Standorte & Services

Standort-Score-Card - Transparenz und Handlungsfähigkeit

06.03.2012 -

Standort-Score-Card - Transparenz und Handlungsfähigkeit

Große europäische Chemieunternehmen besitzen zwischen 50 und 300 Produktionsstandorte weltweit. Diese Zahl gewinnt an Bedeutung, wenn man sich verdeutlicht, dass es längst nicht mehr nur darum geht, vorhandene Standorte zu verwalten und gelegentlich neue aufzubauen. Globalisierung und Restrukturierung der chemischen Industrie erfordern ein permanentes Standortportfolio-Management in allen Dimensionen – Ausbau, Rückbau, Ausstieg, laufendes Risikomanagement, Neubewertung von Standorten, die nach Akquisitionen hinzugekommen sind. Mit der von Stratley entwickelten Standort-Score-Card steht nun ein handlungsorientiertes Analysetool sowohl zur Bewertung bestehender, als auch der Auswahl neuer Standorte zur Verfügung.

Standortentscheidungen sind heute global. Der Aufbau neuer Anlagen kann ebenso in Europa wie in Asien oder am persischen Golf erfolgen. Gleichzeitig sind auch Rückbau und Schließung von Standorten in den „alten“ Industrieländern kein Tabu mehr. Sicherlich geht jede Standortentscheidung zunächst von der Logik des betreffenden Geschäfts aus. Sie bestimmt zum Beispiel, in welcher Weltregion im Idealfall produziert werden sollte. Erst danach kommen die spezifischen Standortfaktoren ins Spiel: verfügbare Flächen, ausreichende Infrastruktur, Kostenniveau insbesondere der Standortservices, Qualifikation der Mitarbeiter, Standortrisiken wie z. B. Naturkatastrophen. Üblicherweise werden diese Faktoren zu Kriterienlisten zusammengefasst, mit deren Hilfe eine „Short-List“ erstellt wird. Eine Wirtschaftlichkeitsrechnung führt dann zur endgültigen Entscheidung.

Ein solches fallweises Vorgehen genügt den Anforderungen großer Chemieunternehmen längst nicht mehr. Einzelfallentscheidungen berücksichtigen oft nicht hinreichend, welche finanziellen Auswirkungen die Auswahl (oder Beibehaltung) eines schlechten Standorts hat. Sicherheits- und Umweltrisiken oder unnötig gebundenes Kapital können schwerwiegende und nachhaltige Effekte haben. Eine transparente und systematische Offenlegung und Bewertung der spezifischen Standortfaktoren ist daher erforderlich. Die größte Herausforderung für ein strukturiertes und standardisiertes Vorgehen ist die schiere Zahl der betroffenen Standorte, die sich überdies über ganz unterschiedliche Weltregionen verteilen.

Bewertungsstrategie: Qualität vs. Risiko

Mit der Standort-Score-Card hat Stratley einen Ansatz entwickelt, der sich sowohl bei der Bewertung bestehender als auch bei der Auswahl neuer Standorte in mehreren Projekten bewährt hat. Die Standort- Score-Card ist ein indexiertes Bewertungsverfahren, das auf einer umfangreichen Datenbank mit 15 aggregierten Kriterien aufbaut und die Dimensionen „Standortqualität“ und „Standortrisiken“ umfasst.

Jedes Kriterium ist in eine Vielzahl von einzelnen Werten heruntergebrochen. So umfasst zum Beispiel das Kriterium „Raum“ sowohl die Erweiterungsmöglichkeiten des Standorts als auch den Abstand zur Wohnbebauung. Das Kriterium „Mitarbeiter“ umfasst Ausbildungsstand, Personalkosten und Sicherheitsbewusstsein. Bei den Risiken spielen sowohl externe Risiken wie politische Unsicherheit oder Naturkatastrophen eine Rolle als auch interne Risiken wie Altlasten oder Remanenzkosten.

