02.10.2018
ThemenLogistik

Mit Sicherheit schnell: Arzneimitteltransport per Flieger

Pharmaserv Logistics: aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen bei der Pharmaluftfracht

  • Pharmaluftfracht: Innovative Dämm- und Kühlmaterialien halten die Temperatur für einen langen Zeitraum im geforderten Bereich von 2 bis 8°C. © PharmaservPharmaluftfracht: Innovative Dämm- und Kühlmaterialien halten die Temperatur für einen langen Zeitraum im geforderten Bereich von 2 bis 8°C. © Pharmaserv
  • Pharmaluftfracht: Innovative Dämm- und Kühlmaterialien halten die Temperatur für einen langen Zeitraum im geforderten Bereich von 2 bis 8°C. © Pharmaserv
  • Martin Egger, Vice President, Pharmaserv Logistics © Pharmaserv

Das Auslandsgeschäft der deutschen Pharmaindustrie wächst stetig – und damit der Bedarf, die temperatursensiblen Produkte über weite Strecken zu transportieren. Ohne Zweifel wird die Luftfracht auch in Zukunft einen wichtigen Anteil am Transport von Pharmaprodukten haben – doch derzeit hat es dieses Logistiksegment aus Kosten- und Sicherheitsgründen nicht leicht. Und das, obwohl die deutsche Pharmaindustrie seit Jahren auf Wachstumskurs ist, vor allem mit Exporten ins Ausland.

Die heimische Pharmabranche macht schon heute zwei Drittel ihres Umsatzes außerhalb Deutschlands: Hierbei gehen die Hälfte der Exporte in die EU-Mitgliedsstaaten, 20% nach Nordamerika und jeweils etwa 13% nach Asien und die übrigen europäischen Länder.

Mit dem Wachstum im Auslandsgeschäft kommt dem Transport von Arzneimitteln eine immer wichtigere Funktion zu. Dabei sind die Qualitätsansprüche gerade im Pharmabereich besonders hoch, v.a. in Bezug auf die Temperaturführung. Bis ins Jahr 2020 werden 27 der 50 umsatzstärksten Arzneimittel einen Transport bei konstanten 2 bis 8°C erfordern. Da zugleich der Kostendruck anhalten wird, stellt sich verstärkt die Frage nach der geeigneten Transportart und nach den effizientesten Verpackungslösungen.

Transporte über Straße, Schiene und See

Betrachtet man die Transportmittel, so gibt es derzeit die Tendenz, vom Flugzeug auf andere Verkehrsträger umzustellen. Bahntransporte gewinnen insbesondere auf langen Strecken an Bedeutung, auf den Routen der neuen Seidenstraße zwischen China und Europa sollen im Jahr 2020 etwa 5.000 Güterzüge pro Jahr fahren. Bei Transporten in die ehemaligen GUS-Staaten und in die Maghreb-Region haben sich temperaturkontrollierte Lkw-Transporte etabliert. Und auch die Seefracht rückt zunehmend in den Fokus, bringt sie doch nicht nur eine deutliche Kosteneinsparung mit sich, sondern ist auch unter Qualitätsaspekten eine vergleichsweise sichere Variante.

Herausforderungen Luftfracht und Logistiker

Der Versand von temperatursensiblen Produkten mit dem Flugzeug dagegen bringt neben höheren Kosten weitere Herausforderungen mit sich. Bei der Warenübergabe an die Airline sind die Tarmac-Zeiten kritisch, weil längere Wartezeiten durchaus die Produktqualität beeinflussen können. Während des Flugs werden die Transportbehälter starken Temperatureinflüssen ausgesetzt, am Zielflughafen sind teilweise die Lagerkapazitäten in den relevanten Temperaturbereichen beschränkt. Bei der Zollabfertigung schließlich bestehen die Risiken einer unvollständigen oder falschen Dokumentation sowie der fehlerhaften Kühlung während der Importabwicklung. Diese Faktoren können in Summe zu nicht zu unterschätzenden Beeinträchtigungen führen.

