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Dechema Praxisforen fördern die Vernetzung von Fachkräften in der Prozessindustrie

  • Dr. Björn Mathes, DechemaDr. Björn Mathes, Dechema

Im globalen Marktgeschehen sind Innovationen und stetige Weiterentwicklungen für Unternehmen der Prozessindustrie unumgänglich. Besonders an den Technologieschnittstellen tut sich sehr viel, da fällt es zunehmend schwer, den Überblick über marktfähige Neuheiten zu behalten. Mit den Praxisforen bietet die Dechema ab 2015 ein neues Veranstaltungsformat an, das darauf ausgerichtet ist, die Vernetzung von Fachkräften, die sich branchenübergreifend und entlang der Wertschöpfungsketten mit ähnlichen Fragestellungen beschäftigen, zu fördern. CHEManager sprach darüber mit Dr. Björn Mathes, Leiter der Dechema-Praxisforen in der Abteilung Forschungsförderung und Tagungen.

CHEManager: Herr Mathes, welche Idee steht hinter dem neuen Veranstaltungsformat der Praxisforen und wie unterscheiden sie sich von anderen wissenschaftlichen Tagungen?

B. Mathes: Die Praxisforen richten sich ganz klar an Unternehmensvertreter, die auf der Suche nach konkreten Lösungsbeispielen, neuen Trends und Erkenntnissen sind. Im Vordergrund steht die anschauliche, möglichst praxisnahe Informationsvermittlung und Diskussion im Rahmen von Expertenvorträgen, Best Practices Beispielen, einer Ausstellung und interaktiven Diskussionsformaten. Anwender aus der industriellen Produktion und Anbieter von Produkten, Dienstleistungen und Technologien sollen direkt ins Gespräch kommen Bei den rein wissenschaftlichen Tagungen geht es doch oft eher um Fragen, die vor der konkreten Anwendung liegen.

Mit welchen Themen werden sich die ersten Praxisforen befassen?

B. Mathes: Das erste Praxisforum findet am 4. und 5. Februar 2015 zum Thema „Enzymes for Industrial Applications" statt. Das Thema spielt in unterschiedlichsten Gruppen innerhalb unseres breiten Netzwerkes eine wichtige Rolle, z.B.

in der industriellen Biotechnologie oder im Lebensmittelsektor. Weitere Themen in naher Zukunft werden beispielsweise die Additive Fertigung/3D-Druck im Apparate- und Anlagenbau, Brandschutz oder Datenbanksysteme für die chemische und pharmazeutische Industrie sein.

Welche Zielgruppen sprechen Sie mit den Praxisforen an und welchen Mehrwert bzw. welche Vorteile bieten sie den Teilnehmern?

B. Mathes: Die Praxisforen richten sich an Vertreter aus Industrie und KMU, die auf der Suche nach Innovationen für ganz spezifische Anforderungen des Praxisalltags sind. Bei den Praxisforen können sie sich mit Kollegen aus anderen Unternehmen und Branchen und mit potenziellen Kooperationspartnern austauschen, vernetzen und neue Trends, Innovationen und Praktiken kennenlernen. Gleichzeitig können sie im direkten Austausch mit Anbietern von Technologien, Dienstleistungen und Produkten ihre Bedürfnisse und zukünftigen Anforderungen vortragen. Neben der Vernetzung von Fachkräften, die sich branchenübergreifend und entlang der Wertschöpfungsketten mit ähnlichen Fragestellungen beschäftigen, haben wir mit den Praxisforen eine B2B-Plattform geschaffen, auf der sich effizient Leads generieren lassen.

Nach welchem Konzept werden die Veranstaltungen organisiert, wie wird der Ablauf sein?

B. Mathes: Neben Expertenvorträgen wird es Best Practice-Beispiele und Tandempräsentationen geben, die innovative Projekte und erfolgreiche Zusammenarbeiten vorstellen, neue Trends und Herausforderungen der Zukunft aufzeigen, aber auch  Lehren aus der Vergangenheit behandeln. Doch die Vorträge sind nur ein Teil des neuen Formats. Die Ausstellung und interaktive Diskussionsformen sind integrale Bestandteile des Konzepts und nicht wie sonst oftmals nur „Beiwerk" in den Vortragspausen.

Den Auftakt macht Anfang Februar 2015 das PraxisForum „Enzymes for Industrial Applications", ein Thema, das zu den Kernkompetenzen der Dechema zählt. Worum wird es dabei gehen?

