12.09.2014
ThemenLogistik

Veränderungen in der Chemiedistribution

Häffner wandelt sich vom „SäureHäffner zum SpezialitätenHäffner“ auch mit Hilfe effizienter Logistik

  • Derk Ch. Proff, Geschäftsführer, HäffnerDerk Ch. Proff, Geschäftsführer, Häffner
  • Derk Ch. Proff, Geschäftsführer, Häffner
  • Jürgen Martin, Geschäftsführender Gesellschafter, Häffner
  • Neuer Häffner Distributionsstandort in Marbach am Neckar
  • Die Ein- und Auslagerung ins vollautomatische Hochregallager von Häffner in Marbach ist effizient geregelt und ermöglicht eine Kommissionierung mit nur drei Personen.

Im April 2014 hat die Häffner-Gruppe ihren neuen Distributionsstandort in Marbach am Neckar in Betrieb genommen. Die Suche nach einem geeigneten Ort für ein neues Distributionszentrum im Raum Stuttgart war nicht einfach. Der bisherige Unternehmensstandort in Asperg besitzt keine Ausbaureserven mehr und aus strategischen Gründen wollte man den Großraum Stuttgart nicht verlassen. Fündig wurde der Spezialist für Distribution von Säuren/Laugen, Lösemitteln und Spezialitätenchemie schließlich in Marbach am Neckar.

In den vergangenen Monaten ist hier ein vielseitiges Logistikzentrum entstanden, das u.a. ein vollautomatisches Hochregallager mit einem Oxyreduktsystem für ca. 6.400 Palettenstellplätze beherbergt sowie einen abgeschlossenen, zutrittskontrollierten Lagerbereich für HACCP/GMP-Produkte, für bspw. Lebensmittelzusatzstoffe, aufweist. Die Ein- und Auslagerung ist effizient geregelt und ermöglicht eine Kommissionierung mit nur drei Personen. Zusätzlich wird ein Labor zur Forschung und Entwicklung neuer Produkte eingerichtet, für das zwei Chemiker eingestellt werden sollen.

Nach und nach findet nun der Umzug vom bisherigen Firmenstandort in Asperg statt. Doch das ist erst der Anfang. Um auch für die Zukunft gerüstet zu sein, ist die zweite Ausbaustufe des Distributionszentrums bereits in Planung: eine unmittelbar ans Lager angeschlossene, moderne Abfüllanlage mit Lagertanks für Lösemittel, Säuren und Laugen. Die Auswahl des neuen Standorts in Süddeutschland ist nach strategischen Gesichtspunkten erfolgt, denn ein zweiter Standort soll im Norddeutschland entstehen und beide werden das komplette Produkt- und Dienstleistungsspektrum für Commodities sowie Spezialitäten anbieten.

In Marbach sprach Dr. Sonja Andres mit Jürgen Martin, dem Geschäftsführenden Gesellschafter von Häffner, und dem Geschäftsführer Derk Proff über die Situation in der Chemikaliendistribution und die Pläne des Unternehmens.

CHEManager: Herr Proff, worin sehen Sie die größten Vorteile in der zukünftigen regionalen Aufteilung von Häffner in ein Nord- und Süd-Distributionszentrum?

D. Proff: Der Aufbau von zwei neuen, modernen Distributionszentren für den Vertrieb im gesamten Bundesgebiet folgt unserer Strategie zur Neuausrichtung der Häffner-Gruppe, die wir in 2010 begonnen haben. Die Häffner-Gruppe hat sich zu einem bundesweiten Distributionsunternehmen von Spezialitätenchemie, eben vom „SäureHäffner zum SpezialitätenHäffner" entwickelt und wir werden diesen Prozess weiter vorantreiben! In den letzten Jahren sind durch die immer höheren gesetzlichen Auflagen, die Instandhaltungsinvestitionen für einen Distributionsstandort stark gestiegen. Durch die Effizienzsteigerungen in unseren neuen Standorten wird es nicht mehr erforderlich sein, regionale Lager in fast jedem Bundesland zu unterhalten. Den somit erlangten Kostenvorteil werden wir nutzen, um die Wettbewerbsfähigkeit in der Distribution von Commodities zu erhöhen, denn das Produktportfolio des „SäureHäffner" bleibt als Ergänzung weiterhin bestehen und ist wichtiger Bestandteil unseres Produktportfolios.

