Verantwortliches Handeln für Mensch und Umwelt

Die Responsible-Care-Initiative der deutschen Chemie feiert ihr 25-jähriges Bestehen und zieht Bilanz

  • Dr. Gerd Romanowski, Geschäftsführer Wissenschaft, Technik und Umwelt, Verband der Chemischen IndustrieDr. Gerd Romanowski, Geschäftsführer Wissenschaft, Technik und Umwelt, Verband der Chemischen Industrie
  • Dr. Gerd Romanowski, Geschäftsführer Wissenschaft, Technik und Umwelt, Verband der Chemischen Industrie
  • Verantwortliches Handeln für Mensch und Umwelt

Die Mitglieder der Responsible-Care-Initiative verpflichten sich zur stetigen Verbesserung von Gesundheitsschutz, Umweltschutz und Sicherheit in der Chemieindustrie. Was haben 25 Jahre freiwilliger Selbstverpflichtung der Unternehmen zum verantwortlichen Handeln bewirkt? Wo gibt es weiteren Handlungsbedarf? Dr. Andrea Gruß sprach darüber mit Dr. Gerd Romanowski, Geschäftsführer Wissenschaft, Technik und Umwelt beim Verband der Chemischen Industrie (VCI).

CHEManager: Worauf geht die internationale Responsible Care Initiative zurück?

Dr. G. Romanowski: Der kanadische Chemieverband war der erste, der Ende der 1970er Jahre Leitlinien für Responsible Care beschloss und 1985 das erste offizielle Responsible-Care-Programm ins Leben rief. Etwa zeitgleich zu der Initiative in Nordamerika, 1986, entwickelte der Verband der Chemischen Industrie in Deutschland die Leitlinien „Chemie und Umwelt“. Diese Verhaltensregeln bildeten die Grundlage für das deutsche Responsible-Care-Programm, das im März 1991 vom VCI-Präsidium beschlossen wurde.

Demnach waren Chemieunfälle wie in Seveso 1976, in Bhopal 1984 oder der Brand bei Sandoz 1986 Auslöser für die weltweite Initiative der Chemieindustrie?

Dr. G. Romanowski: Ja, ein wesentliches Ziel der Initiative war es, Vorkommnisse wie in Seveso, Bhopal oder bei Sandoz künftig zu verhindern. Aber die Unfälle waren nur äußere, akute Anlässe für den Start von Responsible Care. Anfang der 1980er Jahre gab es in Europa und auch in Nordamerika intensive Diskussionen zum Umweltschutz. Sie wurden ausgelöst durch Schaumberge auf Flüssen und das Buch „Silent Spring“, in dem die Biologin Rachel Carson über die schädliche Wirkung von Pestiziden auf die Pflanzen- und Tierwelt berichtete. Die Chemieindustrie stand damals in keinem guten Licht. Hinzu kamen die Unfälle, die eine hohe Aufmerksamkeit erregten. Die Unternehmen mussten Maßnahmen ergreifen und den Umwelt- und Sicherheitsgedanken bei Unternehmensleitung und Mitarbeiter fördern. Notwendig war ebenfalls, mehr Transparenz im Dialog mit der Öffentlichkeit zu schaffen.

Auch der Gesetzgeber wurde damals aktiv.

Es wurden Gesetze zum Immissionsschutz für Luft und Wasser und Sicherheitsvorschriften verabschiedet, aus denen später EU-Richtlinien entstanden.

Heute ist Responsible Care weltweit in der Chemie etabliert. Gibt es vergleichbare Programme in anderen Branchen?

Dr. G. Romanowski: Der deutsche Chemiehandel bekennt sich seit 1996 zu den Leitlinien von Responsible Care und bietet ein Auditierungs- und Zertifizierungsprogramm für seine Mitgliedsunternehmen. Darüber hinaus ist die Chemie sowohl weltweit als auch national die einzige Branche, mit einer solch umfangreichen Selbstverpflichtung zum verantwortlichen Handeln. Ich führe dies auf die besonderen Probleme der Chemieindustrie in den 1980er Jahren zurück. Vielleicht entwickelt sich aus dem aktuell zu beobachtenden Glaubwürdigkeitsverlust in der Automobilindustrie eine ähnliche Initiative für mehr Transparenz.

