15.09.2011
ThemenLogistik

Chemie der Logistik

Logistics Mall bietet Transparenz, Einsparpotential und vereinfachte logistische Strukturen

Nicht nur Erzeugnisse der Chemie- und Pharmaindustrie werden aus diversen Zutaten gemischt - auch Logistikprozesse setzen sich aus einer Vielzahl unterschiedlicher Elemente zusammen. Vom Spediteur bis zum Lager, von der Ladeliste bis zur Logistik-IT - alle Prozessbestandteile müssen reibungslos korrespondieren, um Ausfallzeiten oder Fehllieferungen zu vermeiden und letzten Endes als Produkt zu funktionieren. Gerade in der Chemie- und Pharmabranche mit besonderen logistischen Anforderungen sind individuelle und effiziente Lösungen gefragt.


Vielen dieser besonderen Anforderungen konnte man bislang nur mit enormem Mehraufwand gerecht werden. Detaillösungen mussten individuell abgestimmt und penibel justiert werden. Die Spezialisierung auf bestimmte Gebiete, wie z.B. Gefahrguttransport, führte zwangsläufig zu einer Kostenexplosion. die mit bisherigen Mitteln nicht zu vermeiden war.
Dass das nicht so bleiben muss, zeigt ein neues Logistikkonzept par excellence: Die „Logistics Mall". Sie ermöglicht es erstmals, aus Standardelementen funktionierende, den eigenen Anforderungen entsprechende Logistikprozesse zu erstellen. Die Abrechnung erfolgt nach tatsächlichem Nutzen und die Ausführung in der Cloud birgt immenses Einsparungspotential. Speziallösungen können einfach im Internet konfiguriert und problemlos in die individuelle Praxis umgesetzt werden.
Die seit 2009 vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML und Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST entwickelte Logistics Mall bietet im Sinne eines elektronischen Marktplatzes für Logistikdienstleistungen, -anwendungen und -software erstmals die Möglichkeit, passende Prozesselemente bedarfsorientiert zu kombinieren, zu mieten und über das Internet zu nutzen. Funktionen unterschiedlicher Anbieter können zu einem individuellen Gesamtpaket zusammengestellt werden. Der Anwender - sei er Händler, Spediteur oder Logistikkoordinator - kann den Weg der Waren vom Produzenten bis zum Verbraucher nach Belieben und Bedarf zusammensetzen und steuern. Er weiß somit, wer wann, wo und wie daran beteiligt ist.


Vorteile und Möglichkeiten - Cloud Computing
Die Logistics Mall stellt nicht nur eine Onlineplattform zum Vergleichen, Zusammenstellen und Mieten geeigneter Anwendungen zur Verfügung, sondern befreit den Anwender auch von der sonst notwendigen Technisierung.

Eigene IT wird durch die Auslagerung in die Cloud und Software-as-a-Service-Modell überflüssig - Kosten können um bis zu 50% reduziert werden.
Logistiksoftware über das Internet anzumieten und auf externen Servern laufen zu lassen, können sich schon heute 64% der Unternehmenslenker vorstellen. Das geht aus der aktuellen Marktanalyse des Fraunhofer IML „Cloud Computing für Logistik" hervor.
Mit Cloud Computing brauchen Anwender lediglich einen Internetzugang, um Daten abrufen oder Prozesse koordinieren und im Auge behalten zu können. Vorstellbar wäre z.B. die einfache, informationstechnische Integration des Arzneimittelproduzenten in die Supply Chain über einen simplen Browser. Der Produzent könnte Produktionsinformationen in Echtzeit an nachfolgende Prozesselemente senden, die dadurch in die Lage versetzt werden, ihren Ressourceneinsatz sinnvoll zu planen und diese Daten an die jeweilig nächste Instanz weiterzuleiten.
Mit einem solchen Informationsaustausch über einen zentralen Server bzw. eine entsprechende Applikation trüge man auch der am 16. Februar 2011 beschlossenen Forderung des Europäischen Parlamentes nach ständig zu gewährleistender Rückverfolgbarkeit von Medikamenten Rechnung: Es wäre möglich, jedes Produkt vom Ursprung bis zum Konsumenten (B2C und zurück) ohne die bislang erforderlichen Mehrfachabfragen zu verfolgen. So könnten im Bedarfsfall fehlerhafte Chargen oder gefälschte Arzneimittel in kürzester Zeit ausfindig gemacht und aus dem Verkehr gezogen werden. Illegaler Ware wäre der Zugang zur legalen Lieferkette mithin gar nicht mehr möglich.
Eine durchgehende Berücksichtigung von Mindesthaltbarkeitsdaten für effizientere Priorisierung von Chargenauslieferungen wäre genau wie eine unmittelbare Temperaturüberwachung in Echtzeit ebenfalls denkbar. Die Arzneimittelsicherheit dürfte wie auch die Transportsicherheit von Gefahr- und Spezialgut immens von einem solchen System profitieren.
Eine Bereitstellungs-App, die alle in die Supply Chain involvierten Akteure mit den nötigen Informationen über die momentane Ladung (Sicherheitshinweise, besondere Handhabung, etc.) ausstattet und darüber hinaus alle benötigten Dokumente - wie z.B. Zollpapiere, Lieferscheine und Ähnliches - zur Verfügung stellt, läge auch im Bereich des Möglichen.


