Nachlese zur fünften Schweizer Hygienetagung 2019

  • Die fünfte Schweizer Hygienetagung bot mit 17 Referentinnen und Referenten wieder ein fachlich versiertes Programm und klärte über aktuelle Entwicklungen der Luft- und Wasserhygiene auf. © Emanuel NiederhauserDie fünfte Schweizer Hygienetagung bot mit 17 Referentinnen und Referenten wieder ein fachlich versiertes Programm und klärte über aktuelle Entwicklungen der Luft- und Wasserhygiene auf. © Emanuel Niederhauser

Am 25. Januar 2019 fanden sich über 220 Fachleute zur 5. Schweizer Hygienetagung ein. Während am Morgen Belange der Lufthygiene thematisiert wurden, gehörte der Nachmittag den Aspekten der Wasserhygiene. Den Organisierenden gelang es damit wieder einmal, brennende Themen wie z. B. Raumluftqualität in Schulen oder Legionellen in Gebäudeinstallationen aufzugreifen.

Vor fast einem Jahrzehnt, im Jahr 2010, begann die Idee der Hygienetagung mit informellen Gesprächen. Im Januar 2011 wurde aus den Gesprächen Realität und die 1. Schweizer Hygienetagung konnte durchgeführt werden. Mittlerweile hat sich die Veranstaltung einen festen Platz in der Agenda mancher Fachperson erarbeitet. Stets am Puls der Zeit werden Aspekte der Luft- und Wasserhygiene beleuchtet.

Themen am Puls der Zeit
OK-Präsident Benno Zurfluh zeigt sich deshalb zu Recht zufrieden: „Noch früher als bei den vergangenen Durchführungen war die Tagung ausverkauft, obwohl die maximale Teilnehmerzahl etwas erhöht wurde. Für uns eine Bestätigung, dass wir bei der Auswahl der Themen richtig liegen.“ Diese Auswahl umfasste am Vormittag neben dem traditionellen Überblick zu den aktuellen Standards der Luft- und Wasserhygiene auch die neue Lufthygiene-Richtlinie, die Untersuchung des BAG zur Raumluftqualität in Schulen sowie die Erfahrungen zur Raumluftqualität in einer Vielzahl mechanisch gelüfteter Gebäude und zu Enthalpie-Plattenwärmeübertragern. Der Nachmittag widmete sich der Frage, wo und wie Biofilme im Trinkwasser auftreten, ob wir bei der Legionellen-Prävention auf Kurs sind und insbesondere, welche Praxiserfahrungen zu Legionellen in Gebäudeinstallationen vorliegen und wie ein Risikomanagement konkret betrieben werden kann.

Gute Raumluftqualität
Was macht gute Raumluftqualität eigentlich aus? Die Lufthygiene-Richtlinie SWKI VA104-01 (VDI 6022 Blatt 1) definiert lediglich, dass eine mechanisch geförderte Zuluft nicht schlechter sein darf als die Außenluft. Die Raumluftqualität selbst wird aber durch zahlreiche weitere Faktoren beeinflusst, wie z. B. Emissionen von Baustoffen oder Anwesenheit von Menschen. Das BAG hat deshalb das Projekt „Gute Luft in Schweizer Schulen“ gestartet.

„Eine gute Raumluftqualität gehört zu den Rahmenbedingungen einer modernen Schule“, meint Claudia Vassella vom BAG. Denn Studien belegen: Je tiefer der CO2-Gehalt, desto besser können Schülerinnen und Schüler die vermittelten Inhalte verinnerlichen.
Beat Steiner griff das Thema Raumluftqualität auf der Basis der Ergebnisse von 3.000 Anlagen-Inspektionen auf. Sein Postulat „Die Nutzenden haben ein Anrecht auf gute Raumluft.“ Dabei werde die Qualität der Raumluft maßgeblich durch die Qualität der Zuluft bestimmt und es zeige sich, dass Filter der Qualität ePM1 ≥ 50 % (alt: F7) den überwiegenden Teil von mikro­biologischen Belastungen eliminieren. „Für eine wirkungsvolle Reduktion der Feinstaub-Partikel ist hingegen eine Filterklasse ePM1 ≥ 85 % (alt: F9) notwendig“, so Steiner. Als Fazit kann formuliert werden, dass in 98 % aller Fälle die Raumluftqualität besser ist als die natürliche Außenluft.

Legionellen-Prävention
Lisa Neu leitete den Nachmittag ein, welcher der Wasserhygiene gewidmet wurde, und stellte fest: „Biofilme sind gut, wir brauchen sie. Aber solange wir sie nicht verstehen, können wir sie nicht kontrollieren.“ Daran schliesst sich die Frage an, wie etwas nicht Kontrollierbares dennoch «beherrscht» werden kann. Insofern ging direkt im Anschluss die Podiumsdiskussion der Frage nach: „Sind wir bei der Legionellen-Prävention auf Kurs?“ Pierre Studer vom BLV zeigte die steigenden Fallzahlen und betonte den Handlungsbedarf. Die Sanitärspezialisten Prof. Reto von Euw und Cosimo Sandre zogen eine vorsichtig positive Bilanz. Man wisse mehrheitlich, wo die Ansatzpunkte sind, um einwandfreie Installationen zu konzipieren. Auch Otto Wyss gibt sich optimistisch, dass mit der demnächst publizierten Richtlinie SWKI RE200-02 die Thematik auch für Verdunstungskühlanlagen geregelt werden kann.
Was passiert jedoch, wenn die gebaute Realität nicht dem heutigen Stand der Kenntnis folgt? Franziska Rölli zeigte dazu eindrücklich, welche Komplexität in der Realität vorgefunden wird. Ihre Antwort auf die Frage, ob diese Komplexität kontrollierbar sei? „Ja, aber es benötigt ein Bewusstsein für die Herausforderung einer Legionellen-Prävention.“ Es zeige sich aber, dass mit Verbesserungsmaßnahmen auch bestehende Anlagen sicherer gemacht werden können. „Aber die Suche nach der Ursache ist oft aufwändig und benötigt ein grosses Vertrauen zwischen Besitzenden, Betreibenden und Forschenden.“ Thomas Leiblein schloss den Nachmittag mit einem Überblick zur Legionellen-­Prävention und dem notwendigen Risikomanagement im medizinischen Bereich. Er formulierte insbesondere Empfehlungen für Anlagenbetreiber, -instandhalter und weitere Verantwortungsträger. Sein Plädoyer: „Handeln Sie!“

Kontaktieren

mennelENGINEERING
Gartenstraße 2
CH-6340 Baar
Schweiz
Telefon: +4177 203 29 22

Jetzt registrieren!

Die neusten Informationen direkt per Newsletter.

To prevent automated spam submissions leave this field empty.