Wie will sich die Häffner-Gruppe künftig im Markt behaupten?

D. Proff: Wir verstehen uns als Distributeur von chemischen Rohstoffen in den Regionen Nordkontinentaleuropas, d.h. die DACH-Region, Frankreich sowie Benelux. Damit erreichen wir ca. 75-80% der Nachfrage in allen für uns wichtigen Segmenten.

J. Martin: Durch eine sehr hohe Effizienz in unseren Logistikabläufen, flache Hierarchien und ein breites Produktportfolio sind wir gut auf die Anforderungen der Zukunft vorbereitet. Für die nahe Zukunft sind wir noch auf der Suche nach Akquisitionsmöglichkeiten in der Schweiz sowie in den skandinavischen Ländern.

Herr Martin, wie schätzen Sie die künftige Entwicklung im Chemikalienmarkt ein?

J. Martin: Grundsätzlich ist ein Wachstum des Chemiemarktes in Europa nicht zu erwarten. Im Gegenteil werden die günstigen Rohstoffquellen im Mittleren Osten sowie den USA vermehrt dazu genutzt, um dort neue Kapazitäten entstehen zu lassen oder vorhandene Produktionsanlagen auszubauen und die Produktvielfalt zu erhöhen. Sicherlich wird es auch dazu kommen, dass nachgeschaltete Industriezweige in diesen Regionen mit eigenen Produktionsstandorten folgen und es daher in Europa zu Werksschließungen kommen kann. Bei der derzeitigen Krise in Europa haben wir bereits seit einigen Jahren mit einer sinkenden Nachfrage für chemische Rohstoffe zu tun. Dies trägt sicherlich ebenfalls nicht dazu bei, neue Investitionen für die Produktionen innerhalb der Chemieindustrie nach Europa zu holen.

Wie könnte sich das in der Chemiedistribution auswirken?

J. Martin: Aus unserer Sicht gibt es drei Megatrends, welche die Chemiedistribution in den nächsten Jahren weiterhin verändern werden: Konsolidierung, Legal Compliance und Outsourcing. Konsolidierung wird vor allem vorangetrieben durch die sehr günstigen Finanzierungskonditionen in Europa, die zu weiteren M&A Aktivitäten führen werden. Die immer strengeren Gesetzgebungen wie z.B. REACh, Biozid-, Lebensmittel-, Futtermittelverordnungen, usw. führen zu hohen Kosten auch in den Unternehmen der Chemiedistribution. Gleichzeitig machen es diese neuen gesetzlichen Auflagen schwieriger, neue Geschäftsfelder aufzubauen und dadurch organisches Wachstum zu generieren. Und zum Dritten lagern sowohl die chemische Industrie als Lieferant des Distributeurs sowie auch die Kunden in der verarbeitenden Industrie Dienstleistungen innerhalb der Lieferkette weiter aus. Dies führt dazu, dass dem Distributeur eine immer größere Servicefunktion im Supply Chain Management zukommt.

Weshalb ist es Ihnen wichtig, das gesamte Logistikdienstleistungsspektrum anzubieten?

D. Proff: In der Distribution von Commodities gehört es bereits seit mehreren Jahrzehnten zum Dienstleistungsspektrum eines Distributeurs neben Lagerung und Transport auch die Abfüllung sowie Lohnmischung von Produkten anzubieten. Der Bereich der Spezialitätenchemie erfährt in den letzten Jahren eine immer größere Beachtung durch die lokalen Distributeure und was in der Vergangenheit Aufgabe von Handelshäusern war, vor allem in Norddeutschland, wird nun durch international tätige Distributionsunternehmen aus einer Hand angeboten - von der internationalen Beschaffung bis hin zur Lagerung, Mischung, Abfüllung und dem Transport. Die auch in der Spezialitätendistribution sinkenden Margen sowie immer strengere und komplexere Rechtsvorschriften machen es heute nötiger denn je, die gesamte Wertschöpfungskette im eigenen Haus abbilden zu können. Mittelfristig werden daher viele Handelshäuser, welche diese Dienstleistungen derzeit zukaufen, einen Wettbewerbsnachteil am Markt haben. Daher sind wir überzeugt, dass die Häffner-Gruppe als bundesweiter Anbieter von Commodities und Spezialitäten ihren Kunden mit einem breiten Dienstleistungsspektrum zukünftig die besseren Konditionen sowie den besseren Service anbieten kann.

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