Das Responsible-Care-Logo – zwei schützende Hände umgeben ein chemisches Molekül – ist zum Markenzeichen für Eigenverantwortung in der Chemie geworden. Wer darf dieses Logo nutzen? Für welchen Zweck?

Dr. G. Romanowski: Das ist auf der einen Seite strikt geregelt, auf der anderen Seite gibt es von Land zu Land Varianten. Der Weltchemieverband International Council of Chemical Associations, kurz ICCA, gibt vor, dass die ihm angeschlossenen nationalen Verbände den Schutz der Marke des RC-Logos gewährleisten. In Europa hat CEFIC das Logo beim Europäischen Markenamt als Marke angemeldet. CEFIC hat die nationalen Verbände und ihre Mitgliedsunternehmen autorisiert, dieses für ihre allgemeine Unternehmens- und Verbandskommunikation zu nutzen. Nicht genutzt werden darf es dagegen für Produktwerbung oder zum Beispiel auf Gefahrguttransportern.

In den USA dürfen nur Unternehmen das Logo verwenden, die sich vorher einem Audit unterziehen. In Europa haben wir davon Abstand genommen, weil es hier bereits viele Auflagen und Normen gibt. Ein zusätzliches Audit stellt gerade für kleinere Unternehmen eine hohe bürokratische Belastung dar. Um Transparenz zu schaffen, lassen wir seit 2007 in Deutschland auf Verbandsebene unseren Responsible-Care-Bericht auditieren, zuletzt durch den TÜV Rheinland.

Welche wesentlichen Erfolge hat die Responsible-Care-Initiative bislang erzielt?

Dr. G. Romanowski: Eines der Highlights ist sicherlich die Reduktion der Emissionen. Dies ist natürlich nicht ausschließlich auf die Initiative zurückzuführen, sondern auch auf Fortschritte in der Gesetzgebung. Aber natürlich trägt verantwortliches Handeln ebenfalls dazu bei, dass Grenzwerte eingehalten oder teilweise sogar unterschritten werden. So sind beispielsweise die Emissionen von Stickoxiden, Schwefeloxiden und sogenannten flüchtigen organischen Verbindungen durch die Chemieindustrie heute nur noch sehr gering und im Vergleich zur Luftbelastung durch Verkehr, Energie und Haushalte nahezu unerheblich.

Zudem hat die Branche maßgeblich zum Klimaschutz in Deutschland beigetragen: Von 1990 bis 2013 hat sie ihre Kohlenstoffdioxid-Emissionen um 33 % reduziert. Das entspricht fast der Hälfte des von der gesamten Industrie erbrachten Reduktionsbeitrages.

Ein besonderes Beispiel für erfolgreichen Umweltschutz ist auch die VCI-Vereinbarung mit dem Hafen Rotterdam. Sie wurde 1991 unterzeichnet und lief bis 2006. Dabei haben sich die Chemieunternehmen verpflichtet, die Schwermetalleinleitungen in den Rhein in bestimmten Schritten stetig zu reduzieren auf ein Niveau, das heute fast an der Nachweisgrenze liegt. So konnte die Schwermetallbelastung des Hafenschlamms in Rotterdam – der regelmäßig ausgebaggert und entsorgt werden muss, um den Hafenbetrieb zu gewährleisten – deutlich reduziert werden.

Kann die Initiative vor dem Hintergrund dieser Erfolge heute noch wesentliche Fortschritte im Gesundheits- und Umweltschutz bewirken?

