09.10.2019
ThemenLogistik

Kapazitätsengpässe im Transport – die neue Normalität?

Mögliche Gegenmaßnahmen zur Sicherung von Transportkapazität

  • Die Transportkapazität am Markt hat sich nicht im gleichen Maße mit der Nachfrage entwickelt. Infrastrukturprobleme führen vielfach zu Lieferengpässen von Gütern. Logistik ist deshalb häufig zu kurzfristiger Planung gezwungen. ©  rudall30/ShutterstockDie Transportkapazität am Markt hat sich nicht im gleichen Maße mit der Nachfrage entwickelt. Infrastrukturprobleme führen vielfach zu Lieferengpässen von Gütern. Logistik ist deshalb häufig zu kurzfristiger Planung gezwungen. © rudall30/Shutterstock
  • Die Transportkapazität am Markt hat sich nicht im gleichen Maße mit der Nachfrage entwickelt. Infrastrukturprobleme führen vielfach zu Lieferengpässen von Gütern. Logistik ist deshalb häufig zu kurzfristiger Planung gezwungen. ©  rudall30/Shutterstock
  • Maßnahmen, um Engpässe in der Logistik zu managen © Camelot Management Consultants
  • Alternativen für Logistics Service Provider (LSP)-Vertragskonzepte © Camelot Management Consultants
  • Andreas Gmür, Head of Logistics, Camelot Management Consultants AG, Mannheim © Camelot Management Consultants
  • Constantin Reuter, Head of Distribution Strategy & Networks, Camelot Management Consultants AG, Mannheim © Camelot Management Consultants

Vielleicht kennen Sie die Situation: Es muss kurzfristig ein Transport von A nach B gefunden werden, aber es lässt sich einfach kein Fahrer finden. Das Beispiel der abgesackten Bahntrasse bei Rastatt vor einigen Monaten und der daraus resultierenden Streckensperrung zeigt, wie schnell es auch durch Infrastrukturprobleme zu Lieferengpässen von Gütern kommen kann und welche gravierenden Auswirkungen daraus entstehen.

Generell ist in den vergangenen Jahren ein stetiger Bedarfsanstieg an Transportleistungen zu verzeichnen. Der Grund dafür liegt darin, dass sich die Kapazität am Markt nicht im gleichen Maße mit der Nachfrage entwickelt hat. Hauptgründe sind der nach wie vor bestehende Fahrermangel, in­frastrukturelle Beeinträchtigungen bzw. der Ausbau der Infrastruktur in Deutschland als wichtiges Transitland in Europa, sowie restriktivere Regularien und Kontrollen für Lenkzeiten.
Industriespezifische Anforderungen, wie Gefahrgutausrüstung, lange Ladezeit in Industrieparks oder Temperaturanforderungen, treiben die Komplexität bei der Suche nach geeigneten Transportmöglichkeiten zusätzlich in die Höhe.

Heutige Logistikprozesse auf diese Anforderungen nicht ausgelegt
In der Vergangenheit war der Transportmarkt zugunsten der Verlader ausgerichtet – ein sogenannter Käufermarkt. Ausreichend Transportverfügbarkeit war stets gegeben und kurzfristige Transportanfragen waren die Regel. Aufgrund der fehlenden Planung wurden viele Logistikleistungen als Rahmenvertrag ohne Volumenbindungen oder Kapazitätszusage eingekauft.
Mittlerweile wird die Prognosegenauigkeit durch weiter diversifizierte Verkaufskanäle und fehlende Transparenz im Unternehmen bzw. unternehmensübergreifende Supply Chains erschwert. Lieferketten werden darüber hinaus immer volatiler, da Nachfragen nicht kon­stant vorhergesagt werden können – „Trump-News-Effekt“.
Die Logistik ist deshalb häufig zu kurzfristiger Planung gezwungen, sobald die Produkte effektiv zur Distribution stehen. Kombiniert mit einer angespannten Transportkapazitätssituation auf dem Markt führt das zu immer häufigerem und aufwändigerem Firefighting in der Transportabwicklung.

Dies treibt Abwicklungs- sowie Transportkosten nach oben. Für Unternehmen wird es immer schwieriger, ihren Kunden zuverlässige Lieferzusagen zu machen, was sich zunehmend zum Wettbewerbsfaktor entwickelt. Neue Ansätze werden daher dringend benötigt, um Kunden zu halten und die Logistikkosten auf einem angemessenen Niveau zu belassen.

Gefragt: Ganzheitliche Maßnahmen zur Entschärfung der Engpässe
Um Kapazitätsengpässen nachhaltig entgegenzuwirken, müssen aus Sicht von Camelot ganzheitliche Maßnahmenpakete in der strategischen und operativen Logistik umgesetzt werden. Gleichzeitig sollte durch eine stärkere Koordination von Produktions- und Logistikplanung das Firefighting reduziert werden. Eine stärkere strategische sowie taktische Einbindung und Planung aller Unternehmensteile in die Logistik ist notwendig!
Effektive Maßnahmen zum Management von Transportkapazitätsengpässen finden sich in den Bereichen der strategischen Konzeptentwicklung des Transportmanagements, der elektronischen Dienstleisterintegration in die Planung, im Analyse- und Informationsmanagement im B2B Bereich, im Dienstleister-Auswahlprozess sowie im Einsatz aktueller Transport Management Systeme.

