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Chemiekonjunktur weltweit—die Chemieindustrie startet mit Rückenwind in das Jahr 2014

17.03.2014 -

Die Weltwirtschaft war mit großen Hoffnungen in das Jahr 2013 gestartet. Doch rasch wurde klar, dass die erwartete Trendwende weiter auf sich warten ließ. Die Rezession in Europa dauerte zunächst an. Der Streit um die Anhebung der Schuldenobergrenze dämpfte das Wachstum der US-Wirtschaft. Auch viele Schwellenländer bekamen den konjunkturellen Gegenwind zu spüren. Vor dem Hintergrund der Stagnation in Europa und einer Wachstumsschwäche im Rest der Welt legte die globale Wirtschaft im vergangenen Jahr nur um 2,4 % zu. Das spürt auch die Industrie.

Weltweit stieg die Industrieproduktion zwar um 3 %. Dieses Wachstum war aber fast ausschließlich auf die Entwicklungen in China und den USA zurückzuführen. In anderen Regionen stagnierte die Industrieproduktion. In Europa war sie sogar rückläufig. Im Jahresdurchschnitt zeigen die Kennzahlen jedoch noch nicht, dass die Weltwirtschaft im Jahresverlauf 2013 wieder Fahrt aufgenommen hat. Europa konnte die Rezession Mitte des Jahres überwinden. Die Wirtschaftsleistung der Schwellenländer wuchs beschleunigt. In der globalen Industrie stiegen Auftragseingänge und die Produktion nahm Fahrt auf. Dies belebte auch rasch das globale Chemiegeschäft. Viele industrielle Kunden der Chemieunternehmen blickten zuversichtlicher in die Zukunft. Sie dehnten die Produktion aus und orderten verstärkten Chemikalien. Zaghaft wurden auch die Chemikalienläger wieder aufgefüllt. Die Chemie hat daher frühzeitig von der Trendwende in der Weltkonjunktur profitieren können und ihre Produktion im Jahr 2013 um durchschnittlich 5 % ausgedehnt. Nun startet sie mit Rückenwind ins Jahr 2014 und wird ihre Produktion voraussichtlich erneut um 5 % ausweiten können (Grafik 1).

Chemie überwindet Schwächephase

Nach den Rückschlägen durch die Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 wuchs die globale Chemieproduktion zunächst mit hoher Dynamik. Bereits zu Beginn des Jahrs 2010 wurde das Vorkrisenniveau wieder übertroffen. Doch dann flaute die Dynamik der Weltwirtschaft erneut ab. Dies belastete das Chemiegeschäft. Das Wachstum der Branche schmolz im 1. Qu. 2012 vorübergehend auf 1,6 %. Doch schon in der zweiten Jahreshälfte nahm die Chemieproduktion wieder leicht Fahrt auf. Mit knapp 3 % blieb das Wachstum allerdings deutlich hinter dem Trendwachstum zurück. Im vergangenen Jahr wuchs die Chemieproduktion hingegen beschleunigt. Im 4. Qu. betrug das Wachstum im Vorjahresvergleich bereits 5,4 % (Grafik 2). Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede in den einzelnen Ländern und Regionen.

Asien: hohe Dynamik der Schwellenländer

In den Schwellenländern Asiens wuchs die Chemieproduktion auch im Jahr 2013 dynamisch. Zwar wirkt sich auch dort die schwache Weltkonjunktur aus. Im Jahresverlauf zogen aber Chemienachfrage und -produktion wieder deutlich an. Unter dem Strich konnten die Länder im vergangenen Jahr daher ein deutliches Plus verbuchen. Die Branche meldete in Südkorea, Indien und China im Gesamtjahr 2013 ein Wachstum von 4 %, 8 % bzw. 12,5 %. Am stärksten beschleunigte sich das Wachstum in Indien. Indiens Chemiebranche kam lange Zeit nicht in Fahrt. Das Wirtschaftswachstum war seit 2010 niedrig und Industrieproduktion legte nur wenig zu. Engpässe bei den Transportkapazitäten, Verzögerungen bei der Fertigstellung von neuen Kapazitäten und wirtschaftspolitische Turbulenzen machten den Chemieunternehmen in Indien seit 2010 Probleme. Von 2010 bis 2012 legte die indische Chemieproduktion lediglich um 1,7 % pro Jahr zu. Erst 2013 knüpfte die indische Chemie wieder an alte Wachstumsraten an und realisierte zu Ende des Jahres Wachstumsraten von über 8 % (Grafik 3).

