Der Chemiepark Gendorf setzt auf Kreislaufkühlung statt Durchlaufkühlung.

  • Im bayerischen Chemiedreieck investierte der Standortbetreiber InfraServ Gendorf rund 1 Mio. EUR in die Umgestaltung eines Wehrs zu einer Sohlgleite für Fische. © InfraServ GendorfIm bayerischen Chemiedreieck investierte der Standortbetreiber InfraServ Gendorf rund 1 Mio. EUR in die Umgestaltung eines Wehrs zu einer Sohlgleite für Fische. © InfraServ Gendorf
  • Im bayerischen Chemiedreieck investierte der Standortbetreiber InfraServ Gendorf rund 1 Mio. EUR in die Umgestaltung eines Wehrs zu einer Sohlgleite für Fische. © InfraServ Gendorf
  • Der Chemiepark Gendorf setzt auf Kreislaufkühlung statt Durchlaufkühlung. © InfraServ Gendorf

Die Alz ist ein idyllischer Fluss im bayerischen Alpenvorland. Doch das Wasser der Alz ist auch bei den Unternehmen im bayerischen Chemiedreieck begehrt. Wie man Naturidyll und chemische Industrie unter einen Hut bringt, zeigen zwei Projekte von InfraServ Gendorf, dem Standortbetreiber des Chemieparks Gendorf.

Chemieindustrie und Fluss – das ist eine spannungsreiche Beziehung. Alle großen Chemiestandorte befinden sich an Gewässern, denn die Produktion benötigt große Wassermengen, in erster Linie für die Kühlung von Prozessen. „In nüchternen Zahlen sieht es bei uns so aus: Die Alz liefert als Vorfluter mehr als die Hälfte des Wassers für den Chemiepark. Wir entnehmen jährlich bis zu 30 Mio. m³ Wasser und leiten rund 90 % davon wieder zurück“, schildert Godehard Mayer, der als Leiter Genehmigungsmanagement auch die Umweltthemen des Standortmanagers begleitet. Dass Abwasser ungefiltert und ungereinigt in die Flüsse geleitet wurde, ist in Deutschland bereits viele Jahrzehnte her. Moderne Umwelttechnik und Kläranlagen sorgen heute dafür, dass das Wasser die Werke bestmöglich gereinigt verlässt. Im oberbayerischen Chemiepark Gendorf ist bspw. seit Beginn der 1970er Jahre eine Kläranlage zur biologischen Abwasserreinigung in Betrieb. Doch die Flüsse wurden im letzten Jahrhundert häufig stark reguliert und an die Bedürfnisse von Unternehmen und Landwirtschaft angepasst. Auch die Alz wurde teilweise begradigt und Auen trockengelegt. Staustufen und Dämme behindern Fische bei ihren Wanderungen. „Dieses Erbe belastet das Ökosystem am Unterlauf bis heute. Und genau dagegen unternehmen wir etwas“, so Mayer.

Renaturierung der Alz
Konkret investierte das Serviceunternehmen deshalb rund 1 Mio. EUR in die Umgestaltung eines Wehrs. Das etwa 2 m hohe Wehr diente dazu, das Wasser der Alz so weit aufzustauen, dass an der Stelle Wasser für den Chemiepark entnommen werden kann. Doch dieses relativ kleine Wehr war für Fische kaum zu überwinden. In enger Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt Traunstein baute die Betreibergesellschaft deshalb das Wehr in eine sog. Sohlgleite um. „Das muss man sich vorstellen wie eine sanft absteigende Wasserrutsche“, erklärt Godehard Mayer.

