13.12.2018
ThemenStrategie

Mit der Innovationskraft der Chemieindustrie zur zirkulären Wirtschaft

Experten-Statements zum Thema „Circular Economy“

  • Mit der Innovationskraft der Chemieindustrie zur zirkulären Wirtschaft (c) tanatat/ShutterstockMit der Innovationskraft der Chemieindustrie zur zirkulären Wirtschaft (c) tanatat/Shutterstock
  • Mit der Innovationskraft der Chemieindustrie zur zirkulären Wirtschaft (c) tanatat/Shutterstock
  • Steffen Wasmus, Deutsche Telekom
  • Erik G. Hansen, Johannes-Kepler-Universität Linz
  • Richard F. Haldimann, Clariant
  • Andreas Kicherer, BASF
  • Klaus Schäfer, Covestro

Wir haben Experten, die Anfang November auf der VCW-Konferenz „Circular Economy“ über die Chancen und Herausforderungen der Zirkulären Wirtschaft referiert und diskutiert haben gebeten, uns ihre Positionen zu konkreten Fragen darzulegen.

 

 

 

 

 

Steffen Wasmus, Deutsche Telekom

Einsatz von recycelten Kunststoffen verstärken

Die Kunststoffindustrie beliefert die IKT-Branche mit hochwertigen Materialien für Gerätegehäuse und Bauteile. Welche Anforderungen stellt ein großer Abnehmer wie die Deutsche Telekom im Zusammenhang mit ihrer Nachhaltigkeitsstrategie an die verwendeten Werkstoffe?

CHEManager: Herr Wasmus, als großer Kunde hat die Telekom einen gewissen Einfluss auf die Materialentwicklung. Wie kooperieren Sie mit Kunststoffherstellern in punkto Werkstoffentwicklung und welche Aspekte stehen dabei im Fokus?

Steffen Wasmus: Als ein führender europäischer Telekommunikationsanbieter wollen wir auch in Sachen Nachhaltigkeit Vorreiter sein. Wir übernehmen gesellschaftliche Verantwortung, indem wir bestrebt sind, gemeinsam mit Herstellern und Lieferanten entlang der Lieferkette unsere Produkte nachhaltiger zu gestalten. Dies gilt insbesondere auch für unsere Endgeräte. So haben wir bereits die drei Produktfamilien der Mediareceiver, Speed Phones sowie die Sinus-Familie nach den strengen Kriterien des etablierten Deutschen Umweltsiegels Blauer Engel zertifizieren lassen.

Um die Kreislaufwirtschaft zu fördern, wollen wir den Einsatz von recycelten Kunststoffen verstärken, stoßen dabei aber bislang auf das Problem, dass sich damit nicht alle Produktanforderungen umsetzen lassen. Um dies zu ändern, wollen wir einen verstärkten Dialog in der Lieferkette in Gang setzen.

„Wir wollen einen verstärkten Dialog in der Lieferkette in Gang setzen.“

Die Telekom legt großen Wert auf das Design ihrer hochwertigen Endgeräte. Welche Anforderungen stellen Sie dafür an die Materialen?

S. Wasmus: In der deutschen Chemieindustrie findet gerade eine interessante Entwicklung statt. Es zeichnen sich Werkstoffe ab, die mehr Nachhaltigkeit erlauben und trotzdem unsere Produktanforderungen erfüllen können. Sicherlich ist hier aber noch mehr Forschungsaufwand notwendig. So würden wir zum Beispiel gerne auch die Menge und Vielfalt an Additiven in den Werkstoffen vermindern.

Wie stehen Sie zu einem verstärkten Einsatz von Rezyklaten oder biobasierten Kunststoffen?

S. Wasmus: Wir haben schon heute die Anforderung nach dem Einsatz von Werkstoffen mit einem Mindestgehalt an Rezyklat. Gleichzeitig wollen wir auch mögliche Schadstoffe in den Werkstoffen vermindern - daher auch das Ansinnen, Additive zu vermindern. Biobasierte Kunststoffe wären sicherlich ebenfalls eine interessante Alternative für bestimmte Anwendungen. Wir sehen, dass die Industrie hier insgesamt in Bewegung ist und wollen die Entwicklung im Sinne unserer Nachhaltigkeitsstrategie mitgestalten.

