24.05.2018
ThemenLogistik

Chemielogistik: Komplexität bestimmt Logistik

Trendbericht Achema: Entwicklungen in der Chemie- und Pharmalogistik (Teil 2)

  • Trendbericht Achema: Entwicklungen in der Chemie- und Pharmalogistik (c) leungchopan/ShutterstockTrendbericht Achema: Entwicklungen in der Chemie- und Pharmalogistik (c) leungchopan/Shutterstock

In den Branchen Chemie und Pharma hat die Logistik in den vergangenen Jahren ihren Stellenwert stark erhöht und ist zu einem wirtschaftlichen Kernfaktor geworden. Die Industriemesse Achema 2018 wird dieser Tatsache gerecht und gibt der Logistik für diese beiden Industriezweige einen eigenen Hallenbereich. Im ersten Teil des Artikels wurden einige grundlegende Entwicklungen und Trends der Pharmalogistik dargestellt. Der zweite Teil widmet sich der Chemielogistik und ihren Besonderheiten.

Die Vertriebskette chemischer Erzeugnisse lief und läuft auch heute noch vielfach von der Grundchemikalienherstellung über zahlreiche Veredlungsstufen bzw. Hersteller von Spezialchemikalien in andere Industriezweige, selten direkt zum Verbraucher. Dies spiegelt sich auch in der Logistik wider. Die Sicherheit der Gefahrstoffe im Lager und Gefahrgüter im Verkehr ist dabei stark im Fokus.

Chemielogistik im Überblick

Überwiegend im Transport tätig, war der Stellenwert von Logistikern in Chemieunternehmen noch bis vor wenigen Jahren auf der Stufe eines „Erfüllungsgehilfen“ angesiedelt. Das hat sich stark gewandelt. Heute ist die Branche beherrscht von globalen Supply Chains, in die sowohl die Zulieferung von Rohstoffen und Vorprodukten als auch der Verkauf sowie die Verteilung der Fertigprodukte eingebunden sind. Gefahrgutspezialisten, Transportdienstleister für Flüssiggüter- oder im Bulk Bereich und Chemiestandort- und Lagerlogistiker sind dabei spezifische Logistikanbieter für die chemische Industrie.

Die End-to-End-Betrachtung der Lieferketten ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Hierbei gilt es, die große Komplexität der globalen Supply Chains zu beherrschen. Die multimodale Lieferkette Bahn/(Binnen-)Schiff/Straße (Multimodalität und kombinierter Verkehr) ist dabei für die Chemieindustrie überwiegend aus Sicherheits- aber auch aus Kostengründen von besonderer Bedeutung.

Für viele Chemikalien bestehen zudem vor allem bei Bulkmengen gesetzliche Restriktionen auf die zulässigen Transportmittel.

Dem Outsourcing von Logistikleistungen an kompetente, vielfach ebenfalls international vernetzte Logistikpartner kommt also auch im Gefahrstoff- oder Gefahrgutbereich eine zunehmend wichtige Rolle zu. In vielen Teilbereichen hilft in steigendem Maße die Digitalisierung, viele der komplexen Prozesse zu beschleunigen und schlanker zu machen.

Wohin steuert die Chemielogistik?

Die Logistik für die chemische Industrie wird auch künftig stark von globalen Supply Chains geprägt sein. Aufgrund ihres umfangreichen Produktportfolios erreichen insbesondere große Chemiekonzerne schnell eine hohe Komplexität, denn viele unterschiedliche Supply Chains müssen sicher unterhalten werden.

Die globalen Lieferketten sind diversen Gefahren ausgesetzt– von allgemeinen Beförderungsrisiken bis hin zu Naturkatastrophen. Chemieunternehmen können diesen durch umfangreiche Transportrisikoanalysen mit Identifizierung und Bewertung der jeweiligen Risiken entgegentreten. Spezielle Analysetools und die Ausrüstung aller Transportmittel mit Telematiksystemen, die z.B. Roundtrip-Monitoring, Geofencing, Temperaturmonitoring und weitere Alarmfunktionen bieten, werden deshalb verstärkt Einsatz finden.

Die höhere End-to-End-Transparenz der Supply Chain und der Austausch von Informationen in Echtzeit helfen dabei, die Komplexität zu reduzieren. Für die logistischen Prozesse bedeutet dies, dass zu jedem Zeitpunkt Waren lokalisiert werden können und der Bearbeitungszustand eines Auftrags bekannt ist. So lassen sich Auftragsbearbeitungs- und Lieferzeiten reduzieren und Bestände optimieren. Der hierzu nötige Digitalisierungsprozess hilft künftig auch dabei, Leerkilometer im Transport zu vermeiden und die Wartezeiten an den Ladestellen zu verkürzen, oder ermöglicht die Einbindung innovativer Tankcontainerkonzepte, wie z.B. die Verladung der Tankcontainer von der Schiene oder Lkw direkt auf ein vollautomatisches Standorttransportsystem.

An Chemiestandorten verhindern die unterschiedlichen Zielsetzungen einzelner Standortpartner zurzeit vielfach noch ein einfaches Durchsetzen digitaler Logistiklösungen, z.B. beim Ladestellenmanagement. Hemmfaktoren sind auch im Sicherheitsbewusstsein der Chemieindustrie zu suchen, das Entscheidungen verzögert, denn alle Standortbeteiligten müssen zustimmen. Zudem fehlen vielfach noch Standards für die digitalen Techniken.

An Digitalisierung führt aber kein Weg vorbei und Trends wie Big Data oder Cloud Computing beeinflussen deshalb auch die Logistik der Chemiebranche. Gerade bei der Nutzung digitaler, datengetriebener Technologien zur Vorhersage und Optimierung von Prozessen ist sie bereits auf einem guten Weg. Mit neutralen Plattformen, die sich auf die speziellen Bedarfe der Chemielogistik einstellen und die komplexen Vorgaben im Gefahrstoff- und Gefahrgut-Handling nachvollziehbar abbilden, lassen sich flexible Integrationsmöglichkeiten aller an der Chemie Supply Chain Beteiligten schaffen. Unter dem Stichwort „Kollaboration“ agieren die Verlader über die gemeinsame Plattform in Echtzeit z.B. mit vielen Transporteuren.

Zwei Logistikbereiche können für die Chemieindustrie schon in naher Zukunft zu einem Problemthema werden: ein wachsender Fahrermangel in der Gefahrgutbeförderung sowie die zunehmende Verknappung an Immobilen für Gefahrstofflager und Immobilien mit Gleisanschluss. Die an der Logistikkette Beteiligten müssen hier rasch Lösungen finden.

Fazit

Für die Chemie- wie für die Pharmalogistik liegen viele Zukunftsthemen in einer stärkeren Digitalisierung. Eine weiter steigende Komplexität und die zunehmende Individualisierung der Produkte werden die Logistik beider Branchen künftig weiter im Griff haben und dies bei zunehmendem Kostendruck und Personalmangel. Vernetzung, Kooperation und Transparenz der Wertschöpfungskette sowie eine noch stärkere Digitalisierung der Geschäftsprozesse können zur Lösung beitragen.

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