CeChemNet tagt zu Industriepolitik für Ostdeutschland

CeChemNet und das Cluster Chemie/Kunststoffe Mitteldeutschland tagten heute mit rund 20 Vertretern der chemischen Industrie Ostdeutschlands in Schkopau. Auf der Tagesordnung standen Themen wie die Auswirkungen der Energiewende auf Ostdeutschland, die künftige Ausrichtung von Investitions- und Forschungsförderung, Initiativen zur Fachkräftesicherung sowie Logistik und länderübergreifende Kooperation.

Energiewende, Fachkräftesicherung und Innovationsförderung für Mitteldeutschland
Als Gäste nahmen teil Frau Iris Gleicke, MdB und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium und Beauftragte für die Belange der neuen Länder sowie Frau Katrin Budde, Landesvorsitzende der SPD und Fraktionsvorsitzende der SPD im Landtag Sachsen-Anhalts.

Christof Günther, Geschäftsführer der InfraLeuna und amtierender CeChemNet-Sprecher, bekräftigte die Erwartung der Branche auf mutige Reformen in der Energiepolitik. „Frau Iris Gleicke setzt mit ihrem heutigen Besuch ein Signal für die große Bedeutung, die die neue Bundesregierung
der chemischen Industrie in Ostdeutschland beimisst. Um Nachteile im Wettbewerb zu vermeiden, muss die derzeit bestehende überproportionale Belastung der ostdeutschen Länder bei den Netzentgelten beseitigt werden. Zudem sollte bei der Novellierung des EEG die gesamte Wertschöpfungskette der Chemieindustrie betrachtet werden. Die Chemieparks sollten dabei als Rückgrat der heimischen Chemieindustrie die besondere Ausgleichsregelung nutzen können", sagte Günther. Budde unterstützte dieses Ansinnen. „Die Energiewende ist eine wirtschaftliche
Notwendigkeit. Sichere und bezahlbare Energie ist eine unabdingbare Grundlage für den Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt."

Gleicke unterstrich die Bedeutung des industriellen Sektors als Fundament für Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze und skizzierte die industriepolitische Schwerpunktsetzung der neuen Bundesregierung im Hinblick auf die Erfordernisse Ostdeutschlands.

Der Kern einer international wettbewerbsfähigen Wirtschaft sei auch weiterhin eine moderne, dynamische Industrie, so Gleicke.
„Zu den zentralen Herausforderungen für unsere Unternehmen und damit zu den Aufgaben für die Bundesregierung gehören die Sicherung des Fachkräftebedarfs, eine verlässliche und bezahlbare Energieversorgung sowie eine weitere Verbesserung der Innovationskraft. Strategisches Element einer gezielten, auf ostdeutsche Betriebe ausgerichteten Industriepolitik ist deren Einbettung in regionale Netzwerke und Cluster verwandter Firmen und Branchen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie Fördereinrichtungen. Dadurch können regionale Potenziale gehoben sowie Unternehmensgründungen und -ansiedlungen stimuliert werden. Außerdem steigern Netzwerke nachweislich die unternehmerische Produktivität und tragen zu Innovation bei."

Die Ostbeauftragte hob in diesem Zusammenhang die große Bedeutung des Netzwerks CeChemNet für die chemische Industrie in Mitteldeutschland hervor. Zudem sprach sich Gleicke für die Fortsetzung der Wirtschaftsförderung aus und kündigte eine weiterhin starke Unterstützung für kleine und mittelgroße ostdeutsche Betriebe bei Exportförderung und Investorenanwerbung aus.