 

 

 

 

 

 

 

Erik G. Hansen, Johannes-Kepler-Universität Linz

Kein Patent-Rezept für die Chemieindustrie

Ziel des zirkulären Wirtschaftens ist es, Ressourcenkreisläufe zu schließen, um den Verbrauch von Rohstoffen und Energie zu reduzieren. Bislang stand die chemische Industrie als Materiallieferant am Anfang vieler industrieller Wertschöpfungsketten. Doch im Zuge der zirkulären Wirtschaft werden sich die Wertschöpfungsketten verändern.

CHEManager: Herr Hansen, welchen Platz bzw. welche Rolle muss die Chemie in Zukunft einnehmen, um Circular-Economy-gerecht zu handeln?

Erik G. Hansen: Es ist richtig, dass die Zirkulärwirtschaft traditionelle Rollen in der Wertschöpfung und die Wertkette insgesamt verändern wird. Es gibt für die Chemieindustrie als Ganzes kein Patent-Rezept, sondern nur individuelle Strategien, die den unternehmensspezifischen Kontext berücksichtigen müssen. Sicher sagen kann man eigentlich nur, dass ein „einfach weiter so“ mit den größten Risiken verbunden ist: verpasste Innovationspotentiale, fehlende Differenzierung beim Kunden der Zukunft, Verlust von (neuen) Wertschöpfungsanteilen und beeinträchtigtes Image.

Innovationspotenziale können u.a. durch interdisziplinäre Kooperationen gehoben werden. Wie wird sich die Zusammenarbeit der verschiedenen Teilnehmer entlang der Wertschöpfungsketten und neuer Marktteilnehmer künftig entwickeln? Kann es künftig noch „Einzelkämpfer“ geben?

E. Hansen: Ich bin fester Überzeugung, dass die strategische Weiterentwicklung der Akteure in der Chemieindustrie in den meisten Fällen durch den Aufbau innovativer Kooperationen von statten gehen wird. Ein gutes Beispiel ist das Chemikalien-Leasing welches durch Wartung, Wiederverwendung und Recycling von Chemikalien nur ein Bruchteil der Rohstoffe und Energie benötigt. Statt punktueller Kauftransaktionen benötigt dieses Geschäftsmodell den Aufbau einer engen Beziehung zwischen Chemikalienhersteller (oder einem Drittanbieter) und dem Anwender.

„Die Zirkulärwirtschaft wird traditionelle Rollen in der Wertschöpfung und die Wertkette insgesamt verändern.“

Wie müssen sich die Kooperationspartner aufeinander einstellen, um größtmöglichen Erfolg zu haben? Gibt es hier bereits positive Beispiele?

E. Hansen: Ein Beispiel ist die Recyclatinitiative von Werner & Mertz: Hier arbeiten der Reinigungsmittelhersteller, der Verpackungshersteller, der Maschinenbau, die Abfallwirtschaft und der Einzelhandel zusammen, um Produkte in Recyclingverpackungen an den Konsumenten zu bringen. So werden Primärrohstoffe wie Polymere bereits zu 100 % durch Recyclingpolymere ersetzt. Chemiekonzerne wie die österreichische Borealis haben bereits auf diesen radikalen Wandel mit der eigenen Transformation reagiert und sich vertikal in die Abfallwirtschaft integriert: sie sind nun Eigentümer von mehreren Recyclinganlagen. Diese vertikale Integration zeigt übrigens, dass man – eine radikale Wandlung vorausgesetzt – sich durchaus auch als Einzelkämpfer in der Zirkulärwirtschaft aktiv positionieren kann.

Insgesamt, das zeigt unsere aktuelle Forschungsstudie, gibt es die drei klassische Handlungsoptionen für die Akteure: Man kann durch vertikale Integration seine eigene Position in den Wertschöpfungskreisläufen ausweiten bzw. verändern („Make“), durch strategische Partnerschaften größere Teile der zirkulären Wertschöpfung abdecken („Ally“), oder neue zirkuläre Anforderungen (wenig strategisch) durch Outsourcing abdecken („Buy“).

Richard F. Haldimann, Clariant

Transparenz entlang der Wertschöpfungskette

Nachhaltigkeit ist ein Megatrend und Unternehmen setzen sich Nachhaltigkeitsziele. Dennoch setzen sich nachhaltigere Produktvarianten von beispielsweise Kunststoffadditiven im Markt nur langsam durch. Welche Hürden stehen einer Markteinführung von nachhaltigeren Produkten im Weg und welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um dies zu ändern?

CHEManager: Herr Haldimann, wie erklären Sie den Widerspruch zwischen Geschäftsethik und Geschäftslogik, wenn es beispielsweise um den Einsatz nachhaltigerer Additive geht?

