Förderprogramm für den deutschen Mittelstand

Energieeffizienz, Innovation und Expansion ins Ausland – Förderkredite unterstützen Unternehmen bei ihren Investitionen

  • © Dmitry - Fotolia.com© Dmitry - Fotolia.com
  • © Dmitry - Fotolia.com
  • Bernd Christophersen, HSBC
  • „Zum 1. Juli dieses Jahres bringt die KfW zwei neue Programme im Bereich Energieeffizienz auf den Weg.“

Der internationale Wettbewerb in der Chemiebranche hat sich verschärft. Gerade mittelständische Chemieunternehmen müssen verstärkt in effizientere Anlagen sowie innovative Produkte und Prozesse investieren. Förderkredite bieten dabei eine attraktive Ergänzung zum klassischen Bankenkredit.

Zeiten des Aufbruchs bei der fiktiven „Chemie GmbH“ – das mittelständische Unternehmen mit Sitz in Wuppertal stellt chemische Grundstoffe her und ist bereits seit langem international erfolgreich. Doch in den vergangen fünf Jahren haben sich zwei Konkurrenten aus China und Brasilien rasant entwickelt und greifen mit günstigeren Konditionen und nur geringfügigen Qualitätsabstrichen am Markt an.

Die Chemie GmbH hat daher das Strategieprogramm „Zukunft 2020“ gestartet, um die Kosten stärker unter Kontrolle zu bekommen und in weltweites Wachstum investieren zu können. In der Nähe von Hamburg sollen neue Produktionsgebäude entstehen – am besten energieeffizient, denn die hohen Stromkosten machen der Firma schon lange zu schaffen. Am Standort Esslingen will das Unternehmen seine Fertigung optimieren: Werden die dortigen Maschinen digital miteinander vernetzt, sind Effizienzsteigerungen von über 15% möglich. Zudem möchte die Chemie GmbH schon lange die Expansion nach China vorantreiben, um die zahlreichen Kunden vor Ort schneller und passgenauer bedienen zu können.

So oder ähnlich sieht derzeit die Situation bei vielen der rund 2.000 mittelständischen Chemieunternehmen in Deutschland aus. Angesichts des zunehmenden Wettbewerbsdrucks müssen sie verstärkt in material- und energieeffizientere Anlagen und innovative Produkte und Prozesse investieren und benötigen dafür nicht zuletzt ein schlüssiges Finanzierungskonzept. Denn auch in Zeiten niedriger Zinsen ist es eine komplexe Aufgabe, den richtigen Finanzierungsmix für größere Investitionen zu finden. Zu häufig wird hier die vielfältige deutsche Fördermittellandschaft außer Acht gelassen. Unternehmen lassen auf diese Weise Chancen ungenutzt, denn Fördermittel sind für viele Investitionsvorhaben nach wie vor attraktiv.

Förderbanken wie die KfW oder Landesförderinstitute wie NRW.Bank, LfA und L-Bank bieten insbesondere für mittelständische Produktionsunternehmen bedarfsgerechte Förderprogramme für Investitionsmaßnahmen im In- und Ausland.

Viele Förderprogramme können dabei sogar miteinander kombiniert werden. Die Chemie GmbH kann so in allen drei Investitionsfeldern – Energieeffizienz, Innovation und Expansion ins Ausland – von Förderprogrammen profitieren.

Je höher die Energieeffizienz, desto günstiger die Konditionen

Angesichts langfristig steigender Energiepreise und der angestrebten Energiewende entstanden in den vergangenen Jahren insbesondere im Bereich Energieeffizienzfinanzierung zahlreiche neue Förderprogramme. Diese fördern Investitionen, durch die Unternehmen die gesetzlichen Vorgaben noch vor ihrem Inkrafttreten erfüllen oder sie übertreffen.

Zum 1. Juli dieses Jahres bringt die KfW nochmals zwei neue Programme im Bereich Energieeffizienz auf den Weg. Das „KfW-Energieeffizienzprogramm – Produktionsanlagen/-prozesse“ unterstützt mit günstigen Zinssätzen Investitionen in neue Maschinen und Anlagen, die mindestens 10% Energieeinsparung erreichen. Beträgt die Einsparung 30% oder mehr, soll der Zinssatz noch geringer ausfallen. Nach einem ähnlichen Muster belohnt das Schwesterprogramm „Energieeffizient Bauen & Sanieren“ Unternehmen, die ihre Gebäude besonders energieeffizient gestalten. Hier profitieren Unternehmen von Tilgungszuschüssen von bis zu 17,5%, je nachdem ob sie ein Nichtwohngebäude neu errichten oder ein bestehendes sanieren und welchen Grad an Energieeffizienz sie am Ende erreichen. Als Maßstab wird die Klassifizierung des KfW-Effizienzhauses (also 55, 70 oder 100) angesetzt. Die Tilgungszuschüsse werden jeweils auf die letzten Kreditraten angerechnet.

