Wertschöpfung ohne Kompromisse

ESIM Chemicals will mit Qualitätszwischenprodukten und Feinchemikalien wachsen

  • ESIM Chemicals hat seinen Sitz und seine Produktionsanlagen im Chemiepark Linz. In den ehemaligen, 1939 gegründeten Stickstoffwerken (später Chemie Linz) sind heute insgesamt etwa 30 Unternehmen unter Nutzung von Standortsynergien tätig. © BorealisESIM Chemicals hat seinen Sitz und seine Produktionsanlagen im Chemiepark Linz. In den ehemaligen, 1939 gegründeten Stickstoffwerken (später Chemie Linz) sind heute insgesamt etwa 30 Unternehmen unter Nutzung von Standortsynergien tätig. © Borealis
  • ESIM Chemicals hat seinen Sitz und seine Produktionsanlagen im Chemiepark Linz. In den ehemaligen, 1939 gegründeten Stickstoffwerken (später Chemie Linz) sind heute insgesamt etwa 30 Unternehmen unter Nutzung von Standortsynergien tätig. © Borealis
  • Frank Wegener, Geschäftsführer, ESIM Chemicals: „Wachstum ist für uns einer der wichtigsten Punkte auf der Zukunftsagenda.“

ESIM Chemicals ist ein relativ junges Unternehmen, dessen Wurzeln aber 80 Jahre zurückreichen. Der Anbieter von Agrochemikalien, Zwischenprodukten und Maleinsäureanhydrid-Derivaten mit Sitz in Linz, Österreich, entstand 2014 aus der Fusion von DSM Pharmaceutical Products und Patheon. Bei der anschließenden Aufspaltung wurde das Pharmageschäft unter Patheon konsolidiert, während das Exklusivsynthese- und Zwischenproduktegeschäft (ESIM) von Ardian übernommen und unter dem Namen ESIM Chemicals in ein eigenständiges Unternehmen mit heute rund 500 Mitarbeitern überführt wurde, das seit 2018 im Besitz von Sun European Partners ist. Im März 2019 kam Frank Wegener als neuer CEO zu ESIM Chemicals. Michael Reubold befragte ihn über die Pläne und Ziele zur Entwicklung des Unternehmens.

CHEManager: Herr Wegener, die Wurzeln von ESIM Chemicals reichen 80 Jahre zurück ins Jahr 1939 als in Linz ein Werk für Stickstoffdünger gegründet wurde. Im Laufe der Zeit erlangte die Firma unter dem Namen Chemie Linz und später DSM Fine Chemicals internationale Bedeutung. Wie viel von dieser Geschichte ist heute noch spürbar?
Frank Wegener: In der Tat hat ESIM Chemicals als relativ junges Unternehmen bereits eine bewegte und spannende Historie. Als eines der wenigen Unternehmen der chemischen Industrie in Oberösterreich ist nach wie vor der Stolz zu spüren, mit dem die Mitarbeiter täglich in „ihr“ Unternehmen gehen. Ebenso sind die „Gene“ der DSM noch jederzeit spürbar. Die recht lange Zeit mit dem niederländischen Konzern hat das Unternehmen nachhaltig geprägt. Zu nennen sind hier insbesondere die internationale Ausrichtung sowie die professionellen Strukturen eines Großunternehmens der chemischen Industrie. Das Thema „continuous improvement“ wird seit vielen Jahren bei ESIM Chemicals und den Vorgängerunternehmen großgeschrieben, das zahlt sich besonders im Hinblick auf die partnerschaftliche Wertschöpfung mit unseren anspruchsvollen Kunden in der Exklusivsynthese aus. Ohne eine Kultur der ständigen Weiterentwicklung, die im Grunde schon mit dem Start der Erstkampagne beginnt, wäre es für uns schwieriger, so erfolgreich Produkte in den Markt zu bringen und uns gegen asiatische Wettbewerber durchzusetzen.

Vor Ihrem Wechsel zu ESIM waren Sie 4 Jahre lang Präsident von WeylChem.

