Resilienztipps für Risikomanager

Potentielle Risiken für die Chemieindustrie: Hochwasser und Überflutungen

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Resilienz ist das Vermögen, nach einem Schadenfall schnell und ohne nachhaltige Auswirkungen zurück zum alltäglichen Geschäftsablauf zu gelangen. Ein gezieltes, effektives Risikomanagement stärkt die Resilienz eines Unternehmens. CHEManager stellt in einer vierteiligen Serie potentielle Risiken für die Chemieindustrie und entsprechende Lösungsansätze für Risikomanager und Unternehmen vor. In dieser Folge geht es um Hochwasser- und Überflutungsrisiken.


Weltweit sind mehr als 379 Mio. Menschen potentiell von Hochwasser bedroht, besonders gefährdet sind Länder wie Japan, Indonesien und die Philippinen - Länder, in denen zahlreiche Chemieunternehmen ihre Standorte haben. Statistiken zeigen, dass jährlich weltweit Schäden in Höhe von durchschnittlich 2,2 Mrd. € durch Fluten für Unternehmen entstehen, was Hochwasser zur teuersten Naturkatastrophe macht. Im Schnitt sind Verluste durch Fluten eineinhalb Mal höher als durch Brände. Die Folgen sind für die Industrie verheerend: Produktionsstopps und Betriebsausfälle, unterbrochene Lieferketten, abgerissene Lieferketten und internationale Reputationsschäden, um nur einige zu nennen.


Betriebsunterbrechungen vermeiden


„Viele Chemieunternehmen haben weltweit Standorte in der Nähe von Gewässern und Küsten, da die Infrastruktur durch Umschlagplätze wie Häfen und Güterbahnhöfe geeignete Transportmöglichkeiten bietet", sagt Peter Eymael, Group Manager Field Engineering bei FM Global. Hier müssen Risikomanager aktiv werden, das potentielle Hochwasserrisiko analysieren und bewerten - egal ob in Deutschland oder an einem Standort im Ausland. „Nur so lassen sich Betriebs- und Lieferkettenunterbrechungen vermeiden", so Eymael weiter. Denn diese können, je nach Dauer und Ausmaß, das gesamte Unternehmen gefährden.


Sicherheitsvorkehrungen gegen Hochwasser sind essentieller Bestandteil eines effektiven Risikomanagements. Dabei müssen Unternehmen proaktiv handeln um ihre Resilienz zu stärken. Neben der Fähigkeit eines Unternehmens, sich schnell von einer Katastrophe erholen zu können bedeutet Resilienz auch, die richtigen Maßnahmen einzuleiten, um erst gar keine Betriebsausfälle zu erleiden.

FM Global ist der Überzeugung, dass der Großteil aller Schäden vermeidbar ist. Die Voraussetzung: Man muss die eigenen Hochwasserrisiken genau kennen.


Umfassende Analysen zur Schadenprävention


Bei der Analyse des potentiellen Flutrisikos gilt es, Faktoren wie beispielsweise die Höhe über dem Meeresspiegel, Gezeitenhochwasser, Deichbegutachtung, Topographie, mögliche Niederschlagsmengen und die Hochwasserhistorie samt jüngster Schadenereignisse zu beachten. Zusammen mit einem Risikoingenieur sollte eine Standortbegehung stattfinden, um eine vollständige Hochwasseranalyse zu erstellen.


Risikomanager sollten zudem sicherstellen, dass das Unternehmen alle notwendigen Voraussetzungen trifft und Investitionen tätigt, um schnell und effektiv Maßnahmen zur Verhinderung größerer Schäden zu ergreifen. „Jährliche Überprüfungen und Notfallübungen mit allen Mitarbeitern sind außerdem empfehlenswert", erläutert Peter Eymael. Umfassendes Wissen in Bezug auf die Supply Chain ist ebenso zentral: Zulieferer, Abnehmer, Fremdfirmen und Reparaturunternehmen sollten identifiziert werden, um ihre Rolle im Krisenfall zu definieren.


Festinstallierte Anlagen mit wasserabweisendem Rostschutzanstrich zu versehen zählt ebenso zu präventiven Maßnahmen wie die Verlagerung empfindlicher Geräte und Werkstoffe, die für die Aufrechterhaltung des Betriebs unerlässlich sind, in höher gelegene Gebäudeteile. Große Schäden verursachen Hochwasser generell durch Verunreinigungen. Schon kleine Flutwellen von knapp einem Meter Höhe können aber auch strukturelle Gebäudeschäden verursachen. Auch die Feuchtigkeit kann erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen. „Nicht nur Korrosion, auch Kontamination und manchmal sogar exotherme Reaktionen bei Kontakt mit Wasser müssen verhindert werden", sagt Peter Eymael.


Gezieltes Handeln im Schadenfall


Tritt der Schadenfall ein, ist es wichtig, schnell und gezielt zu handeln. Zuvor durch Notfallpläne festgelegte Zuständigkeiten müssen hier reibungslos und zuverlässig greifen. Beispielsweise sollten im Falle einer Überflutung eines Chemiestandortes umgehend die Versorgung mit brennbaren Flüssigkeiten und anderen Risikostoffen unterbrochen und die entsprechenden Leitungen geleert werden. Treten Chemikalien aus, können sie sich über das stehende Wasser rasant verbreiten. Das erhöht nicht nur die Brandgefahr, sondern kann auch erhebliche Gesundheits- und Umweltrisiken mit sich bringen.


Bevor die Aufräumarbeiten beginnen, müssen die Gebäude zunächst auf Statik und Sicherheit überprüft werden, da Auftrieb und Druck des Wassers eine enorme Belastung für die Bausubstanz bedeuten. „Es kann notwendig sein, die Untergeschosse der Betriebsgebäude mit sauberem Wasser zu fluten", erklärt Peter Eymael. „So wird ein Gegendruck erzeugt. Dieses Wasser wird nach der Überschwemmung wieder abgepumpt. Ein Totalschaden des Gebäudes aufgrund fehlender Stabilität kann dadurch verhindert werden."


Umfassendes Risikomanagement kann durch gezielte Analysen auf den Ernstfall und potenzielle Gefahren vorbereiten und die Resilienz eines Unternehmens stärken. Ein Unternehmen, das nach einer Naturkatastrophe wie einer Flut den Normalbetrieb zügig wieder aufnimmt, profitiert zudem durch einen regionalen Wettbewerbsvorteil.


 



 


Hochwasser-Notfallplan


Eine Komponente zur Schadenbegrenzung ist die Entwicklung eines Hochwasser-Notfallplans (Flood Emergency Response Plan, FERP). Dieser sollte fünf Hauptelemente beinhalten:


1.            Ein zuverlässiges Warnsystem.



2.            Eine für die Notfallorganisation verantwortliche Führungsperson mit der Befugnis, Maßnahmen einzuleiten.



3.            Pläne für die sichere Abschaltung von Produktionslinien und der Stromversorgung.



4.            Konkrete Maßnahmen wie die Verlagerung wichtiger Geräte und Materialien auf höhere Ebenen zur Verringerung des finanziellen Verlustes und zur Aufrechterhaltung des Betriebs.



5.            Notfallpläne für die anschließende Reinigung zur schnellen Wiederaufnahme des Betriebs sowie Bergungs- und Rettungspläne.


Ob ein Notfallplan seine volle Wirkung entfaltet, hängt entscheidend von der Umsetzung ab. Es ist daher ratsam, hauptsächlich auf dauerhafte physische Maßnahmen zu setzen und Notfallpläne als Ergänzung zu nutzen.


 


 

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