29.10.2015
ThemenStrategie

Wir brauchen ein besseres Start-up-Ökosystem in Deutschland

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  • Mirco Dragowski, Geschäftsführer, Bundesverband Deutsche Startups

Der Bundesverband Deutsche Startups vertritt die Interessen von über 400 deutschen Start-up-Unternehmen. Er wurde im Jahr 2012 gegründet und wird heute in dreizehn Bundesländern durch engagierte Gründer regional repräsentiert. Einmal im Jahr veröffentlicht der Verband den Deutschen Start-up-Monitor und liefert damit fundierte Fakten zur Entwicklung von Start-ups in Deutschland. Dr. Andrea Gruß befragte Geschäftsführer Mirco Dragowski zu den Aufgaben und Zielen des Verbands.

CHEManager: Herr Dragowski, was macht die Kultur eines Start-ups aus?

M. Dragowski: Start-ups sind junge wachstumsorientierte Unternehmen, bei denen Zeit ein sehr wichtiger Faktor ist und die daher sehr umsetzungsstark und schnell sind. In den Unternehmen gibt es in der Regel flache Hierarchien und eine intensive Einbindung der Mitarbeiter in die Entwicklung des Unternehmens. Start-ups verbindet auch, dass sie aufgrund einer Technologie bzw. eines Geschäftsmodells innovativ sind.

Welchen Beitrag leisten Start-ups zur Zukunft des Wirtschafts- und Technologiestandorts Deutschland?

M. Dragowski: Start-ups schaffen Arbeitsplätze: aus dem Deutschen Start-up-Monitor 2015 ergibt sich, dass deutsche Start-ups durchschnittlich 17,6 Arbeitsplätze schaffen, in Berlin sogar 27,7. Sie wollen in den kommenden zwölf Monaten im Durchschnitt acht neue Mitarbeiter einstellen – somit werden im nächsten Jahr durch die bundesweit schätzungsweise 6.000 Start-ups voraussichtlich fast 50.000 neue Stellen in der Start-up-Szene entstehen.

Start-ups fördern auch Innovation, vor allem disruptive Innovationen, die nicht innerhalb von Unternehmen entstehen, sondern immer von außen kommen. Die Start-ups in der grünen Chemie sind ein wichtiger Player bei der Chemiewende und helfen beispielsweise dabei mit, wesentlich ressourcensparender produzieren zu können.

Ihr Verband engagiert sich für ein gründungsfreundliches Deutschland. Was muss sich ändern?

M. Dragowski: Wir setzen uns für bessere Rahmenbedingungen ein, damit die Zahl der Start-up-Gründungen in Deutschland weiter steigt. In unserer deutschen Start-up-Agenda formulieren wir konkrete Vorschläge: diese gehen von einer frühen Einbindung der Entrepreneurship Education in Schulen und Hochschulen über ein angemessenes Insolvenzrecht, das eine echte Kultur der zweiten Chance ermöglicht, hin zu einer Willkommenskultur für ausländische Fachkräfte und Gründer.

Da ein schnelles Wachstum Ressourcen kostet, finanzieren sich viele Start-ups über Eigenkapital. Hier fordern wir bessere Rahmenbedingungen für Venture Capital in Deutschland und benennen Schritte, damit wir mehr Business Angels gewinnen – für mehr erfolgreiche Gründungen in Deutschland. Denn gerade diese Investoren mit den beiden „Flügeln“, Finanzen und Branchen-Know-how/Netzwerk, beteiligen sich an den Start-ups in der frühen besonders risikoreichen Phase. Um neuen Geschäftsmodellen die Luft zum Atmen zu lassen, müssen bei der Regulierung und auch bei neuen Gesetzen und Rechtsverordnungen Start-ups immer im Blick der Handelnden sein.

Welche Unterstützung bieten Sie Ihren Mitgliedern, speziell Unternehmensgründungen in der Chemie?

M. Dragowski: Wir vertreten die Interessen der Start-ups gegenüber Politik und Verwaltung und vermitteln Ansprechpartner in diesen Bereichen, zum Beispiel in Fragen zu Laborflächen als Start-up relevante Infrastruktur. Wir fördern die Sichtbarkeit der Start-up-Szene in der Öffentlichkeit und vernetzen sie mit weiteren Akteuren wie Investoren. Beim MentoRing bringen wir unsere Mitglieder mit erfahrenen Mentoren aus der etablierten Wirtschaft zusammen. Mit unseren Delegationsreisen in das Silicon Valley, New York, Boston oder Israel unterstützen wir Start-ups auch bei der Internationalisierung und beim Austausch mit anderen Ökosystemen.

Mit der Netzwerkreihe Chemistry4Innovation schaffen wir eine Plattform, auf der Gründer und Gründungsinteressierte ihre Ideen vor Entscheidungsträgern aus der Chemiebranche präsentieren können. Aktuell engagieren sich über 70 Ehrenamtliche im Verband für ein besseres Start-up-Ökosystem in Deutschland.

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