Beide Unternehmen haben eine lange Tradition, entstanden aus Zusammenschlüssen oder Übernahmen, operieren in vergleichbaren Märkten und gehören heute beide Investoren. Inwieweit sind ESIM und WeylChem vergleichbar, wo unterscheiden sie sich?
F. Wegener: Obwohl man annehmen könnte, dass ESIM Chemicals und WeylChem sehr ähnlich strukturiert sind, erkennt man doch recht schnell deutliche Unterschiede. Beide Unternehmen sind zwar auf ähnliche Kundengruppen fokussiert, kulturell und technologisch jedoch sehr unterschiedlich. Eine große Stärke von ESIM Chemicals liegt sicherlich in der Kompetenz der Mitarbeiter, die es gewohnt sind, komplexe Synthesen zu planen und komplexe Produkte herzustellen. Da alle Produktionsgebäude des Unternehmens an einem Standort in Linz nah beieinander liegen, liegt es auf der Hand, die kompetenten und sehr motivierten Mitarbeiter optimal im Sinne der Wertschöpfung einzusetzen. ESIM Chemicals und WeylChem ist sicherlich gemeinsam, dass sie aus Unternehmensgruppen stammen, die ihre Feinchemikalienaktivitäten an Investoren veräußert haben. ESIM Chemicals wurde im vorletzten Jahr an Sun European Partners veräußert mit dem Ziel, das Unternehmen gemeinsam mit dem Management weiterzuentwickeln. Dazu zählt übrigens auch das Geschäft mit Maleinsäureanhydrid und dessen Derivaten. Hieraus hat sich in den letzten Jahren ein attraktives Geschäft hauptsächlich mit zahlreichen dynamisch wachsenden Nischenprodukten entwickelt, das wir neben der Exklusivsynthese konsequent weiterentwickeln. Dabei unterstützt uns unser Eigentümer in jeder Hinsicht.

ESIM forscht und produziert am Standort Linz. Haben Sie in jüngster Zeit Anlagen modernisiert/erweitert oder planen Sie Investitionen in Anlagen oder neue Technologien?
F. Wegener: ESIM hat in jüngster Vergangenheit erheblich investiert und plant das auch in Zukunft zu tun. Beispielsweise haben wir Ende 2018 die Kapazität für Maleinsäureanhydrid um 30 % durch eine Neuinvestition erweitert. Für das gerade gestartete Jahr 2020 planen wir eine weitere erhebliche Investition in eine neue Technologie in enger Kooperation mit einem Kunden aus dem agrochemischen Bereich. Diese Anlage wird Anfang 2021 in Betrieb gehen und sowohl bei unserem Kunden als auch bei uns zur Verbesserung der Wertschöpfung beitragen. Weitere Investitionen im Bereich Umweltschutz, Automatisierung, Digitalisierung, etc. finden selbstverständlich laufend statt. Bei allen großen Vorhaben spielt der Investor natürlich eine Rolle.

„Wir schauen uns regelmäßig nach sinnvollen Ergänzungen zum gegenwärtigen Setup der ESIM Chemicals um.“

Wie beurteilen Sie die Standortfaktoren und Rahmenbedingungen für Chemieunternehmen in Österreich hinsichtlich Investitionsklima, Genehmigungspraxis und Energie-/Arbeitskosten?
F. Wegener: Als Unternehmen, das mit seinen Vorgängern seit vielen Jahren am Standort Linz ansässig ist und seit langem viele verschiedene Produkte unterschiedlicher Komplexität herstellt, haben wir einen ständigen und engen Austausch mit den Genehmigungsbehörden. Dieser Austausch findet ausgesprochen regelmäßig, offen und kooperativ im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben statt, das ist sicherlich ein Standortvorteil. Das Gleiche gilt für das Investitionsklima: Wir haben durchweg das Gefühl, dass der Staat Österreich und das Land Oberösterreich außerordentlich daran interessiert sind, Industriearbeitsplätze in der chemischen Industrie zu schaffen bzw. zu sichern und uns bei den nötigen Investitionen zu unterstützen. Durch unsere Eigenproduktion von Energie bei der Herstellung von Maleinsäure­anhydrid sind wir nur zu einem gewissen Teil abhängig von externen Zulieferern, stellen jedoch fest, dass wir hier im internationalen Vergleich sehr wettbewerbsfähig sind. Das Thema Arbeitskosten ist für uns natürlich relevant, wir bewegen uns auf einem vergleichbaren Niveau wie im Deutschland. Da insbesondere in der arbeitskraftintensiven Exklusiv­synthese die Arbeitskosten einen erheblichen Anteil der Gesamtkosten ausmachen, ergibt sich nahezu zwangsläufig die Notwendigkeit diese aktiv zu adressieren. So arbeiten wir beispielsweise an Konzepten, empirische Versuche im Labor oder in Pilotanlagen durch Simulationen zu minimieren. Das Gleiche tun wir seit vielen Jahre bei der IT-basierten Optimierung bestehender Produktionsanlagen. Zudem investieren wir gerade verstärkt in Automatisierung.

