13.11.2014
ThemenLogistik

Komplexität in den Griff bekommen

Aktuelle Camelot Studie beleuchtet und hinterfragt Schwachstellen im Transportmanagement

  • Andreas Gmür, Partner, Head of Logistics Practice, Camelot Management ConsultantsAndreas Gmür, Partner, Head of Logistics Practice, Camelot Management Consultants
  • Andreas Gmür, Partner, Head of Logistics Practice, Camelot Management Consultants
  • Joachim Getto, Head of CC Logistics Excellence, Camelot Management Consultants
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Supply Chain Manager haben vermehrt mit der Tatsache zu kämpfen, dass die Lieferketten immer länger und globaler werden, dass die Zahl der beteiligten Partner ansteigt, dass sich Risiken vergrößern und insgesamt die Komplexität ihrer Arbeit wächst. Eine kürzlich erschienene Studie, die Camelot Management Consultants gemeinsam mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim durchgeführt hat, befasst sich mit der Komplexität im Transportmanagement von Chemieunternehmen. Es zeigt sich, dass es vielen international tätigen Chemieunternehmen an global ausgerichteten Transportmanagement-Strategien mangelt. CHEManager sprach mit Andreas Gmür, Partner, Head of Logistics Practice, und Joachim Getto, Head of CC Logistics Excellence, beide Camelot Management Consultants über die wichtigsten Ergebnisse der Studie.

CHEManager: Was gab den Ausschlag eine Studie speziell zum Thema Transportmanagement durchzuführen?

A. Gmür: Camelot hat in den letzten Jahren speziell von Chemiekunden vermehrt Anfragen für Transportmanagement-Projekte erhalten. Besonders die Bereiche Prozessstrategie und -harmonisierung haben gerade Konjunktur.

J. Getto: In der letzten Zeit hat es ja auch mehrere Studien zum Thema Chemielogistik gegeben. Diese haben wir als Ausgangslage für unsere eigene Studie verwendet und darauf aufbauend speziell das Thema Transportmanagement-Organisation, -Prozesse und IT-Systeme in einem zunehmend komplexen globalen Umfeld untersucht.

Wo und weshalb sind Engpässe im Transportwesen für die chemische Industrie zu erwarten?

J. Getto: Durch die Globalisierung sind die Transportvolumen in den letzten Jahren gestiegen. Da die Chemieindustrie allerdings stark auf Transportinfrastrukturen, wie Eisenbahn und Häfen, angewiesen ist, kam es in den letzten Jahren vermehrt zu Kapazitätsengpässen.

Gibt es Beispiele von Unternehmen der chemischen Industrie, die besonders effektives Transportmanagement betreiben - was zeichnet sie aus?

A. Gmür: Was wir in unserer Studie gesehen haben ist, dass sich viele Unternehmen der steigenden Komplexität im Transportmanagement noch nicht ausreichend bewusst sind und daher auch noch nicht genug unternehmen, um sich darauf vorzubereiten.

Unternehmen, die effektives Transportmanagement betreiben, betrachten dieses als integriertes Thema beginnend bei der Organisationsstruktur, den Prozessen und Schnittstellen zu internen und externen Partnern sowie der unterstützenden IT-Struktur.

Alle Welt fordert Nachhaltigkeit. Welche Erkenntnisse brachte Ihre Studie in Bezug auf die Umsetzung nachhaltiger Strategien im Transportmanagement?

J. Getto: Wir haben die Unternehmen gefragt, ob Nachhaltigkeit von deren Kunden nachgefragt wird. 66% der befragten Chemieunternehmen registrieren eine entsprechende Nachfrage, aber nur 9% der befragten Unternehmen geben an, dass diese Kunden auch bereit sind, entsprechend für Nachhaltigkeit zu bezahlen. Bei 72% der befragten Unternehmen ist Nachhaltigkeit aber schon fester Bestandteil der Unternehmensstrategie.