Auch bei der Chemie GmbH mindern hohe Energiekosten die Margen. Der anstehende Neubau in Hamburg soll daher von Beginn an auf Energieeffizienz optimiert werden. Bei der Finanzierung greift das Unternehmen auf das neue „KfW-Energieeffizienzprogramm – Energieeffizient Bauen & Sanieren“ zurück. Neben dem attraktiven Zinssatz und dem Tilgungszuschuss sprechen für die Chemie GmbH zwei weitere Punkte für das Programm: Das Unternehmen kann bis zu drei tilgungsfreie Anlaufjahre in Anspruch nehmen und die übliche Bereitstellungsprovision für nicht abgerufene Kreditbeträge wird erst zwölf Monate nach Zusage fällig. Die Chemie GmbH kann sich so bereits frühzeitig die Förderung für die Umsetzung ihres Programms „Zukunft 2020“ sichern, den Mittelabruf und -einsatz jedoch in Abhängigkeit vom Baufortschritt zinssparend gestalten.

Innovative Unternehmen werden besonders gefördert

Als Grundstoffindustrie ist Chemie ein wichtiger Innovationsmotor für viele andere Industrien und ihre Wertschöpfungsketten. Auf Innovationsförderung ausgerichtete Programme unterstützen die Unternehmen dabei, diese Funktion wahrzunehmen.

Die KfW hat für innovative und forschungsorientierte Unternehmen den „Unternehmerkredit Plus“ aufgesetzt. Er wird deutlich unter Kapitalmarktniveau verzinst und kann sowohl für Investitionen als auch für Betriebsmittel beantragt werden. Als Nachweis für ein innovatives Unternehmen gelten z.B. ein kürzlich beantragtes Patent, besonders hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung oder kontinuierlich starkes Wachstum bei Umsatz oder Beschäftigtenzahl.

Für die Chemie GmbH mag zunächst ein anderes auf marktnahe Forschung und Entwicklung ausgerichtetes Programm interessant sein: das ERP-Innovationsprogramm. Das Unternehmen möchte über eine innovative Modifikation des Produktionsprozesses am Standort Esslingen neue Potenziale heben – das Stichwort lautet Industrie 4.0, Produktionstechniken und -abläufe sollen digital miteinander vernetzt und idealerweise unterbrechungsfrei gestaltet werden. Hierfür kann die Chemie GmbH über das ERP-Innovationsprogramm ein Darlehen beantragen und die Innovation günstig mittels Fremdkapital finanzieren. Alternativ kann das Unternehmen die Mittel als kombiniertes Produkt erhalten, das sich je zur Hälfte aus Fremdkapital und aus einem Nachrangdarlehen zusammensetzt. Der Vorteil gerade für die mittelständische Chemie GmbH: Da das Nachrangdarlehen eigenkapitalähnlichen Charakter hat, verbessert das Unternehmen gleichzeitig seine Finanzierungsstruktur. Ein weiterer Vorteil z.B. gegenüber der zuschussbasierten Projektförderung ist die schlanke Abwicklung des Programms.

Deutsche Fördermittel auch für Expansion ins Ausland

Die Innovationskraft und Qualität der deutschen Chemieunternehmen ist auch im Ausland gefragt: 11% der globalen Chemieexporte werden allein von deutschen Unternehmen erbracht. Insbesondere der asiatische Markt gewinnt an Bedeutung. Gerade die Themen Umwelt- und Ressourcenschutz werden dabei auf asiatischen Märkten wie China immer wichtiger. Viele Förderprogramme der KfW und der Landesförderinstitute, darunter auch die Energieeffizienzprogramme, lassen sich auch für Auslandsvorhaben in Anspruch nehmen.

Die Chemie GmbH hat bereits viele Kunden in China, durch eine Fertigung vor Ort könnten diese schneller und effektiver bedient werden. Im Strategieprogramm „Zukunft 2020“ wird der Ausbau des chinesischen Geschäfts als zentraler Baustein für das künftige Wachstum hervorgehoben. Das Unternehmen sollte den Schritt ins Ausland jedoch ganzheitlich betrachten: Welche Rolle können die Fördermittel im Finanzierungsmix einnehmen? Und welche Förderprogramme passen zu welchem Expansionsvorhaben?

Grundsätzlich gilt: Die Konditionen von Förderprogrammen sind nach wie vor attraktiv, vor allem in den für Chemieunternehmen wichtigen Schwerpunkten Forschung und Entwicklung sowie Steigerung von Energie- und Ressourceneffizienz. Unternehmen sollten daher mit ihren Hausbanken prüfen, ob und welche Fördermittel sie bei ihren Investitionsvorhaben im In- und Ausland in Anspruch nehmen können. Dabei sollte die Bank frühzeitig eingebunden werden, da der Förderantrag in der Regel vor Beginn des Vorhabens zu stellen ist.

Autor(en)

Kontaktieren

Jetzt registrieren!

Die neusten Informationen direkt per Newsletter.

To prevent automated spam submissions leave this field empty.