Logistik mit Baukastenprinzip und Werbepotential
Mithilfe eines neuen Standards der Schnittstellennomenklatur können einzelne Dienste und Anwendungen in der Logistics Mall - ähnlich der Idee eines Zuges, dessen unterschiedliche Waggons über eine vereinheitlichte Kupplung miteinander verbunden sind - reibungslos zu Prozessketten aneinandergereiht werden.
Durch die stetig wachsende Zahl von Anbietern gewährt die Logistics Mall dem Anwender zusätzlich einen Überblick über das derzeitige Angebot auf dem Markt und bislang nicht existente Vergleichsmöglichkeiten. Das Auffinden der bestmöglichen Lösung für den eigenen Logistikprozess wird somit wesentlich einfacher als in der Vergangenheit sein. Darüber hinaus bietet das Aufbrechen bislang monolithischer (Software-)Pakete in Einzelapplikationen und -lösungen dem Anwender erstmals die Möglichkeit, gezielt das zu mieten, was er braucht, und für ihn überflüssige Programmteile auszuklammern. Gerade für die Chemie- und Pharmabranche birgt diese Tatsache erhebliches Einsparpotential, da auf dem virtuellen Marktplatz systematisch Anwendungen und Dienstleistungen, die für die Sparte notwendig sind, ohne nutzloses Beiwerk ausfindig gemacht und gemietet werden können.


Die Zukunft liegt in den Wolken
Zukunftsweisend ist die Logistics Mall dank transparenten Prozessdesigns, enormen Einsparpotentials und Vereinfachung der logistischen Struktur. Für die Chemie- und Pharmaindustrie relevante Applikationen sehen vielversprechend aus und sind dank des Logistics-Mall-Konzeptes leicht realisierbar. Kostenreduktionen auf Seiten der Anwender und Nutzer solcher Logistiklösungen führen zu Preisnachlässen, von denen Endkunden profitieren können. Bis 2012 soll die im Rahmen des Fraunhofer-Innovationscluster „Cloud Computing für Logistik" entwickelte Logistics Mall Marktreife erlangen und uneingeschränkt nutzbar sein.
Cloud Computing kommt - auch oder gerade im Logistiksektor. Denn kaum eine Branche ist den Anforderungen des Marktes so stark ausgeliefert, wie die Logistik. Flexibilität und Effizienz sind hier elementarstes Gebot. Die Logistics Mall ist der nächste konsequente Schritt auf dem Weg in die Wolken. Denn wo Leben auf dem Spiel steht, können Medikamente nicht auf sich warten lassen.
Die vollständige Marktanalyse „Cloud Computing für Logistik" des Fraunhofer IML ist ab sofort im Fraunhofer Bookshop unter: http://www.verlag.fraunhofer.de/bookshop/ erhältlich.

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