All dies bedeutet allerdings keineswegs, dass Pharmaunternehmen aus Gründen der Qualitätssicherung auf den Transport mit dem Flugzeug verzichten sollten. Vielmehr ist entscheidend, mit solchen Logistikunternehmen zusammenzuarbeiten, die diese Herausforderungen beherrschen.

Um das Image der Luftfrachtindustrie zu verbessern und den Pharmaherstellern bessere Entscheidungsgrundlagen zu geben, hat die IATA – die International Air Transport Association – eine Qualitätsoffensive gestartet und eine Zertifizierung ins Leben gerufen. So können mittlerweile flughafennahe Logistiker ihre Luftfrachtprozesse validieren lassen und durch ein Zertifikat nachweisen, dass sie den Anforderungen zum Handling von Pharmazeutika gerecht werden. Dieser Zertifizierungsprozess ist zwar aufwändig, lohnt sich aber allein schon deshalb, weil er das Vertrauen der Kunden stärkt.

Die optimale Verpackung

Einerseits geht es also darum, die Prozesse bei der Luftfracht qualitativ zu stärken. Zugleich arbeitet man kontinuierlich daran, Verpackungssysteme weiterzuentwickeln, die temperatursensible Pharmaprodukte vor thermischen Einflüssen schützen. Bisher werden zum Transport von bis zu fünf Europaletten temperatursensibler Luftfracht traditionell Luftfrachtcontainer mit Trockeneis oder batterieangetriebenen Kompressoren mit Heiz- und Kühlfunktion verwendet.

Diese haben mittlerweile Konkurrenz von kleineren Luftfrachtcontainern für eine oder zwei Paletten bekommen. Die Temperatur wird durch den Einsatz innovativer Dämm- und Kühlmaterialien für einen langen Zeitraum im geforderten Bereich von 2 bis 8°C gehalten. Zudem haben sie den Vorteil, dass sie „Door-to-Door“ transportiert werden, also vom Versandwarehouse bis zum Empfänger.

Sollen noch kleinere Produktmengen versendet werden, kommen sogenannte Passivboxen zum Einsatz. Dominierten bislang wasserbasierte Akkus mit einer Kartonage, die um Styropor ergänzt war, so hat die Branche mittlerweile neue Möglichkeiten entwickelt – vor allem sind hier Vakuum-Isolations-Paneele (VIP) als Alternative zu Styropor sowie Phase Change Materials (PCM) anstelle von Wasser zu nennen. Für die Einhaltung der Temperaturvorgaben sind letztere am besten geeignet.

Kontrollen am Flughafen

Eine weitere Herausforderung für die Luftfracht stellen schließlich die Sicherheitsanforderungen am Flughafen dar. Seit Inkrafttreten des Luftsicherheitsgesetzes (LuftSiG) 2010 ist Luftfracht bis zum Abflug vor unbefugten Eingriffen zu schützen. Um zeit- und kostenintensive Einzelkontrollen zu vermeiden, haben viele Pharmaunternehmen den Status des „Bekannten Versenders“ (bV) erworben, Logistikdienstleister wie Pharmaserv Logistics analog dazu den Status des „Reglementierten Beauftragten“ (regB). Allerdings wurden die Anforderungen mit der Neuauflage des LuftSiG im Jahr 2017 weiter erhöht, damit sind Aufwand und Kosten für die Dienstleister gestiegen. Einige haben sich als Konsequenz daraus bereits aus dem Geschäft zurückgezogen.

Fazit

Die Hürden für Pharmatransporte mit dem Flugzeug sind also vergleichsweise hoch – zugleich jedoch liegen die Vorteile auf der Hand: Die Produkte erreichen gerade weit entfernte Zielorte deutlich schneller als mit anderen Verkehrsmitteln. Ziel von Pharmaunternehmen muss es also sein, solche Logistikunternehmen zu finden, die sich den Herausforderungen des Lufttransports stellen und sichere Lösungen anbieten: einen Qualitätsnachweis möglichst durch ein Zertifikat, innovative Verpackungslösungen sowie sichere und zügige Abwicklungsstrategien am Flughafen. Ist all das gewährleistet, steht einem Pharmatransport per Luftfracht nichts im Weg.

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