12.11.2015
ThemenLogistik

Pharmalogistik: Late Postponement schafft Flexibilität

Individuelle „Late Postponement“-Konzepte auch für den Pharma-Mittelstand

  • Im Konfektionierbereich bei Kühne + Nagel in LeipzigIm Konfektionierbereich bei Kühne + Nagel in Leipzig

Stetig steigender Kostendruck, wachsende regulatorische Anforderungen sowie kürzer werdende Reaktionszeiten auf Bedarfsschwankungen führen dazu, dass Unternehmen der pharmazeutischen Industrie zunehmend die Struktur und Prozesse entlang ihrer Pharma Supply Chain auf den Prüfstand stellen und stetig Optimierungsmöglichkeiten ausloten.

In diesem Zusammenhang gewinnen Konzepte an Bedeutung, die darauf abzielen, die Flexibilität und Transparenz innerhalb der Supply Chain zu erhöhen. Ein entsprechendes Konzept stellt „Late Postponement“ (auch genannt „late nationalization“) dar. Um eine bessere Planbarkeit und in der Folge auch einen wirtschaftlichen Vorteil zu erreichen, werden hierbei die letzten Schritte eines Fertigungs- bzw. Herstellungsprozesses möglichst spät eingeleitet.

Im Pharmalogistik-Zentrum von Kühne + Nagel in Leipzig werden „Late Postponement“-Konzepte für Unternehmen der pharmazeutischen Industrie umgesetzt. Neben der GMP-gerechten Lagerung von Arzneimitteln in den Temperaturbereichen 2-8°C bzw. 15-25°C. übernimmt das Logistikunternehmen weitere anfallende Aufgaben entsprechend der Bedarfe in den Zielmärkten. Dazu zählen beispielsweise Tätigkeiten wie Umverpacken, Bündelung, Etikettierung sowie Falzung und Bestückung von Packungsbeilagen zugeschnitten auf die jeweiligen Zielmärkte.

In der Folge müssen die Pharmaunternehmen diese Schritte nicht mehr in ihre eigenen Herstellungsprozesse einplanen. Gleichzeitig können sie sehr flexibel auf die landesspezifische Nachfrage oder auch veränderte Regularien reagieren, etwa hinsichtlich der Kenntlichmachung von Inhaltsstoffen oder veränderter Distributoren im Zielland. Zusätzlich ermöglicht „Late Postponement“ den Pharmaunternehmen, den Warenfluss präziser zu steuern und dadurch ihre eigenen Lagerbestände zu reduzieren. 

„Wir sehen, dass ,Late Postponement‘ häufig bei kleineren Zielmärkten angewandt wird, die in Summe zwar ein gewisses Volumen nachfragen, jedoch einzeln gesehen keine kritische Masse erzeugen, um hochautomatisierte Produktionslinien auszulasten.

Gleiches beobachten wir im Übrigen auch vermehrt im hochpreisigen Segment Bio-Pharmaceuticals“, erklärt Michael Krönlein, der im Kühne + Nagel Pharmalogistik-Zentrum in Leipzig Herstellungsaktivitäten verantwortet. Qualifizierte Pharmalogistiker können in der Regel auch eine tendenziell kosteneffizientere Wahrnehmung dieser Aufgaben anbieten.

Individuelle „Late Postponement“-Konzepte

Bereits seit 2009 führt der Logistiker Herstellungsaktivitäten in Leipzig durch. Seit etwa drei Jahren kommen vermehrt Anfragen nach individuellen „Late Postponement“-Konzepten auf. „In Leipzig setzen wir neben unserer klassischen Rolle als Pharmalogistiker solche Konzepte nicht nur für die Global Player der Pharmaindustrie um, auch mittelständische Unternehmen mit internationaler Reichweite sind auf derartige Leistungen aufmerksam geworden.“

Die Herausforderungen bei der Umsetzung solcher Konzepte sind vielfältig. Für die Hersteller ist es wichtig, eine möglichst zuverlässige Planungsgrundlage bezüglich der Nachfrage nach den Produkten zu entwickeln. Hinzu kommt, dass die Produktions- bzw. Herstellungsplanung auch von der Reaktionsfähigkeit der beteiligten Packmittellieferanten abhängig ist, da beispielsweise die Warenströme aus den Druckereien koordiniert werden müssen, die für die Produktion der notwendigen bedruckten Packmittel (Gebrauchsinformationen, Faltschachteln, etc.) zuständig sind. Dem schließt sich die notwendige Koordination und Durchführung der Packmittel-Freigabe an.

Kapazitäten kurzfristig sicherstellen

Auf Seiten des Pharmalogistikers ist laut Michael Krönlein vor allem die kurzfristige Sicherstellung der erforderlichen Kapazitäten wie Flächen und Equipment, die Verfügbarkeit und Flexibilität des speziell geschulten Personals sowie die Optimierung der Produktionsstrecke für unterschiedlichste Aufgabenstellungen von besonderer Bedeutung. „Da wir meist hohe Stückzahlen, aber kleine Chargengrößen konfektionieren, müssen wir uns straff organisieren, um nach Abschluss der Tätigkeiten auch fachgerecht und sehr zeitnah die Chargen-Dokumentation erstellen zu können und die Produkte nach Marktfreigabe dann noch termingerecht in das Zielland zu befördern“, erläutert Krönlein.

Der Pharmalogistik-Standort von Kühne + Nagel in Leipzig verfügt über insgesamt vier Herstellungsbereiche, die gemäß GMP sowie AMG ausgestattet und auditiert sind. Bereits bei der Planung des Gebäudes wurde darauf geachtet, dass sich die Herstellungsflächen in unmittelbarer Nähe zu den Kühlzellen (2-8°C) sowie dem BtM-Bereich befinden, um Risiken für (temperatur-)sensitive Produkte zu minimieren und kurze interne Transportwege zu realisieren.

Das Logistikunternehmen erwägt, in Leipzig eine schrittweise Erweiterung der Produktionslinien mit Automatisierungstechnik vorzunehmen und beobachtet zu diesem Zweck die Entwicklungen und nachgefragten Leistungen auf dem Markt. (sa)

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