All diese Faktoren werden quantifiziert, gewichtet und in den Gesamtindex überführt, der sich – in der höchsten Aggregationsstufe – als Matrix aus Standortqualität und Risiko darstellen lässt. Die Gewichtung der Kriterien ist überdies regional differenziert. So sind Freiflächen in Europa oft ein Zeichen von Überkapazität und Schrumpfung mit entsprechenden Leerkosten, während sie in Asien wertvolle Erweiterungsmöglichkeiten bieten. Das rasante Wachstum der Städte in der Dritten Welt ist ebenso zu berücksichtigen wie hohe Lohnsteigerungsraten in den aufstrebenden Ländern. In diesen Fällen antizipiert die Standort-Score-Card mittels komplexer Algorithmen zukünftige Entwicklungen, um langfristigen Fehlentscheidungen vorzubeugen.

Handlungsempfehlungen fürs Mittelfeld

Denn die Standort-Score-Card ist mehr als ein Analysetool – sie ist handlungsorientiert. Mit ihrer Hilfe lassen sich konkrete Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Standortqualität und zur Verringerung der Risiken ableiten. Ergänzt wird die indexierte Bewertung durch strukturierte Interviews mit Fachleuten der einzelnen Standorte. So können im Einzelfall unzutreffende Positionierungen korrigiert werden. Die Anwendung dieses Ansatzes in der Praxis hat nicht nur Empfehlungen ermöglicht, welche Standorte sich besonders gut für Neu- oder Erweiterungsinvestitionen eignen und welche bevorzugt geschlossen werden sollten. Sie hat auch zu Cash-Effekten in Millionenhöhe geführt, etwa durch Veräußerung nicht notwendigen Vermögens. Entscheidend dabei war, dass erstmals das große Mittelfeld der Standorte transparent bewertet wurde, während die besten und die schlechtesten Standorte zumeist längst bekannt waren.

In der Bewertungsmatrix kann das gesamte Standortportfolio eines Unternehmens übersichtlich dargestellt werden. Die bisherigen Projekte – mittlerweile sind ca. 100 Standorte erfasst – lassen einige interessante Rückschlüsse zu. So finden sich einige der besten Standorte in den aufstrebenden Ländern Asiens, aber auch die Standorte mit den höchsten Risiken liegen in der Dritten Welt. Westeuropäische Chemieparks sind überwiegend im Mittelfeld positioniert, dabei gibt es aber signifikante Unterschiede zwischen ihnen. Während Umwelt- und Sicherheitsstandards sowie die Logistik zu den Stärken dieser Standorte gehören, sind Kostenbewusstsein und das Niveau der Servicekosten typische Schwachpunkte.

Diese Bewertung macht eine konkrete Geschäftsentscheidung nicht überflüssig. Sie ermöglicht aber erst eine wirklich fundierte Entscheidung, die auch langfristig wirksame Chancen und Risiken einbezieht und daher nachhaltig ist. Eine solche Methode ist auch die Voraussetzung dafür, dass ein Standortportfolio- Management als Stabsstelle eines Konzerns mit vertretbarem Ressourcenaufwand professionell arbeiten kann. Die Bewältigung einer Akquisition beispielsweise, bei dem in kürzester Zeit hunderte neu hinzugekommener Standorte mit den vorhandenen verglichen werden müssen, um Synergieeffekte zu erzielen, ist nur so möglich.

Fazit

Die bisherigen Erfahrungen lassen den Schluss zu, dass IT-unterstützte Methoden wie die Standort-Score-Card künftig unverzichtbar sein werden. Gegenüber der fallweisen Analyse sind sie nicht nur systematischer, sondern – wegen der großen Zahl an Standorten und der Häufigkeit der Bewertung – auch effizienter. Die Standort- Score-Card ist keine Zahlenspielerei, sondern ein mächtiges Tool, das umfangreiches Hintergrundwissen bei der Anwendung ebenso wie bei der Auswertung erfordert. Das Wissen der Standort-Experten wird nicht überflüssig, es kann mit Hilfe dieser Methode mehr und schneller Wert schaffen als je zuvor.

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