„Anstelle einer harten Kante von 2 m Höhe überwindet die Sohlgleite diesen Höhenunterschied ganz allmählich, auf einer Länge von rund 43 m. Integriert in das Regelbauwerk ist eine natürliche mäanderförmige Fischaufstiegshilfe, in der das Wasser noch flacher abläuft. Selbst bei Niedrigwasser können die Fische jetzt wieder problemlos flussaufwärts ziehen.“ Die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit an der Alz ist eine von zahlreichen Maßnahmen des vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein mit Blick auf die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) erarbeiteten Konzepts zur Förderung des Flusses. Dieses sieht vor, das Gewässer wieder insgesamt stärker an ihren natürlichen Ursprung heranzuführen. Um das Wasserwirtschafts­amt bei diesem Vorhaben auch langfristig zu unterstützen, hat der Standortbetreiber gemeinsam mit acht weiteren Unternehmen im Bayerischen Chemiedreieck den Verein Naturnahe Alz gegründet: In enger Abstimmung mit der Behörde finanziert die Ini­tiative entsprechende Maßnahmen und unterstützt damit auch den Bayerischen Staat bei der Umsetzung der Europäischen WRRL. Ziel der Aktion ist es, menschliche Eingriffe in den Flussverlauf rückzubauen, das ursprüngliche Flussbett wiederherzustellen und auf diese Weise bessere Lebensbedingungen für die ursprüngliche Tier- und Pflanzenwelt zu schaffen. Als Anrainer, die von der Nähe zum Fluss profitieren, leisten die Unternehmen so einen Beitrag, das Ökosystem Alz zu bewahren und zu stärken.

Produktion wächst – Wasserverbrauch sinkt
„Das Engagement für die Renaturierung der Alz ist die eine Seite der Medaille“, meint Mayer, „der sorgsame Umgang mit dem Wasser der Alz die andere.“ Deshalb werde laufend daran gearbeitet, den Wasserverbrauch zu reduzieren. Diese Anstrengungen tragen Früchte: In den letzten zehn Jahren ist der Wassergesamtverbrauch im Chemiepark Gendorf tendenziell gesunken. Und das obwohl die Produktionsmenge im selben Zeitraum deutlich zugenommen hat. Pro Produktionstonne konnte der Wasserverbrauch um knapp 38 % reduziert werden „Mehr Leistung bei weniger Wasserverbrauch – unsere Maßnahmen greifen also.“ Der sparsame Umgang mit Wasser bleibt eine Dauer­aufgabe. Damit die Produktion so effizient auch künftig wachsen kann, sind kontinuierliche Anstrengungen erforderlich. „Wichtig ist, dass wir nicht nur die Projektingenieure ins Boot holen, sondern alle Mitarbeiter in den angesiedelten Unternehmen. Sie müssen Gehör finden und ihre Vorschläge zur Verbesserung einbringen können.“ Beispielsweise gab es eine konzertierte Aktion zum Einsparen von Kühlkapazität. In allen Unternehmen wurden die Ideen der Mitarbeiter abgefragt. Die jeweils besten Vorschläge wurden prämiert.

Kreislaufkühlung statt Durchlaufkühlung
Den größten Beitrag zur effizienten Nutzung von Wasser wird in dem bayerischen Chemiestandort mit Rückkühlwerken geleistet. Anstatt der Alz ständig frisches Wasser zu entnehmen und es nach dem Kühlvorgang wieder einzuleiten, setzt die Servicegesellschaft weitgehend auf die Wiederverwendung von Kühlwasser. Dazu wird das Wasser in sog. Rückkühlwerken abgekühlt. Danach kann es erneut im Kühlkreislauf eingesetzt werden. „Damit haben wir gewaltige Erfolge erzielt. Heute stillen wir bereits mehr als 80 % des Kühlwasserbedarfs mit mehrfach genutztem Kühlwasser. Das entspricht einer jährlichen Wassereinsparung von etwa 120 Mio. m³ im Vergleich zur Durchlaufkühlung, die das Wasser nur einmal nutzt.“ Aktuell investiert der Standortbetreiber in eine umfassende Modernisierung dieses Systems: „Effiziente Rückkühlsysteme spielen sowohl aus Gründen der Ressourcenschonung und Verfügbarkeit als auch mit Blick auf Neuansiedlungen und Erweiterungen eine große Rolle. Leistungsfähige Rückkühlwerke sind deshalb für die Zukunftsfähigkeit unseres Chemieparks von großer Bedeutung“, begründet ISG-Geschäftsleiter Bernhard Langhammer die Investition. Eine klassische Win-Win-Situation für den Chemiepark und die Alz.

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