09.02.2016
ThemenPersonal

Gemeinsam gegen Jugendarbeitslosigkeit

Arbeitgeberverband HessenChemie fördert die Initiative Joblinge im Rhein-Main-Gebiet

  • „Eine Vielzahl von jungen Menschen steckt in den sogenannten Übergangssystemen fest.“„Eine Vielzahl von jungen Menschen steckt in den sogenannten Übergangssystemen fest.“
  • „Eine Vielzahl von jungen Menschen steckt in den sogenannten Übergangssystemen fest.“
  • Jürgen Funk, Geschäftsführer, HessenChemie

Knapp 280.000 Jugendliche sind derzeit arbeitslos, darüber hinaus befindet sich eine Vielzahl von jungen Menschen in Maßnahmen des Übergangssystems. Die bundesweite Initiative Joblinge will diesen, meist gering qualifizierten Jugendlichen eine Perspektive bieten. Sie bündelt die Kompetenzen aus Wirtschaft, Staat und Gesellschaft, um sozial benachteiligte Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. Der Arbeitsgeberverband HessenChemie gehört seit 2011 zu den Förderern der Initiative. Dr. Andrea Gruß befragte Jürgen Funk, den bei HessenChemie für Bildungsfragen zuständigen Geschäftsführer, zur Zusammenarbeit des Verbands mit der Initiative Jobling FrankfurtRheinMain.

CHEManager: Die HessenChemie setzt sich für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit ein, obwohl Deutschland im internationalen Vergleich gut dasteht. Was ist Ihr Motiv?

J. Funk: Neben den arbeitslosen Jugendlichen stecken Tausende junge Menschen in den sogenannten Übergangssystemen fest. Auch wenn deren Zahl nicht verlässlich erfasst wird, wissen wir, dass viele von ihnen derzeit den Sprung in die Ausbildung beziehungsweise den ersten Arbeitsmarkt noch nicht geschafft haben.

Ich kann im Moment noch nicht abschätzen, wie sich die aktuelle Zuwanderung auf den Arbeitsmarkt und damit auch auf die Jugendarbeitslosigkeit auswirken wird. Auf jeden Fall sind wir gefordert, die Jugendarbeitslosigkeit weiter zu bekämpfen.

Sie arbeiten in Hessen mit der Initiative Joblinge zusammen. Worin liegt die Stärke gerade dieser Initiative?

J. Funk: Die Joblinge wurden zu Recht 2014 als „Integrationsprojekt des Jahres“ ausgezeichnet. Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Frau Staatsministerin Aydan Özoğuz, lobt das Projekt als Vorbild für Chancengleichheit für Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte in der beruflichen Ausbildung und auf dem Arbeitsmarkt. Ich persönlich begrüße dabei vor allem die Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen Hand, den Unternehmen und der Bürgergesellschaft.

Darüber hinaus lässt sich die Initiative aber auch sehr gut mit unseren chemiespezifischen Programmen „Start in den Beruf“ und „Start Plus“ kombinieren. Dies zeigt auch ein Pilotprojekt bei InfraServ Wiesbaden.

Eignet sich das Angebot der Joblinge auch für die Integration von Flüchtlingen?

J. Funk: In der aktuellen Gruppe in Frankfurt am Main sind mehrere junge Menschen dabei, die vor etwas längerer Zeit als Flüchtlinge zu uns nach Deutschland gekommen sind. Sie stammen aus Syrien, Somalia, Eritrea oder Afghanistan. Darüber hinaus arbeitet die Initiative derzeit aber auch an einem Konzept, wie man mit den besonderen Herausforderungen dieser Zielgruppe umgehen kann. Die berufsbezogene Sprachförderung stellt hier zum Beispiel einen sehr wichtigen Zusatzbaustein dar. 2016 wird es ein erstes Pilotprojekt in Bayern geben, um Flüchtlingen ein frühzeitiges Angebot zu machen, das ihnen eine Perspektive bietet.

Wie unterstützt Ihr Verband die Initiative?

J. Funk: HessenChemie ist seit 2011 Gründungsaktionär der gemeinnützigen Aktiengesellschaft Joblinge FrankfurtRheinMain, in der ich im Aufsichtsrat tätig bin. Darüber hinaus begleiten wir die Joblinge als Beiratsmitglieder an den Standorten Wiesbaden und Darmstadt. Im September letzten Jahres haben wir die Wiesbadener Gespräche zum Thema „Gemeinsam gegen Jugendarbeitslosigkeit – das Erfolgsmodell Joblinge“ veranstaltet. Mit der Veranstaltung haben wir der Initiative eine besondere Bühne geboten. Insbesondere die guten Vermittlungserfolge konnten wir dort und in einem Buchprojekt einem großen Publikum vorstellen. Darüber hinaus engagieren sich viele unserer Mitarbeiter freiwillig als Mentoren oder im Rahmen von Coachings für junge Menschen.

Sie sind selbst ehrenamtlich als Mentor bei der Initiative aktiv. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

J. Funk: Durch die Mentorentätigkeit erlebe ich die Jugendlichen hautnah und bin Ratgeber und Vertrauensperson. Oft fehlt es ihnen an Orientierung bei der Berufswahl, insbesondere wenn es auf dem Weg von der Schule zum Beruf bereits geholpert hat. In jedem der arbeitslosen Jugendlichen steckt für mich ein Rohdiamant, der gemeinsam entdeckt und zum Strahlen gebracht werden kann. Jeder der Jugendlichen bringt eine eigene Geschichte mit und bedarf einer individuellen Betreuung: Manchmal reicht es, Zuhörer zu sein, einen kleinen Rat zu geben oder weitere Berufsfelder aufzuzeigen, um den „Jobling“ zu unterstützen. Der Zeitaufwand ist überschaubar. Mentoren sollten in der Woche etwa eineinhalb bis zwei Stunden investieren und den Mentees ein halbes Jahr zur Seite stehen.

Tagungsband zur Jugendarbeitslosigkeit

Der Arbeitgeberverband HessenChemie widmete die Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik 2015 dem Thema „Gemeinsam gegen Jugendarbeitslosigkeit – das Erfolgsmodell Joblinge“. Begleitend zur Veranstaltung im vergangenen September erschien ein Tagungsband, in dem namhafte Autoren die gesellschaftspolitische Dimension von Jugendarbeitslosigkeit in Europa, Deutschland und Hessen darstellen und die Joblinge als erfolgreiches Modell zur Integration von Jugendlichen in den Arbeitsmarkt vorstellen.

Der Tagungsband erschien im F.A.Z.-Verlag und kann auf der Webseite www.wiesbadenergespraeche.de für 29,90 EUR bestellt werden.

Den ersten 20 Interessenten stellt HessenChemie jeweils ein kostenfreies Exemplar zur Verfügung. Hierfür senden Sie bitte eine E-Mail mit dem Betreff: Tagungsband JOBLINGE

 

Autor(en)

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Germany
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