03.07.2018
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Erfindergeist braucht fruchtbaren Boden

Die Chemiebranche als Arbeitgeber: angemessene Vergütung, aber Mangel an Anerkennung und Teamgeist

  • Arbeitsplatzkultur in Chemie: angemessene Vergütung, aber Mangel an Anerkennung und Teamgeist © Rawpixel.com/ShutterstockArbeitsplatzkultur in Chemie: angemessene Vergütung, aber Mangel an Anerkennung und Teamgeist © Rawpixel.com/Shutterstock
  • Arbeitsplatzkultur in Chemie: angemessene Vergütung, aber Mangel an Anerkennung und Teamgeist © Rawpixel.com/Shutterstock
  • Tabelle 1
  • Tabelle 2

Kulturelle Exzellenz ist für die Zukunft der chemischen Industrie ebenso wichtig wie technologische. Für die Entwicklung zeigt sich noch Luft nach oben. Eine wichtige Aufgabe für Führungskräfte und Human Resources Manager.

Die Schaffung attraktiver und zukunftsorientierter Arbeitsbedingungen ist ein wichtiges Grundprinzip der chemischen Industrie in Deutschland. Aus gutem Grund: Nur mit hoch qualifizierten und engagierten Menschen können Unternehmen ihre Wachstumsziele erreichen, wichtige Zukunftsaufgaben meistern und Innovationen voranbringen. Am besten gelingt dies in einer Unternehmenskultur, die ihre Mitglieder in besonderem Maße wertschätzt, fördert und begeistert. Wer seine Mannschaft gut führt und sein HR Management nachhaltig ausrichtet, hat entscheidende Vorteile.

Die Gestaltung einer hohen Qualität und Attraktivität als Arbeitgeber ist für die Chemiebranche auch noch aus anderen Gründen entscheidend. Denn das Image der Chemieindustrie erscheint in der Öffentlichkeit immer noch eher angestaubt und ambivalent. Vielen Unternehmen fällt es schwer, neue Talente für sich zu begeistern, insbesondere Frauen und „Millenials“. Nachteilig kann sich dies auch im Wettbewerb um Fachkräfte auswirken, die branchenübergreifend umkämpft sind: Etwa IT-Spezialisten, Verfahrenstechniker, Logistiker oder Vertriebler. Zwar ist die Branche dafür bekannt, gute Gehälter zu zahlen, was auch der Stepstone Gehaltsreport 2017 erneut bestätigt. Ein gutes Gehalt allein reicht zur Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern aber heute nicht mehr aus.

Kurz: Es lohnt sich für die Chemiebranche und ihre Unternehmen in mehrfacher Hinsicht, nicht nur technologische, sondern auch kulturelle Exzellenz anzustreben.

Die Chemiebranche als Arbeitgeber – eine Bestandsaufnahme

Doch wo steht die Chemiebranche aus Mitarbeitersicht derzeit in puncto Arbeitsplatzqualität und Arbeitgeberattraktivität? Wo zeigen sich Stärken und wo Entwicklungspotenziale? Was können die Unternehmen tun, um als Arbeitgeber noch besser und attraktiver zu werden?

Diesen und weiteren Fragen ist das Forschungs- und Beratungsinstitut Great Place to Work jetzt im Rahmen einer branchenspezifischen Sonderauswertung nachgegangen.

Analysiert wurden dabei aggregierte Daten aus Mitarbeiterbefragungen und Kulturaudits von rund 40 bisher am Benchmark-Wettbewerb „Deutschlands Beste Arbeitgeber“ beteiligten Chemieunternehmen im Zeitraum 2013 bis 2017. Verglichen wurden diese mit den aktuellen Benchmarks von „Deutschlands Beste Arbeitgeber 2018“ (Top 100) sowie mit repräsentativen, branchenübergreifenden Durchschnittswerten zur Qualität der Arbeitsplatzkultur. Branchenintern wurde nach Unternehmen differenziert, die sich bereits erfolgreich auf der jährlichen Besten-Liste platzieren konnten und solchen, denen dies bisher noch nicht gelang.

Ein zusammenfassendes Fazit der ersten Bestandsaufnahme lautet: Die Unternehmen der Chemiebranche stehen in puncto Arbeitsplatzqualität und Arbeitgeberattraktivität im Vergleich zu anderen Branchen recht gut da, liegen über dem Durchschnitt. Anlass zum Ausruhen besteht freilich nicht: Denn einerseits zeigen sich sehr deutliche Qualitätsunterschiede innerhalb der Branche und andererseits besteht auf dem Weg zur Exzellenz in zahlreichen Aspekten der Arbeitsplatzkultur insgesamt noch einige Luft nach oben.

