergie in synthetisches Erdgas

2018
– Inbetriebnahme der Power-to-Gas Anlage in Sabadell, Spanien
– Deutscher Gründerpreis
– Lothar-Späth Award
– Innovationspreis der deutschen Gaswirtschaft

2019
– Deep Tech for Good Award
– Hausinterne Fertigung der Reaktoren
– Ressource Innovator Award

Roadmap:
2020
– erste 1MW-Anlagenmodule im Einsatz

2021
– Beginn der Serienfertigung

Ineratecs Ziel ist der breite Einsatz der Power-to-X-Technologie für Verkehr und Industrie. Die Klimaziele für 2030 können nur erreicht werden, wenn existierende technischen Innovationen eingesetzt werden. Um dieses Ziel zu erreichen und der Kundennachfrage nachkommen zu können, wird zurzeit die Serienfertigung der modularen Anlagen vorbereitet. Dies bedeutet neben dem Ausbau der Produktion auch weiteres personelles Wachstum.
Neben dem Verkauf der Anlagen selbst wird Ineratec zur Erweiterung des Kundenstamms auch in eigene Anlagen investieren, diese an geeigneten Standorten betreiben und die Produkte weiterverkaufen.
Zur Weiterentwicklung des Start-ups ist den Jungunternehmern der Erfahrungsaustausch mit anderen Gründern wichtig. Philipp Engelkamp: „Es gibt für alle Fragen den richtigen Ansprechpartner.“

 

Autor(en)

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Karlsruhe

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