Richard F. Haldimann: Die Industrie übernimmt zunehmend Verantwortung für ihre Produkte weit über den Kauf durch den Konsumenten hinaus, während diese zunächst das Produkt kaufen, von dessen Leistung sie überzeugt sind. Die nachhaltigeren Produktvarianten sind meist die neueren, unbekannten. Häufig fehlt es noch an Transparenz, inwiefern diese Alternativen mit den bewährten Produkten konkurrieren können und wie nachhaltig sie wirklich sind. Zudem gehen viele Verbraucher noch immer davon aus, dass sie beim Kauf von nachhaltigeren Produkten einen Kompromiss hinsichtlich der Qualität eingehen müssen und nehmen einen deutlichen Preisunterschied wahr. In Märkten, in denen die Nachhaltigkeit eines Produktes jedoch transparent nachvollzogen werden kann und der Qualitätsanspruch des Verbrauchers erreicht wird, sind die neuen Produktvarianten schon heute überdurchschnittlich erfolgreich – beispielsweise bei Pflegeprodukten.

Bedarf es einer anderen Form der Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette, um dies zu ändern?

R. Haldimann: Eine wesentliche Voraussetzung für die Markeinführung nachhaltiger Produkte ist ein gemeinsames Verständnis von Nachhaltigkeit und wie diese nachgewiesen werden kann. Dazu bedarf es völliger Transparenz entlang der Wertschöpfungskette, was somit eine zweite wesentliche Voraussetzung ist. Diese kann nur dann erreicht werden, wenn Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette übergreifend zusammenarbeiten: Ein Chemieunternehmen muss verstehen, wie seine Produkte weiterverarbeitet werden, um beispielsweise die Rezyklierbarkeit von Endprodukten zu vereinfachen.

„Eine Voraussetzung für die Markeinführung nachhaltiger Produkte ist ein gemeinsames Verständnis von Nachhaltigkeit.“

Additive verleihen Polymeren bessere Verarbeitungs- und Gebrauchseigenschaften, erschweren aber die Rezyklierbarkeit von Kunststoffen. Deshalb wird der Ruf nach einer Reduzierung des Additivanteils laut. Wie reagieren Sie auf diese Situation?

R. Haldimann: Als Additivhersteller haben wir langjährige Expertise, die es uns erlaubt, Additive zu entwickeln, welche die Rezyklierbarkeit nicht beeinträchtigen. In diesem Zusammenhang sind wir schon mit einigen Additiven am Markt, die auf erneuerbaren Materialien beruhen oder die den Abfallanfall reduzieren. Neue Ideen beschäftigen sich mit Additiven, die Rezyklierbarkeit gar erst unterstützen.

Außerdem beliefern wir Kunststoffverarbeiter mit Additivmischungen, die die Qualität des Recyclingplastiks verbessern, sodass dieses auch wieder in hochwertigen Endanwendungen genutzt werden kann. Hier wären z.B. die sogenannten Kettenverlängerer zu nennen, die Polymerketten, die im Recyclingprozess beschädigt wurden, wieder reparieren. Außerdem bieten wir eine Reihe von Additiv-basierten Lösungen zur Identifizierung von spezifischen Kunststoffsorten in der Sortieranlage an, um sortenreine Wertstoffströme zu erhalten.

 

 

 

 

 

Andreas Kicherer, BASF

Nachhaltigkeitstrends die Zukunft

Der Produktionsverbund der BASF ist traditionell darauf ausgelegt, Energie- und Stoffströme zu Kreisläufen zu schließen und Ressourcen zu sparen. Hier werden Produktionsbetriebe und ihre Energieversorgung intelligent vernetzt, so dass bspw. die Abwärme eines Betriebes anderen Betrieben als Energie zur Verfügung steht. Außerdem können die Nebenprodukte einer Fabrik an einer anderen Stelle als Einsatzstoff dienen.

CHEManager: Herr Kicherer, bislang hat die chemische Industrie in linearen Wertschöpfungsketten gedacht, doch die Zirkuläre Wirtschaft wird ein Umdenken erfordern. Wie komplex ist es, die traditionellen Energie- und Stoffströme zu Kreisläufen zu schließen?

Andreas Kicherer: Durch den Produktionsverbund innerhalb der BASF sparen wir nicht nur Rohstoffe und Energie, sondern vermeiden auch Emissionen, senken die Logistikkosten und nutzen Synergien. Um das Konzept der Kreislaufwirtschaft weiter voranzubringen und Stoffströme zu schließen, arbeiten wir mit unseren Partnern in der Wertschöpfungskette zusammen. Es erfordert Kreativität, Dinge anders zu machen.