In Zahlen ausgedrückt: In den von Great Place to Work durchgeführten Mitarbeiterbefragungen bescheinigen vier Fünftel (79 %) der Beschäftigten derjenigen Unternehmen aus der Chemiebranche, die als „Deutschlands Beste Arbeitgeber“ ausgezeichnet wurden, ihrem Unternehmen eine hohe Gesamtqualität als Arbeitgeber (Basis: Indexwert aus über 60 Einzelfragen zur Qualität der erlebten Arbeitsplatzkultur). Zum Vergleich: Der aktuelle branchenübergreifende Besten-Benchmark liegt hier bei 83 %. Nicht ausgezeichnete Unternehmen der Chemiebranche erzielen hier nur einen Indexwert von 66 %; gleichwohl liegt dieser über dem repräsentativen branchenübergreifenden Durchschnittswert von 56 %.

Positive Wahrnehmung der Chemie bei Vergütung und verantwortungsvollem Handeln

Bereiche, in denen die untersuchten Chemieunternehmen im Vergleich besonders gut abschneiden, sind bspw. die erlebte Angemessenheit der Vergütung, die Wahrnehmung ethisch verantwortungsvollen Handelns und auch die Weiterempfehlungsbereitschaft der Mitarbeiter. Teils noch sehr deutliche Entwicklungspotenziale zeigen sich hingegen in den Feldern berufliche Unterstützung und Anerkennung, psychische Gesundheit am Arbeitsplatz, Unterstützung der Balance von Berufs- und Privatleben und nicht zuletzt auch in puncto Teamgeist in der Zusammenarbeit. Einen detaillierten und anschaulichen Überblick zu den Vergleichswerten gibt Tabelle 1.

Auch wenn diese Ergebnisse keine Repräsentativität für die gesamte chemische Industrie beanspruchen, ermöglichen sie eine erste Standortbestimmung und geben Hinweise auf wichtige Entwicklungsfelder.

Mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur beflügelt den Unternehmenserfolg

Den enormen Wert einer in hohem Maße auf Vertrauen, Begeisterung und Teamgeist fußenden Unternehmenskultur verdeutlichen die Befunde der vom Great Place to Work Institut durchgeführten Kultur-Audits (Tabelle 2). Verglichen wurden hier eine Reihe von Kennzahlen und Managementeinschätzungen. Demnach liegt die durchschnittliche jährliche Anzahl an Krankheitstagen in den bereits als Beste Arbeitgeber ausgezeichneten Chemieunternehmen weit unter dem repräsentativen Durchschnitt in Deutschland, ebenso wie die mittlere Fluktuationsquote. Zudem profitieren die Unternehmen von deutlich höherer Innovationskraft, einer weit über dem Branchenmittel liegenden positiven Umsatzentwicklung und von signifikant höheren Bewerberquoten.

Auch wenn die bisher noch vergleichsweise geringen Fallzahlen keine abschließende Bewertung zulassen, weist der Trend in der Chemiebranche in eine Richtung, der branchenübergreifend bereits sehr gut bestätigt ist: Eine Unternehmenskultur, die von den Beschäftigten in hohem Maße vertrauenswürdig, förderlich und begeisternd erlebt wird, zahlt sich für die Unternehmen substanziell aus. Die Entwicklung kultureller Exzellenz in der Gestaltung der Arbeitsbedingungen und der Qualität der organisationalen Beziehungen ist für eine erfolgreiche Zukunft der Branche daher ebenso wichtig, wie ihr Streben nach technologischer Exzellenz. Gute Führung und nachhaltiges HR Management spielen in der Umsetzung eine tragende Rolle.

Beste Arbeitgeber der Chemie gesucht

Die im Frühjahr 2018 von Great Place to Work ins Leben gerufene Brancheninitiative „Beste Arbeitgeber Chemie“ wird zukünftig ermöglichen, die erste Bestandsaufnahme kontinuierlich zu erweitern und zu vertiefen. Unternehmen aus der gesamten chemischen Industrie (inkl. Pharma und Life Science) können ihre Qualität und Attraktivität als Arbeitgeber in diesem Rahmen individuell prüfen, mit anderen vergleichen und gezielt weiterentwickeln. Zudem wird die Initiative, die auch vom CHEManager unterstützt wird, den brancheninternen fachlichen Austausch zu aktuellen HR-Themen und Best Practices in der Personal- und Führungsarbeit fördern.

Ab 2019 zeichnet Great Place to Work die besten Arbeitgeber aus der Chemiebranche dann auch erstmals mit einem eigenständigen Qualitätssiegel aus, differenziert nach Größenklassen und Branchensegmenten. Eine Teilnahme an der aktuellen Wettbewerbsrunde „Beste Arbeitgeber Chemie“ ist noch bis zum Oktober 2018 möglich. Die erste Resonanz klingt vielsprechend: „Wir begrüßen die neue Brancheninitiative. Sie wird den Unternehmen zusätzliche Vergleichsmöglichkeiten und Entwicklungsimpulse liefern“, sagt Sabine Herold, geschäftsführende Gesellschafterin von Delo Industrie Klebstoffe, und ergänzt: „Die Wettbewerbsfähigkeit und die Sichtbarkeit der Chemiebranche als attraktiver Arbeitgeber werden damit weiter gestärkt.“

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