Strategie & Management

OpEx-Forum widmet sich dem Zukunftsdialog

Kann Operational Excellence einen gesellschaftspolitischen Beitrag leisten?

30.07.2017 -

Die Verflechtungen zwischen Wirtschaft und Gesellschaft werden immer enger, die wechselseitigen Einwirkungen entsprechend durchdringender. Darum stellt sich die Frage, ob und inwieweit Verbesserungsmethoden aus der Wirtschaft auch für die gewaltigen Herausforderungen der Zukunft wertstiftend nutzbar gemacht werden können. CHEManager sprach mit Conor Troy, CEO der Conor Troy Unternehmensberatung, über mögliche Ansätze und die konkrete Ausführung auf dem bevorstehenden OpEx-Forum. Das Gespräch führte Dr. Volker Oestreich.

CHEManager: Herr Troy, Sie sind seit Jahren bei den großen Unternehmen aus Chemie-, Pharma- und Konsumgüterindustrie als Berater zum Thema Operational Excellence tätig. Industrie 4.0 zieht herauf und es stellt sich die Frage, ob damit nicht die Bemühungen für Operational Excellence überflüssig geworden sind?

Conor Troy: Keineswegs. Wir sollten Operational Excellence vielmehr als notwendige Grundlage und Voraussetzung für die gelingende Digitalisierung ansehen. Aber wir werden auch ein neues Verständnis für den Begriff Operational Excellence entwickeln müssen. Durch die digitale Disruption ändern sich grundlegende Rahmenbedingungen, die nun wesentlich offenere und beweglicherer Herangehensweisen für erfolgversprechende Strategien verlangen. Die Programme dürfen sich nicht mehr nur auf Teilschritte im Prozess vom Kundenwunsch bis zur termingerechten Zustellung richten, sondern müssen von sich aus über eigene Grenzen hinausdenken und sich schnell anpassen können. Dazu können und sollen Operational Excellence Programme In Zukunft - auch auf Basis valider Daten -befähigen.

Womit müssen wir uns im Rahmen der Digitalisierung in den kommenden Jahren voraussichtlich intensiv auseinandersetzen?

Conor Troy: Es wäre zu kurz gegriffen, Digitalisierung und Industrie 4.0 als Herausforderung lediglich in Industrieproduktion, Dienstleistung und Verwaltung anzusehen. Es wird zu einer Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft kommen, deren Antlitz sich trotz vieler Vermutungen und Szenarien keiner wirklich vorstellen kann. In der engen und intensiven Zusammenarbeit mit unseren Kunden erfahren wir eine starke Verunsicherung: die Systeme werden immer komplexer und interdependenter, ihre Volatilität höher. Wie sollen sich unter solchen Umständen Prozesse leiten und kontrollieren lassen? Wir glauben, dass neue Organisations-, Kommunikations- und Führungsformen neben dem Einsatz der technischen Möglichkeiten notwendig sind. Darüber muss in den Unternehmen über Hierarchien und Silos hinweg Einigkeit erzielt werden. In diesem Sinne erarbeiten wir mit unseren Kunden die notwendigen Schritte für den nachhaltigen Weg zur erfolgreichen digitalen Transformation in dialogischen Projekten.

Welches sind denn aus Ihrer Sicht die relevanten gesellschaftlichen Top-Themen?

Conor Troy: Herausforderungen der Gesellschaft gibt es viele und große, denken wir nur an Energiewende und effizienten Umgang mit Ressourcen, Migration und Urbanisierung, intensivierte Agrarwirtschaft. Alle Themen werden von der Digitalisierung und Vernetzung quasi als Querschnittsfunktion überspannt.

Mich bewegt bei unserer Tätigkeit immer wieder die Frage, in wie weit „besser machen“ wirklich besser macht. Über den direkten Wertbeitrag bei unseren Kunden – primär zu Themen wie Operational Excellence oder Lean Management – beeinflussen wir ja die Industrie insgesamt, und damit auch die Gesellschaft. Wenn es durch die Bemühungen der vergangenen Jahre den Firmen gut geht, dann geht es auch uns allen gut. Und dadurch erhalten wir die Freiheit für Offenheit neuen Denkansätzen und Lösungen gegenüber. Auf diese Weise können wir auch den globalen Herausforderungen gut begegnen, wobei wir eine gute Zukunft immer als für den Menschen gut verstehen - für diese Freiheit zur Offenheit wollen wir auch weiterhin vorne bleiben.

Warum glaubt die Operational Excellence Community und speziell Conor Troy, zu den großen Zukunftsthemen der Industrie und Gesellschaft Substantielles beitragen zu können? 

