Kunststoffe sind Schrittmacher für Innovation

  • Der Deutsche Pavillon auf der EXPO 2015 in Mailand präsentierte Photovoltaikzellen auf hauchdünner Kunststofffolie, die sich jeder Form anpassen. © Schmidhuber + Partner GbR Der Deutsche Pavillon auf der EXPO 2015 in Mailand präsentierte Photovoltaikzellen auf hauchdünner Kunststofffolie, die sich jeder Form anpassen. © Schmidhuber + Partner GbR
  • Der Deutsche Pavillon auf der EXPO 2015 in Mailand präsentierte Photovoltaikzellen auf hauchdünner Kunststofffolie, die sich jeder Form anpassen. © Schmidhuber + Partner GbR
  • Patrick Thomas, Präsident, PlasticsEurope

Europa steht heute vor gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen, die sich aus einer Vielzahl von Faktoren ergeben – vom Erhalt der Ressourcen der Region über den Schutz von Umwelt und Verbrauchern bis hin zum Erhalt der europäischen Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt. Diese Faktoren wirken sich auch auf die Entwicklung der europäischen Kunststoffindustrie aus.

Schlüsselakteur der europäischen Wirtschaft

Mit über 1,5 Mio. Beschäftigten in rund 60.000 Firmen, die meisten davon kleine und mittlere Unternehmen (KMU), ist die Kunststoffindustrie eine wichtige Stütze für die europäische Wirtschaft. Unsere Branche leistet einen wichtigen sozialen Beitrag für Europa und steht hinsichtlich ihrer industriellen Wertschöpfung an siebter Stelle. Allein im Jahr 2015 erzielte unsere Industrie einen Umsatz von über 340 Mrd. EUR und trug mehr als 27 Mrd. EUR zur Finanzierung der öffentlichen Haushalte bei.

Das Beratungsunternehmen The European House Ambrosetti untersuchte in einer Studie die möglichen Folgen einer wachsenden Kunststofflieferkette für Italien und Europa. Die Ergebnisse für Italien demonstrieren einen Multiplikator-Effekt von fast 2,4 – das bedeutet: Eine zusätzliche Investition von 100 EUR in die italienische Kunststofflieferkette würde 238 EUR Bruttoinlandsprodukt für die italienische Wirtschaft bringen. Gleichzeitig schafft jeder neue Arbeitsplatz im Kunststoffsektor fast drei weitere Arbeitsplätze in der Gesamtwirtschaft.

Harter globaler Wettbewerb

Trotz all dieser Positivfaktoren steht unsere Branche vor erheblichen Herausforderungen. Sei es der Wettbewerbsvorteil der USA bei Energie und Rohstoffen, der Nahe Osten mit den größten Erdöl- und Erdgasvorkommen der Welt oder China als führender Kunststoffhersteller. Nicht zu vergessen der Einfluss Brasiliens und anderer lateinamerikanischer Staaten, die bei der Produktion von Biokraftstoffen und biobasierten Produkten Herausragendes leisten. Damit Europa in einer globalisierten Welt wettbewerbsfähig bleibt, müssen wir unseren Zugang zu kostengünstiger Energie und Rohstoffen sicherstellen.

Die Kunststoffindustrie: Einer der fünf innovativsten Sektoren

Seit ihren Anfängen spielt die Kunststoffindustrie bei Innovationen in und aus Europa eine führende Rolle; wichtige technologische Fortschritte wären ohne unseren Werkstoff kaum möglich gewesen.

Zwar umfasst unsere Branche Unternehmen unterschiedlichster Größe, doch alle investieren im hohen Maße in Forschung und Entwicklung. Die Ergebnisse dieser Bemühungen: Die Kunststoffindustrie ist einer der fünf innovativsten Sektoren in der EU. Zwischen 2003 und 2012 wurden über 4 % aller Patente in der Europäischen Union von unserer Branche angemeldet.

Innovation: Der Weg zu einer ressourceneffizienten Kreislaufwirtschaft

Wir Kunststofferzeuger sind überzeugt, dass Innovation der wichtigste Faktor ist, um die großen Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen. Innovation wird uns helfen, effizienter mit Ressourcen umzugehen, den CO2-Ausstoß zu verringern und gleichzeitig ein wirklich nachhaltiges Wachstum und soziale Sicherheit zu schaffen. Eine neue Studie des Marktforschungsinstituts Trucost ergab jüngst, dass der Einsatz von Kunststoffen für Konsumwaren und Verpackungen nahezu viermal geringere ökologische Kosten verursacht, als bei der Nutzung alternativer Materialien entstehen würden.

Die Kunststoffindustrie hat den Weg für ein neues Polymer bereitet, das die Isolierung von Gebäuden verbessert und gleichzeitig bis zu 50 % weniger Rohstoffe verbraucht. Gebäude in Europa machen rund 40 % des Energieverbrauchs und rund 40 % der Treibhausgasemissionen in der EU aus. Wussten Sie, dass Kunststoffe, die als Dämmmaterial verwendet werden, über 200-mal so viel Energie sparen können, wie für ihre Herstellung verbraucht wurde? Dies ist ein großartiges Beispiel dafür, wie Kunststoffanwendungen zur Senkung von Treibhausgasemissionen beitragen. Ein weiterer Beleg ist der Verpackungsbereich: Kunststoffe halten nicht nur Lebensmittel länger frisch, sondern ermöglichen auch den Transport größerer Produktmengen, was die Transportkosten und CO2-Emissionen senkt.