B. Mathes: Enzyme besitzen eine hohe industrielle Relevanz und sorgen bereits für eine enorme Wertschöpfung. Ihr Potential ist aber bei weitem noch nicht vollständig ausgeschöpft. Die Enzymtechnologie ist eine Plattformtechnologie, die das Potential besitzt, viele Prozesse nachhaltiger und kosteneffizienter zu gestalten. Man kann schon fast von kleinen Wunderstoffen sprechen. Im Praxisforum wird dieses Potential in Expertenvorträgen, Diskussionsrunden und der Ausstellung dargestellt. Die adressierten Anwendungsbranchen reichen von Lebens-,  Nahrungsergänzungs- und Futtermittel über die Pharmabranche, Textilien, Leder, Waschmittel, Bioraffinieren, Fein- und Spezialchemie sowie Papier bis hin zu Kosmetika. Neben neuen Enzymen und Praxisbeispielen von erfolgreichen Enzymanwendungen wird es auch um die Möglichkeiten des Enzymeinsatzes in weiteren Branchen gehen. Auch die Produktion und das Design von Enzymen sowie Praktiken für eine schnellere Markteinführung stehen im Fokus.

Mit der Dechema Community verfügen Sie über einen einzigartigen Expertenkreis für zahlreiche Themen im Bereich chemischer und biotechnischer Verfahren. Welche Themenbereiche können Sie sich für künftige Praxisforen vorstellen?

B. Mathes: Mit unseren über 5.000 Ehrenamtlichen, die sich in unseren Gremien engagieren, sowie den zahlreichen Veranstaltungen und F&E-Projekten, die in unserem Haus durchgeführt und begleitet werden, sind wir immer am technischen Pulsschlag unserer Community. Dadurch tun sich fortwährend neue Themenfelder auf, für die die Praxisforen geeignete Treffpunkte zur Vernetzung, Präsentation und Information sind. Ich denke da beispielsweise an die Bereiche Sensortechnik, Prozessanalytik sowie automatisierte Formulierung und kontinuierliche Produktion im Pharmabereich. Aber auch Kommunikationsthemen wie Krisenmanagement oder Social Media und effizientes Innovationsmanagement könnten zukünftig aufgegriffen werden. Dies ist nur eine kleine Aufzählung möglicher Themen für unser neues Veranstaltungsformat.

Wo sehen Sie Trendthemen?

B. Mathes: Insbesondere Themen wie Industrie 4.0 und vollständige Automatisierung werden Produktionsstätten, wie wir sie seit geraumer Zeit kennen, grundlegend verändern. In der Feinchemie wird dies früher geschehen als bei den Commodites. Aber auch der bereits erwähnte 3D-Druck besitzt das Potential, einige Wertschöpfungsketten fundamental zu verändern. Der Shale Gas-Boom und damit einhergehende Investitionsentscheidungen für Großanlagen wird genauso wie die Bioökonomie weiterhin Treiber der Branche sein. Neu in der Diskussion ist auch die Nutzung von Überschussstrom für chemische Prozesse. Hier werden uns noch einige Entwicklungen bevorstehen.

Zudem rückt das Thema Wassermanagement auch im wasserreichen Deutschland vermehrt in den Fokus. Zero Liquid Discharge und emissionsarme Produktion sind Themen, mit denen sich die Unternehmen im globalen Wettbewerb heutzutage beschäftigen müssen. Die weltweite Prozessindustrie kann hier stark von deutschen Lösungen profitieren. Nicht zuletzt ist die industrielle Wassertechnik eines der Schwerpunktthemen für die anstehende Achema.

Werden Sie für die Durchführung der Praxisforen auch Synergien mit der Achema, der weltweiten Leitmesse für die Prozessindustrie, nutzen können?

B. Mathes: Die Achema wird auch im kommenden Jahr wieder Trendsetter für die Prozessindustrie sowie die Bio- und Umwelttechnologien sein. Sie ist die Kommunikationsplattform für den direkten Kontakt zu Zulieferern und Kunden unserer Branche. Die Impulse, die von der Achema 2015 ausgehen werden, sind natürlich auch für zukünftige Aktivitäten im Rahmen der Dechema-Praxisforen von hohem Interesse.

Das Format der Praxisforen wird aber auch erstmals Einzug in den Achema-Kongress halten. Hier werden markt- und praxisrelevante Präsentationen in räumlicher Nähe zu den jeweiligen Ausstellergruppen dargeboten. Somit können die Zuhörer direkt im Anschluss an die Präsentation das Gespräch am Ausstellungsstand vertiefen, die Exponate anschauen und über anforderungsgerechte Lösungsmöglichkeiten sprechen. Dieses neue Format wird es den Ausstellern erleichtern, durch ihre Vorträge neue Leads zu generieren.

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