Dr. G. Romanowski: Ein klares „Ja“. Die Aufgaben der Initiative sind noch lange nicht abgeschlossen. Künftige Schwerpunkte werden Produktverantwortung, Energieeffizienz und Ressourcenschonung, Wassernutzung und Security sein, um einige wichtige Handlungsfelder zu nennen.

Es gibt heute viele kritische Diskussionen über chemische Stoffe in Verbraucherprodukten, die als gesundheitsschädlich angesehen werden; zum Beispiel hormonell wirksame Substanzen wie Weichmacher. Dieser Diskussion müssen wir uns stellen und als Branche gemeinsam mit dem Gesetzgeber auf europäischer und internationaler zu verbesserten Lösungen beitragen.

Hierzu haben wir bereits vor einigen Jahren gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium ein Kooperationsprojekt zum Human-Biomonitoring gestartet: Für Industriechemikalien, die in der Umwelt und Verbraucherprodukten vorkommen, entwickeln wir Methoden zum Nachweis im menschlichen Blut oder Urin. Das Ziel ist, so die Belastung der Bevölkerung zu messen.

Sie sprachen das Handlungsfeld Security an. Was kann die Chemiebranche hier tun?

Dr. G. Romanowski: Die Chemieindustrie betreibt überall auf der Welt Anlagen, in denen teilweise gefährliche Stoffe gehandhabt werden, die für bestimmte Synthesen jedoch notwendig sind. Diese Anlagen gilt es, vor Sabotage und Terrorangriffen zu schützen. Dieses Thema wird immer virulenter.

Wir arbeiten daher eng mit den Sicherheitsbehörden zusammen und informieren sie, wo die betreffenden Anlagen stehen, welche Gefahren von ihnen ausgehen können und wie man sie vor Angriffen schützen kann.

Im Jahr 2013 startete der VCI gemeinsam mit dem BAVC und der IG BCE die Nachhaltigkeits-Initiative Chemie3. Wie wirken die beiden Initiativen zusammen?

Dr. G. Romanowski: Chemie3 versucht, die Chemieindustrie insgesamt nachhaltiger zu gestalten – nachhaltig im wirtschaftlichen, im gesellschaftlichen und im ökologischen Sinn. Wenn man es zuspitzen will, ist Responsible Care eine von drei Säulen der Initiative Chemie3 und deckt den Umwelt- und Sicherheitsanteil ab. Derzeit arbeiten wir im Rahmen von Chemie3 daran, Messgrößen für ökonomische und soziale Elemente der Nachhaltigkeit zu entwickeln. Hier sind wir noch lange nicht so konkret wie bei den Umwelt- und Sicherheitsthemen von Responsible Care.

Die Aktivitäten der Initiative Chemie3 begrenzen sich derzeit auf Deutschland. Sehen Sie eine Chance, dass es zu Formulierung internationaler Leitlinien vergleichbar den Responsible Care Leitlinien kommt?

Dr. G. Romanowski: Das wäre schön. Chemieverbände anderer Nationen beschäftigen sich ebenfalls intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit. Doch gibt es dort häufig keine Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern, weil das Verhältnis zu den Gewerkschaften nicht so gut ist wie hierzulande. Deshalb dürfte es schwierig sein, das deutsche Modell 1:1 auf andere Länder zu übertragen.

Welchen Weg geht die neue Initiative, um die Branche nachhaltiger zu gestalten?

Dr. G. Romanowski: Wir reden derzeit mit allen gesellschaftlichen Anspruchsgruppen der Chemiebranche, mit Kunden, anderen Industriezweigen, Umwelt- und Verbraucherverbänden, Kirchen, mit der Politik, dem Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung. Diese Institutionen fragen wir: Was erwartet ihr von der Chemieindustrie? Nicht alles davon können wir auch sofort umsetzen. Das ist klar. Aber einiges davon!

Kontaktieren

VCI Verband Chem.- Ind. e.V
Mainzer Landstr. 55
60329 Frankfurt
Germany
Telefon: +49 69 2556 0
Telefax: +49 69 2556 1471

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