Japans Chemieindustrie profitierte hingegen kaum von der weltwirtschaftlichen Trendwende. Immerhin verbuchte die Branche nach zwei Jahren mit rückläufiger Chemieproduktion 2013 wieder ein Plus. Der Zuwachs war mit durchschnittlich nicht einmal 1 % jedoch äußerst bescheiden. Die asiatische Konkurrenz und die schwache Binnenkonjunktur machten den Unternehmen zu schaffen. Zudem brachte die Abwertung des Yen nicht die erhoffte Belebung im Exportgeschäft.

Europa: Ende der Wachstumsschwäche

Die europäische Chemieindustrie hatte sich rasch und dynamisch von den Folgen der globalen Finanzkrise erholt. Das Vorkrisenniveau konnte bereits 2010 wieder übertroffen werden. Doch dann kam mit der Zuspitzung der europäischen Schuldenkrise der Rückschlag. Die europäische Chemieproduktion sank von Quartal zu Quartal, weil die durch die Verschuldungskrise ausgelöste Rezession in Südeuropa zunehmend das europäische Chemiegeschäft erfasste. Bis zu Beginn des Jahres 2013 hieß es für Europas Chemie: Kein Wachstum! Immer wieder wurden die Hoffnungen auf eine Belebung enttäuscht. Erst in der zweiten Jahreshälfte 2013 füllten sich die Auftragsbücher der Branche und die Unternehmen konnten ihre Produktion wieder ausweiten. Im 4. Qu. betrug das Wachstum im Vorjahresvergleich 3 % (Grafik 4). Im Gesamtjahr 2013 stieg die Produktion wegen des schwachen Jahresbeginns allerdings nur um 1 %.

Amerika: wenig Dynamik

In den Vereinigten Staaten blieb das Chemiegeschäft trotz Shale-Gas-Hype schwierig. Zwar setzte auch jenseits des Atlantiks nach den krisenbedingten Produktionsrückgängen rasch die Erholung ein. Der Aufwärtstrend blieb jedoch kraftlos. Daher fehlten der US-amerikanischen Chemieproduktion Ende 2013 immer noch rund 12 % zum Vorkrisenniveau von 2007. Diese Zahlen sind allerdings durch eine Verlagerung der Pharmaproduktion ins Ausland verzerrt. Rechnet man das Pharmageschäft heraus, konnte die US-Chemie im vergangenen Jahr ein Plus von 3 % verbuchen.

Besser erging es der Chemieindustrie in Südamerika - z.B. in Brasilien. Mittlerweile produziert das Land deutlich mehr Chemikalien als vor der Krise. Aber auch das brasilianische Chemiegeschäft war in der jüngsten Zeit nicht frei von Rückschlägen. Im Jahr 2011 musste die brasilianische Chemieproduktion sogar gedrosselt werden. Erst 2012 ging es wieder aufwärts. Die Produktion stieg im Gesamtjahr um 3 %. Und im vergangenen Jahr folgte der erneute Rückschlag. Trotz positiver Entwicklung der Weltwirtschaft und einer günstigen Rohstoffversorgung stagnierte 2013 die brasilianische Chemieproduktion (Grafik 5).

Gute Aussichten für 2014

Die Weltwirtschaft setzt ihren Aufwärtstrend 2014 beschleunigt fort. Auf allen Kontinenten steigt die Industrieproduktion und mit ihr die Chemienachfrage. Vor diesem Hintergrund ist die Stimmung in den Chemieunternehmen gut und die Prognosen fallen überwiegend optimistisch aus. Die ersten Produktions- und Umsatzzahlen der Branche für das laufende Jahr bestätigen die Zuversicht. Der Verband der Chemischen Industrie rechnet erneut mit einem Wachstum der globalen Chemieproduktion in der Größenordnung von 5 %. Die europäische Chemie könnte in diesem Jahr sogar etwas stärker zulegen als die Konkurrenz aus den USA. Japans Chemie muss sich hingegen mit einem bescheidenen Wachstum begnügen. Bei den Schwellenländern bleibt das Wachstumsgefälle zwischen Asien und Südamerika bestehen. Insgesamt ist das Chemiewachstum dort aber deutlich höher als in den Industrieländern (Tab.: 1).

 

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