13.12.2018
ThemenStrategie

Experten-Statement: Erik G. Hansen, Johannes-Kepler-Universität Linz

Thema „Circular Economy": Kein Patent-Rezept für die Chemieindustrie

  • Erik G. Hansen, Johannes-Kepler-Universität LinzErik G. Hansen, Johannes-Kepler-Universität Linz

Wir haben Experten, die Anfang November auf der VCW-Konferenz „Circular Economy“ über die Chancen und Herausforderungen der Zirkulären Wirtschaft referiert und diskutiert haben gebeten, uns ihre Positionen zu konkreten Fragen darzulegen. 
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Kein Patent-Rezept für die Chemieindustrie

Ziel des zirkulären Wirtschaftens ist es, Ressourcenkreisläufe zu schließen, um den Verbrauch von Rohstoffen und Energie zu reduzieren. Bislang stand die chemische Industrie als Materiallieferant am Anfang vieler industrieller Wertschöpfungsketten. Doch im Zuge der zirkulären Wirtschaft werden sich die Wertschöpfungsketten verändern.

CHEManager: Herr Hansen, welchen Platz bzw. welche Rolle muss die Chemie in Zukunft einnehmen, um Circular-Economy-gerecht zu handeln?

Erik G. Hansen: Es ist richtig, dass die Zirkulärwirtschaft traditionelle Rollen in der Wertschöpfung und die Wertkette insgesamt verändern wird. Es gibt für die Chemieindustrie als Ganzes kein Patent-Rezept, sondern nur individuelle Strategien, die den unternehmensspezifischen Kontext berücksichtigen müssen. Sicher sagen kann man eigentlich nur, dass ein „einfach weiter so“ mit den größten Risiken verbunden ist: verpasste Innovationspotentiale, fehlende Differenzierung beim Kunden der Zukunft, Verlust von (neuen) Wertschöpfungsanteilen und beeinträchtigtes Image.

Innovationspotenziale können u.a. durch interdisziplinäre Kooperationen gehoben werden. Wie wird sich die Zusammenarbeit der verschiedenen Teilnehmer entlang der Wertschöpfungsketten und neuer Marktteilnehmer künftig entwickeln? Kann es künftig noch „Einzelkämpfer“ geben?

E. Hansen: Ich bin fester Überzeugung, dass die strategische Weiterentwicklung der Akteure in der Chemieindustrie in den meisten Fällen durch den Aufbau innovativer Kooperationen von statten gehen wird.

Ein gutes Beispiel ist das Chemikalien-Leasing welches durch Wartung, Wiederverwendung und Recycling von Chemikalien nur ein Bruchteil der Rohstoffe und Energie benötigt. Statt punktueller Kauftransaktionen benötigt dieses Geschäftsmodell den Aufbau einer engen Beziehung zwischen Chemikalienhersteller (oder einem Drittanbieter) und dem Anwender.

 

„Die Zirkulärwirtschaft wird traditionelle
Rollen in der Wertschöpfung und
die Wertkette insgesamt verändern.“

Erik G. Hansen, Johannes-Kepler-Universität Linz
 

Wie müssen sich die Kooperationspartner aufeinander einstellen, um größtmöglichen Erfolg zu haben? Gibt es hier bereits positive Beispiele?

E. Hansen: Ein Beispiel ist die Recyclatinitiative von Werner & Mertz: Hier arbeiten der Reinigungsmittelhersteller, der Verpackungshersteller, der Maschinenbau, die Abfallwirtschaft und der Einzelhandel zusammen, um Produkte in Recyclingverpackungen an den Konsumenten zu bringen. So werden Primärrohstoffe wie Polymere bereits zu 100 % durch Recyclingpolymere ersetzt. Chemiekonzerne wie die österreichische Borealis haben bereits auf diesen radikalen Wandel mit der eigenen Transformation reagiert und sich vertikal in die Abfallwirtschaft integriert: sie sind nun Eigentümer von mehreren Recyclinganlagen. Diese vertikale Integration zeigt übrigens, dass man – eine radikale Wandlung vorausgesetzt – sich durchaus auch als Einzelkämpfer in der Zirkulärwirtschaft aktiv positionieren kann.

Insgesamt, das zeigt unsere aktuelle Forschungsstudie, gibt es die drei klassische Handlungsoptionen für die Akteure: Man kann durch vertikale Integration seine eigene Position in den Wertschöpfungskreisläufen ausweiten bzw. verändern („Make“), durch strategische Partnerschaften größere Teile der zirkulären Wertschöpfung abdecken („Ally“), oder neue zirkuläre Anforderungen (wenig strategisch) durch Outsourcing abdecken („Buy“).

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