Hochwasserschutz an Chemiestandorten

Unternehmen sollten innovative Tools zur Risikobewertung nutzen

  • Hochwasserschutz an Chemiestandorten (c) northallertonman/ShutterstockHochwasserschutz an Chemiestandorten (c) northallertonman/Shutterstock
  • Hochwasserschutz an Chemiestandorten (c) northallertonman/Shutterstock
  • Csanad Malina, FM Global

Überschwemmungen werden zunehmen – das bestätigt eine aktuelle Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Schutzvorkehrungen können die Gefahr einer Betriebsunterbrechung sowie Folgeschäden minimieren. Industriesachversicherer unterstützen Unternehmen bei der Ausarbeitung eines maßgeschneiderten Risikomanagements und können mithilfe innovativer Hochwasserkarten bei der strategischen Planung neuer Standorte beraten.

Der Klimawandel beeinflusst nicht nur unsere Gesellschaft, sondern auch die Industrie in erheblichem Maße. 2017 bleibt vor allem als das Jahr der tropischen Wirbelstürme im Gedächtnis. Hurricane Harvey brachte tagelange sintflutartige Regenfälle über Texas. Im Fokus der Medien stand eine Chemiefabrik rund 40 km entfernt von Houston, die knapp 2 m unter Wasser stand. Nachdem dort die Stromversorgung zur Kühlung der Anlage ausgefallen war, ereigneten sich mehrere Explosionen. Vorsorglich waren die Anwohner evakuiert worden. Zur Gefährlichkeit des Rauches musste das Unternehmen öffentlich Stellung beziehen.

Stromausfälle und Betriebsunterbrechungen

Hochwassergefahren, die für Chemiebetriebe allgegenwärtig sind, da sie häufig auf Kühlwasser aus Flüssen oder dem Meer angewiesen sind, bergen auch ein weiteres Risiko: Durch großflächige Überschwemmungen kann es zu vermehrten Stromausfällen oder zu Engpässen bei der Stromversorgung kommen. Dies kann verheerende Folgen haben, wie man am Beispiel aus Texas sieht: Denn fällt der Strom in einem Werk aus, kann es zu Problemen mit den Prozess- oder Kühlwasserkreisläufen kommen.

Neben einer Betriebsunterbrechung auf unbestimmte Zeit und den „normalen“ Folgeschäden wie Image- und Marktanteilsverlusten muss ein Chemieunternehmen beim Eintreten einer Katastrophe auch immer mit potentiellen Risiken für die Bevölkerung sowie mit Umweltverschmutzung rechnen. Außerdem ist die Einhaltung von Lieferverpflichtungen gefährdet. Bereits ein einfacher Stromausfall ist oft mit sehr hohen Sachschäden und langem Betriebsausfall verbunden. Regelmäßig sollte deshalb das Risikomanagement überprüft und bei Bedarf verbessert werden. Hier ist es ratsam, gegenwärtige Forschungsergebnisse, bspw.

Studien zum Thema Klimawandel, zu berücksichtigen.   

Hochwasserrisiko nimmt zu

Laut einer aktuellen Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung wird sich in etwa 25 Jahren die Zahl der weltweit von Hochwasser betroffenen Personen auf mehr als 200 Mio. erhöhen. Allein in Asien könnten mehr als 156 Mio. Menschen durch Überflutungen gefährdet sein – doppelt so viele wie heute. Ausdrücklich verweisen die Forscher auf einen nötigen Ausbau des Hochwasserschutzes – besonders in den USA, in Indonesien, in Teilen Indiens und Afrikas, aber auch in Mitteleuropa. Auch in einem so hoch entwickelten Land mit guter Infrastruktur wie Deutschland kann sich die Zahl der Betroffenen von derzeit knapp 100.000 auf gut 700.000 erhöhen. Als gefährdete Bundesländer sehen die Forscher besonders Niedersachsen und Baden-Württemberg an.

Hinzu kommt die Tatsache, dass in den vergangenen 100 Jahren Flüsse in Deutschland zugebaut wurden, wodurch ufernahe Überschwemmungsflächen verloren gegangen sind. Entscheider sollten deshalb den Schutz ihres Unternehmens durch eigenständiges Handeln erhöhen. Um ein effizientes Risikomanagement in Bezug auf Schutz vor Hochwasser aufzubauen, muss vorweg geklärt werden, ob sich der Produktionsstandort innerhalb oder außerhalb einer potenziellen Hochwasserzone befindet.

Planung mit aktuellen Hochwasserkarten

Die Global Flood Map ist ein Tool, mit dem Entscheider das elementare Hochwasserrisiko ihrer internationalen Standorte ermitteln können. Die Karte zeigt nicht nur Hochwassergebiete an, sondern unterscheidet die betroffenen Gebiete ferner in hohe und moderate Gefahrenzonen. Während Letzteres bedeutet, dass eine Gefahr eines „500-jährigen“ Hochwassers besteht und somit die jährliche Hochwasserwahrscheinlichkeit bei 0,2 % liegt, zeigt eine hohe Gefährdung das Risiko eines „100-jährigen“ Hochwassers an. Das heißt jedoch nicht, dass einmal in hundert Jahren eine Überschwemmung vorkommt und die verbleibenden 99 Jahre für die Vorbereitung genutzt werden können. Vielmehr liegt das Risiko für ein Jahrhunderthochwasser jedes Jahr bei 1%.

Aufbauend auf der Bewertung des Standortgebiets sollten Entscheider ein auf ihr Unternehmen maßgeschneidertes Schutzkonzept erarbeiten. Dabei gilt z.B. Folgendes zu beachten: Um Schäden durch schweres Treibgut zu vermeiden, sollten sich Maschinen, die für den Produktionsprozess unerlässlich sind, immer in einem erhöhten Bereich befinden. Um sekundäre Katastrophen wie einen Brand oder einen zusätzlichen Wasserschaden zu verhindern, sollten die Gas- und Wasserleitungen ausreichend gesichert werden. Ingenieure raten zu der Installation von Notfallventilen, die bei einer Beschädigung der Rohrleitungen sofort automatisch die Zufuhr verschließen.

Prävention ist günstiger

FM Global forscht selbst kontinuierlich, um seinen Kunden im Bereich Schadenprävention die bestmöglichen Empfehlungen aussprechen zu können. Die erarbeiteten Präventionsmaßnahmen wie bspw. Fluttore zeigen Erfolg: Forschungen des Industriesachversicherers über einen Zeitraum von zehn Jahren zeigen, dass eine Flutkatastrophe einem nicht gesicherten Unternehmen Schäden in einer durchschnittlichen Höhe von ca. 3,4 Mio. EUR zuführen kann. Dem gegenüber stehen durchschnittlich ungefähr 900.000 EUR für Firmen, die zuvor notwendige Maßnahmen zum Schutz vor eindringenden Wassermassen getroffen haben.

Diese Ergebnisse zeigen zwar, dass Schäden und dadurch resultierende Betriebsstörungen nicht völlig vermieden werden können, dass sich Schadenprävention aber trotzdem lohnt und u.U. Betriebsunterbrechungen vermeiden kann. Entscheider sollten regelmäßig das eigene Risikomanagement überprüfen, aktuelle Forschungsergebnisse und innovative Tools zur Verbesserung der Schadenprävention dabei berücksichtigen und sich bei Bedarf auch externen Expertenrat einholen.

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