Kunststoffe spielen auch in vielen anderen Bereichen eine wichtige Rolle – in der Landwirtschaft, bei Elektro- und Elektronikgeräten, im Transportwesen (Automobil, Eisenbahnen, Flugzeuge, Schiffe, Fahrräder usw.), im Sport und im modernen Gesundheitswesen. Nehmen wir den 3D-Druck – einige sehen ihn als „Heiligen Gral“ der neuen digitalen Fertigungsära. Kunststoffe stehen im Mittelpunkt dieser revolutionären Technologie, die bereits verwendet wird, um medizinische Prothesen mit größerer Präzision, Geschwindigkeit und Passgenauigkeit herzustellen und so den individuellen Patientenbedarf besser zu erfüllen.

Erhebliche Forschungs- und Entwicklungsarbeit werden auch in die Diversifizierung der Ausgangsmaterialien für die Kunststoffproduktion gesteckt, zum Beispiel in die Nutzung erneuerbarer Rohstoffe und gemischter Kunststoffabfälle. 2016 startete außerdem das erste industrielle Pilotprojekt für die Verwendung von CO2 als neuem Produktionsbaustein, der Rohöl ersetzen kann.

Kunststoff: Zum Wegwerfen zu schade

In Sachen Umweltschutz fordert unsere Industrie bereits seit 2011 im Rahmen der Initiative “Zero Plastics to Landfill” ein Verbot der Deponierung von recyclingfähigen und verwertbaren Kunststoffabfällen. Wir sehen Kunststoffe als Materialien, die zum Wegwerfen zu schade sind. Ein konsequentes Abfallmanagement wie das Recycling und die generelle Verwertung von Kunststoffen würde eine Vergeudung dieser wertvollen Ressourcen verhindern. Angesichts aktueller Impulse wie den neuen Vorschlägen für ein EU-Kreislaufwirtschaftspaket glauben wir, dass das Ziel der Null-Deponierung bis 2025 erreicht werden könnte.

Ein konsequenter Vollzug der Sammlung, Sortierung und Verwertung von Kunststoffabfällen ist nicht nur für die Nutzung der Ressourcen in Europa entscheidend, sondern auch ein grundlegender Faktor im Kampf gegen Meeresabfälle. Seit 2011 treffen sich Verbände der Kunststoffindustrie aus aller Welt, um das globale Problem der Meeresverschmutzung anzugehen. Jüngst vereinbarten Delegierte aus 17 Ländern und vier Kontinenten, die Gruppe unter dem Namen „Global Plastics Alliance“ weiterzuentwickeln. Die globale Erklärung der Kunststoffverbände zu Lösungen für die Meeresverschmutzung (Declaration of the Global Plastics Associations for Solutions on Marine Litter) ist von 69 Branchenorganisationen aus aller Welt unterzeichnet worden; über 260 Projekte sind inzwischen angestoßen, geplant oder abgeschlossen. Die sechs Schwerpunkte der globalen Erklärung sind Bildung, Forschung, Politik, Best-Practice-Austausch, Recycling/Verwertung von Kunststoffabfällen sowie die Eindämmung von Kunststoffgranulatverlusten.

2014 gründeten wichtige Branchenakteure außerdem ein Forum zur Zusammenarbeit, das sich mit gemeinsamen Problemen und Chancen befasst und zunehmend globalen Charakter bekommt – das World Plastics Council (WPC). Die Organisation bietet eine Kooperationsplattform für führende Branchenvertreter im Kampf gegen die Meeresverschmutzung und bei der Förderung effizienter Abfallmanagementpraktiken, um so zu mehr Nachhaltigkeit beizutragen.

Was braucht die europäische Kunststoffindustrie in der Zukunft?

Die Kunststoffindustrie kann einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit leisten - und gleichzeitig nachhaltiges Wachstum durch eine ressourceneffiziente kohlenstoffarme Wirtschaft unterstützen. Damit dies gelingt, braucht unsere Industrie nicht nur einen sicheren Zugang zu kostengünstiger Energie und Rohstoffen, sondern müssen auch die besten Voraussetzungen für wissenschaftliche Bildung geschaffen werden, um so das technologisch-naturwissenschaftliche Fachwissen zu fördern, das Europa dringend benötigt. Außerdem sind Maßnahmen erforderlich, die ausreichende Investitionen für Forschung, Entwicklung und Innovation sowie einen Wandel hin zu einer ressourceneffizienteren Gesellschaft gewährleisten. Und schließlich brauchen wir einen konsistenten, stabilen und komplementären regulatorischen Rahmen, um Wirtschaftswachstum und Beschäftigungschancen in Europa zu sichern.

Unsere Branche ist ein Schrittmacher für Innovation; wir sind in der Lage, Herausforderungen in Chancen zu verwandeln. Wir leben in spannenden Zeiten, und die europäische Kunststoffindustrie steht bereit, eine vielversprechende Zukunft mitzugestalten.

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PlasticsEurope Deutschland e.V.
Mainzer Landstr. 55
60329 Frankfurt

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