22.07.2010
ThemenLogistik

Produktionsstandorte zuverlässig verknüpfen

„Rollende Pipeline“ verbindet unterschiedliche Produktionsstandorte der BASF

Die Produktion an den Chemiestandorten von BASF in Ludwigshafen und Antwerpen ist auf die Versorgung per Bahn angewiesen. DB Schenker Rail organisiert seit März 2010 den internationalen Zwischenwerksverkehr.

Moderne Chemieproduktion ist vernetzt. Ströme von Stoffen, Energie und Abfällen werden intelligent gesteuert, um eine möglichst hohe Ausbeute zu erzielen und Ressourcen zu sparen. Mehrere Betriebe produzieren verschiedene Stoffe in aufeinander abgestimmten Prozessen an einem Standort, teilen sich Infrastruktur und Logistik. Nebenprodukte der einen Fabrik dienen der anderen als Ausgangsstoff. Entsprechendes gilt auch beim Energiehaushalt: Hitze, die in einem Werk entsteht, kann genutzt werden, um Energie für ein anderes zu produzieren.
BASF arbeitet weltweit nach diesem Verbund-Prinzip. Es bringt dem Konzern allein am Heimatstandort Ludwigshafen, wo es entwickelt wurde, Einsparungen von mehreren Millionen Euro jährlich. Wie ein Organismus wirken die über 200 auf dem weltweit größten zusammenhängenden Chemieareal befindli-chen Produktionsbetriebe zusammen.
Der zweite große europäische Verbundstandort der BASF befindet sich im belgischen Antwerpen. Hier wie in Ludwigshafen ist ein komplexes Aderwerk aus Rohrleitungen Voraussetzung für den niemals ruhenden Kreislauf von Chemikalien und Energie. Doch auch untereinander tauschen beide Standorte Stoffe aus - pausenlos und in großen Mengen. In diesem Fall jedoch nicht über eine Rohrleitung. Es ist eine „rollende Pipeline", die Stoffe vom Rhein nach Belgien und zurück transportiert: ein ständiger Strom von Kesselwagen, die auf der Schiene zwischen Ludwigshafen und Antwerpen pendeln.


Zuverlässigkeit ist ein Muss-Kriterium

Im März 2010 hat DB Schenker Rail die Steuerung der Zwischenwerksverkehre übernommen. „Hohe Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit sind für uns essenziell wichtig, weil schon geringe Verspätungen Störungen im Produktionsablauf verursachen können", erläutert Dr. Bernhard Heyder, Leiter Service-zentrum Bahn bei BASF. „Das Angebot von DB Schenker Rail hat uns überzeugt, weil es das Thema Zuverlässigkeit in den Mittelpunkt stellt und weil das Unternehmen über die notwendigen Strukturen und Ressourcen verfügt, um unsere hohen Anforderungen zu erfüllen."
BASF verfügt selbst über umfangreiche Kompetenzen im Schienengüterverkehr.

Am Standort Ludwigs-hafen wird rund ein Viertel der Güter mit der Bahn transportiert. Hier betreibt der Konzern einen eigenen Güterbahnhof, auf dem jährlich 230.000 Kesselwagen abgefertigt werden - mit eigenem Rangierbetrieb, Werkstatt und Reinigungsanlage. Der werkseigene Bahnbetrieb umfasst 213 km Gleise und 200 betriebliche Ladestellen.
Mit DB Schenker Rail beziehungsweise ihren Vorgängergesellschaften arbeiten die Ludwigshafener bereits seit Jahrzehnten zusammen; zwischen beiden Unternehmen gibt es bestens eingespielte Prozesse, Schnittstellen und Informationskanäle. 2008 transportierte DB Schenker Rail für BASF mehr als eine halbe Mio. Tonnen Güter über rund 200 Relationen innerhalb Europas.
Die Verkehre zwischen Ludwigshafen und Antwerpen wurden jedoch in den vergangenen Jahren von einem Schienengüterverkehrsunternehmen durchgeführt, an dem BASF selbst beteiligt war. Nach dessen Verkauf wurden die Transporte erstmals nach neun Jahren ausgeschrieben. „Wir freuen uns sehr, dass wir den Zuschlag erhalten haben", sagt Jan Elfenhorst, Leiter Vertrieb Chemie bei der DB Schenker BTT. „Hier können wir nicht nur unsere umfassende Kompetenz bei Chemietransporten unter Beweis stellen, sondern auch unsere Fähigkeit, internationale Transporte mit einem hohen Maß an Zuverlässigkeit durchzuführen und zentral zu steuern."
Mindestens sechsmal wöchentlich fährt DB Schenker Rail Ganzzüge von Antwerpen nach Ludwigshafen und zurück. Neben den fest getakteten Regelzügen werden auch kurzfristig Sonderzüge organisiert, um Überschussmengen abzufahren oder Kampagnen abzuwickeln. Welche Stoffe dabei in Kesselwagen auf die Reise gehen, richtet sich nach dem täglichen Bedarf der beiden Standorte.