„Eine nachhaltige Engpassreduktion bedarf einer strategischen Konzeptentwicklung.“

Für eine nachhaltige Engpassreduktion bedarf es einer strategischen Konzeptentwicklung. Diese sollte existierende Kapazitätsrestriktionen bereits in der strategischen und taktischen Planung berücksichtigen, um entsprechendes Volumen zu reservieren.
Darüber hinaus sollte im taktischen Bereich die Zusammenarbeit mit Logistikdienstleistern intensiviert werden, indem der Logistics Service Provider (LSP) möglichst frühzeitig über das erwartete Transportaufkommen informiert wird. Durch die Integration des Bedarfs in die Planung des LSPs können Assets frühzeitig reserviert und Engpässe vermieden werden.
Analytik und prädiktive Methoden unterstützen bei der Gewinnung von Daten aus internen (Produktion, Marketing, Sendungsdaten) und externen Quellen sowie bei der Transformation in wertvolle Informationen zur Transportoptimierung. Mit der heutigen Verfügbarkeit von IT-Planungsressourcen kann die Logistik von den laufenden Fortschritten bei Planungsalgorithmen, Fahrzeugautomation und Automatisierung der Logistikkommissionierung profitieren. Fortschreitende Technologieentwicklungen, wie das Internet der Dinge und künstliche Intelligenz, können dazu beitragen, eine favorisierte Position beim Dienstleister und dadurch gesicherte Transportkapazität zu erreichen.

Zielführender Umgang mit Transportvolumen
Für eine zuverlässige Transportdurchführung sollten Verträge mit LSPs langfristig aufgesetzt werden. Zudem ist eine vertragliche Volumenbindung mit entsprechenden Boni oder Vertragsstrafen für Nichteinhaltung essentiell. In diesem Zusammenhang ist eine Segmentierung des Transportaufkommens in stabiles, saisonales sowie volatiles Transportvolumen nötig. Je nach Planbarkeit des Transportvolumens kann ein fixes Transportvolumen vereinbart werden oder muss auf einen gewissen Transportvolumenanteil oder ein 10er-Kartensystem zurückgegriffen werden. Backup Spediteure sowie eine Aufteilung des Transportvolumens (Business Share) stellen prinzipiell eine gute Möglichkeit dar, um Engpässe abzumildern.
Auch weiterhin wird es die eine oder andere kurzfristige Transportanforderung geben. Hierbei lässt sich manuelles Firefighting – insbesondere in Bezug auf Ausschreibungen – durch weitgehende Automatisierung innerhalb bestehender Transport Management Systeme bzw. eingebundene Logistikplattformen reduzieren.

„Langfristige Verträge mit Volumenbindung und intensiver Informationsaustausch sind vielversprechende Erfolgsfaktoren.“

Um die Sendungsvolatilität noch stärker zu „beruhigen“, können zusätzliche zeitliche Reserven im operativen Transportmanagement dabei unterstützen, kritische Logistikressourcen zu schützen und einen nivellierten Ablauf zu erreichen. Ausgedehntere Abhol-/Anlieferzeitfenster erleichtern dem LSP die Transportplanung und sichern eine zuverlässige Realisierung. Als Beispiel wären hier Slotmanagementsysteme in Verbindung mit der aktuellen Verkehrslage zu sehen, sowie zusätzliche Schichten des Verladeteams. Unvorhergesehene Sendungen sollten durch präzisere Prognosen früher antizipiert, sichtbar gemacht und kommuniziert werden, um sie gezielt zu managen. Umfassende Netzwerkanalysen und Business Intelligence Tools tragen zur Visualisierung der Ströme, Standorte und Kosten bei. Entsprechend können die besten bzw. schnellsten Routen geplant und Verkehrsprognosen in Routenplanungen mit einbezogen werden. Dadurch ist die Bestimmung von optimalen Transportdaten möglich und die Transparenz sowie Lieferzuverlässigkeit erhöhen sich.

Neue Normalität selbst gestalten
Die Logistik befindet sich im ständigen Firefighting-Modus, um trotz Engpasssituation notwendige Transportkapazitäten zu gewinnen und Liefertermine sicherzustellen. Situationen wie Überlastung der Infrastruktur, lange Warte-/Standzeiten in Industrieparks, Diversifizierung der Lieferkette und geändertes Kundenbestellverhalten – häufigere und kleinere Bestellmengen – verschärfen die Kapazitätsengpässe.
Ganzheitliche Maßnahmen im strategischen bis operativen Bereich sichern eine nachhaltige Stärkung der Wettbewerbssituation. Neben der Realisierung langfristiger Verträge mit Volumenbindung ist intensiver Informationsaustausch ein vielversprechender Erfolgsfaktor. Dabei vereinfachen technologische Fortschritte den Informationsaustausch der Supply-Chain-Partner und erlauben eine Berücksichtigung von operativen Engpässen bereits in der strategischen Planung. Darüber hinaus tragen Automatisierungs- und Nivellierungsmaßnahmen zur Stabilisierung von Prozessen bei. Hierdurch kann die Zuverlässigkeit entlang der Supply Chain gesteigert werden.
Diese Konzepte ermöglichen einen erfolgreichen Umgang mit der neuen Normalität auf dem Transportmarkt und senken die Kosten.


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Camelot Management Consultants AG (München)
Radlkoferstr. 2
81373 München

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