Wie schätzen Sie die Situation auf Ihren wichtigsten Anwendungs-/Absatzmärkten ein, wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen, und wo erwarten Sie gute Wachstumschancen?
F. Wegener: Wir spüren natürlich die nach wie vor herausfordernde Situation in der agrochemischen Industrie, die unsere wichtigste Kundenindustrie darstellt. Jedoch sind wir zuversichtlich und sehen zunehmende Wachstumschancen insbesondere bei der Einführung von Neuprodukten und sind in diesem Marktsegment 2019 um mehr als 15 % gewachsen. Hier kommen unsere Stärken gegenüber chinesischen und indischen Wettbewerbern in Bezug auf komplexe mehrstufige Systeme zum Tragen. Vertraulichkeit ist bei patentgeschützten Zwischenprodukten und Aktivsubstanzen selbstverständlich ein Thema, hier haben europäische Anbieter wie wir sicherlich einen Vorteil. Insgesamt ist für unsere Kunden das Thema Vertrauen sehr wichtig, und diesbezüglich können wir im Vergleich zu den Wettbewerbern eindeutig punkten.

Neben etablierten Produzenten, für die ESIM Feinchemikalien herstellt, bieten Sie Ihre Expertise und Kapazitäten auch kleineren und jungen Unternehmen an. Sehen Sie hier einen wachsenden Bedarf?
F. Wegener: Das ist in der Tat ein wichtiges Thema für uns. Kleine und mittlere Unternehmen mit exzellenter Expertise auf ihren Märkten haben nicht zwangsläufig die Mittel und die Kompetenzen, die Bedürfnisse ihrer Kunden in Produkte umzusetzen, besonders dann, wenn es sich um aufwendige, in der Regel mehrstufige Synthesen handelt. Hier suchen wir gezielt nach Partnern, die gemeinsam mit uns in der Lage sind, die Wertschöpfungsketten zu bereichern. Der Bedarf für solche arbeitsteilige Partnerschaften wächst besonders im Bereich der agrochemischen Industrie, da die Entwicklung neuer Produkte zunehmend aufwendiger und damit teurer wird. So haben wir in den letzten 2 Jahren ein innovatives Produkt aus dem Bereich der Agrochemie mit einem kleineren Kunden entwickelt und dieses erstmalig 2018 produziert. Die Markteinführung erfolgte 2019. Wir erwarten gemeinsam mit unserem Kunden ein signifikantes Wachstum für die nächsten Jahre aus dieser langfristig angelegten Partnerschaft.

„Ohne eine Kultur der ständigen Weiterentwicklung wäre es für uns schwieriger, so erfolgreich Produkte in den Markt zu bringen.“

Welche Wachstumsstrategie verfolgen Sie für ESIM in den kommenden Jahren? Welche Rolle spielt Ihre eigene Forschung & Entwicklung dabei?
F. Wegener: Wachstum ist für uns einer der wichtigsten Punkte auf der Zukunftsagenda. Die allermeisten unserer Kundenindustrien weisen ein deutliches Wachstum auf, das wir gerne unterstützen. So sind wir in den letzten 10 Jahren mit unserem größten Maleinsäureanhydrid-Derivatgeschäft um 80 % gewachsen, das heißt mit ca. 8 % pro Jahr. Hier sehen wir nach wie vor Potenziale für die Zukunft. An dieser Stelle ist unsere Forschung und Entwicklung besonders im Hinblick auf die Nachhaltigkeit des Wachstums gefragt – der Energieeinsatz und Umweltschutzaspekte nehmen hier den größten Raum bei der Entwicklung von neuen Produkten und Kapazitäten ein.

Beobachten Sie auch Akquisitionsmöglichkeiten, und inwieweit unterstützt Sie Ihr Eigentümer dabei?
F. Wegener: Wir schauen uns regelmäßig nach sinnvollen Ergänzungen zum gegenwärtigen Setup der ESIM Chemicals um. Dabei achten wir besonders auf Möglichkeiten der geographischen und technologischen Expansion, die wir bei der Wertschöpfung mit Kunden aus dem Exklusivsynthesebereich brauchen. Unser Eigentümer ist ein renommiertes Unternehmen aus dem Venture-Capital-Bereich und verfügt über exzellente Kontakte und Erfahrungen. Natürlich nutzen wir diese Vorteile, um uns nach sinnvollen Ergänzungen umzuschauen.

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ESIM Chemicals GmbH
St. Peter-Strasse 5
Linz
Österreich

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