Was machen Sie denn bereits anders?

A. Kicherer: Wir entwickeln neue Geschäftsmodelle, die Wert für Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft schaffen. Der „Close-the-loops“-Ansatz zielt darauf ab, Kreisläufe zu schließen, beispielsweise indem Edelmetalle aus gebrauchten Autokatalysatoren wiedergewonnen werden. Ein weiteres Beispiel dafür ist der Biomassenbilanzansatz von BASF. Im Zuge dieses Bilanzierungsverfahrens werden erneuerbare Rohstoffe wie Bionaphtha oder Biogas aus organischem Abfall oder pflanzlichen Ölen bereits bei der Herstellung von Grundprodukten gemeinsam mit fossilen Rohstoffen eingesetzt. Der Bioanteil wird dann nach der zertifizierten Methode bestimmten Verkaufsprodukten rechnerisch zugeordnet.

Ein ähnliches Modell bauen wir im Zuge unseres „ChemCycling“-Projekts auf. Hier verwenden wir chemisch recycelten Plastikabfall in Form von Pyrolyseöl, um ihn am Beginn der Wertschöpfungskette in den Verbund einzuspeisen. Daraus können Basischemikalien hergestellt werden, die wiederum zu verschiedenen Kundenprodukten weiterverarbeitet werden. Der Anteil von Recyclingmaterial im Endprodukt wird gemäß dem Massenbilanzansatz zugeordnet.

„Wir entwickeln neue Geschäftsmodelle, die Wert für Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft schaffen.“

Kann die chemische Industrie ihre Kernkompetenzen in die künftig veränderten Wertschöpfungsketten einbringen oder wird sie völlig neue Kompetenzen aufbauen müssen?

A. Kicherer: Ein intelligentes Circular-Economy-Konzept setzt voraus, dass es bereits von Beginn an in die verschiedenen Phasen der Produktentwicklung, des Produktionsprozesses, des Produktgebrauchs und bei den Wiederverwertungssystemen integriert wird. Die innovative Kraft der chemischen Industrie ist wesentlicher Treiber für den Wandel des Wirtschaftsmodells hin zu einer zirkulären Wirtschaft.

Der generelle Trend, den Einsatz von Ressourcen zu reduzieren, wird noch durch die Sharing Economy verstärkt. Wie müssen sich Chemieunternehmen hinsichtlich ihres Produktangebots, ihres Geschäftsmodells und ihrer Unternehmenskultur darauf einstellen?

A. Kicherer: Für uns ist es wichtig zu verstehen, welche Nachhaltigkeitstrends die Zukunft prägen werden. Auf dieser Grundlage können wir unsere Strategien entsprechend ausrichten, Risiken im Blick behalten und Mehrwert für unsere Gesellschaft schaffen. In Zusammenarbeit mit den Beratungsunternehmen A.T. Kearney, Sustainable Natives und Impact Hub Berlin haben wir eine Reihe von Nachhaltigkeitsexperten auf der ganzen Welt nach künftigen Trends und Standards befragt. Dabei stand beispielsweise die Frage im Vordergrund, wie Unternehmen bis 2030 ihre Nachhaltigkeit sowohl in wirtschaftlicher, gesellschaftlicher als auch umweltpolitischer Hinsicht verbessern können. Die Studie legte Trends in sieben Branchen offen, die für unsere Geschäftsaktivitäten relevant sind: Ernährung & Landwirtschaft, Automobil & Transport, Energie & Infrastruktur, Maschinenbau & Bauwirtschaft, High-Tech & Elektronik, Konsumgüter & Einzelhandel sowie Gesundheit & Pharma. Die damit zusammenhängenden Risiken und Chancen wurden mit BASF-Experten in einer Reihe von Workshops diskutiert und werden in unsere künftige Strategie einfließen.

 

Klaus Schäfer, Covestro

Sachliche und differenzierte Betrachtung

Kunststoffe sind energie- und ressourceneffiziente Werkstoffe, Wegbereiter klimaschonender Technologien und vielseitig zu verwerten. Dennoch stehen sie in der Kritik, es wird sogar zu Verboten von Wegwerfprodukten aus Kunststoff in der EU kommen.

CHEManager: Herr Schäfer, was muss sich ändern – auf Seiten der Produzenten, der Verbraucher und der Politik – um die positiven Eigenschaften von Kunststoffen in den Fokus zu rücken?

