Perspectives-Konferenz 2019: Mut im Unternehmertum im Fokus

Infraserv Höchst lässt bei der Tagung für den Chemie- und Pharmastandort Deutschland mutige Entscheider zu Wort kommen

  • Auch im unternehmerischen Alltag sei es wichtig, Entscheidungen zu überdenken, zu hinterfragen und gegebenenfalls zu revidieren, so Extremskibergsteiger und Unternehmer Benedikt Böhm: „Umdrehen ist manchmal schwieriger als Weitergehen, man muss einschätzen können, ob die Energie auch noch für den Abstieg reicht.“Auch im unternehmerischen Alltag sei es wichtig, Entscheidungen zu überdenken, zu hinterfragen und gegebenenfalls zu revidieren, so Extremskibergsteiger und Unternehmer Benedikt Böhm: „Umdrehen ist manchmal schwieriger als Weitergehen, man muss einschätzen können, ob die Energie auch noch für den Abstieg reicht.“

Ob er sich selbst als mutig bezeichnet? Extremskibergsteiger Benedikt Böhm, einer der Keynote-Speaker bei der diesjährigen „Perspectives“, macht sich die Antwort nicht leicht. Er habe sich den Mut eher antrainiert, sagt der Sportler, der mit möglichst wenig Gepäck möglichst schnell 8.000er erklimmt, um sie mit Skiern wieder hinunterzurasen. Bei dem Branchenevent für den Chemie- und Pharmastandort Deutschland, zu dem Infraserv Höchst zum siebten Mal eingeladen hat, berichtet der Unternehmer Benedikt Böhm auch darüber, wie die als Extremsport überlebenswichtige Fähigkeit, Risiken abzuschätzen, sein unternehmerisches Tun beeinflusst.

Diesmal stand die Perspectives unter dem Motto „Mut“. „Ich freue mich, dass sich das Format so positiv entwickelt hat“, begrüßte Infraserv-Geschäftsführer Joachim Kreysing die rund 80 Gäste. Der Name „Perspectives“ sei für die Veranstaltungsreihe nicht zufällig gewählt. „Wir wollen unterschiedliche Sichtweisen kennenlernen und uns damit auseinandersetzen“, sagte Kreysing.

Sprengt die Organigramme
„Das coolste an Regeln ist, dass man sie brechen kann“, begann Heinz-Walter Große seine Ausführungen über die Erfahrungen, die er bei B. Braun Melsungen gemacht hat. Der Finanz-Fachmann war bei dem Unternehmen, das weltweit 64.000 Mitarbeiter zählt und einen Jahresumsatz von 7 Mrd. EUR vorweisen kann, auch für das Personal verantwortlich. „Ich hatte es mir zum Ziel gesetzt, das von Organigrammen geprägte ‚Kästchendenken‘ einzelner Abteilungen zu überwinden“, berichtete er. Ein Weg, der Mut erforderte und von Widerständen geprägt war, aber letztendlich zum Erfolg des Unternehmens beigetragen hat.

Auch Stefan Messer, CEO der Messer Group, hat turbulente Zeiten durchlebt. Er führte die Zuhörer durch die wechselhafte Geschichte des 1898 gegründeten Unternehmens, das seit 2004 wieder von der Familie Messer geführt wird.

Kraftstoff aus Abfällen
Nach den Keynote-Speakern gaben weitere Redner mit interessanten „cases“ Einblicke in die unternehmerische Praxis, in der Mut und Ideenreichtum wichtig sind.

Markus Rarbach, Head of Business Line Biofuels & Derivates bei Clariant, stellte ein Projekt vor, bei dem aus landwirtschaftlichen Abfallstoffen fortschrittliche Biokraftstoffe hergestellt werden. Das zu 100 Prozent klimaneutrale Gemisch ist vielfältig einsetzbar und besonders umweltschonend. Ein bisschen Mut sei schon erforderlich gewesen, um diese Innovation auf den Weg zu bringen. „Das Projekt war allerdings auch strategisch gut vorbereitet“, so Rarbach.

Wie in den Anfängen der industriellen Chemie begann die Unternehmer-Karriere von Gerwin Schüttpelz, CEO der CPH Deutschland Chemie. Ursprünglich lieferte er Etikettenkleber an Kunden aus, ehe er sich dazu entschied, das Produkt selbst herzustellen – in einem Waschzuber. So entstand ein erfolgreiches Unternehmen, das 1983 den ersten biologisch abbaubaren Klebstoff auf den Markt brachte und verschiedene Höhen, aber auch Tiefen durchlebte. „Mut ist, den Möglichkeiten mehr Glauben zu schenken als dem Erlebten“, formulierte Schüttpelz seine Definition.

Auch die Automobilindustrie steht vor großen Herausforderungen. „Es gibt 10 hoch 32 Möglichkeiten, einen A3 zu konfigurieren“, berichtete Henning Löser, der das Production Lab von Audi leitet. Um die Produktion flexibler zu machen und die Transformation von der Innovation zur Produktion zu ermöglichen, müsse man mitunter auch ungewöhnliche Wege beschreiten. „Dabei kann auch schon mal etwas schiefgehen, beispielsweise wenn bei einem Update im laufenden Betrieb zu viele Daten in das System geschickt werden und die Produktion für zehn Minuten stillsteht. Aber das gehört dazu“, sagte Löser.

In den von Lothar Meier, Leiter Business Development von Infraserv Höchst, moderierten Diskussionsrunden mit den Referenten kamen verschiedene Sichtweisen zu den Themen Mut, Risikobereitschaft und unternehmerisches Handeln zur Sprache. „Kann man mutig sein lernen?“, wollte Meier wissen. „Man kann sich an Vorbildern orientieren, selbst Vorbild sein und anderen dabei helfen, Ängste zu überwinden“, lautete eine der Antworten. Benedikt Böhm wies darauf hin, dass mitunter auch das vermeintliche Scheitern besonders viel Mut erfordert: „Umdrehen ist manchmal schwieriger als Weitergehen“, sagte der Extrembergsteiger. „Man muss einschätzen können, ob die Energie auch noch für den Abstieg reicht.“ Auch im unternehmerischen Alltag sei es wichtig, Entscheidungen zu überdenken, zu hinterfragen und gegebenenfalls zu revidieren.

Ein bisschen mutig war auch die Entscheidung von Infraserv Höchst, mit dem Branchenevent „Perspectives“ ein Veranstaltungsformat der etwas anderen Art zu schaffen. Diese Entscheidung hat sich als richtig erwiesen: Auch im nächsten Jahr wird es eine neue Auflage geben.

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