Chemiekompetenz ist Trumpf

Ein typisches Transportgut ist Ethylenoxid. Ethylenoxid wird weiterverarbeitet zu Pflanzenschutzmitteln, Weichmachern in Waschmitteln, Lösemitteln und Bremsflüssigkeiten. Ethylenoxid ist eines von vielen Beispielen für Transportgüter von BASF, die besondere Sicherheitsvorkehrungen beim Transport erfordern. Kompetenz in den Bereichen Chemie und Gefahrgüter, die sich in der DB Schenker BTT bündelt, war darum ein wichtiger Trumpf, den der Schienenlogistiker bei der Bewerbung um diesen Auftrag ausspielen konnte. Als Fachspedition für flüssige, gasförmige und rieselfähige Stoffe kennt man sich insbesondere mit den Sicherheitsanforderungen beim Transport brisanter Stoffe aus und ist in der Lage, entsprechende Transportkonzepte zu entwickeln.
Beim Transport sensibler Güter müssen nicht nur gesetzliche Vorschriften eingehalten werden, BASF erwartet von seinen Transportdienstleistern darüber hinaus eine SQAS- (Safety and Quality Assessment System)-Bewertung. Diese Norm des Europäischen Chemieindustrieverbands CEFIC rückt die Aspekte Sicherheit und Umweltverträglichkeit besonders stark in den Mittelpunkt. DB Schenker BTT vertritt zudem das Responsible Care Commitment - eine Selbstverpflichtung zur Einhaltung und ständigen Weiterentwicklung hoher Sicherheitsstandards beim Transport von chemischen Produkten.
Zuverlässigkeit ist bei BASF ein Muss-Kriterium. DB Schenker Rail hat deshalb ein Konzept für die Zwischenwerksverkehre entwickelt, bei dem Ankunft und Abfahrt der Züge optimal mit den internen Be- und Entladeprozessen in den Werken synchronisiert sind. Dabei sind genaue Zeitfenster einzuhalten: Schon eine Verspätung von mehr als 30 Minuten hätte spürbare Auswirkungen auf die nachgelagerten BASF-internen Logistikprozesse.


Alle Fäden laufen zusammen

Gerade bei internationalen Transporten ist dieser Anspruch nicht immer selbstverständlich. Denn bei grenzüberschreitenden Verkehren kann es leicht zu Verzögerungen kommen, weil die technischen Systeme und Organisationsstrukturen unterschiedlich sind. „Wir haben mit B-Cargo in Belgien einen äußerst professionellen Partner, mit dem uns eine enge Zusammenarbeit und sogar ein Joint Venture verbindet", erläutert Dr. Jörg Hilker, Marktbereichsleiter Chemie/Mineralöl/Düngemittel bei DB Schenker Rail. „Dadurch können wir gegenüber BASF als alleiniger Ansprechpartner für den kompletten Zuglauf von Ludwigshafen nach Antwerpen und darüber hinaus auftreten."
„One Face to the Customer" war ein wichtiges Entscheidungskriterium für BASF bei der Auftragsverga-be. Diese Funktion übernimmt das Kundenservicezentrum (KSZ) von DB Schenker Rail in Duisburg. Hier stehen die speziell geschulten Disponenten rund um die Uhr mit BASF in Ludwigshafen oder Antwerpen in Verbindung. Und im KSZ laufen alle Fäden zusammen, die für Überwachung und Steuerung der BASF-Züge von Bedeutung sind. So ist die zentrale Leitstelle jederzeit über den Standort jedes Zuges infor-miert. Soweit es um den deutschen Streckenabschnitt geht, erhält sie die entsprechenden Daten automatisch von Sensoren an den Gleisen. Innerhalb Belgiens überwacht das Cargooperationscenter von B-Cargo die Zugläufe. Diese Daten werden dem KSZ fortlaufend zur Verfügung gestellt, so dass es auch für den belgischen Streckenabschnitt jederzeit Auskunft geben kann. Im Falle von Störungen leitet das KSZ sofort Maßnahmen ein: Bei Schaden an einer Lok oder Ausfall eines Lokführers wird kurzfristig Ersatz beschafft.
„Das Produktionskonzept von BASF ist effizient und weltweit erfolgreich. Aber es ist darauf angewiesen, dass die Versorgung zwischen den Standorten reibungslos funktioniert", sagt Katharina Brönstrup, Key Account Managerin für BASF bei DB Schenker BTT. „Wir sind stolz, mit unserem Transportkonzept eine wichtige Rolle in diesem komplexen System zu spielen." 

Kontaktieren

DB Schenker Rail
Rheinstr. 2 a
55116 Mainz
Germany

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