Sie stellen in Ihrer Studie fest, dass die unterschiedlichsten Transportmanagement-Prozesse in vielen Fällen nicht oder sogar mangelhaft aufeinander abgestimmt sind. Die technischen Möglichkeiten wären doch gegeben, woran liegt es also, dass hiervon so wenig umgesetzt wird?

A. Gmür: Wir stellen bei unseren Projekten immer wieder fest, dass viele dieser Prozesse historisch gewachsen sind. In der Vergangenheit waren die Transportmanagement-Prozesse sehr stark durch individuelle Standortorganisationen und -situationen geprägt. Durch diese unterschiedlichen Organisationsverantwortungen, Prozessausprägungen und individuellen IT-Lösungen an einzelnen Standorten geht viel Potenzial verloren und Prozessverbesserungen können trotz technischer Möglichkeiten nicht effizient umgesetzt werden.

Gerade in der komplexen Logistik für chemische Produkte kann eine gut verzahnte IT-Struktur das Transportmanagement vereinfachen ja sogar optimieren. Wie sieht die Wirklichkeit in chemischen Unternehmen aus?

J. Getto: Oft sind die Prozesse schlecht aufeinander abgestimmt. Das macht es sehr schwierig, die IT-Strukturen effizient miteinander zu verzahnen. Organisations- und Prozessstrukturen müssen immer gemeinsam betrachtet werden. Wir haben in der Studie auch gesehen, dass im Moment noch eine große Anzahl verschiedener Systeme bei den Unternehmen im Einsatz sind. Unsere Studie hat aber auch gezeigt, dass mehr als 80% der befragten Unternehmen im Moment dabei sind, Ihre Transportmanagement-Systemlandschaft zu harmonisieren.

Ist Outsourcing das Mittel der Wahl, um logistische Prozesse innerhalb des Transportwesens der chemischen Industrie zu verbessern?

A. Gmür: Aus unserer Sicht ist Outsourcing eine gute Möglichkeit, aber bei weitem nicht die einzige. Viel wichtiger ist es, eine integrierte Strategie zu definieren und dann abhängig von den darin definierten Zielen die besten Mittel auszuwählen.

Wir konnten in unserer Studie, nicht unerwartet, regionale Unterschiede in der Ausprägung von Outsourcing bei den befragten Chemieunternehmen feststellen. So ist Outsourcing in Nordamerika mit fast 80% viel weiter verbreitet als in anderen Regionen.

Was wird entsprechend Ihren Studienergebnissen künftig die größte Herausforderung im Transportmanagement sein?

J. Getto: Die Kernfrage wird sein, wie Chemieunternehmen mit dem von außen vorgegebenen Anstieg an Komplexität umgehen werden. Viele der befragten Unternehmen planen erhebliche Investments in ihre IT-Systeme für das Transportmanagement. Wichtig wird dabei sein, diese geplanten Investments in Einklang zu bringen mit den Business-Prozessen und Organisationsstrukturen.

A. Gmür: Eine weitere Herausforderung wird sein, wie die Unternehmen mit internen und externen Kundenanforderungen an die Transporte umgehen werden. Unsere Studie aber auch zahlreiche Projekte im Umfeld Transportmanagement zeigt: Die Unternehmen besonders in der Chemieindustrie haben die Bedeutung einer klaren Differenzierung unterschiedlicher Service-Levels und deren konsequente Umsetzung in den Prozessen und Systemen als Erfolgsfaktor erkannt.


Die Studienergebnisse wurden am 13. Oktober 2014 beim Treffen der Regionalgruppe Rhein/Neckar der Bundesvereinigung Logistik (BVL) bei der BASF in Ludwigshafen vorgestellt. Weitere Präsentationen bei diesem Treffen behandelten Themen wie „BASF's journey to developing a transport management process strategy - a case study" und „Global Supply Chain Operational Design@BASF".

Eine kostenlose Kopie der Studie ist hier erhältlich unter


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