Ingenieure im digitalen Zeitalter: Was bleibt – was kommt

Der Wandel des Berufsbildes des Verfahrens-Ingenieurs

  • Der Smart Pneumatics Analyzer ist sofort anschlussfähig. © Aventics GmbHDer Smart Pneumatics Analyzer ist sofort anschlussfähig. © Aventics GmbH
  • Der Smart Pneumatics Analyzer ist sofort anschlussfähig. © Aventics GmbH
  • Dr. Frank Theilen,  Vice President Digital  Transformation, Aventics

Das digitale Zeitalter bringt eine ganze Reihe neuer Anforderungen für Ingenieure mit sich. IT- und Softwarekenntnisse sind zukünftig unentbehrliche Qualifikationen. Dazu kommen neue Kommunikations- und Projektmanagementaufgaben, aber auch betriebswirtschaftliches Verständnis. Und gleichzeitig wird die steigende Vernetzung von Geräten und Systemen im Rahmen des Industrial Internet of Things (IIoT) immer komplexer. Für angehende Ingenieure ist es deshalb ratsam, sich trotz zunehmender Spezialisierung der Studiengänge breit aufzustellen, um den interdisziplinären Anforderungen im Berufsleben gerecht zu werden. Ebenfalls müssen Ingenieure der älteren Generation eine gewisse Offenheit und Flexibilität gegenüber neuen Arbeitsweisen und Technologien mitbringen.

In Deutschland sind derzeit knapp 315.000 Stellen in technischen Berufen unbesetzt. Das sind etwa 13 % mehr als noch im Vorjahr. Die Zahlen zeigen: In der Industrienation Deutschland steht der Arbeitsmarkt auch in den ganz klassischen Bereichen wie dem Ingenieurswesen vor einer der größten Herausforderungen seit der industriellen Revolution.
Der zunehmende Fachkräftemangel ist aber nur ein Teil davon. Gleichzeitig ändert sich auch das Berufsbild selbst. Getrieben durch die Digitalisierung und Industrie 4.0 werden die Anforderungen deutlich komplexer. Insbesondere Berufe der MINT-Branche, darunter Ingenieure, sind von diesen Entwicklungen grundlegend betroffen. Ihre Arbeitswelt ist schon heute geprägt von smarten Fabriken, eigenständig lernenden Robotern und einem Internet, das physische und virtuelle Gegenstände weltweit miteinander vernetzen kann. Außerdem agieren sie in einem Markt, der so stark auf die Bedürfnisse der Kunden ausgerichtet ist, wie noch nie zuvor. Unternehmen richten ihre gesamte Wertschöpfung – von der Produktentwicklung über Vertriebskanäle bis hin zu Marketingmaßnahmen – darauf aus. Und plötzlich bekommt der Begriff „Customer Centricity“ eine ganz andere Bedeutung: Die Bedürfnisse, die Beziehung und die Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden stehen im Mittelpunkt aller unternehmerischen Handlungen.

Vom reinen Entwickler zum fachüber­greifenden Allrounder
Zweifelsohne wirkt sich das auch auf die beruflichen Anforderungen an die Ingenieure aus.

Prägte noch vor 20 Jahren die reine Entwicklung technischer Elemente das Berufsbild, so stehen heute ganz andere Qualifikationen im Fokus. Im Zeitalter der Digitalisierung sind Ingenieure viel mehr als nur technisch versierte Experten. Zunehmende Arbeitsteilung und das Auflösen starrer Strukturen erfordern eine agile und kommunikative Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Bereichen und Personengruppen. Ingenieure definieren sich künftig immer mehr als Schnittstellen und entwickeln sich zu internen und externen interdisziplinären Kommunikatoren. Das bedeutet nicht, dass sie keine Spezifikationen mehr benötigen. Tatsächlich sind aber zu diesen rein fachlichen Qualifikationen nun eben weitere Anforderungen hinzugekommen.
Aber was genau bedeutet das? Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen, müssen wir alle, schneller werden. Agiler. „Fail fast“ ist hier das Stichwort. Diese zunehmend benötigte Agilität heißt auch, dass innerhalb der Unternehmen die Grenzen unterschiedlicher Abteilungen immer mehr verschwimmen. Eines der Resultate: Ingenieure müssen jetzt auch disziplin- und standortübergreifende Arbeiten koordinieren. Der Trend zu ganzheitlichen Planungs- und Produktionsverfahren führt dazu, dass Ingenieure auch ein breites Wissen über betriebswirtschaftliche Abläufe und Projektmanagement besitzen müssen. Hinzu kommt eine immer agilere Kommunikation. Früher bekam der Ingenieur einen Auftrag, den er weitgehend losgelöst vom Kunden durchführte. Das gibt es in vielen Bereichen auch weiterhin. Aber gerade bei ganz neuen Themen wird heute verlangt, dass er viel enger und direkter mit Kunden – aber auch mit Zulieferern und Kollegen – kommuniziert und zusammenarbeitet.

