M&A: Es war ein Blockbuster-Jahr für Life Sciences

Chemieunternehmen drängen verstärkt in die Endkundenmärkte

Die Zahl der angekündigten Fusionen und Übernahmen ist in den Branchen Life Sciences und Chemie im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr von 1.765 auf 1.893 gestiegen (+ 7%). Das Transaktionsvolumen stieg im selben Zeitraum von 209 Mrd. USD auf 238 Mrd. USD (+ 14%). Das Wachstum des Transaktionsvolumens ist insbesondere auf die 62,3 Mrd. USD-Transaktion zwischen Takeda Pharmaceutical und Shire zurückzuführen. Die stärksten M&A-Aktivitäten sind in USA und China zu verzeichnen. Das zeigt eine KPMG-Analyse, die auf Zahlen von Thomson Reuters beruht.

Life Sciences verzeichnet Blockbuster-Übernahme
Mit der Übernahme von Shire durch Takeda Pharmaceutical, steht die Life Sciences-Branche kurz vor einer Rekordübernahme. Mit 62,3 Mrd. USD handelt es sich um die größte angekündigte Transaktion seit der in 2015 angekündigten 160 Mrd. USD-Übernahme von Allergan durch Pfizer in Life Sciences.

„Consumer Health“-Markt wird weiter konsolidiert
Nach dem Beginn dieser Konsolidierungsphase im vierten Quartal 2017 ist kein Ende in Sicht. Procter & Gamble hat die 4,2 Mrd. USD-Übernahme des Consumer Health-Business von Merck angekündigt. Damit könnte P&G seine Präsenz im OTC-Geschäft weiter ausbauen.

GSK hat im ersten Quartal 2018 den 13 Mrd. USD Buyout des 36,5%igen Anteils von Novartis an dem in 2015 gemeinsam gegründeten Consumer Healthcare Joint Venture angekündigt. GSK erwartet bis 2022 operative Margen von über 20% in diesem Bereich.

Medizinischer Cannabis treibt Übernahmen in Kanada
Kanada hat seine Position als einer der Top-Akteure in M&A verteidigt. Insbesondere Transaktionen im Therapiegebiet von medizinischem Cannabis treiben die M&A-Aktivität an. Rund 40% aller angekündigten Life Sciences-Transaktionen mit kanadischem Target finden sich in diesem Bereich. Ein Treiber dieser Entwicklung ist die Legalisierung, die im Oktober 2018 in Kraft tritt. Zwischen 2018 und 2020 ist eine jährliche Wachstumsrate (CAGR) von 42% zu erwarten. Aurora Cannabis hat den 3,2 Mrd. CAD-Kauf von Medreleaf einem durch Forschung und Entwicklung getriebenen Cannabis-Unternehmen angekündigt.

In Deutschland ist im März 2017 ein Gesetz in Kraft getreten, das Cannabis als Medizin in begründeten Einzelfällen zulässt. Die Versorgung erfolgt derzeit noch durch Importe. Jedoch ist für die Zukunft eine sogenannte Cannabisagentur geplant, die den Anbau von Cannabis für medizinische Zwecke in Deutschland steuern und kontrollieren soll.

Vir Lakshman, Leiter des Bereichs Chemie und Pharma bei KPMG in Deutschland: „Wir befinden uns in einem Blockbuster M&A-Jahr. Life Science-Unternehmen nutzen Ihre Liquidität, um ausgewählte therapeutische Bereiche durch M&A-Transaktionen zu stärken. Zur gleichen Zeit treibt der Druck auf Medikamentenpreise, insbesondere in den USA, die Konsolidierung voran. Disruptive Kräfte geben den Life-Sciences-Unternehmen gleichwohl Anlass zu Bedenken. Große Tech-Unternehmen drängen mit digitalen Innovationen in den Markt und mischen die Value Chain auf. Sogar FMCG Unternehmen positionieren sich im Bereich Consumer Health und wappnen sich für die Zukunft.“

Deutsche Chemieunternehmen auf Expansionspfad
Im Chemiesektor wurden im ersten Halbjahr 2018 497 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 39 Mrd. USD angekündigt. Damit zeigt sich ein Rückgang im Vergleich zu den Vorjahreswerten (534 Deals mit einem Gesamtvolumen von 66 Mrd. USD).

Auf dem Markt für Agrochemie führen kartellbedingte Verkäufe von Unternehmensteilen die M&A-Aktivität an. BASF hat nach der im Oktober 2017 unterzeichneten 5,9 Mrd. EUR-Übernahme der Saatgut- und nicht-selektiven Herbizid-Geschäfte von Bayer einen Vertrag zum Kauf weiterer Crop-Science Geschäfte in Höhe von ca. 1,7 Mrd. EUR unterzeichnet. Die zusätzlich akquirierten Sparten verzeichneten 2017 einen Umsatz in Höhe von ca. 745 Mio. EUR.

Kooperationen außerhalb des Kerngeschäfts treiben Chemie an
Deutsche Chemieunternehmen drängen durch Kooperationen mehr in den Endkundenmarkt. Evonik Industries hat durch eine Serie-A-Finanzierungsrunde in das amerikanische Hauttechnologie-Startup MySkin investiert. BASF schließt sich dem „Personalized Nutrition & Health“-Konsortium an, welches sich auf die Erforschung von personalisierter Ernährung und Gesundheitsberatung fokussiert.

Vir Lakshman: „Chemieunternehmen schlagen neue Wege auf der Suche nach Wachstum ein. Sie investieren zunehmend in Endverbrauchermärkte wie zum Beispiel Ernährung und Kosmetik.“

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