Conor Troy: Man sagt uns ja nach, dass wir uns nur in einzelnen Betrieben der Produktion mit der Anwendung sogenannter Lean Methoden beschäftigen oder Amortisierungs-Daten für kostenbasierte Entscheidungen zusammentragen. Aber das wird unserer Community nicht gerecht.

Wir glauben schon, dass wir mit unserer Erfahrung zur Beschreibung von „future states“,  Skizzierung und anschließender Umsetzung von Change Management bei gleichzeitiger „Erdung“ zu dem ökonomisch Machbaren in der Lage sind, beachtenswerte Beiträge zu konstruktiven Zukunftsdialogen der großen Themen leisten zu können. Das ist nicht nur ein Privileg der Top-Manager und Politiker in Davos oder der G20-Regierungschefs in ihren aufsehenerregenden Treffen.

Bleiben wir gleich bei Treffen: Bei dem von Ihnen organisierten OpEx Forum, das demnächst im Schloss Schwetzingen stattfindet, wird es etwas ruhiger zugehen als in Davos oder Hamburg …

Conor Troy: Vielleicht äußerlich ruhiger, aber mindestens genau so engagiert und vielleicht wirkungsvoller in der Umsetzung. Wir wollen im Kreis von Führungskräften aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik die eben genannten Herausforderungen thematisieren, wobei in diesem Jahr der Schwerpunkt bei der „Digitalisierung“ liegen wird.

Wir wollen OpEx mit Fokus auf gesamtgesellschaftliche Herausforderungen diskutieren und überlegen, wie wir das „Bessermachen“ - unsere Kompetenzen und Erkenntnisse aus Prozessverbesserungen im Kleinen wie Großen - auf das Gelingen einer guten Zukunft für die Menschen übertragen können. Um Impulse zu setzen und Zukunft aktiv zu gestalten, bringen wir auf dem OpEx Forum eine Community für Erfahrungsaustausch, Wissenstransfer und Networking zusammen.

Conor Troy steht für Operational Excellence in der Prozessindustrie. Werden das auch die Schwerpunkt-Branchen des OpEx-Forums sein?

Conor Troy: Wir als Spezialisten für Prozessindustrie würden uns freuen, wenn andere Branchen uns über ihre Erfahrungen zu Industrie 4.0 und Big Data unterrichten und ihre Erfolgsfaktoren mit uns teilen. Wir werden dann allerdings die Übertragung in die Prozessindustrie in interaktiven Workshops diskutieren und erarbeiten müssen.

Big Data und Industrie 4.0 setzen voraus, dass bei den Mitarbeitern vom Top Management bis zum Mitarbeiter in der Anlage die Bereitschaft vorhanden ist, etwas zu ändern. Das ist auch ein beachtlicher Change-Prozess. Haben Sie vor, auf der Veranstaltung auch das nötige Change-Management anzusprechen?

Conor Troy: Natürlich ist in unserem Zukunftsdialog ein zentraler Platz für die Diskussion der bevorstehenden Change-Prozesse und der Frage, wie sie organisiert und bewältigt werden könnten, vorgesehen. Aber es besteht auch Unsicherheit darüber, in welche Richtung Bedarf und Nachfrage gehen wird und wie man dies erfassen könnte. Man schätzt, dass in den nächsten 5 Jahren die Hälfte aller Geschäftsmodelle spürbar disrupted werden. Damit verbunden ist zwangsläufig ein grundlegender Change-Bedarf. Lösungen hierfür sind nicht leicht vorzudenken. Im Zweifelsfall muss der Anbieter vor dem Kunden wissen, was dieser wann, wo und in welcher Spezifikation braucht. Wie soll das gehen? Wir halten professionelle multilaterale Dialoge zu kommenden und jetzt schon absehbaren Turbulenzen für die geeignete Basis für nachhaltige und flexible Change-Prozesse.

Wollen Sie auf dem OpEx-Forum auch Möglichkeiten besprechen, wie man die Richtung eines digitalen Umbruchs oder der berühmten disruptiven Prozesse ausmachen kann?

Conor Troy: Das ist der Blick in die Kristallkugel. Aber es gibt Ansätze, das Thema systematisch anzugehen, zum Beispiel VUCA, das für Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity steht. Die Begriffe beschreiben ganz gut, womit man sich als Unternehmen der klassischen Wirtschaft verstärkt beschäftigen muss. Auch unter diesen Randbedingungen ist es für mich wichtig, OpEx mit Fokus auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen zu betrachten, “Excellence” auch als Kultur des Miteinander zu verstehen, Werte zu vermitteln und schließlich, lassen Sie es mich in meiner Muttersprache sagen, unserer Devise „Staying ahead with sustainable solutions“ troy zu bleiben.

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