Innovationscluster stärken die Wirtschaft
Durch die perspektivisch geringer werdende EU-Förderung ist die Ausgestaltung der Operationellen Programme 2014-2020 eine wesentliche Weichenstellung für die wirtschaftliche Entwicklung der neuen Länder. Zusammen mit der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" (GRW), deren Fortführung als eigenständiges Instrument zur Förderung strukturschwacher Regionen im Koalitionsvertrag von CDU und SPD verankert ist, bilden sie wesentliche Säulen der Wirtschaftsförderung.
„Darüber hinaus brauchen wir verstärkte Anstrengungen im Bereich der Innovationspolitik", erklärte Budde im Hinblick auf die Ausrichtung der Wirtschaftsförderung. „Wir setzen dabei auf branchenübergreifende Netzwerke und Innovationscluster. Das ist gerade in Ostdeutschland ein wichtiger Ansatz, um Nachteile, die sich aus der mittelständisch geprägten Wirtschaftsstruktur ergeben, auszugleichen. Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht. Der Cluster Chemie/Kunststoffe Mitteldeutschland ist ein gutes Beispiel dafür."

Im Rahmen des Besuchs wurde ein kontinuierlicher Austausch zwischen den Akteuren der mitteldeutschen chemischen und kunststoffverarbeitenden Industrie und der Bundesregierung vereinbart.

CeChemNet - das Chemieparknetzwerk
Zum Netzwerk gehören der Chemiepark Bitterfeld-Wolfen, Dow Olefinverbund, InfraLeuna, die Infra-Zeitz Servicegesellschaft sowie BASF Schwarzheide. Damit agiert CeChemNet in den drei mitteldeutschen Bundesländern Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg. Komplettiert wird die Partnerschaft durch die Mitwirkung der Verbände Nordostchemie sowie der halleschen isw Gesellschaft für wissenschaftliche Beratung und Dienstleistung. CeChemNet ist ein Verbund von Chemieunternehmen und Standortgesellschaften, der Kompetenzen und Know-how im Bereich Chemiepark-Management bündelt und vernetzt. Darüber hinaus koordiniert das Netzwerk den Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik und unterstützt die Vermarktung der Chemieparkflächen in enger Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsfördergesellschaften auf Bundes- und Landesebene. Im Jahr 2002 als öffentlich gefördertes Netzwerk gegründet, arbeitet CeChemNet nunmehr seit zehn Jahren erfolgreich als privatwirtschaftlich getragene länderübergreifende Kooperationsplattform.
Die in Sachsen-Anhalt entwickelte Grundidee von Chemieparks gilt heute als ein ursprünglich aus der Not geborenes Erfolgsmodell, das darin besteht, dass Chemieparkbetreiber allen Unternehmen an ihren Standorten eine attraktive wirtschaftliche Basis zur Verfügung stellen. Neben voll erschlossenen Flächen gehört dazu auch eine auf die chemische Produktion ausgerichtete Infrastruktur. Darüber hinaus wird den Investoren ein umfassendes Dienstleistungsangebot zur Verfügung gestellt. Dazu zählt ein professionelles Ansiedlungs- und Behördenmanagement. Alle notwendigen Hilfsprozesse werden professionell von Dritten erbracht. Zu diesen Leistungen gehören die Versorgung mit Dampf, Wasser und Energie, die Planung der Anlagen, die Analytik, der Brand- und Objektschutz, die Entsorgung, die Standortlogistik und Public Relations.
Seit Mitte der 90er Jahre haben sich mehr als 600 Unternehmen an den sechs Standorten angesiedelt. Investiert wurden fast 17 Milliarden Euro. Über 30 000 Arbeitsplätze sind entstanden. Die Chemieparkfläche beträgt insgesamt 5 500 Hektar.
Die Innovationskraft des mitteldeutschen Chemieparkverbundes zeigt sich unter anderem in der Kooperation zur stofflichen Nutzung der Braunkohle, der Errichtung des Fraunhofer-Zentrums für Chemisch-Biologische Prozesse CBP in Leuna und der Zusammenarbeit mit dem Spitzencluster Bioeconomy. Zudem erarbeitet das Projekt „Hydrogen Power Storage & Solutions East Germany" (HYPOS) bis 2020 wirtschaftliche Lösungen für die Nutzung von Wind- und Solarstrom zur Erzeugung von Wasserstoff via Elektrolyse in großtechnischem Maßstab.

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