Industrial Internet of Things in der Praxis
Nehmen wir das Beispiel Industrial Internet of Things (IIoT). Bei Aventics arbeiten wir in diesem Bereich gerade sehr intensiv an neuen Lösungen und Ansätzen. Und hier müssen unsere Ingenieure ergänzend zu ihrer Entwicklungsarbeit den Vertrieb unterstützen und sind als Experten im direkten Gespräch mit unseren Kunden. Hierfür hat Aventics bspw. den Smart Pneumatics Analyzer (SPA) entwickelt. Mit dem SPA werden sämtliche Sensordaten der pneumatischen Wartungseinheit digitalisiert und mit mathematischen Algorithmen zu Informationen aufbereitet. Die so gewonnenen Informationen werden unmittelbar in einem Dashboard live dargestellt. Somit ermöglicht der SPA einen vertieften Einblick in das gesamte pneumatische System und eröffnet den Zugang zu Industrie-4.0-relevanten Anwendungen, wie bspw. der vorbeugenden Wartung und der Energieoptimierung. Für den Kunden wird so der Mehrwert von IIoT erlebbar und auch tatsächlich nutzbar. Für den Vertriebsingenieur ist diese unmittelbare Erfahrung des Kunden in der Regel ein Startpunkt in der Diskussion über weitere kundenspezifische Anwendungsfälle.

Auf Veränderung reagieren
Der digitale Wandel ist auch eine große und extrem wichtige Herausforderung für uns als Unternehmen. Wir müssen auf diese Veränderung reagieren. Ein Teil davon ist, dass wir natürlich die passende Infrastruktur bieten müssen – z. B. standortübergreifende Soft- und Hardwarelösungen mit denen Teams weltweit zusammenarbeiten können. Ein zentraler Aspekt sind hier unsere Aktivitäten rund um Office 365. Damit ist es aber nicht getan. Wir sind überzeugt, dass wir es unseren Ingenieuren so einfach wie möglich machen müssen, sich in ihren neuen Rollen zu entwickeln.
So helfen wir unseren Ingenieuren in agilen Projekten, sich stärker in die Kundenperspektive zu versetzen. Mit diesem Perspektivwechsel ist es einfacher, den tatsächlichen Kundenwunsch zu verstehen und ein Minimum Viable Product zu erarbeiten. Für den projektbezogenen Austausch mit dem Kunden hilft ebenfalls unsere Office 365-Plattform.
Als Unternehmen stehen wir momentan aber auch vor der Herausforderung, nebeneinander Mitarbeiter zu beschäftigen, die seit 20 Jahren ganz traditionell als Ingenieur arbeiten und zugleich solche, die ein Arbeitsleben ohne digitale Technologien gar nicht kennen. Es arbeiten also sogenannte Digital Immigrants zusammen mit Digital Natives. Und wir müssen die jeweiligen Expertisen und Fähigkeiten beider Generationen so zusammenbringen, dass eine größtmögliche Effizienz entsteht.

Erfolgsfaktoren: Agilität, Nähe und ­Offenheit
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass auch hier Agilität ein echter Erfolgsfaktor ist. Agile Teams, bestehend aus generations- sowie bereichsübergreifenden Mitarbeitern sind oft unglaublich effektiv und kreativ. Ältere Ingenieure haben eine grundsätzliche Offenheit gegenüber dem digitalen Wandel im Arbeitsalltag. Insbesondere die neuen Kommunikationstools und Technologien, wie bspw. IIoT, werden durchaus positiv angenommen, wenn ihr Mehrwert erkennbar ist. Wir legen aus der Perspektive des Change Managements Wert darauf, dass nicht nur neue Tools bereitgestellt, sondern neue Arbeitsweisen auch erlebbar gemacht werden.
Für Unternehmen als auch für die bereits im Berufsleben stehenden Ingenieure ist damit der Wandel aber noch lange nicht abgeschlossen oder gar „geschafft“. Die Anforderungen und das Berufsbild selbst werden sich weiter wandeln. Deshalb ist es neben aller internen Agilität zugleich wichtig, frühzeitig einen engen Kontakt zu Hochschulen aufzubauen. Für kleinere und mittelständische Unternehmen sind besonders regionale Hochschulen sehr interessant. Die Unternehmen können sich so auf der einen Seite frühzeitig als potenzielle Arbeitgeber in einem State-of-the-Art-Arbeitsumfeld und innovativen Themen positionieren. Gleichzeitig profitiert das Unternehmen von den neuen Arbeits- und Herangehensweisen der Studenten, die in die eigene Arbeit einfließen können. Wie schon Steve Jobs sagte: „It doesn’t make sense to hire smart people and tell them what to do; we hire smart people so they can tell us what to do.” Das Digital Lab von Aventics in Lemgo ist zum Beispiel ein solches Projekt, bei dem ganz unterschiedliche Ingenieursgenerationen zusammengeführt werden. So lernen auch langjährige Mitarbeiter neue Innovationen und deren Einsatzgebiete ganz praktisch kennen.

Trotz aller Änderungen ist eines ganz wichtig
Nicht jeder Bereich ist von dem digitalen Wandel gleich betroffen. Nach wie vor sind auch klassische Ingenieure weiterhin schlichtweg unverzichtbar.

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