Logistik & Supply Chain

Sensibilisierung für ökologisch sinnvolle Transportkonzepte

Interview mit Heinrich Kerstgens, Geschäftsführer Contargo

10.09.2015 -

Erst kürzlich hat die Fachjury des Eco Performance Awards das Nachhaltigkeitskonzept des Container-Logistik-Netzwerkbetreibers Contargo ausgezeichnet.  Zur Entwicklung des Kombinierten Verkehrs und seiner nachhaltigen Rolle im heutigen Transportwesen für die chemische Industrie befragte CHEManager den Geschäftsführer der Contargo, Heinrich Kerstgens. Die Fragen stellte Dr. Sonja Andres.

CHEManager: Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung des kombinierten Verkehrs ein?

H. Kerstgens: Wir gehen von weiter steigenden Mengen aus. Aufgrund der immer größer werdenden Seeschiffe wird die Leistungsfähigkeit der Hinterlandtransportsysteme schnell große Mengen an Containern anzuliefern oder anzunehmen zukünftig noch stärker an Bedeutung gewinnen.

Werden hierbei aus dem Blickwinkel der chemischen Industrie bestimmte Relationen für Containerverkehre noch mehr an Bedeutung gewinnen?

H. Kerstgens: Rotterdam! Rotterdam aus dem Grund, dass Chemieprodukte auch häufig in Reefercontainern temperaturgeführt gefahren werden müssen. Durch die hervorragenden Möglichkeiten Reefer 'operated' mit Binnenschiffen zu fahren, bestehen die besten Voraussetzungen, diese Transporte von der Straße zum Kombinierten Verkehr zu verlagern.

Die deutsche Verkehrsinfrastruktur leidet unter einem immensen Investitionsstau. Lassen sich Forderungen nach einem noch stärker verzahnten kombinierten Verkehr unter diesen Voraussetzungen überhaupt umsetzen?

H. Kerstgens:
Ja, denn Investitionsstau an der einen Stelle bedeutet nicht gleichzeitig Investitionsstau an anderer Stelle. Dennoch muss aufgepasst werden, für welche Infrastrukturprojekte Gelder in die Hand genommen werden. Der Ausbau bestehender Anlagen ist oftmals ein wirkungsvollerer Weg als in ganz Neue auf der grünen Wiese zu investieren. Mit moderner Technik und IT lässt sich die Leistungsfähigkeit steigern, ohne in jedem Fall die Flächen zu vergrößern.

Kombinierter Verkehr soll vor allem auch Ressourcen schonen. Kürzlich ist das Nachhaltigkeitskonzept Ihres Unternehmens mit dem Eco Performance Award ausgezeichnet worden. Wo liegen die Stärken Ihres Konzepts?

H. Kerstgens: Wir wollen bis 2020 unsere CO2-Emissionen im Vergleich zu 2012 um zehn Prozent senken. Dies wollen wir durch Optimierung unseres Terminal-Netzwerkes, verbesserte Informationstechnik sowie Schulungen und Weiterbildung für unsere Fahrer und Angestellten erreichen. Dabei nehmen wir nicht nur große Projekte in Angriff, sondern arbeiten auch viel „im Kleinen“. Unser Netzwerk ist sehr groß und an jedem Standort gibt es viele Dinge, die positive Wirkungen erzielen. Die Bündelung dieses Wissens und der Maßnahmen sowie die Sensibilisierung dafür bringen einen wertvollen Know-how-Aufbau. Und das bedingt nicht nur ökologische Maßnahmen, sondern gilt auch für den sozialen Bereich – denn unsere Mitarbeiter sind unser größtes Kapital. Und sie sind die tragende Säule unserer gesunden Unternehmensentwicklung.

Werden Contargo-Terminals insgesamt unter nachhaltigen Aspekten ausgerüstet und betrieben?

H. Kerstgens: Klar – wir schauen immer unter nachhaltigen Aspekten. Alles neu gemacht wird nicht, denn das ist nicht nachhaltig, aber zum richtigen Zeitpunkt mit Umrüstungen anzufangen, ist ein entscheidendes Element. Und auch hier lernen unsere Terminals voneinander und teilen dieses Wissen – angefangen vom Laufrad über hybride Antriebstechniken bis hin zur LED-Beleuchtung, die übrigens seit einiger Zeit mit hervorragender Ausleuchtung unserer Flächen an den Terminals wirklich gut funktioniert.

Im Mittelpunkt Ihres Konzepts steht auch ein Tarifrechner. Was unterscheidet dieses Tool von anderen im Markt befindlichen ähnlichen Instrumenten?

H. Kerstgens: Wir arbeiten mit Open Source-Lösungen. Auch hier haben wir einen sich entwickelnden Know-how-Prozess, denn viele – intern und extern – arbeiten an den Projekten mit. Der Tarifrechner, er heißt IMTIS, das steht für Inter Modal Tariff Information System, holt seine Entfernungsdaten aus unserem Intermodalen Routen Informations System IRIS, welches wir im Mai 2015 allen Interessierten als Open Source in Github zur Verfügung gestellt haben und dessen Basis die Open Street Map ist.
Hier arbeitet die Internet-Community täglich an einer Verbesserung der Datengrundlage und wir können flexibel und schnell bei Straßen- und Brückensperrungen oder bei der Einführung neuer Mautstraßen reagieren. Diese Software steht jedem offen und wir ermutigen die Branche, dieses Tool zu nutzen, denn letztlich sind die Kilometer- und Maut-Entfernungen für jeden die gleichen. So kann dann jeder seinen persönlichen Tarifrechner mit diesen Daten versorgen – bei uns ist beispielsweise die CO2-Information eine wichtige Informationsbasis für unsere Kunden. Aber auch die einfache Auswahl der verschiedenen Transportmodi sowie See- und Hinterlandterminals bietet den Kunden einen entscheidenden Mehrwert bei der schnellen Wahl ihres Weges im kombinierten Verkehr.

Es wird viel über Sustainability geredet und entsprechende Lösungsangebote werden gefordert. Sind die Kunden - gerade auch aus der Chemiebranche – letztendlich bereit, nachhaltige Konzepte der Logistik auch finanziell zu tragen? Was sind Ihre Erfahrungen?

H. Kerstgens: Der sustainability-basierte Transport darf nicht teurer sein als der konventionelle Transport, wird aber als Unterscheidungskriterium herangezogen. Aber Sustainability ist weit mehr als CO2-Einsparung in der ökologischen Säule der Nachhaltigkeit. Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter gerne bei uns arbeiten und ihr Fachwissen so einsetzen, dass der Kombinierte Verkehr weiter wächst und noch viel mehr Verlader auf den grüneren Weg setzen. Und die dritte Säule der Nachhaltigkeit, nämlich die ökonomische Komponente darf auch nicht zu kurz kommen, denn nur ein gesundes Unternehmen ist in der Lage langfristig für Kunden und Mitarbeiter seine Bedeutung zu behalten.

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