Klaus Schäfer: Vor allem brauchen wir eine sachliche und differenzierte Betrachtung. Dabei sollte es um den Nutzen von Kunststoffen gehen, ohne die wir die Energiewende und unsere Klimaschutzziele nicht erreichen werden. Nur ein Beispiel sind Kunststoffe, die für Dämmmaterialien genutzt werden. Auf der anderen Seite müssen Kunststoffe umweltgerecht entsorgt werden. Kunststoffabfälle in der Umwelt sind nirgendwo akzeptabel. Sie stellen eine globale Herausforderung dar – es liegt sowohl an uns als Verbraucher, aber auch den politischen Rahmenbedingungen in nahezu allen Ländern der Erde, um Verbesserungen herbeizuführen. Wir brauchen vor allem wirksame Lösungen. Ein Verbot von Plastikstrohhalmen in der EU wird den Eintrag von Kunststoffen in Asien nicht stoppen – hier haben wir aber in dieser Hinsicht das größte Problem.

„Wir werden unsere ehrgeizigen Ziele zum Ressourcen- und Klimaschutz nur mit disruptiven Innovationen erreichen.“

Zirkuläre Wirtschaft ist mehr als Kunststoffrecycling und erfordert eine gesamtheitliche Betrachtung der Rohstoff- und Energiekreisläufe. Welche Erkenntnisse und Ergebnisse können Sie daraus ableiten?

K. Schäfer: Wir sehen in dem Verknüpfen von Wertschöpfungsketten und dem Integrieren des Verbrauchers hin zu einer zirkulären Wirtschaft einen sehr vielversprechenden Ansatz. Es bietet auch die Möglichkeit, verschiedene Akteure entlang der Wertschöpfungskette zu beteiligen: vom Lieferanten über den Produzenten bis hin zum Verbraucher und Abfallmanager. Am Ende sind Kunststoffe dann ein wertvoller Rohstoff, den wir besser nutzen müssen.

Wir werden unsere ehrgeizigen Ziele zum Ressourcen- und Klimaschutz nur mit disruptiven Innovationen erreichen. „Einfache“ Weiterentwicklungen werden nicht ausreichen. Ein entscheidender Aspekt beim Thema Zirkuläre Wirtschaft ist der Grundsatz der Technologieoffenheit. Zum Beispiel wenn es um die Verwertung von Materialien geht. Hier sollten die verschiedenen Möglichkeiten objektiv und ganzheitlich bewertet werden. Alle Verwertungswege sollten erforscht und weiterentwickelt werden. Wir erleben in den politischen und gesellschaftlichen Diskussionen beispielsweise eine gewisse Zurückhaltung, wenn es um die energetische Verwertung geht. Dabei ist es in manchen Fällen – am Ende eines Zyklus – die ökologisch und ökonomisch beste Option. Technologieoffenheit ist eine Grundeinstellung. Sie braucht eine Kultur, die neugierig auf Veränderung ist und sich nicht frühzeitig auf eine Lösung versteift.

Inwiefern muss die Politik Rahmenbedingungen vorgeben, um zirkuläres Wirtschaften anzukurbeln, und wo sollte sie keine zu engen Vorschriften machen?

K. Schäfer: Deutschland ist kein ressourcenreiches Land. Auch deshalb sollten wir unsere Innovationskraft nutzen, um eine klimafreundliche und ressourcenschonende zirkuläre Wirtschaft zu fördern. Wir sind bei Covestro überzeugt, dass wir Nachhaltigkeit und speziell „Circular Economy“ als Chance für wirtschaftliches Wachstum begreifen sollten. Kooperationen sind bei vielen Entwicklungen dabei der Schlüssel zum Erfolg von grundlegenden Innovationen. Es sollte also weniger um Vorschriften als vielmehr um Förderungen gehen.

Ein Beispiel: Wir setzen in Dormagen erstmals ein Verfahren ein, bei dem wir Rohöl in der Schaumstoffproduktion teilweise durch CO2 ersetzen. So kommen wir unserem Ziel, einer von Erdöl unabhängigeren Chemie, näher und machen CO2 als Rohstoff nutzbar. Davon haben Chemiker Jahrzehnte lange geträumt. Nach jahrelanger Forschung haben wir einen Katalysator entwickelt, der das bindungsscheue CO2 effizient zur Reaktion bringt. In diesem Fall ist es eine Gemeinschaftsleistung der RWTH Aachen, des gemeinsam betriebenen CAT-Centers sowie unserer Forschungs- und Produktionsbereiche. Gefördert wurde das Ganze vom Bundesforschungsministerium. Nehmen Sie ein Glied aus dieser Kette heraus und es funktioniert nicht mehr.

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